Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

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Jana
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Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Jana »

Hallo ihr lieben Erfahrenen,
ich weiß, dass es dauert bis ein AD anschlägt. Ich habe das Sertralin jetzt vier Tage 25mg und eine Woche 50mg genommen. Außerdem nehme ich seither auch 50g Trimipramin, damit ich schlafen kann. Das hat die letzten drei Nächte auch gut geklappt.
Antrieb kam direkt mit der Einnahme wieder mehr und ich habe auch den Eindruck, dass die Gedankenschleifen weniger sind. Ich fühle mich weniger verzweifelt, traurig und hoffnungslos, aber dafür irgendwie gleichgültig. Dass andere mein Baby versorgen müssen war schrecklich für mich, jetzt nehme ich es irgendwie einfach so hin.
Ich schwitze nachts wie verrückt. Dusche dann morgens erstmal und leider friere ich dann extrem. Fühle mich auch generell schwach und zittrig. Also insgesamt ein bisschen als wäre ich körperlich krank, aber dabei stehe weiterhin unter Strom.
Hab das Gefühl jetzt könnte ich doch ein bisschen was machen, weil ich nicht mehr ganz so extrem erschöpft bin, aber mache es iwie trotzdem nicht. Ich würde mich am Liebsten für immer im Bett verstecken. Alles ist trist, selbst die Gefühle für meine Familie kann ich nicht mehr spüren sondern bin nur genervt. Von meinem Baby sowieso.
Außerdem habe ich dauernd Angst zusätzlich körperlich krank zu werden, weil ich meinen Körper nicht mehr richtig spüre und nicht gut auf mich achten kann.

Morgen telefoniere ich mit meinem Psychiater und er wird natürlich fragen, ob sich mein Zustand verbessert hat. Ich kann das aber selber nicht beantworten. Mein Zustand ist irgendwie "anders schlecht".

Nun meine Frage: woran merke ich denn, dass es bergauf geht?

Ich habe so Angst nicht das richtige AD zu haben und auch immer das Gefühl meine Symptome sind iwie anders als die anderen hier im Forum. Ich hatte nie ZG, im Vordergrund standen immer eher "Pseudodemenz", Schlafstörung und extremste Anspannung/Panik...
Zuletzt geändert von Jana am 31:07:2022 13:57, insgesamt 1-mal geändert.
Beginn PPD 1. Kind Mai 22
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Anne 861
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Anne 861 »

Hallo Jana, ich weiß nicht ob ich dir eine Hilfe bin aber die ersten Wochen hatte ich auch jedesmal Müdigkeit, gleichgültig, alles war mir egal und ich war froh ruhe zu haben ,ja und auch froh wenn die kinder woanders waren ..nach 8-10 wochen spürte ich die ersten glücksmomente .
Anne 861
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Anne 861 »

Ich hab so geschwitzt die ersten Wochen auch das legte sich und so wie du ,frierte ich dann wieder .
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Marika
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Marika »

Hallo,

ich finde da tut sich tatsächlich schon was positives nach so kurzer Zeit! Den meisten geht es sogar schlechter mit den Medis nach nur 1,5 Wochen! Es braucht Wochen bis eine erste positive Wirkung spürbar ist. Insgesamt sollte man einem AD mindestens 3 Monate Zeit geben, sagen die meisten Ärzte. Das ist so ein Richwert.

Nach 1,5 Wochen bist du da echt schon erstaunlich "weit"... es dauert noch und die Dosis ist auch noch sehr niedrig. Ich denke dein Psychiater wird zufrieden sein.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Jana
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Jana »

Danke für eure Rückmeldungen!! Dann hoffe ich, dass es "positive" Zeichen sind.

@Marika, ich habe schon so viele kluge Beiträge von dir gelesen. Vielleicht kannst du mir auch bei dieser Frage weiterhelfen: ich leide sehr unter der "Pseudodemenz". Auch heute, wo ich - wenn auch zittrig - einfach aufstehen konnte, geht es mir so, dass mein Gehirn einfach nicht funktioniert. Ich finde das total schwer zu beschreiben, aber ich kann Informationen nicht richtig verarbeiten, egal wie ich mich anstrenge. Also zum Beispiel eine Überweisung machen fühlt sich ganz komisch an und dauert lange. Gleichzeitig ist es heute aber nicht so, dass mich schlechte Gefühle oder Gedankenspiralen oder Ängste in dem Moment ablenken. Da ist einfach nichts. Trotzdem bin ich wie gehemmt. Es ist wie ein Film aus dem ich nicht rauskomme. Gehört das zur Krankheit? Ich finde im Forum so wenig dazu, obgleich ja alle Frauen mit PPD nicht "funktionieren", es also irgendwie so sein muss.
Beginn PPD 1. Kind Mai 22
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Marika
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Marika »

Hallo!

Ich würde schon sagen, dass das zur Erkrankung gehört, ich hatte das auch ähnlich und ich weiß, dass viele das auch so erleben. Am Morgen sind die Botenstoffe im Gehirn am niedrigsten weil sie in der Nacht verstoffwechselt werden. Daher sind vorhandene Symptome am Morgen oft am schlimmsten. Über den Tag erholen sich die Botenstoffe wieder, daher geht es einem dann gegen Abend oft etwas besser. Das AD setzt genau da an. Es hält die Botenstoffe - mit deinem AD ist es das Serotonin - länger im Gehirn fest, damit es genau das tun kann, womit du jetzt Probleme hast.
Liebe Grüße von
Marika

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alibo79
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von alibo79 »

Genau, das war bei mir genauso. Vor allem morgens und nach dem Mittag war mein Kopf echt ein breihaufen. Morgens haben mich etwas komplexere Aufgaben schon schnell überfordert. Zu Hause ging das irgendwann, aber da durfte es auch nicht zu trubelig sein sonst machte mein Kopf das nicht mit. Und bei der Arbeit war es auch so, wenn mehrere Telefone klingeln und Gespräche waren war mir das schnell zuviel. Und gerade mit den botenstoffen ist das bei mir echt aufgefallen, dass auf einmal so zwischen halb zehn und elf je nachdem wie fit ich schon war, aufeinmal mein Kopf klar wurde, ich denken konnte oder unruhe und Ängste weggegangen sind oder die trübe Stimmung. Mein Therapeut sagte mir, dass man daran sehr gut sehen kann, wie das Serotonin dann so langsam bereit gestellt wird und vor allem dass es Zeit verzögert und eigentlich zu langsam.
Also ich finde es eigentlich ganz normal was du schreibst und das wird auch wieder weggehen . Mir haben zusätzlich auch noch Nahrung Ergänzung Mittel gut geholfen, bin ich jedenfalls der Meinung, denn ich habe nach paar Wochen Einnahmen noch wieder Eibe gute Verbesserung gefühlt.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
alibo79
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von alibo79 »

Ich musste bei der Arbeit zb Kollegen bitten für mich Dinge zu bearbeiten, wo ich ganz viele Zahlen hätte sortieren musste, das ging manchmal echt schlecht, weil ich die Zahlen nicht verarbeiten konnte
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Jana
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Jana »

Mir reicht schon Sachen für einen Spaziergang zusammenpacken als Aufgabe, die mich überfordert...zur Arbeit gehen wäre völlig unmöglich.
Ich soll jetzt das Sertralin von 50mg auf 75mg erhöhen...
Beginn PPD 1. Kind Mai 22
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alibo79
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von alibo79 »

Arbeiten war auch lange überhaupt nicht möglich, bin ganz langsam nach Monaten wieder angefangen und auch das war wirklich nicht einfach, aber jetzt nach 1,5 Jahren fühlt es sich wieder ganz normal an, so dass ich mir fast nicht vorstellen kann, dass ich vor einem Jahr die einfachsten Dinge nicht machbar waren
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Jana
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Jana »

Habe es auch bei meinem Psychiater angesprochen. Er meinte, dass das Gehirn so mit dem Emotionalen beschäftigt ist, dass da für andere Dinge eben keine Kapazitäten sind. Habe mir das schon auch gedacht, aber ist immer hilfreich es nochmal gesagt zu bekommen. Er meinte, da geht aber nichts kaputt dabei...
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Jana
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Jana »

Kleines Update: jetzt sind es noch nicht ganz vier Wochen. Mein Zustand hat sich seither nicht verschlechtert und ich würde sogar sagen, dass die panischen Gefühle etwas weniger geworden und ich ein winziges bisschen entspannter geworden bin. Kann aber auch mit den Umständen zusammenhängen (viel gute Ablenkung und mein Mann hat frei...).
Was sich aber noch nicht gebessert hat ist, dass mein Gehirn immer noch so komplett blockiert ist. Es überfordert mich immer noch alles total. Kleidung für den Tag aussuchen, die Wohnung aufräumen...alles total kompliziert für mich.
Denkt ihr, ich kann da noch auf Besserung durch das AD hoffen? Wenn es wenigstens für ein paar Stunden Mal besser wäre...ich glaube dann würden meine anderen Symptome auch gleich wieder besser. Aber diese "geistige Behinderung" ist so zermürbend!
Beginn PPD 1. Kind Mai 22
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Colibri
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Colibri »

Liebe Jana, ich kenne das gut mit der Überforderung. Ich fühle mich oft als hätte ich Demenz... ich habe das seit fast einem Jahr schon in Wellen. Falle immer wieder ins Loch und dann bin ich komplett blockiert. Seit einiger Zeit gibt es Besserungstendenzen und abends fühle ich mich manchmal wie früher und kann vom Kopf her wieder komplexe Dinge planen und hab Lust zu organisieren. Kochen oder Kinderprogramm planen fällt mir auch oft schwer, als hätte ich es verlernt. Aber manchmal da kommt es wieder und das gibt mir Hoffnung, dass es vielleicht wieder gut werden kann. Ich wünsche mir das si sehr! Ich denke, dass es bei dir auch besser wird im laufe der Zeit. Auch wenn es lange dauert. Liebe Grüße
2012 Postpartale Depression ohne Medikamente in 1,5 Jahren wieder gesund.
2021 seit Oktober schwere Depression und Angststörung/Traumatisches Erlebnis. Escitalopram 5mg soll bis 10mg hochdosiert werden. Mirtazapin 7,5mg zur Nacht (bei Bedarf)
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Marika
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Re: Woher weiß ich ob es das richtige Medikament ist?

Beitrag von Marika »

Hey Jana

Das wird auf jeden Fall noch besser, das AD braucht in etwa nochmal so lange wie jetzt, bis der Wirkstoffspiegel seine ganze Breite erreicht hat. Mein Psychiater sagte immer, mindestens 3 Monate dem AD Zeit geben, ggf auch erhöhen... erst dann kann man eine Bewertung abgeben.

Dass du bereits eine leichte Besserung bemerkst ist sehr gut und liegt nach einer 4 wöchigen AD Einnahme genau im Durchschnitt. Die Richtung stimmt, mach weiter so. Und dass du noch nicht belastbar bist mental ist völlig normal. Du bist krank geworden und eine PPD ist kein kleiner Schnupfen sondern ein ziemlicher Hormoncrash und Botenstoffe Durcheinander im Gehirn. Das ist eine schwerwiegende Ausnahmesituation, die Zeit, Geduld und viel Ruhe bzw. Hilfe im Alltsg braucht.
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
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