Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Celeste
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Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Celeste »

Ihr Lieben, es geht immer weiter zurück statt vorwärts.
Heute Mittag habe ich die Kleine schlafen gelegt und ich war selbst am einnicken, als ich so stark zusammengezuckt bin, dass ich wieder eine Panikattacke hatte. Seitdem geht es mir wieder ziemlich schlecht.

Das Gefühl von starker Angst, Hoffnungslosigkeit, sehr depressive Stimmung, starke Erschöpfung, sehr gereizte Nerven, als würden die Nerven gleich zusammenbrechen.
Dadurch setzt sich die Gedankenspirale in Gang und das Katastrophendenken fängt wieder an: Ich verliere meine Kinder, ich muss für den Rest meines Lebens in die Psychiatrie und werde ,chronisch‘ krank, es entwickelt sich eine Psychose, dann eine Schizophrenie und dann bin ich angelangt ... an der Endstation - Endstation meines Lebens.

Bald jährt sich die PPD .. der einzige Fortschritt: Ich kann denn Alltag mit meinen Kindern meistern. Es fühlt sich nur irgendwie an, als würde ich das bald auch wieder nicht mehr können.

Was ist nur los? Warum gibt es nur so wenig gute Tage? Und so viele schlechte?

Ich habe auch wieder die Angst schlafen zu gehen.

Dieser Alptraum wird niemals zuende gehen.
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt
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Claudia
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Claudia »

Hallo Du Liebe,
fühl Dich erstmal gedrückt von mir.

Ich habe bei meinen "Rückschritten" auch immer überlegt woran das nun liegen könnte. Wenn ich mir das dann irgendwie erklären konnte, ging es mir meist ein Stückchen besser.

Vielleicht verarbeitest Du gerade die letzte Therapiesitzung? Bist traurig weil die Therapeutin auch nicht die Richtige für Dich ist? Da können glaube ich viele Gedanken hoch kommen. Die kenne ich leider nur zu gut.
Wie sieht es mit der Medikation aus? Vielleicht liegt es doch am Absetzen des Olanzapins?

Und auch, wenn Du selbst die Fortschritte als klein empfindest: es sind Fortschritte! Und es werden mit Sicherheit auch weitere folgen!

Ich wünsche Dir sehr, dass es Dir bald besser geht!
Geburt meiner Tochter 12/2009
PPD mit ZG und Angstzustände seit 02/2010
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Verhaltenstherapie
Rückfall 2011 nach Absetzen der Medikamente
Erneut Citalopram und Opipramol
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Celeste
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Celeste »

Liebe Claudia,

danke dir für deine liebe Nachricht.
Ich weiss nicht, was der Auslöser ist. Leider.
Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die Symptome so stark ausgeprägt sind, wenn man etwas verarbeitet.

Dass es vom Absetzen des Olanzapins kommt, glaube ich immer noch nicht. Nehme ja jetzt schon länger kein Olanzapin mehr und hatte wirklich gute Tage. Aber leider eben nur sehr sehr wenige.

Ich würde mir einfach nur wünschen, morgen aufzuwachen und festzustellen, dass alles nur ein ganz ganz schlimmer Alptraum war.
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Claudia
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Claudia »

Das kann ich gut verstehen und diesen Wunsch haben bzw hatten wir hier wohl alle in dieser schweren Zeit.

Du hast ja einiges durchgemacht mit Deinem Therapeuten, vielleicht spielt das doch noch eine Rolle. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du schnell einen passenden Therapieplatz findest! Ich glaube, wenn Du jemanden hast, bei dem Du Dich gut aufgehoben fühlst, bringt Dich das bestimmt einen großen Schritt weiter. Und zunächst hilft bestimmt auch ein telefonischer Kontakt, wie in Deinem anderen Beitrag geschrieben wurde.

Du wirst auf jeden Fall wieder gesund! Glaube fest daran! Du hattest schon gute Tage während der PPD und die werden irgendwann immer mehr!
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Nelli
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Nelli »

Hattest du nicht noch eine andere Therapeutin in petto? Dir fehlt die Therapie. Bitte versuche es weiter.
Gibt es niemanden in der Nähe von der Licht und Schatten-Ärzteliste?
Dass du "nur" den Alltag mit KIndern leistest, ist eine Riesensache. Ein Riesenschritt.
Ein Therapeut muss nicht unbedingt besonders viel Ahnung von einer PPD haben, sondern vom Krankheitsbild,
das letztlich das einer Depression ist. Jemand, der dir hilft, aus diesen Mustern auszubrechen.
Deine jüngste Panikattacke ist sicher das Ergebnis deiner Fehlschläge betreffs Therapie.
Such weiter, du wirst jemanden finden.
Nelli
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Marika
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Marika »

Hallo,

ich drück dich auch mal aus der Ferne!

Ein Tief kann so viele Auslöser haben - auch solche die für unsere Logik keine sein können oder dürften. Du hast in letzter Zeit einiges erlebt: die Aussprache mit deinem alten Therapeuten, die Enttäuschung mit der Neuen. Du stemmst unglaublich viel im Alltag und das mit mehr als einem Kind. Ich war teilweise schon mit einem Kind heillos überfordert. Dann kann der Zyklus eine enorme Rolle spielen - Kurz vor Einsetzen der Regel oder rund um den Eisprung kann es heftig sein. Es reichen kleinste Ereignisse um dieses sensible Gefüge gerade am Anfang durcheinander zu bringen.

Hast du in der Zwischenzeit schon mal deine Medikation mit deinem behandelnden Arzt besprochen? Ich meine da war mal was geplant, oder irre ich mich da jetzt?

Führst du ein Glückstagbuch? Da schreibt man jeden Tag mindestens eine Situation rein, die schön war - auch wenn man ein Tief hat und es noch so klein erscheint. Das trainiert das Gehirn. Gerade jetzt wo du mit der Therapie in der Luft hängst, könnte das ein Anker sein. Du könntest dich so auch besser erinnern, was schon alles besser ist wenn du in einem Tief bist.

Und: ich hatte 2,5 Jahre lang teilweise so heftige Tiefs, die sich so anfühlten, als würde ich wieder ganz unten sein. Ist aber nicht so. Man geht 2 Schritte vorwärts - dann kommt ein Tief und man geht einen rückwärts. Insgesamt gewinnst man trotzdem immer einen Schritt nach vorne. Das ist auch bei dir so. Du fühlst es im Moment nur nicht, weil du total im Tief hängst. Aber du gehst nicht mehr ganz zurück, du wirst das schaffen.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Celeste
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Celeste »

Danke allen für die lieben Antworten.

Ich kann diese Schwankungen echt nicht verstehen.
Heute mittag war es für ca. 1-2 ok, dann wieder total schlecht. Wie kann das sein? So viele Schwankungen am Tag.
Ich weiss nicht, wie eure Tiefs sich anfühlen oder angefühlt haben.
Ich meine mit einem Tief nicht ,schlechte Laune‘ oder mal genervt sein. Sondern tiefes seelisches Leiden. Als wäre ich und mein ,sein‘ nicht normal. Unbegründete starke Angst, Unruhe, sehr depressive Stimmung, Hoffnungslosigkeit und Überforderung.

Kann das irgendjemand nachvollziehen?
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Mel
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Mel »

Liebe Celeste,
ein klares Ja von mir und bestimmt von vielen anderen auch. Es ist absolut nachvollziehbar, denn ich habe genau das über lange Zeit immer wieder und manchmal auch permanent erlebt. Auch ich kenne ganz normale schlechte Laune aus der Zeit vor der PPD, und kann dir versichern, dass diese auch bei mir nichts mit der schlimmen Traurigkeit, Angst und Verzweiflung gemeinsam hatte. Es fühlt sich an wie ein Alptraum, aber das geht vorbei!
Du schaffst auch dieses Tief zu überwinden, glaube mir!
Auch ich glaube, dass evtl. eine Anpassung der Medikation vielleicht sogar Besserung bringen könnte, damit du nicht mehr ganz so tief fällst. Und gib nicht auf mit der Therapie- es gibt gute Therapeuten. Manche hier brauchen mehrere Anläufe bis sie das passende finden. Es ist leider ein Ausprobieren und es „verbraucht“ Kraft, die du meinst, momentan nicht zu haben. Aber du hast sie. Du hast es bis hierher geschafft, also schaffst du es auch weiter.
Fühl dich gedrückt 🧡
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Sertralin,
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen
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Marika
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Marika »

Hallo Celeste,

auch von mir ein klares "Ja" - ich kenne das ebenfalls - am schlimmsten war es im ersten Jahr meiner PPD. Für mich habe ich herausgefunden, dass ich unbedingt Ablenkung brauche. Ich bin also schon frühmorgens mit Baby im Kinderwagen raus in die Stadt. Habe mich da z.b. mit einer Freundin auf einen Kaffee getroffen. Unter Leuten ging es mir immer deutlich besser und ich kam viel besser mit einem Tief klar. Auch Nachmittags hatte ich nie Leerlauf, entweder ich war eingeladen, oder es kam jemand zu mir. Dafür habe ich mir immer schon am Abend einen Tagesplan für den nächsten Tag gemacht um Struktur zu haben. Natürlich fiel es mir manchmal unglaublich schwer raus zu gehen, aber immer wenn ich es geschafft hatte, ging es mir besser. Ablenkung war für mich ein wichtiger Schlüssel.

Und weil du fragst wie ich sein Tief für uns angefühlt hat: vernichtend, wie ein Alptraum, schreckliche Angst die ZG in die Tat um zu setzen, Panikattacken, das Gefühl als würde es einen innerlich zerreißen... einfach nur schrecklich. Wir wissen also ganz genau, was du meinst!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
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Elisabeth77
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Elisabeth77 »

Liebe Celeste, auch ich keine diese unsagbaren Tiefpunkte, die oft ohne erkennbaren Auslöser über einen herfallen. Nein, mit schlechter Laune oder Verstimmung hatten diese bei mir nichts zu tun....es war viel massiver, von körperlichen Schmerzen begleitet.
Wie schon geschrieben, finde auch ich dass Ablenkung oft helfen kann. Natürlich ist es super schwierig, in Phasen, in denen man kaum die Kraft hat das alltäglich zu bewältigen auch noch aktiv zu sein. Aber es kann funktionieren. Mir half es einfach spazieren zu gehen mit der Kleinen, zu meinen Eltern fahren (bin auch kurzfristig für ein paar Wochen dort eingezogen). Gibt es für dich Methoden, um dich abzulenken?
Ich weiß, dass du einem weiteren Medikament kritisch gegenüber stehst, aber ich würde auch nochmals die medikamentöse Einstellung mit dem Arzt besprechen. Glaubst du, dass man da noch was verbessern kann? Wie hilft dir das Promethazin als Bedarf? Hilft es dir die Tiefpunkte abzufangen?
Nelli
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Nelli »

Liebe Celeste,

sei dessen versichert, dass jede in diesem Forum mit "Tief" ein existentielles Tief meint, so wie du.
Ich würde auch die Medikation überdenken, ich nehme drei Medikamente, zum Teil ich Höchstdosis und die haben mir mein
Leben zurückgegeben, ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Bedenke: es geht hier um die Akutphase, du musst die Medikamente
nicht ein Leben lang nehmen. Und: die Therapie!
Für mich war Ablenkung auch DER SChlüssel: dadurch lernt das Gehirn wieder, sich in normalen Strukturen zu bewegen. Und glaub mir, ich hatte Panik davor, mit dem Hund spazierenzugehen, aber ich habe es gemacht.

Nelli
Löwenmutter
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Löwenmutter »

Du liebe...
Ich kann mich dem absolut anschließen. Ablenkung hilft! Ich habe mich mit andere Müttern getroffen, bin mit meinen Eltern spazieren gegangen, mit den Kindern in die Bücherei, ins Schwimmbad... alles was „ normale Mütter „ auch so machen. Es hat mir natürlich keinen Spaß gemacht, im Gegenteil... eine wahnsinnige Überwindung ist das. Man fühlt sich ja wie die Hauptperson in einem Horrorfilm. Aber es hilft trotzdem. Es sind ja viele Säulen die zur Genesung führen.
Deine Medikamente, die Psychotherapie, das stoische Weitermachen im Alltag und nicht zu vergessen die Zeit!!!
Bleibe tapfer, wir alle kennen was du fühlst. So oder so ähnlich ging es uns auch und man wird wieder gesund.
1. Kind 2013 gesund und glücklich
2. Kind 2015 gesund und glücklich
3. Kind 2018 PPD ( MuKi- Klinik verhaltenstherapie escitalopram)
4. Kind 2020 Mini-PPD überstanden
Maria2020

Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Maria2020 »

Liebe Celeste,

ich kann mich allen nur anschließen was das TIEF angeht!

So wie du es beschreibst:
„ Ich meine mit einem Tief nicht ,schlechte Laune‘ oder mal genervt sein. Sondern tiefes seelisches Leiden. Als wäre ich und mein ,sein‘ nicht normal. Unbegründete starke Angst, Unruhe, sehr depressive Stimmung, Hoffnungslosigkeit und Überforderung.“

Genau so versuche ich es Außenstehenden auch immer zu beschreiben und ich finde es kann wirklich nur jemand verstehen was damit gemeint ist, der es selbst durchgemacht hat. Man denkt wirklich es wird nie wieder besser, aber es wird besser. Bei mir hat Ablenkung auch schon in meiner ersten PPD sehr geholfen und diesmal mache ich es auch so und merke wirklich wie gut es mir tut. Sich zu überwinden ist echt ein Kampf aber wenn man es ein paar mal gemacht hat dann ist es wieder das normalste der Welt rauszugehen.

Und was die Medikamente angeht, davon würde ich gar keine Angst haben. Die wirst du nicht dein Leben lang nehmen müssen. Halte durch und wenn was ist dann schreib uns im Forum. Keiner wird dich besser verstehen als wir.
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Marika
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Re: Schlimmes Tief seit ein paar Stunden

Beitrag von Marika »

Liebe Celeste,

wie geht es dir mittlerweile? Ich denke grad an dich und da du dich gar nicht mehr gemeldet hast, wollte ich mal nachfragen. Jedenfalls hoffe ich, dass wir dir ein bisschen helfen konnten.

Freue mich auf Rückmeldung!
Liebe Grüße von
Marika

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