Rückfall trotz AD

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Sunny

Rückfall trotz AD

Beitrag von Sunny » 15:08:2016 8:40

Hallo,
ich las bei euch schon 2013 mit. Nun habe ich mich angemeldet.
Ich leide seit 2012 unter einer Angst und Panikstörung, die ich mit Medikamenten und Therapie gut im griff hatte. 2013 wurde ich schwanger und setzte die Medikamente unter ärztlicher aufsicht langsam ab. mir ging es ja schon lange gut ....... denkste..... nach 3 Monaten war ich schlimmer dran als vorher. Kurze Zeit versuchte ich es nur mit Therapie - ich war ja schwanger. Ich bekam dann 50 mg sertralin, was wahrscheinlich etwas wenig war, mir aber die schlimmsten Symptome nahm und nach ja 1 jahr ging es sehr deutlich aufwärts. die Medikamente nahm ich weiterhin, sicher ist sicher...der schock sitzt tief. 2015 war ich erneut schwanger und ich nahm die Medikamente weiterhin. Ich hatte eine Frühgeburt in 28 + 0. Eine stressige Zeit folgte, 3 Monate war mein sohn auf Intensivstation und wir immer zwischen hoffen und bangen, wird er überleben, wird er eine Behinderung davontragen... etc. Ich war von mir selbst überrascht, wie gut ich diese Situation psychisch gemeistert habe. Alles ging gut aus. mein sohn ist gesund und ich kann ihn sogar voll stillen. alles meine sorgen und Ängste haben sich verflüchtigt, alle wünsche haben sich erfüllt. Als nun die Situation eingetroffen war, auf die ich die letzten Monate hingelebt habe und ich mit meinem Sohn endlich daheim war, erlitt ich trotz meiner Medikamente einen Rückfall....weniger stark und schlimm....aber es warf mich aus der bahn, ich dachte dass ich mit dem medikament auf der sicheren seite war. Ab jetzt nehme ich 100 mg und es geht besser.

ABER jetzt habe ich Angst, dass mein Medikament immer weiter gesteigert werden muss, damit ich mich "normal" fühle und irgendwann nichts mehr wirkt. Natürlich mache ich weiterhin Therapie, doch ich habe erkannt, dass der größte teil der Besserung vom medikament kommt.
Hat jemand etwas ähnliches erlebt?

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Marika
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Re: Rückfall trotz AD

Beitrag von Marika » 15:08:2016 10:06

Hallo nochmal,

hab dir gerade auf deine Vorstellung geantwortet und dir auch einiges über die Vorgänge im Körper geschrieben.

Deine Angst dass du jetzt immer mehr AD brauchst kann ich gut verstehen, ist aber wirklich unbegründet. Deine Erhöhung jetzt hat es gebraucht, weil der Körper zu wenig Serotonin zur Verfügung hatte (weißt eh: Kortisol frisst Serotonin) - das baust du mit 100 mg wieder auf bist du stabil bist. Halte dann diese Stabilität ausreichend lange und versuche in der Therapie bzw. im Alltag weiter an einem guten Stressmanagement zu arbeiten. Das heißt Strategien und Methoden zu finden, die dich stärken mit Stress besser um zu gehen. Das können regelmäßige Entspannungsübungen sein (vor allem in guten Zeiten, nicht nur wenn es einem nicht so gut geht.... :wink: ), das kann etwas Sport sein (kurbelt das Serotonin an und z.B. meine Passion geworden), mir hilft auch das Lesen von Fachliteratur und Zeitschriften zu diesen Themen sehr.

So kannst du mit der Dosis in einiger Zeit vielleicht wieder auf 50 mg gehen. Voraussetzung ist, dass du neben dem AD eben geeignete Maßnahmen und Dinge findest, die dir gut tun. Das AD ist die eine Stütze, aber die Therapie und Dinge die du selber noch tun kannst, die 2. ganz wichtige Säule.

Ich konnte so im Laufe der Jahre von ehemals 3 Medis in Höchstdosis, auf ein Medikament in niedrigster Wirkungsdosis zurückfahren. Und es geht mir nicht nur gut damit - es geht mir besser als je zuvor. :D Das hat aber auch viel Arbeit in der Therapie und das konsequente Umsetzen des Gelernten im Alltag voraus gesetzt.

Also: Schau nach vorne - schau dir an, was du tun kannst, damit du stabil wirst und bleibst. So kann dein Ziel irgendwann sein, mit 50 mg wieder genau so gut zurecht zu kommen, wie jetzt mit 100 mg.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Asrai

Re: Rückfall trotz AD

Beitrag von Asrai » 15:08:2016 20:54

Hallo Sunny,

mir geht es ein bisschen wie Dir: ich hab die richtig heftigen psychischen Probleme (v.a. Angstzustände, innere Unruhe und Anspannung, Gefühl der Überforderung) erst bekommen, als die belastenden Umstände vorbei waren. Während meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich wahnsinnige Angst vor der Geburt, da ich eine traumatische erste Geburt hatte. Hab mich da richtig reingesteigert, konnte an fast nichts anderes mehr denken. Trotzdem hab ich während der Schwangerschaft noch "funktioniert". Die zweite Geburt lief dann aber super, dem Baby und mir ging es gut! Eine richtige Erleichterung ist aber bei mir nicht wirklich eingetreten und ein paar Tage später hab ich dann den Zusammenbruch bekommen.

Wie Marika schon geschrieben hat: es ist sehr oft so, dass man in Extremsituationen oder wenn man schwierige Situationen bewältigen muss funktioniert und man erst dann zusammenklappt, wenn die Situation gemeistert ist. Bin mir sehr sicher, dass es Dir bald wieder besser gehen wird. Du musst Dich einfach erst wieder erholen! Kein Wunder, Du hast ja wirklich eine schlimme Zeit durchgemacht. Geb' Dir Zeit, dann kannst Du bestimmt auch irgendwann wieder mit der Medikamentenndosis runtergehen!

Nach der ganz großen Krise geht es mir jetzt schon viel besser. Merke, wie ich mich Stück für Stück erhole und langsam wieder Normalität einkehrt. Bin aber auch noch auf Medikamente angewiesen.

Ich wünsche Dir, dass es Dir weiter besser geht und natürlich viel Freude mit Deinen Kindern!

Viele Grüße,
Asrai

Sunny

Re: Rückfall trotz AD

Beitrag von Sunny » 16:08:2016 8:50

Liebe Asrai, danke für deine aufmunterden Worte. Ja diese unruhe und Angstzustände kenne ich auch sehr gut. Auch ich habe das Problem, dass ich mich so in meine angst reinsteigere, dass ich nichts anders mehr denken kann. Das liegt aber in der natur der ängste. Das einzige was mir immer bis zu einem gewissen punkt hilft ist ablenkung. Schön zu hören, dass es dir ein wenig besser geht. Ich habe heute leider einen kleinen einbruch. Dh
Ich leide an übelkeit, unruhe, appetittlosigkeit... in solchen situationen denke ich immer "oh gott, ich komm da niemals raus." "Hilfe, ich habe eine schwere psychische Krankheit" (meine diagnose lautet: leichte depression :roll: ) "das medikament wirkt gar nicht" gleichzeitig ist mir sehr wohl bewusst, dass das alles quatsch ist. Aber so ist das mit ängsten, die lassen sich nicht mit rationalen argumenten ruhigstellen.

Asrai

Re: Rückfall trotz AD

Beitrag von Asrai » 16:08:2016 9:22

Liebe Sunny,
wenn ich Einbrüche habe, versuche ich mittlerweile nicht mehr so sehr dagegen anzukämpfen, weil das die Sache nur schlimmer macht. Versuche mir so was zu sagen wie: "Ok grade ist es echt ..., aber das heißt nicht, dass es morgen oder im Verlauf des Tages immer noch so ist." Ich versuche mich daran zu erinnern, dass es nach schlechten Tagen immer wieder aufwärts gegangen ist. Wenn ich gleich früh merke, dass die Unruhe da ist, versuche ich sofort in die Gänge zu kommen (bloß nicht weiter im Bett rumliegen). Manchmal hilft duschen und dann gleich rausgehen. Wenn ich in negativen Gedankenspiralen drin bin, hilft mir manchmal auch der Satz "Glaube nicht alles, was Du denkst". Das alles hilft mal mehr und mal weniger...
Ich wünsche Dir, dass Dein Tag noch eine positive Wende nimmt!
Liebe Grüße,
Asrai

Sunny

Re: Rückfall trotz AD

Beitrag von Sunny » 16:08:2016 12:01

Danke liebe Asrai, du sprichst mir aus der seele. Das schlimmste ist echt man im bett liegen bleibt und versucht sich zu beruhigen. Ich muss auch aufstehen und was tun. Ist die unruhe bei dir auch morgens am schlimmsten? Gegen abend fühle ich mich immer recht normal und kann mein ich von morgens früh nicht verstehen.
Liebe Asrai, nach dem ganzen stress, der ausgestandenen angst (uns müssten wir doch beide vor erleichterung im 7. Himmel schweben...mein sohn ist gesund, deine geburt lief super...)
Eigentlich hätte man mal ein bisschen erholung verdient und jetzt DAS.... total kontraproduktiv....aber weisst du was: wir haben beide zwei gesunde kinder und die bleiben uns, während die krankheit nur eine phase unseres lebens ausmacht.

Asrai

Re: Rückfall trotz AD

Beitrag von Asrai » 18:08:2016 20:17

Liebe Sunny,
bei mir ist es auch morgens und vormittags am schlimmsten - eben dann, wenn man den ganzen Tag noch vor sich hat. In den letzten Tagen kann ich mich aber nicht beschweren, da hatte ich kaum Symptome. Weiß nicht, obs einfach natürliche Schwankungen sind oder mir das Progesteron, das ich ich seit kurzem nehme, hilft. Will mich nicht zu früh freuen, hatte nach guten Tagen immer mal wieder Einbrüche. Versuche die symptomfreie Zeit zu genießen, ohne mich darauf zu versteifen, dass es so bleiben muss. Gleichzeitig weiß ich, dass mich ein Einbruch wieder voll runterziehen würde...
Wie geht es Dir denn?
Liebe Grüße,
Asrai

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