Venlafaxin reduzieren

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Gänseblümchen

Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Gänseblümchen » 16:02:2016 12:46

Hallihallo :-)

hab mich jetzt längere Zeit nicht gemeldet, lese aber immer wieder still mit.

Wie vielleicht ein paar von euch noch wissen habe ich ende letztes Jahr einen Absatzversuch gestartet der leider in die Hose ging :-/

Nichts desto trotz hab ich mich jetzt nochmal ran getraut.

Ich habe in einem anderen Forum den Tipp bekommen, das AD in 10% Schritten zu reduzieren und nicht wie von meiner Ärztin verordnet gleich um die Hälfte.
Ich reagiere sehr sensibel auf Erhöhungen und Reduzierungen des ADs und deshalb fand ich den Tipp sehr hilfreich und habe es auch gleich ausprobiert.

Ich nahm jetzt seit 2 Jahren Venlafaxin 150mg und die nächste Dosis die es zu kaufen gibt sind 75mg.
Daher kam ich mit den Dosierungen nicht gut zurecht.
Meine Tabletten gibt es in Kapselform die mit sehr vielen kleinen Kügelchen gefüllt sind.
Ich habe mir jetzt eine Feinwaage gekauft und zum ersten Schritt einfach mal die Kapsel geöffnet, 10% der Kügelchen abgewogen und herausgenommen, die Kapsel wieder geschlossen und eingenommen. Bis zum nächsten Schritt lies ich mir dann ca 4 Wochen Zeit.

Seit 2 Wochen bin ich jetzt bei -20% und ich muss sagen, es geht mir sehr gut.

Teilweise habe ich leichte Absatzsymptome wie Übelkeit, Schwindel, leichtes Angstgefühl, Stimmungsschwankungen etc.
Doch die meisten Tage geht es mir sehr gut. Sogar besser als zuvor.
Ich meine zu merken, wie mein "richtiges ich" wieder zum Vorschein kommt.
Die Gefühle meinem Freund gegenüber (die Zeitweise schon sehr abgestumpft waren) werden wieder intensiver und liebevoller, ich habe wieder mehr Lebensfreude, bin nicht mehr so viel müde und fühle mich nicht mehr so "gedämpft".
Ich fühle mich auch ausgeglichener. Spiele viel mit meiner Tochter, was mir früher oft zu langweilig war (malen, Knetmasse, basteln, im regen durch Pfützen springen etc.)
Kann sein dass es auch etwas mit Einbildung zu tun hat, da die reduktion ja jetzt noch kein Riesensprung ist.

Als kleine Unterstützung nehme ich noch INKA GOLD ein, wovon ich auch sehr überzeugt bin. Vielleicht kennt das jemand von euch?

Auch der nächste schritt steht bevor, meine Tochter wird im März/April in die Krabbelgruppe gehen und ich habe am 29.2. ein Vorstellungsgespräch worauf ich mich schon sehr freue :-)

Auch ein zweites Kind ist mittlerweile spruchreif geworden, sobald ich die Medis los bin :-)

So...wurde jetzt länger als geplant, aber vielleicht macht es ja jemandem mut und Hoffnung der noch (wie ich vor einiger zeit) zweifelt ob es jemals besser wird. :-)
Würde mich freuen mich mit anderen aus dem Forum auszutauschen die gerade am Absetzen sind bzw schon erfolgreich abgesetzt haben.

Inga
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Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Inga » 16:02:2016 14:28

Hallo Gänseblümchen!

Ich bin auch gerade dabei mein AD zu reduzieren. Ich habe etwas über zwei Jahre Cipralex (Escitalopram) 30mg eingenommen. Eine sehr hohe Dosis, die Höchstdosis liegt bei diesem AD eigentlich bei 20mg und die Minimaldosis bei 5mg...in Ausnahmefällen kann es auch mal höher dosiert werden, je nach Krankheitsbild.

Mein AD ist in Tablettenform, von daher ist es da einfacher mit dem teilen. Ich kann also immer um 5mg reduzieren. Mein Neurologe hat mir auch ein bisschen auf die Füße getretten, das ich doch dauerhaft etwas reduzieren sollte, da 30mg einfach sehr viel ist.

Ich nehme jetzt seit 14 Tagen nur noch 25mg und die ersten zehn Tage habe ich gar keinen Unterschied gemerkt. Seit diesem Wochenende habe ich leider leichte Absetzsympthome...etwas Magenprobleme, muss ständig zur Toilette und manchmal leichte Unruhe.

Ich kenne diese Sympthome aber schon vom ausschleichen eines anderen Medikaments, das ich vorher noch zu dem Cipralex dazu genommen habe und da hatten sich diese Sympthome nach ca. einer Woche wieder gelegt...mal abwarten wie es beim Cipralex ist.

Ich habe da andere Erfahrungen gemacht als du, ich habe mich durch Cipralex nie abgestupft gefühlt. Ich hatte eher das Gefühl ich fühle mich wieder "normal". Nicht so hypersensibel, wie es in der Akutzeit der Fall war...aber das ist vielleicht von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Mein Ziel ist es im laufe dieses Jahres auf 20mg zu reduzieren, das reicht mir erstmal. Ich möchte einfach in den "Normaldosisbereich" kommen und nicht mehr über Normaldosis sein. Ich denke, das ist ein realistisches Ziel und ich mache es ganz langsam.
Ich habe halt schon sehr viel negatives gelesen und gehört über diese "hauruck" Absetzversuche, das geht halt meistens nach hinten los.
Du hast da ja jetzt auch einen guten Weg gefunden...bei den Kapseln ist es halt schwieriger mit der Dosierung.

In meinem Fall denke ich, das ich immer eine Erhaltungsdosis benötigen werden und das AD nicht komplett absetzen kann, aber das stört mich überhaupt nicht. Ich vertrage es super und habe auch keinerlei Nebenwirkungen vom Cipralex...auch keine Gewichtszunahme, da habe ich Glück.

Ja...zweite Schwangerschaft war bei uns jetzt auch schon mal Thema und in dem Fall könnte ich das Cipralex weiternehmen.
Wie ist das beim Venlafaxin?

Bist du dir schon komplett sicher, das du noch ein zweites Kind haben möchtest?

Bei mir ist es noch sehr ambivalent, mal denke ich, ja...warum denn nicht und dann habe ich Angst nochmal so eine Hölle erleben zu müssen.
Ich habe mir jetzt gesagt, so lange da noch immer Angst mit reinspielt, werde ich es nicht machen. Ich glaube das ist dann einfach keine gute Voraussetztung...oder was meinst du?

Freue mich über eine Antwort von Dir.

lg inga
Diagnose:
10/2012 erstes Kind
schwere PPD mit massiven ZG
09/2017 zweites Kind
gesund und glücklich

Astrid77
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Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Astrid77 » 16:02:2016 16:48

Super, dass man das abwiegen kann, also diese Kügelchen in der Kapsel! ich habe die immer abgezählt. habe Venlafaxin ja nicht so lange genommen und auch keine hohe Dosis, aber die Absetzsymptome waren trotzdem schlimm. ich wollte das Medikament wegen Schwindel und Übelkeit absetzen, und beides wurde dann erstmal noch schlimmer, obwohl es während der normalen Einnahme schon fast unerträglich war. Die positiven Wirkungen vom Venlafaxin waren jedoch gut - ich war, anders als bei dir wie du schreibst - sehr motiviert! Basteln, malen, spazieren gehen, alles auf einmal kein Problem! Ohne das Medikament war ich wieder antriebslos, das ist aber erst nach einer Weile wieder zu tage gekommen. Ich bin aber auch noch nicht stabil, und ich glaube, deine Pläne geben dir viel positive Energie und Kraft, das ist was ganz wichtiges.
----
1. Kind 1/2013 keine PPD

2. Kind 12/2014 PPD 1 Monat später

Sertralin, Cymbalta, Venlafaxin, Mirtazapin, Lyrica durchprobiert und wieder abgesetzt.
Momentan ohne Medikament - mal mehr und mal weniger stabil.

Sanna
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Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Sanna » 16:02:2016 17:27

Hey,

schön von dir zu hören! Ich bin auch dabei ein Medikament (Mirtazapin) zu reduzieren. Ganz schön aufregend!

Ich gehe auch in Minischritten vor und dabei geht es mir gut. Ich nehme z.Zt. die ungewöhnliche Dosis von 18,75mg. Auch bei mir ist es eine Tablette, die ich mit dem Messer in Krümel zerlege. Gut, dass das mit der Waage so gut mit der Waage klappt.

Viel Erfolg weiterhin!

LG, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

Gänseblümchen

Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Gänseblümchen » 16:02:2016 19:09

Hey ihr Lieben,

erst mal danke für eure Antworten.

ja das mit dem Antrieb ist so eine Sache. Während der schlimmsten Zeit hatte ich eigentlich so weit ich mich erinnere keine Probleme damit. Ich war eher immer aufgekratzt und wollte was unternehmen um mich abzulenken von den Angstgefühlen. Mit dem AD verschwanden die Angstzustände und irgendwie kam dann ganz langsam die antriebslosigkeit. bin teilweise nur mehr auf dem Sofa gelegen und hatte zu nichts richtig lust.

Ich denke auch dass mir eine neue Arbeit sehr helfen wird. Ich bin schon immer ein Mensch der einen gewissen stresspegel braucht. also nicht so direkt dauerstress aber einen geplanten Tagesablauf. früher hatte ich jeden tag verplant. es gab selten tage an denen ich von der Arbeit heimkam und einfach nichts gemacht habe.
dann freute ich mich abends auch drauf mich aufs Sofa zu legen und einen film zu schauen oder am wochenende mal auszuschlafen und lange zu frühstücken.
Aber dadurch dass ich im moment während Lara tagsüber schläft auch auf dem Sofa liege kann ich es abends nicht mehr richtig genießen.
Ich bin absolut nicht der mensch der einfach in den tag hineinlebt und macht worauf er lust hat.
Donnerstag bis Sonntag ging es mir zb super gut. ich hatte viel geplant (bügeln, hab die ganze Wohnung geputzt, Donnerstag und Freitag vormittag waren wir einkaufen und nachmittags hab ich mich mit freundinnen getroffen) was mir sehr gut tat. Samstag auf Sonntag in der nacht hat Lara dann gebrochen, weshalb wir sie baden mussten, 4 mal umziehen, das gesamte Bett neu beziehen etc. und deswegen nur ein paar stunden geschlafen hatten. Sonntag hatte ich dann eine menge zu waschen (5 Maschinen voll :-O) und den rest des Tages verbrachten wir auf dem Sofa weil sie dann auch noch Fieber bekam. Ich genoss es richtig wieder mal einen tag nur zu faulenzen und mittags 2 Stündchen zu schlafen :-)
doch gestern und heute hatte ich dann nichts mehr zu tun im Haushalt und langweilte mich zu Tode. dann kommt wieder die antriebslosigkeit, Müdigkeit, ich bin grantig und unzufrieden usw.
bin vorhin einfach mit Lara in die Stadt gefahren und hab ein bisschen eingekauft. jetzt gehts mir besser.

ich denke dass nicht nur die Geburt ausschlaggebend für meine Depression war sondern auch der plötzlich unplanbare Alltag.

mittlerweile hab ich mir auch gute beschäftigungen gefunden zum Ausgleich eines stressigen tages...um wieder runter zu kommen.
hab mir ein Malbuch für erwachsene gekauft, dazu entspannungsmusik...herrlich :-)
seit einer weile lese ich auch wieder sehr viel.
gehe einmal im monat zu einer energetikerin und versuche einmal im Monat etwas ohne meine Tochter zu unternehmen.

gute Voraussetzungen um es ohne medi zu schaffen finde ich :-D


ich hab auch schon die schlimmsten horrorgeschichten gelesen von den rasanten absetzversuchen. ich denke auch dass wir mit unseren minischritten eher auf der sicheren Seite sind.
Ich wäre auch froh einfach mal mit der geringsten Dosis gut auszukommen. aber dadurch dass ich schon extrem zugenommen habe möchte ich es ganz wegbekommen. das ist ein weiterer Grund warum ich mich oft nicht mehr so wohl fühle unter vielen Leuten (abends weggehen zb).

venlafaxin könnte ich auch während der Schwangerschaft nehmen, in einer geringeren Dosis halt.
aber das will ich nicht. ich möchte zumindest eine zeit lang vorher ohne AD stabil sein. wenn es dann dringend notwendig wäre es in der ss wieder zu nehmen können wir ja weitersehen.

hm, im Grunde genommen schon. wenn es mir gut geht bin ich mir zu 100% sicher ein zweites kind zu wollen. das wollte ich immer schon und daran gab es nie Zweifel.
an manchen tagen an denen ich eher müde und antriebslos bin hab ich dann so meine bedenken. aber nicht weil ich angst habe nochmal eine Depression durchmachen zu müssen. ich weiss jetzt wie es sich bemerkbar macht und kann gegebenenfalls viel früher handeln als beim ersten mal und ich weiss dass es mir mit einem AD schnell wieder besser gehen wird.
ich habe dann eher bedenken ob ich zwei Kindern gerecht werden kann. mit einem kind ist es nicht so schwer sich mal ein Stündchen hinzulegen bzw mal einen tag auf dem Sofa zu verbringen. hin und wieder darf Lara dann kurze zeit fernsehen, oder ich sehe mir ein buch mit ihr an etc. sie ist auch immer ein eher pflegeleichtes kind gewesen und kann sich auch mal einige zeit alleine beschäftigen. mit einem baby noch dazu sieht die Sache schon anders aus. :-/
Lara ist im moment auch manchmal sehr anstrengend. trotzphase usw. sie hat eine sehr starke Persönlichkeit und ist auch sehr aktiv.
mittlerweile habe ich mich etwas dran gewöhnt und empfinde es nicht mehr als sooo anstrengend. aber an manchen tagen zweifle ich schon ob es eine gute Idee ist noch ein kind zu bekommen.

ich finde auch, um definitiv wieder anzufangen zu basteln am zweiten kind sollte man sich zu 100% sicher sein. Ist ja auch eine Entscheidung fürs leben :-)

@astrid: das mit dem abzählen hab ich auch versucht. nachdem ich ca 500 kügelchen gezählt hatte habe ich mir sofort eine Waage bestellt :-P
ich habe schon von vielen gehört dass das Venlafaxin ihren antrieb sehr gesteigert hat, bei manchen sogar ins unerträgliche. bei mir war das nie so.

@Sanna: schön dass du auch schon am reduzieren bist. hab deine Geschichte immer wieder mal still mitgelesen und finde es super dass du jetzt schon so weit bist ein medi zu reduzieren. wünsche dir natürlich auch ganz viel erfolg :-) wir schaffen das!!!

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Marika
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Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Marika » 17:02:2016 10:11

Hallo,

ich kann dir eigentlich fast das gleiche berichten wie meine Vorschreiberinnen. Mir ging es mit ganz langsamen und kleinen Schritten eigentlich recht gut von 30 mg Cipraelx innerhalb von fast 2 Jahren (!!!) auf 10 mg zu reduzieren. Ich habe mir nach jedem 5 mg Schritt (die Tabletten kann man sehr gut teilen) immer 4-5 Monate Zeit gelassen - da ist dann ein Jahr schnell mal rum. :wink: Die Absetzsymptome waren gut auszuhalten: leichte Unruhe, leichte Übelkeit, leichte Kopfschmerzen - für vielleicht 1 Woche, dann ging es wieder gut.

Nur ganz absetzen hat dann leider nicht geklappt - 2x habe ich es versucht und war sogar mal 9 Monate wirklich ohne AD. Aber da kamen die Symptome schleichend wieder. So habe ich dann wieder mit 10 mg Cipralex begonnen und das geht jetzt schon wieder 6 Jahre ohne Probleme. Für mich ist das ein riesen Erfolg: von ehemals 30 mg Cirpalex, 15 mg Mirtazapin und 1,5 mg Tavor brauche ich heute zum normal und stabil leben nur noch 10 mg Cipralex.

Mein Rat: ganz langsam reduzieren und nach jedem Schritt viel Zeit vergehen lassen, dass dein Körper sich an die niedrigere Dosis gewöhnen kann. Und: die Zielen realistisch und umsetzbar gestalten - also nicht zu viel erzwingen wollen aus lauter Ehrgeiz. :wink: Denn unser Körper und unsere Seele bzw. Psyche sind keine Maschinen. Hör gut in dich hinein und geh liebevoll und achtsam mit dir um.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Gänseblümchen

Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Gänseblümchen » 21:02:2016 9:06

Hallo marika.

Danke für deine lieben worte.

Ich werde auf jeden fall genug abstand zwischen den reduzierungen lassen. Beim ersten versuch war ich zu voreilig und hab dann schnell gesehen dass es so nicht gut gehen kann.
Hatte bei den ersten beiden schritten jetzt jeweils einen monat dazwischen und das hat gut funktioniert.

Mein ziel wäre es bis ende des jahres abzusetzen. Ich denke das ist realistisch und im sommer fällt es mir bestimmt auch leichter. Ich merke jetzt schon wie mir 1-2 tage sonnenschein guttun.

Das positiven an der gesamten ppd ist das ich mitlerweile meinen körper und meine seele besser kennengelernt habe. Ich merke schnell was bzw wer mir gut tut und kann besser drauf reagieren.

Momentan bin ich jetzt bei -25% und da werde ich auch noch bis anfang märz bleiben.
Ich halt euch auf dem laufenden. 😊

Gänseblümchen

Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Gänseblümchen » 25:02:2016 13:54

Hallo ihr Lieben,

ich hätte da mal eine frage zu Ängsten.

Das Absetzen funktioniert gut, ich bin noch bei -25% und merke ausser häufiger Übelkeit nichts negatives.
Doch hin und wieder kommt es vor das ein ganz leichtes Angstgefühl hochkommt. meist wenn ich alleine bin oder nichts zu tun habe.
Ich finde es jetzt nicht weiter schlimm weil ich mittlerweile ganz gut damit umgehen kann, aber unangenehm ist es trotzdem.

Ich weiss mittlerweile woher diese ängste kommen. Ich wurde von meinen Mitschülern teils schlimm gemobbt und hatte täglich schreckliche angst vor der schule. hab nie mit jemandem darüber geredet und es im stillen durchgestanden. Meine Mutter hat mich immer als ihre beste Freundin benutzt und all ihre sorgen und ihre Probleme (auch wenn es um meinen Vater ging) bei mir abgeladen. dann die Scheidung meiner Eltern in die mich meine Mutter sehr Mit hinein gezogen hat. meine Mutter leidet seit ich mich erinnern kann an Depressionen und findet immer wieder irgendwelche krankheiten an denen sie zu leiden scheint. Jahre lang war ich ihre Therapeutin und musste mir vorjammern lassen wie schlecht es ihr geht. natürlich tat sie mir immer leid und ich hatte angst um sie (hat auch schon des öfteren gesagt sie möchte sich umbringen).
alles sehr viel für ein Kind/einen Jugendlichen.
Mittlerweile habe ich jeglichen Respekt vor meiner Mutter verloren und habe teilweise auch Aggressionen gegen sie.
sie ist für mich keine Mutter sondern eher das Bild von einer Mutter die ich nie sein möchte.

daher meine frage:
nach all dem wundert es mich keine bisschen mehr dass ich angstzustände und panikattacken hatte.
aber das wissen woher diese kommen bringt mich ja auch nicht wirklich weiter?!
"lernt" mein Körper irgendwann wieder, dass es keinen Grund gibt angst zu haben?

sorry für den langen text, würd mich über antworten freuen :-)

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Marika
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Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Marika » 26:02:2016 8:34

Hallöchen,

es ist ein riesen Schritt wenn man erkennt, woher diese Ängste im Hier und Jetzt kommen und daher bringen sie einen auf jeden Fall weiter. Denn dann kann man daran arbeiten, am besten mit einem Therapeuten.

Mir ging es ja auch so: meine Ängste im Zusammenhang mit der PPD waren eindeutig Altlasten aus meiner eigenen Kindheit die sich extrem in mein Unterbewusstsein und mein Gehirn eingebrannt hatten. In Situationen die diesen Kindheitserfahrungen ähnelten, wurde das alte erlernte Verhaltensmuster "Angst" automatisch abgespult, auch wenn realistischer Weise kein Grund dafür bestand. Das ist das verflixte: man weiß, dass man keine Angst haben muss, sie kommt aber trotzdem. Sie ist wie eine Art "Angewohnheit" und solche in ja in der Regel oft mal schwer abzulegen.

Ja, man kann sich das wieder abtrainieren, verlernen und dafür quasi ein neues positives Muster drüber legen. Von alleine geht das aber nicht, dass bedeutet Arbeit an sich, mit sich und die Bereitschaft sich zu öffnen, alte Wunde anzuschauen, aufzuarbeiten. Wenn das geschafft ist, kann man lernen anders zu reagieren als mit Angst. Wie gesagt - in meiner Therapie (Verhaltenstherapie - 2,5 Jahre) hat das ganz hervorragend geklappt.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Gänseblümchen

Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Gänseblümchen » 26:02:2016 11:18

danke Maria für deine Antwort.

ich bin auch seit 2 Jahren bei einer Therapeutin. mittlerweile nur noch 1x im Monat von anfänglich wöchentlichen Terminen.
die Therapie hat mich sehr gut weitergebracht und die Erkenntnis die ich jetzt habe habe ich in der Therapie "herausgefunden".
doch im moment treten wir auf der stelle. es ist eher so als würde ich zu einer Freundin zum quatschen fahren, wie die letzten Wochen so waren.

ich versuche es jetzt mit einer energetikerin. hatte bereits einen Termin und es tat mir sehr gut.
vielleicht bringt mich das wieder ein stück weiter.

in der Therapie weiss ich im moment einfach nicht wirklich ob es mir noch etwas bringt.

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Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Marika » 26:02:2016 12:26

In welche Richtung ging deine Therapie? Verhaltens-oder Tiefenpsychologisch orientiert? Meine war eine Kombi aus beidem.

Eine weitere, eher neue Richtung sind "Achtsamkeitsorientierte Therapieformen". Ich lese gerade ein Buch darüber und es bringt mich sogar heute wieder ein Stück weiter auf meinem Weg.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Gänseblümchen

Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Gänseblümchen » 26:02:2016 14:00

Hm, ich muss sagen ich hab keine ahnung ?! 😐
Haben nie darüber geredet und ich kenn mich auch nicht wirklich aus damit.
Rein gefühlsmäßig würd ich zu verhaltenstherapie tendieren.

Bin auch grad auf der suche nach büchern über dieses thema. Ist deins sehr kompliziert zu lesen?

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Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Marika » 26:02:2016 15:30

Hallo,

also wenn du Übungen bzw. Hausübungen in der Therapie bekommen hast, war es wohl eine VT. Da lernt man richtig, "anders rum" denken - vereinfacht gesagt.

Leider ist mein Buch nicht einfach zu lesen und ist auch teilweise für Therapeuten geschrieben, die diese Therapie Methode anwenden wollen. Trotzdem bekomme ich eine ganz neue Sichtweise - eben auf die Achtsamkeit und das ist mega interessant. Das Buch heißt: "Die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie der Depression" von Zindel V. Segal, J. Mark G. Willams & John D. Teasdale. Alle 3 sind führende Kapazitäten in Amerika zum Thema Psych. Erkrankungen und Therapien. Ich habe das Buch auch hier im Forum mal empfohlen bekommen. Ich lese immer neue kleine Abschnitte und lasse die sacken - manchmal lese ich sie auch 2-3 mal, bis sie in meinem Kopf angekommen sind. :wink:
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Gänseblümchen

Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Gänseblümchen » 26:02:2016 22:09

nein hausübungen hab ich nicht wirklich bekommen. ausser den tipp mit dem Tagebuch, in dass ich jeden tag 5 sachen schreiben soll die an diesem tag gut waren.

ok hört sich sehr fachspezifisch an :-)
meistens tu ich mir sehr schwer solche Bücher zu lesen und leg sie schnell wieder weg :-P
aber ich werds mal googeln und schaun ob es eventuell was für mich ist, danke für den tipp

Mareike

Re: Venlafaxin reduzieren

Beitrag von Mareike » 06:03:2016 20:44

Hallo Gänseblümchen,

Wie geht es dir mittlerweile mit der Reduktion?
Bist du weiterhin stabil ?

Lg, Mareike

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