Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

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Astrid77
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Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Astrid77 » 11:04:2016 10:04

Ich nehme jetzt morgens 100mg und abends 100mg Lyrica. Hatte keine Suizidgedanken mehr, aber das Medikament sediert einen auch ziemlich. Nach der Einnahme etwas schreiben oder lesen, oder Sport machen kann man für 4-6 Stunden vergessen. Und auch danach ist es schwer. Ich funktioniere wirklich wie ein Roboter und bin nur in der Lage, "doofe" Sachen zu erledigen wie Wäsche aufhängen, Staubsaugen... in den Supermarkt gehen fordert schon wieder viel, weil man so verwirrt ist.

Das alles hat dazu geführt dass ich jeden Tag hier viel in der Wohnung aufgeräumt habe, teilweise schon manisch sortiert habe etc. ... ich weiß nicht, wie ich in dem Zustand sonst meine Zeit verbringen soll, ich wüsste auch nicht, wie ich so arbeiten soll. Ich hoffe, diese Nebenwirkungen gehen weg, sobald ich meine Endgültige Dosis erreicht habe, ich habe vor 150 morgens und 150 abends zu nehmen. Abends merkt man das Hochdosieren nicht so, man verschläft dann halt alles, aber tagsüber bleiben mir noch 2 x Erhöhen (also 125mg und dann 150) vor dem ich mich fürchte. Werde mir an diesen tagen gar nichts vornehmen, noch nicht mal einkaufen.

Einzig die positive Wirkung bezüglich der düsteren Gedanken lässt mich weitermachen, und ich hoffe, dass es so bleibt.
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1. Kind 1/2013 keine PPD

2. Kind 12/2014 PPD 1 Monat später

Sertralin, Cymbalta, Venlafaxin, Mirtazapin, Lyrica durchprobiert und wieder abgesetzt.
Momentan ohne Medikament - mal mehr und mal weniger stabil.

Steph

Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Steph » 12:04:2016 23:28

Liebe Astrid,
ich habe Deine Berichte hier verfolgt und wollte Dir unbedingt sagen, dass es vielleicht doch gut für Dich wäre, einen Klinikaufenthalt ins Auge zu fassen. Ich bin selber im Moment statiobär und es gibt mehrere Mitpatientinnen, die auch Kinder haben. Ich kann verstehen, dass das für Dich eine Hürde ist, aber wäre es nicht vielleicht denkbar, in eine Klinik in der Nähe Deiner Eltern, also in Deutschland, zu gehen? Dann könnten sie Dir die Kinder in der Zeit abnehmen und Du könntest Dich um Dich kümmern. Bei uns ist eine Mitpatientin, die ähnlich starke Synptome hatte wie Du. Sie hat sich zuerst in einer offenen (!!!) Psychiatrischen Klinik auf die Medikamente einstellen lassen und ist nun bei uns in der Psychosomatik. Sie hat wahnsinnig viele verschiedene Sachen bekommen (Tavor, Seroquel, Lyrica, Citalopram). Seit 2 Wochen ist sie symptomfrei und in 3 Wochen wird sie entlassen. Sie hat zwei Kinder, die sie abends und an den Wochenenden sehen kann. In einer Klinik kann man sich total auf sich selbst konzentrieren und man schafft es vielleicht schneller, wieder Stärke zu gewinnen.
Ich habe auch wg. meines Sohnes gezögert, stationär zu gehen. Aber ich bin froh, hier zu sein.
LG und alles Gute!
Steph

Astrid77
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Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Astrid77 » 13:04:2016 9:22

Liebe Steph,

ich bewundere jede hier, die sich für die Klinik entscheidet! Für mich wäre das der ultimative Horror und kommt daher und auch aus anderen Gründen nicht in Frage. Also, absolut nicht, bei mir würde nur gewaltsame Zwangseinweisung gehen, freiwillig würde ich es nicht machen. Ich habe auch oft Angst vor einem gescheiterten Selbstmordversuch, nach dem ich dann in einer geschlossenen Abteilung bin und wo man mir alles abnimmt und ich von Papptellern mit Plastiklöffel essen muss... ich weiß, dass solche Vorstellungen gar nichts mit der Realität zu tun haben, aber ich komme davon nicht weg. Auch davon dass ich, seit ich mich mit meinen psychischen Problemen befasse, irgendwie die Büchse der Pandora geöffnet habe und sie jetzt nicht mehr zu bekomme. Im Gegenteil, es kommt immer mehr raus. Ich möchte eigentlich noch nicht mal jemand sein der solch ein Medikament wie Lyrica nimmt - weil ehrlich, bald ist es soweit dass ich auf der Straße stehe und Selbstgespräche führe (jedenfalls kommt es mir so vor)... bin ein bisschen verzweifelt, weil jedes mal wenn ich ein AD nehme bezeichne ich es ein paar Wochen später als "Höllenzeug", und setze es ab, und dann geht es mir aber auch immer so schlecht dass ich irgendwann wieder bereit bin ein neues auszuprobieren...
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Steph

Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Steph » 13:04:2016 11:06

Liebe Astrid,
das was Du schreibst macht mich sehr nachdenklich. Ich fühle mit Dir und es tut mir sehr leid, dass Du Dich da selbst so unter Druck setzt.
Ich hoffe sehr, dass Du dann wenigstens eine gute und regelmäßige ambulante Versorgung hast. Ich hoffe auch, dass Du die Hilfe, die Du benötigst, auch bekommst. Trotzdem kann ich mir nur schwer vorstellen, wie es funktionieren soll, wenn Du Dich sowohl gegen eine stationäre Therapie, als auch gegen eine medikamentöse Versorgung sträubst. Leider haben Psychopharmaka Nebenwirkungen und es hilft nicht immer gleich das nächst beste. Trotzdem gibt es auch für Dich ein Medikament, das Dir helfen kann. Leider funktioniert das Finden nur durch trial and error. Nimm Dir nicht selber die Chance, das Richtige zu finden. Ich selbst bin auch von Insidon über Paroxetin, Citalopram, Trevilor und Cipralex bei Elontril gelandet. Glaub mir, das war nicht schön.
Bitte halte Dir wenigstens eine Art Hintertür offen, dass Du, wenn es zu schlimm wird, schon alles in trockenen Tüchern hast und in eine Klinik gehen könntest. Nur für den Notfall. Dann hast Du ein Back-Up und schaffst es vielleicht sogar ohne.
LG,
Steph

Astrid77
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Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Astrid77 » 13:04:2016 11:59

Liebe Steph,

also ich versuche es weiter mit Lyrica erst mal. Viele depressive haben es als wahren Lebensretter bezeichnet und vielleicht werde ich ja mal eine davon sein?

Einen Back up Plan habe ich auch wegen Klinik. Meine Psychiaterin leitet eine Ambulanz speziell für postpartale Depression (ich glaube es kommen aber auch Frauen nach Fehlgeburten zu ihr, also so eng definiert ist es nicht). Die Ambulanz liegt auf dem Gelände eines ehemaligen Sanatoriums, und alles sieht halt etwas alt aus... naja altmodisch halt. Viele Pavillons über einem riesigen Gelände verteilt. Mit dem Auto fahre ich immer durchs Tor und dann den Berg hoch. Da kommen mir schon die ersten Bewohner entgegen, manche gelblich im Gesicht, manche bleich - andere natürlich ganz normal. Mich bedrückt es trotzdem, so Menschen zu sehen, die noch eine stärkere Hölle im Kopf haben! Dann fahre ich an einem Pavillon vorbei, der komplett vergittert ist, wo Leute hinter Gitter auf dem Balkon sitzen. Da würde ich dann wohl auch sitzen, und genau das will ich nicht. An den Leuten die in der Tagesklinik sind komme ich auch vorbei und das zieht mich auch immer so runter. Einfach alles dort auf dem Spitalsgelände. Ich will dort nicht sein, nur im Notfall, ich habe schon gefragt, was passieren würde, wenn ich "durchdrehe" - dann komme ich dort hin. Oder ins Allgemeine Krankenhaus. Ich weiß aber dass ich in so eine Krankenhausumgebung nur noch mehr abschalten würde - also negativ gemeint.

So, jetzt habe ich total negativ darüber geredet, obwohl es wohl doch vielen hilft! Es ist vielleicht einfach so ein Spleen von mir, eben davor solch eine Angst zu haben. Aber für mich war auch schon der Krankenhausaufenthalt nach der Geburt schlimm. Diese woanders sein, das unpersönliche...

LG Astrid
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Steph

Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Steph » 13:04:2016 23:53

Liebe Astrid,
Du beschreibst diese Klinik so, wie man sich Psychiatrien vor hundert Jahren vorstellt. Ich merke schon, dass Dich nichts von Deiner negativen Einstellung dazu abbringen kann, aber ich kann Dir sagen, dass das eine wirklich verzerrte Wahrnehmung ist.
LG,
Steph

Kathi1801

Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Kathi1801 » 14:04:2016 8:32

Liebe Astrid,
du kennst bis jetzt nur diese Psychiatrie? So sind aber nicht alle...ich gehe morgen stationär nach Herten und dort ist es sehr nett eingerichtet helle Räume extra Zimmer für Kinder das Außengelände ist sehr schön....also schau dir doch mal eine andere Klinik an und überzeuge dich selbst das es nicht überall so ausschaut. Ich würde alles daran setzen gesund zu werden, und anscheinend hast du bis jetzt noch nicht das richtige Medikament gefunden dann wäre ein Klink Aufenthalt wahrscheinlich das richtige für dich. Du willst ja nicht noch Jahre so herumdümpeln oder?
Liebe Grüße Kathi :-)

Astrid77
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Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Astrid77 » 14:04:2016 10:12

Hallo,
ja, ich hab Herten in einer kurzen Dokumentation gesehen, kann man sich auch auf youtube anschauen. Alle reden positiv darüber und es sieht auch schön aus. Aber es ist trotzdem nichts für mich, auch wenn es um Welten besser aussieht als das, was ich kenne. Ich hoffe, es wird dir gut tun, und berichte dann auch mal!
LG
Astrid
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Astrid77
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Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Astrid77 » 25:04:2016 16:35

Hallo,

ich wollte nur mal ein kurzes Update schreiben. Ich nehme jetzt morgens 100mg Lyrica und Abends 150mg. Es ist momentan ganz gut so, und ich zwinge mich nicht, weiter hochzudosieren. Tagsüber bin ich aber IMMERNOCH total verwirrt nach der Einnahme, so dass Autofahren eigentlich ein No Go wäre - aber ich fahre eh nicht, da ich alles zu Fuß erreichen kann. Ich versuche den normalen Tagesablauf einzuhalten, ich war sogar einmal Joggen und einmal Fitness Studio, jedoch habe ich das morgens gemacht nachdem ich die Kinder in die Kindergruppe gebracht habe, und Lyrica erst danach genommen, sonst wäre es nicht möglich.
Suizidgedanken kommen kaum noch auf, jedenfalls nicht der Rede wert - oder jedenfalls, nicht so wie früher. Leider merke auch ich, dass Lyrica ein Medikament mit Gewöhnungseffekt ist. Ich möchte nicht so viel davon nehmen da man sich damit die Nieren schädigen kann.
Charlotte, wie geht es dir mit dem Medi, wie viel nimmst du und tut es dir gut?
LG,
Astrid
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Charlotte
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Re: Wer hat Erfahrungen mit Lyrica?

Beitrag von Charlotte » 26:04:2016 11:42

Hallo Astrid,

Das hört sich doch bei dir gar nicht so schlecht an und die Nebenwirkungen gehen bestimmt auch noch etwas zurück. Ich bin jetzt bei 100 mg Lyrica, die ich am frühen Abend nehme. Mittlerweile fühle ich mich deutlich stabiler und die Ängste sind zurück gegangen. Insofern bleib ich jetzt auch bei der Dosierung. Ich nehme ja auch noch zusätzlich 50 mg Trimipramin, das dämpft ja auch ein wenig. Ob das Medikament zur Verbesserung beigetragen hat, kann ich nicht so richtig sagen. Es war zumindest so, dass ich mich wieder Dinge getraut habe , die ich vorher nicht mehr gemacht habe. Und das hat dann den Teufelskreis aus Ängsten und schlechten Gefühlen durchbrochen. Ich soll das Medikament jetzt ersteinmal ein paar Monate nehmen. Dann wünsche ich dir, dass es bei dir weiter aufwärts geht und die Benommenheit nachlässt, aber ich denke, du bist auf einem guten Weg.

Liebe Grüsse

Charlotte
Geburt meiner Tochter 06/2009
Danach schleichender Beginn meiner PPD
Klinikaufenthalt 12/2011 bis 02/2012
Medikamente Trimipramin 50 mg

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