Stationär ja oder nein

Infos, Tipps und Erfahrungen mit Mutter-Kind Einrichtungen

Moderator: Moderatoren

Antworten
Julia
Beiträge: 36
Registriert: 08:10:2018 13:18

Stationär ja oder nein

Beitrag von Julia » 15:07:2019 13:12

Hallo zusammen,

ich bin an einem Punkt an dem ich in Erwägung ziehe doch noch stationär zu gehen. Der Gedanke lässt mich nicht so richtig los. Im Grunde würde ich es mir ein bisschen wünschen um einfach mal raus zu kommen. Jetzt kommt jedoch das ABER... ich kann die Kinder doch nicht so lange allein lassen und mitnehmen ist auch nicht unbedingt das was ich will weil ich den großen nicht aus seiner gewohnten Umgebung raus reißen möchte jetzt wo er sich gerade schön im Kindergarten einlebt. Dann habe ich auch noch bei einem Theater zugesagt um da zu soufflieren die kann/möchte ich auch nicht hängen lassen. Ich stecke in einer Zwickmühle.

So wie es jetzt ist kann es aber auch nicht bleiben. Ich funktioniere als Mutter, als Ehefrau, in der Arbeit und als Freundin, nur ich komm mit mir einfach nicht klar. Kann das jemand nachvollziehen? Ich bin einfach nur erschöpft und ausgelaugt und komm aber auch nicht zur Ruhe selbst wenn ich etwas Zeit für mich habe. Ich stehe innerlich so unter Strom, das Opipramol soll mir dabei erstmal helfen, habe gestern Abend die erste Tablette genommen.

Ich gehe wöchentlich zu einer Psychologin, das tut mir auch gut. Aber sonst schaff ich es einfach nicht z.B. regelmäßig Sport zu machen. Da bin ich selbst schuld weil ich meinen Hintern nicht hoch bekomme. Vielleicht könnte ich mit einem stationären Aufenthalt zumindest mal etwas in die pushen kommen.

Nachdem es bei mir nicht akut ist bin ich zudem auch unsicher ob ich überhaupt stationär aufgenommen werden würde...

Sorry wenn ich schon wieder so viele Gedanken hier rein geschrieben habe... das beschäftigt mich einfach gerade und ich weiß aber keine Lösung. :(

Liebe Grüße Julia
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
07/2019 Opipram 50mg abends
10/2019 stationärer Aufenthalt 7 Wochen > Escitalopram 10mg

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 327
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Kikke » 15:07:2019 16:22

Hey,

Ich war selber in der Psychiatrie. Du musst dir das gut überlegen. Es kann helfen, es ist aber nicht einfach, dort zu sein.

Hast du diesen Gedanken mit deiner Psychologin besprochen? Es gäbe ich noch die Möglichkeit einer Kur. Du könntest zum Beispiel dein jüngstes Kind mitnehmen oder beide.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Julia
Beiträge: 36
Registriert: 08:10:2018 13:18

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Julia » 15:07:2019 20:11

Hallo Kikke,

inwiefern meinst du das es nicht einfach war dort zu sein?
Das mit der Kur hab ich auch überlegt. Meine Hausärztin war aber nicht so positiv eingestellt weil sie sagte das es für mich wohl nicht so viel Erholung ist wenn beide Kinder dabei sind in einer fremden Umgebung und ich allein mit den zweien. Ok den großen könnte man vielleicht tatsächlich zuhause lassen wobei er derjenige ist der aufgeschlossener wäre und der kleine ist eher anhänglich.

Ja, den Gedanken hat meine Psychologin lustigerweise genau an dem Tag von allein angesprochen als ich es ansprechen wollte da ich einen Tag zuvor mal ein bisschen gegoogelt habe. Zudem hat auch meine Hausärztin unabhängig von meiner Psychologin eine Auszeit für mich von 3-4 Wochen angesprochen eben in Form eines Klinikaufenthalts. Wobei sie auch direkt gesagt hat das es eigentlich allein am idealsten wäre und sie aber versteht wenn das mit zwei kleinen Kindern nicht ganz einfach ist.

Hm, ich weiß einfach nicht was ich machen soll. Habe das Gefühl auf der Stelle zu treten oder vor einer großen Mauer zu stehen und kommt nicht drüber. Ich bräuchte jemanden der mir die Entscheidung abnimmt oder mir einen gewaltigen Tritt in den Hintern verpasst. Ich müsste mich einfach zusammen reißen aber wenn ich mich schon bei allem anderen zusammen reiße um zu funktionieren dann habe ich für mich keine Energie mehr.
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
07/2019 Opipram 50mg abends
10/2019 stationärer Aufenthalt 7 Wochen > Escitalopram 10mg

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 327
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Kikke » 15:07:2019 21:06

Ich meine damit,dass du dann in der Psychiatrie bist. Das muss gut überlegt sein. Du bist dort in einem gewöhnungsbedürftigen Umfeld. Es sind Mitpatienten da, wahrscheinlich teilst du dir ein Zimmer. Du musst dich ab und anmelden. Du hast Kontakt mir den Geschichten der anderen.
Dir wird geholfen. Du wirst überwacht und medikamentös gut eingestellt. Du bekommst einen Tagesplan.

Ich habe sie Psychiatrie als Ort empfunden, der mich akut als der Hölle geholt hat. Aber zur Ruhe kommen und Energie tanken war es nicht. Vlt kann es so sein. Ich habe die Mitpatienten und mich aber als so gefangen in der Krankheit empfunden, dass es um das Wiederherstellen einer Stabilität ging, um zu existieren.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 327
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Kikke » 15:07:2019 21:07

Du Entscheidung kann dir leider niemand abnehmen. Wenn du den Schritt gehen willst, wird es dir bestimmt helfen.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Julia
Beiträge: 36
Registriert: 08:10:2018 13:18

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Julia » 16:07:2019 18:56

Oje ich fühl mich gerade ziemlich naiv. Tut mir leid!
Du hast natürlich recht, das hatte ich noch nicht bedacht. Ich habe bisher nur das für mich vielleicht positive gesehen. Theoretisch wäre an die Klinik an die ich gedacht habe auch eine Rehaklinik angebunden.
Ich versuche jetzt erstmal ein bisschen „Therapie“ nach Hause zu holen das ich wirklich aktiv Freiraum für mich finde und da was entspannendes mache oder Sport.

Jedenfalls danke für deine Offenheit! Und natürlich weiß ich, dass mir die Entscheidung keiner abnehmen kann.
Schönen Abend!
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
07/2019 Opipram 50mg abends
10/2019 stationärer Aufenthalt 7 Wochen > Escitalopram 10mg

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 327
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Kikke » 16:07:2019 21:33

Vlt gibt es auch die Möglichkeit, dir eine Gruppe zu suchen. Vlt hilft der Austausch mit anderen. Mir hat die Krabbelgruppe sehr geholfen. Ich habe die quasi als Selbsttherapie genutzt. Man merkt, dass es andren genauso geht, mit oder ohne Krankheit.

Ich kenne deine Situation nicht, ich fühle nicht, was du fühlst, ich kann nur von mir sprechen: die Psychiatrie war der allerletzte Weg für mich. Sie hat mir geholfen, trotzdem muss ich dieses Päckchen, dort gewesen zu sein, für immer tragen. Mit all den guten und schlechten Seiten.

Versuche, in dich reinzuhören. Wenn es keinen anderen Weg gibt, dann geh hin.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Christina
Beiträge: 50
Registriert: 27:04:2018 20:41

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Christina » 17:07:2019 13:03

Hallo Julia,
ich war auch 6 Wochen stationär und 7 Wochen teilstationär in der Psychiatrie. Und ich persönlich fand es super. War ohne Kind dort und dadurch hatte ich Zeit für mich. Zeit für Therapien, für Bewegung, Schlaf, Gespräche und um wieder einigermaßen fit zu werden. Ich bereue keinen Tag dort gewesen zu sein und würde das auch sofort wieder tun und auch weiterempfehlen. Gerade die Gespräche mit Mitpatienten haben mir dabei extrem viel gebracht. Denn Personen, die auch Depressionen haben, verstehen einen einfach besser (Und ich war die einzige auf Station mit Wochenbettdepression). Wer sowas noch nicht hatte, kann die Tragweite gar nicht nachempfinden. Ich hatte einen tolle Burn-out-Zimmergenossin mit der ich stundenlang gesprochen habe. Man konnte unterm Tag hingehen wo man wollte, eingesperrt fühlte ich mich dort nie. War ja freiwillig dort und nicht auf der "Geschlossenen".

Ich persönlich kann es also nur empfehlen in eine Klinik zu gehen. Langfristig bringt es glaub ich mehr als daheim im Alltag rumzudoktern. Man bekommt einfach eine umfassendere Betreuung und mehr Wissen über die eigene Krankheit.

LG
Christina
Seit Geburt meiner Tochter im Oktober 2017 an PPD erkrankt.
5 Wochen stationär ohne Kind
7 Wochen Mutter-Kind-Tagesklinik
Medis: Sertralin, Bupropion, Quetiapin, Progesteron in 2. Zyklushälfte
Psychotherapie

Juli 2018: Quetiapin wegen Restless Leg-Syndrom abgesetzt
Juli 2019: Jetzt wird ausgeschlichen...Sertralin auf 100mg
September 2019: Sertralin auf 50mg

Julia
Beiträge: 36
Registriert: 08:10:2018 13:18

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Julia » 21:07:2019 22:05

Vielen Dank für eure Antworten! Wären ein paar Tage im Urlaub und habe deshalb nicht geantwortet.

Ich werde mich morgen mal bei einer Tagesklinik informieren wie schnell ich da unterkommen könnte. Denn selbst im Urlaub hatte ich einen richtig schlechten Tag dabei an dem ich dachte ich möchte das es aufhört und ganz egal wie, ich war so verzweifelt. Urlaub ist aber generell schwierig, ich merke immer mehr das ich einen geregelten Ablauf brauche. So,war ich nie, ich war immer gerne unterwegs und jetzt bin ich am liebsten in meinem gewohnten Umfeld zuhause.

Ich verstehe es nicht warum es mir auf einmal wieder viel schlechter geht. Das ist zum verzweifeln. Ich weiß ich brauche Geduld, aber ist gemein weil es mir zwischenzeitlich schon mal recht gut ging. Naja mal sehen wie es weiter geht.

Die letzte Woche bin ich dreimal gelaufen, das hat gut getan aber heute habe ich gemerkt das ich einfach ziemlich ausgepowert war und dann war meine Stimmung auch schon wieder sehr schwierig. Ich finde für mich allein einfach nicht den richtigen Ausgleich. Wenn das mit der Tagesklinik nichts ist muss ich auch nochmal überlegen , die Klinik an die ich dachte hat 4 Monate Wartezeit, das ist schon lange.

Ich wünsche euch einen schönen Abend!
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
07/2019 Opipram 50mg abends
10/2019 stationärer Aufenthalt 7 Wochen > Escitalopram 10mg

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 327
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Kikke » 22:07:2019 6:21

Hey,

Vlt kannst du mit deinem Hausarzt sprechen, dass er dich mit Dringlichkeit vermittelt. Ich hatte dadurch zwei Tage später einen Platz.
Liebe Grüße
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Julia
Beiträge: 36
Registriert: 08:10:2018 13:18

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Julia » 01:08:2019 21:01

Hallo zusammen,

also ich habe jetzt zwei Termine. Zum einen am Montag in einer Klinik an die auch eine Reha Klinik angeschlossen wäre. Zum anderen am Mittwoch in einer Tagesklinik. Ich möchte mir beides ansehen und letztlich soll mein Bauchgefühl entscheiden. Innerlich hab ich mich glaub ich schon entschieden zu gehen weil es einfach überhaupt nicht gut ist im Moment und ich irgendwie auch keinen wirklichen anderen Ausweg aus dem ganzen sehe. Vermutlich ist die „normale“ Klinik etwas mehr auf Mamas mit ihren Problemen eingestellt aber das werde ich dann sehen.

Ich wünsche euch einen schönen Abend!
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
07/2019 Opipram 50mg abends
10/2019 stationärer Aufenthalt 7 Wochen > Escitalopram 10mg

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 327
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Kikke » 01:08:2019 21:06

Ich wünsche dir viel Erfolg bei den Terminen. Auf dein Bauchgefühl zu hören ist die beste Entscheidung!
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Julia
Beiträge: 36
Registriert: 08:10:2018 13:18

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Julia » 04:09:2019 21:35

Hallo zusammen,

ich wollte nur kurz berichten... Ich hatte gestern einen Termin zur Anmeldung in einer psychosomatischen Klinik. Ich werde ab 17.9./18.9. (da bekomme ich noch Bescheid) dort hingehen. Ich habe lange überlegt aber es fühlt sich als die richtige Entscheidung an! Ich bin dort alleine ohne meine Kinder und davor habe ich natürlich etwas Bammel aber sowie können mich besuchen und zwischendurch darf ich an den Wochenenden heim. Ich bin gespannt ob der Klinikaufenthalt den gewünschten Effekt hat. Ich bin jedoch heilfroh endlich die Entscheidung getroffen zu haben und es in Angriff zu nehmen.

Alles Gute für euch!

Lg Julia
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
07/2019 Opipram 50mg abends
10/2019 stationärer Aufenthalt 7 Wochen > Escitalopram 10mg

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 327
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Stationär ja oder nein

Beitrag von Kikke » 07:09:2019 6:08

Guten Morgen,

Gut, dass du doch zu einer Entscheidung durchringen konntest und es wirklich angehst. Das finde ich sehr mutig und das schwerste hast du schon geschafft!

Ich kann verstehen, dass du nervös bist, ohne deine Kinder zu gehen. Es wird dir aber gut tun, dich sich doch selbst und deine Krankheit zu konzentrieren. Du tust es ja für deine Familie, damit du wieder gesund wirst.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Antworten