Endgültige Diagnose bekommen

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Sunshine86
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Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Sunshine86 » 05:12:2019 18:11

Hallo ihr lieben. Ich muss mal meinen Frust los werden.. Ich hatte heute die 2. Therapiesitzung und heute die Diagnose bekommen, unter was ich eigentlich leide. Es hieß bisher immer Postpartale Depression. Nun wurde aber klar und eindeutig, dass ich eine rezessive Depressionsstörung hab, auslöser liegt wohl in der Kindheit. Ich sollte eigentlich in eine Klinik, was aber Job mäßig und auch Kinder absolut nicht machbar ist. Also muss es jetzt ambulant gehen, auch wenn es 1-2 Jahre dauert. Auch soll ich von Mirtazapin auf Sertralin morgens und abends auf Amitriptylin wechseln. Hat irgendwer Erfahrung mit dieser Diagnose oder den Medikamenten? Ich musste schon mal 1 Jahr lang Mirtazapin nehmen und damals hatte es gut geholfen. Dieses Mal nun aber so gar nicht. Bin echt verzweifelt und weiß nicht ob die anderen Medis tatsächlich besser wären.. Überhaupt 2 verschiedene Medis zu brauchen find ich für mich selber echt schlimm. Ich hoffe es findet sich jemand wo Erfahrung damit hat. Liebe Grüsse

Celeste
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Celeste » 05:12:2019 19:16

Hallo Sunshine,

meinst du rezidivierende depressive Störung? Unter ,rezessiv‘ konnte ich jetzt nichts finden.
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

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Sunshine86
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Sunshine86 » 05:12:2019 20:28

Ja das sollte es eigentlich heißen. Sorry habs mit so komplizierten Wörtern nicht so und hatte mich verschrieben :|

Celeste
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Celeste » 05:12:2019 20:57

Wovor hast du genau Angst? Bzw. was findest du ,schlimmer‘ daran als die Anfangsdiagnose?
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2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
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Sunshine86
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Sunshine86 » 05:12:2019 21:40

Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll.. Es war halt nochmal irgendwie ein Schlag ins Gesicht zu wissen,
bzw. die Erkenntnis, dass es sich schon mein ganzes Leben so mit Depressionen durch zieht. Aber der grösste Teil war immer hinter einer Tür verschlossen und für mich nicht mehr zugänglich. Jetzt platzt die Tür aber nach und nach und wirft mich völlig aus der Bahn. Ich hätte nie gedacht so "krank" zu sein. Wollte es nie wahr haben und schäm mich auch irgendwie dafür. Totales Gefühlschaos.

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Marika
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Marika » 06:12:2019 9:19

Hallo Sunshine,

ich kann dich gut verstehen. Gerade diese kalten und emotionslosen Worte die psych. Erkrankungen beschreiben, können einen ganz schön zu schaffen machen. Mir ging es vor 15 Jahren sehr ähnlich. In Österreich gab es damals im den Begriff PPD und PPP gar nicht in diesem I-Nummern Verzeichnis, das die Ärzte immer hernehmen müssen, um ein Krankheitsbild zu beschreiben. Also musste mein Psychiater etwas nehmen, was dem nahe kam: "Anpassungsstörung" stand dann da... Ich war nur noch down, weil ich mir völlig unfähig und verblödet vorkam... Es war als würde man denken, ich würde mich weigern, die Aufgaben einer Mutter wahr zu nehmen. Dabei war ich mein Leben lang immer angepasst, habe immer versucht es allen recht zu machen - auch in meiner Rolle als Mama wollte ich das sein. Genau dieses Angepasst sein hat mich aber krank gemacht. Das war schlimm für mich. Mein Psychiater hat mich da aber sehr gut raus geholt und mir gesagt, dass er selber blöd findet, dass sie als Ärzte da an diesen I-Nrn. Katalog mit diesem "Beamtendeutsch" gebunden sind. Aber ich soll dieses Wort einfach vergessen, denn ein Wort das eine Diagnose beschreibt sei für mich und mein Gesund werden unwichtig. Wichtig hingegen sei, dass ich mich auf die Therapie konzentriere und auf das, was mich nach vorne bringt. Das habe ich dann beherzigt und es tat mir wirklich gut - ich habe das Wort "Anpassungsstörung" einfach nur noch belächelt.

Übrigens hat auch meine PPD ihren Ursprung schon in der Kindheit, weil ich da bereits erste zwanghafte Verhaltensmuster ausgebildet habe. Dazu meine Veranlagung für psych. "Besonderheiten" :wink: , meine Hochsensibilität, mein fein vernetztes vegetatives Nervensystem, bestimmte traumatische Erfahrungen... all das hat später dann zu meiner PPD beigetragen. Wie man sieht, trifft es Anpassungsstörung bei mir auch nicht wirklich, aber es ist ein Begriff mit dem die Bürokraten was anfangen können. Versuch dich nicht an der Diagnose fest zu beißen, schau was du jeden Tag tun kannst, damit es dir ein bisschen besser geht.

Zu Sertralin kann ich sagen, dass es auf den Botenstoff Serotonin wirkt - ich nehme ein ganz ähnliches AD und mir hat es mein Leben wieder gegeben. Es ist oft so, dass ein Medikament das schon mal geholfen hat, bei einer neuen Episode nicht mehr hilft. Das kann sein, wenn andere Botenstoffe mehr oder weniger betroffen sind, als vielleicht davor. Daher ist es auch sonst oft nicht so einfach, gleich das passende AD zu finden. Mirtazapin wird meistens bei Altersdepressionen verschrieben, es wirkt schlafanstoßend und Appetit steigernd, allerdings nur mäßig angstlösend und mittelmäßig antidepressiv. Sertralin wirkt da viel besser. Amitriptylin kenne ich zu wenig. Hat man dir erklärt, was dieses AD abends bewirken soll? Wenn nicht, dann frag nach. Bitte deinen Arzt um eine Erklärung, was beide Medis zusammen auffangen können. Dann herrscht meistens mehr Klarheit.

Du schreibst, du schämst dich... warum? Weil du etwas bekommen hast, worum du weder gebeten noch etwas dafür getan oder gewünscht hast? Scham ist sehr oft mit unserer "Besonderheit" verbunden, wir fühlen uns "fehlerhaft" und nicht perfekt. Glaub mir eines: ich habe so viele "gesunde" Menschen kennen gelernt, die schwere Defizite in ihrer Persönlichkeit haben und eigentlich behandelt gehörten. Aber nein, diese gelten dann noch oft als "robust" und "belastbar". Es ist eine verkehrte Welt, behaupte ich. Ich gehe sehr selbstbewusst mit meiner Besonderheit um, das habe ich in all den Jahren lernen dürfen. Ich sehe uns PPD Mamas auch nicht als "so krank", sondern als so empfindsam, dass wir viel schneller bemerken, wenn etwas in die falsche Richtung läuft. Wir fühlen schneller und früher. Allerding versuchen wir ständig, es den ach so Robusten und Starken nach zu machen und schon früh auftretende Alarmsignale weg zu drücken. Das macht uns dann "krank". Es geht darum, dass wir unser Frühwarnsystem kennen lernen und darauf hören und selbstbewusst sagen: Ja, ich bin sensibel und empfindsam und das ist wunderbar!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Celeste
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Celeste » 06:12:2019 11:53

Wow Marika!! Bin immer wieder fasziniert von deinen Worten! Klasse!!
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
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Sunshine86
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Sunshine86 » 06:12:2019 14:42

Vielen lieben Dank Marika für deinen Bericht. Du hast das so super erklärt, dass ich das ganze jetzt schon mit einem etwas klareren Verstand und einem anderen Blick auf das ganze sehen kann. Das hat mir irgendwie grad echt geholfen und ich werd mich, soweit meine Ärztin das zu lässt, an das Sertralin wagen. Warum ich das eine abends nehmen soll bzw. 2 verschiedene, weiß ich gar nicht. Muss das alles erst abklären. Hab am Montag meinen Arzt Termin. Ich wusste schon immer das ich sehr sensibel und empfindsam bin. Wünschte mir aber manchmal das ich stärker und selbstbewusster wär und das Leben einfacher meistern könnte. Kann es aber einfach nicht. Ich hoffe ich lern das unter anderem auch in der Therapie.

Anke
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Anke » 06:12:2019 15:31

Hallo Sunshine,

ich bin im Forum nur noch sehr selten aktiv, meine Krankheit liegt schon 19 Jahre zurück...

Damals bekam ich u. a. Amitriptilyn, das ist ein trizyklisches, gut erprobtes Antidepressivum. Mir hat es sehr gut geholfen. Ich habe es auch u. a. abends bekommen, da es schlafanstossend ist.

Oftmals kommt es vor, dass ein Medikamentenwechsel erforderlich ist, bis die volle Wirkung entfaltet ist.

Vertrau Deinem Arzt und frage ihn, wenn Du mehr wissen möchtest oder Dir unsicher bist.

Alles Gute!
Viele Grüße von Anke

"Die Zeit heilt alle Wunden..."

Sunshine86
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Sunshine86 » 06:12:2019 15:43

Ich danke dir für deine Antwort. Ja ich leide unter Schlafstörungen, daher auch unter anderem das Mirtazapin. Aber wie gesagt es wirkt nicht so wie damals. Bist du in dem Fall inzwischen geheilt?

Anke
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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Anke » 06:12:2019 16:06

Ja, seit fast 18 Jahren bin ich wieder ganz gesund :-)
Viele Grüße von Anke

"Die Zeit heilt alle Wunden..."

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Re: Endgültige Diagnose bekommen

Beitrag von Sunshine86 » 06:12:2019 16:26

Das freut mich zu hören. Ich steh noch ganz am Anfang :cry:

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