Sympathikus vs. Parasympathikus

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Mat1977
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Sympathikus vs. Parasympathikus

Beitrag von Mat1977 » 03:08:2020 20:42

Hallo zusammen,

Ich hatte letzte Woche die beste Therapie Stunde bisher. Ich habe viel zu den Hintergrunden unserer Depression kennengelernt und habe auch eine konkrete Übung für zu Hause bekommen und da diese so einfach ist aber nach paar Tagen auch so richtig spurbar beruhigend wirkt, habe ich mich entschieden, diese mit euch zu teilen. Beim ersten Mal dauerte die Wirkung genau so lange wie das Gehen aber ich merke, dass sie jetzt nach einigen Tagen auch immer länger anhält. Ich bin immer länger nach der Übung gelassener und nicht mehr so ruhelos und ängstlich.

Und zwar ist meine Aufgabe jeden Tag eine halbe Stunde achtsam, still gehen, ohne Handy, ohne Störfaktoren, einfach gehen und dabei wie folgt atmen: 4 (ungefähr) Sekunden einatmen und 6 Sekunden ausatmen. Wichtig dabei ist, dass man länger ausatmet als einatmet und dass man ganz ausatmet... Das beeinfluß die Wirkung vom Sympathikus und Parasympathikus. Diese Wirkung hat mir die Therapeutin auch erklärt, kann ich euch so aber nicht 1:1 weiter geben, wäre zu viel schreiben. Deswegen habe ich für euch einen Artikel aus dem Internet rausgesucht, der das am nähesten beschreibt:

Depression als überschißender Energiesparmodus
Ich sage immer gerne: “Depression ist wie ein lang andauernder Winterschlaf” Unser Körper besitzt rein evolutionär die Fähigkeit in bestimmten Zeiten sein Energiebedarf und die Energiebereitstellung herunter zu fahren. So muss man sich die Depression vorstellen. Ein nicht enden wollender Winterschlaf für den Körper. Deswegen hat man in der Depression keine Energie egal wie sehr man sich ausruht. Das Problem ist, dass man das Gefühl hat man müsse sich immer weiter ausruhen, um Energie zu sparen. Die Folge ist ein Teufelskreis. Der Körper fährt immer weiter sein Energieangebot runter und verlernt auf Anforderungen zu reagieren. Das führt zu immer mehr Überforderungserleben und weiteren Rückzug und Erschöpfung.

Winterschlaf war in der evolutionären Entwicklung wichtig, da wir in kalten Zeiten nicht so viel Nahrung zur Verfügung hatten und unseren Energieverbrauch drosseln mussten. Diese Fähigkeit wird uns jetzt zum Verhängnis.

Überschießende sympathische Aktivität
Unser Körper ist in der Depression aber auch dauerhaft angespannt und hat verlernt auf Anforderungen zu reagieren. Er ist im Zustand der dauerhaften Überforderung, denn wir liegen ja nicht die ganze Zeit rum in der Depression, sondern sind mit den gleichen Anforderungen im Alltag konfrontiert wie immer. Dafür hat der Körper unter anderem das vegetative Nervensystem zur Verfügung, was die Energie bereitstellen soll. Hierbei gibt es ein System, das sich Sympathikus und Parasympathikus nennt. Vereinfacht gesagt, ist der Sympathikus dafür verantwortlich Energie und Kraft bereitzustellen und der Parasympathikus ist für Erholung und Wiederauffrischung der Energiereserven zuständig. Die zwei sind Gegenspieler. Es kann immer nur einer aktiv sein.

Das komische ist, dass in der Depression nicht der Parasympathikus aktiv ist, wie man es vielleicht vermutet sondern eher der Sympathikus. Er ist sogar überaktiv, lässt uns grübeln, denken, schlecht schlafen und irgendwie auch dauerhaft angespannt und unruhig. Die Aktivität des Sympathikus schießt über.

Parasympathikus zu wenig aktiv
Durch die Aktivität des Sympathikus ist der Parasympathikus unterdrückt. Und klar. Wenn ein Körper die ganze Zeit Energie bereitstellen soll (die er nicht hat im Winterschlaf) führt das früher oder später zur Erschöpfung. Aber dabei wird der Parasympathikus nicht aktiv sondern wird weiter dauerhaft unterdrückt, da ja ständiges nachdenken, grübeln, Lösungen suchen den Körper nicht zur Ruhe kommen lässt.

Etwas komisch gesagt: Ein depressiver Mensch kämpft gegen das an, was er eigentlich bräuchte. Eine Zeit der Ruhe und Depression zur Auffrischung der Energie. Und gleichzeitig nutzt er seine Energie nicht, um mehr Energie zu erzeugen sondern zapft einfach weiter an den Reserven an bis keine mehr da sind.

Eine Depression ist also eine körperliche Disbalance. Der Körper hat verlernt den Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung zu schaffen. Sprich Anspannung ein, danach dann Entspannung und Erholung. Der Energiesparmodus ist ein Abwärtsspirale des Körpers.

Depressive frieren
Menschen mit Depression haben häufig Schwierigkeiten in der Regulation der Körperwärme. Sprich sie frieren. Das hat ebenfalls damit zu tun, dass der Körper die Fähigkeit verlernt seine Körpertemperatur anzupassen. Wir müssen uns vor Augen halten, dass Menschen selbst in kalten Regionen der Welt zu Hause waren, weit bevor wir Heizungen hatten. Daran können wir sehen, dass der Mensch sehr wohl mit Kälte gut umgehen kann. Jetzt haben wir leider Heizungen und unser Körper muss keine Wärme mehr produzieren. Menschen mit Depression kommen dann in Schwierigkeiten. Sie können dem nur wenig entgegensetzen. Sie frieren und ziehen sich immer dicker ein. Das löst das Problem leider eher nicht. Der Körper lernt nicht aus seinem Winterschlafmodus herauszukommen. Im Gegenteil. Er wird weiter dazu animiert.

Raus aus dem Winterschlaf! Raus aus dem Energiesparmodus!
Ok. Soviel zur Theorie und zu den Ursachen. Aber wie kommen wir aus dem Winterschlaf wieder raus? Wie können wir unserem Körper beibringen, dass der Winterschlaf vorbei ist und wir keinen Energiesparmodus mehr brauchen? Klar. Wir müssen ihn aufwecken. Langsam und behutsam. Die Augen aufmachen, aus der Höhle heraustreten und wieder aktiv werden. Aber natürlich langsam und Schritt für Schritt. Wenn wir uns müde fühlen dürfen wir wieder zurück in die Höhle und uns erholen. So wie wir es gerade brauchen. Und dann wieder raus. Raus ins Leben. Raus in die Natur. Dinge schaffen.

Übersetzt ins 21. Jahrhundert heißt das wir müssen unbedingt Sport machen. 30 Minuten Ausdauersport zwei Mal in der Woche! Spaziergänge in der Natur. Mehrmals in der Woche. Entdecken, was uns wichtig ist. Alte Gewohnheiten von vor dem Winterschlaf wieder aufnehmen. Der Kälte sich annähern. Kalt duschen z.B.

Wie ich oben ja schon geschrieben haben geht eine Depression auch mit einer Entzündungsreaktion des Körpers einher. Das stresst und beschäftigt den Körper zusätzlich (=Sympathikus aktiv). Von daher ist eine Ernährungsumstellung hilfreich. Hin zu entzündungshemmenden Nahrungsmitteln (Tomaten, Spinat, Ananas,…) , weg von entzündungsfördernden Nahrungsmitteln (Zucker, rotes Fleisch)."
03.2016 - 2. Geburt - Panikattacken, Schlaflosigkeit - 150 mg Sertralin
06.2018 - Sertralin ausgeschlichen
11.2018 Rückfall - 150 mg Sertralin + TP
08.2019 50 mg Sertralin
12.2019 Sertralin ausgeschlichen wegen NW
02.2020 Absturz nach Jobverlust - 30mg Mirtazapin
06.2020 Escitalopram tropfenweise einschleichen + 15mg Mirtazapin
07.2020 10 mg Escitalopram, 7,5 mg Mirtazapin
08.2020 20 mg Escitalopram, 7,5 mg Mirtazapin, Atosil b.B

Nelli
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Re: Sympathikus vs. Parasympathikus

Beitrag von Nelli » 03:08:2020 23:17

Sehr interessant, vielen Dank!
Und tatsächlich empfinde ich die Balance Anspannung-Entspannung als maßgeblich für mein Wohlergehen.
Das eine bedingt das andere, strukturiert und befriedigt.
Deshalb war der Wiedereinstieg in den Job (der mir halt auch gut liegt) auch ganz wichtig für mich.
Nelli

Hallo123
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Re: Sympathikus vs. Parasympathikus

Beitrag von Hallo123 » 05:08:2020 12:55

Hallo Mat,

der Text ist echt interessant. Genau sowas hilft mir, das alles besser zu verstehen und was da gerade mit einem passiert.
1. Kind: keine PPD, glücklich
2. Kind: PPD seit Geburt

Medikamente:
Schilddrüsenmedikament
Escitalopram 15 mg
Progesteroncreme

Celeste
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Re: Sympathikus vs. Parasympathikus

Beitrag von Celeste » 06:08:2020 19:31

Hallo Mat!
Vielen Dank für diesen Beitrag. Solche Beiträge sind sehr viel Wert. Danke
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt

November17
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Re: Sympathikus vs. Parasympathikus

Beitrag von November17 » 08:08:2020 9:30

Vielen Dank für den Beitrag!

War sehr interessant zu lesen.

Woher hast du den Artikel? Evtl. gibt es dort noch mehr Interessantes zu Nachlesen?

Vg

Mat1977
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Re: Sympathikus vs. Parasympathikus

Beitrag von Mat1977 » 08:08:2020 18:24

03.2016 - 2. Geburt - Panikattacken, Schlaflosigkeit - 150 mg Sertralin
06.2018 - Sertralin ausgeschlichen
11.2018 Rückfall - 150 mg Sertralin + TP
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12.2019 Sertralin ausgeschlichen wegen NW
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06.2020 Escitalopram tropfenweise einschleichen + 15mg Mirtazapin
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