Wie ist der Weg zur Therapie?

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Lauri04
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Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Lauri04 »

Hallo ihr Lieben,
Seit kurzem bin ich hier im Forum angemeldet und habe auch einen kleinen Text in der Vorstellungsrunde verfasst.
Am Mittwoch habe ich endlich den Entschluss gefasst, mir Hilfe zu suchen. Ich habe eine Mail an die Familienberatung in meiner Umgebung geschrieben, kurz mein Problem geschildert und gefragt, ob man mir einen Psychologen empfehlen kann.
Es hieß, dass ich innerhalb einer Woche eine Antwort bekomme. Jetzt sitze ich irgendwie auf heißen Kohlen und mich beschäftigen so einige Sachen.
Was, wenn man mich nicht ernst nimmt? Oder ich garkeine antwort bekomme? Und wie ist es, wenn ich dann tatsächlich jemanden empfohlen bekomme? Muss ich erst zum Hausarzt? Ich habe den Wunsch, dass man mir einfach sagt, wo ich hingehen soll und dann bleibe ich da. Ich möchte einfach nicht 5 verschiedene Stellen durchlaufen, wo ich jedes mal erzählen muss dass ich so überfordert bin, dass ich meine Wut an meinen Kindern auslasse. Könnt ihr das verstehen? Ich will wirklich etwas ändern, aber es fällt mir sooo schwer darüber zu reden.

Eine andere Sache ist: seit ich hier angemeldet bin, hatte ich keine Wutausbrüche mehr und fühle mich auch irgendwie besser. Zwar bin ich ganz schön nervös, weil ich halt auf diese Email warte, aber ich habe zwischendurch schon gedacht, dass ich doch keine Hilfe bräuchte. Was meint ihr? Ist es einfach der Zuspruch, den ich hier bekommen habe, der es schon besser macht? Oder, dass ich die Entscheidung getroffen habe, mir Hilfe zu suchen?
Oder wird es einfach besser? Ist das normal?

Vielen Dank fürs Lesen und einen schönen Sonntag :)
03/2019 erstes Kind
10/2020 zweites Kind - seit dem Wutanfälle
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Marika
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Marika »

Hallo meine Liebe,

ich finde es wirklich toll, dass diesen Schritt gemacht hast. Natürlich verstehe ich deine Nervosität, aber versuch trotzdem jetzt einfach mal die Antwort abzuwarten. Ob du zum Hausarzt musst, weiß ich nicht - ich bin aus Österreich und bei uns läuft das Versicherungstechnisch mit der KK etwas anders. Bei uns geht das meistens so, dass man sich vom Hausarzt eine Überweisung holt und dann Vorschläge für zuständige Fachpersonen erhält, wo man sich einen Termin machen kann. Aber vielleicht regelt das die Familienberatung auch ganz eigenständig.

Ja, es ist normal denke ich, dass du dich jetzt plötzlich besser fühlst. Schon alleine dass man sich aktiv Hilfe holt, kann helfen - aber ich denke nicht wirklich nachhaltig - dafür braucht es dann schon noch mehr. Es ist vielleicht wie wenn du mit Zahnweh beim Zahnarzt einen Termin ausmachst und im Wartezimmer dann plötzlich keine Schmerzen mehr hast - das ist ja auch ein bekanntes Phänomen. Als ich damals das erste Mal im Wartezimmer beim Hausarzt saß (bei mir war er die erste Anlaufstelle) dachte ich mir - es geht mir doch eh gut... aber das ist eher eine vorübergehende Wahrnehmung.

Ich glaube, du bist einfach erleichtert, dass du jetzt aktiv Hilfe holst und dadurch einfach auch etwas entspannter. Das ist wunderbar. Bleib dran ... hast du evlt. schon eine Antwort erhalten?

P.S: Was auch gut wäre, die Schilddrüsenwerte überprüfen zu lassen. Ich habe eine Cousine mit 2 Kinder, bei ihr liegt eine Störung der SD Hormone vor. Sie ist extrem reizbar und hat auch Wutanfälle ihren Kindern gegenüber. Seit sie da behandelt wird, ist es um einiges besser geworden.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Lauri04
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Lauri04 »

Hallo Marika,
Danke für deine Nachricht. Ja, ich habe inzwischen eine Antwort bekommen. Mir wurde geraten zum Hausarzt, zur Gynäkologin oder zur Hebamme zu gehen. Oder mit jemandem aus meinem Umfeld zu sprechen. Aber eigentlich möchte ich nicht mit jemandem sprechen, der mich kennt. Niemand würde so etwas von mir erwarten.
Ich bin mir so unsicher. Ich habe auch Angst, dass ich garnicht ernst genommen werde. Ich kann ja nicht mal meinem Mann oder meiner besten Freundin davon erzählen. Ich schäme mich auch so für das was vorgefallen ist.
Sich einen Termin beim Hausarzt geben zu lassen, darauf zu warten und dann noch auf eine Therapie oder so zu warten... Ich weiß garnicht, wieso es mir so schwer fällt. Aber wenn es erstmal so weit ist, muss ich es ja jemandem erzählen. Wenn ich arzttermine habe, muss ja jemand auf die Kinder aufpassen.. Solche Gedanken mache ich mir :roll:

Also ist es auch normal, dass es mir manchmal einfach "gut" geht? Auch mehrere Tage am Stück?

Vielen Dank für den Tipp mit der Schilddrüse, das werde ich untersuchen lassen, wenn ich dann so weit bin.
LG Lauri
03/2019 erstes Kind
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Marika
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Marika »

Hallo Laurie,

also ich würde es ganz ehrlich so machen: Beim Hausarzt einen Termin machen - das geht ja in der Regel nicht ewig mit warten. Ich würde ihm einfach einen groben Überblick über deinen Zustand geben, dass du dich "psychisch" nicht gut fühlst und weitere therapeutische Hilfe brauchst. Dann würde ich ihn auch gleich bitten die SD Werte mal an zu schauen. Ich habe meinem Hausarzt auch nicht im Detail gesagt, was ich fühle - ich hatte ja massive Zwangsgedanken ich könnte meinem Kind etwas antun. Das habe ich ihm auch nicht gesagt... auch weil ich mich geschämt habe - ich habe einfach meine sehr schlechte Verfassung beschrieben und habe dann sofort Hilfe von ihm bekommen. Mir wurde eine Überweisung ausgestellt und er war so gar so nett und hat sofort einen Termin bei einem sehr guten Psychiater für mich ausgemacht, weil er sah wie schlecht es mir ging. Aber den vollen Inhalt meiner Verfassung habe ich ihm nie gesagt, das habe ich dann meinem Psychiater anvertraut.

Ich glaube, dass du auch einen immensen Druck hast, weil du nicht mal mit deinem Mann sprichst - das war für mich ein wichtiger Knackpunkt. Ich habe 2 Wochen lang auch versucht die ganze Tragweite vor meinem Mann und meinen Eltern zu verheimlichen. Da wird der Druck natürlich noch größer und steigt ins Unermessliche. Es hilft soooo viel, wenn man sich wirklich öffnen kann. Besonders dann das Gespräch mit meinem Mann und meinen Eltern, hat mich sehr entlastet und wesentlich zu einer Besserung beigetragen. Es war nicht leicht - ja klar, es war sehr schwer, aber ich glaube es würde auch dir Erleichterung bringen. Du siehst ja schon, dass es hilft hier zu schreiben.

Ich wünsche dir, dass du es schaffst die Hürden die dich noch hindern, zu überwinden. Es war für jede Frau hier schwierig sich Hilfe zu holen, aber es entlastet so unendlich. Spring über deinen Schatten!
Liebe Grüße von
Marika

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Lauri04
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Lauri04 »

Hi Marika,
Nochmals vielen Dank für deine Ratschläge! Es ist wirklich schön, hier so viel Zuspruch zu bekommen!

Ich denke, so werde ich es auch machen. Ich würde meinem Hausarzt auch nicht alles erzählen wollen. Das wäre mir so unangenehm.. der kennt mich und behandelt meine ganze Familie. Er steht zwar unter Schweigepflicht, aber es ist mir so wichtig, dass andere von mir denken, ich sei eine gute Mutter...
Ich hoffe, dass das bei einem Psychiater einfacher wird. Der hat sowas bestimmt schon mal gehört.

Aber bei meinem Mann.. ich male mir immer wieder aus, wie er reagieren wird. Entweder er nimmt mich nicht ernst oder er kann damit nicht umgehen und sagt nichts. Ich habe gestern den ganzen Tag versucht, es ihm zu sagen... aber dann war ich plötzlich wie gelähmt. Es kam einfach nichts aus meinem Mund..
Ich glaube er kann das einfach nicht verstehen. Und deshalb weiß ich nicht wie genau ich ihm meine Gefühle erklären soll.

Alles irgendwie schwierig, aber zumindest denke ich darüber nach.
Danke, dass ich hier meine Gedanken loswerden kann..
Viele Grüße
Lauri
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Leonie12
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Leonie12 »

Liebe Lauri

Erstmal grossen Respekt dafür, dass du den Schritt gewagt hast, dir weiter Hilfe zu holen! Deine Beobachtungen, dass es plötzlich besser ist und ob es wirklich nötig ist, sich Hilfe zu holen kenne ich auch sehr gut! Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt.. Daher danke Marika für die Antwort :-)

Was deine Sorge über deine Probleme zu sprechen angeht, kann ich dich ebenfalls sehr gut verstehen! An dieser Stelle erstmal das wichtigste: Du bist eine gute Mutter! Du gibst jeden Tag dein bestes für deine Kinder, du hast erkannt, dass du am Limit bist und du holst dir deswegen Hilfe! All das macht dich zu einer grossartigen Mutter! Also rede dir bitte nichts anderes ein/ lass dir nichts einreden :wink:

Was das Gespräch mit deinem Mann betrifft, auch da kann ich mir vorstellen, dass es dir schwer fällt. Natürlich ist das deine Entscheidung, aber ich möchte dich gerne ermutigen und darum erzähle ich dir von meinem Gespräch mit meinem Mann. Erstmal, ich habe wenig gesagt, sondern ihm meinen angefangen Text gezeigt (ich kann nun mal besser schreiben), ihm die Homepage von
Schatten und Licht gezeigt, das Ergebnis vom Selbsttest und ansonsten hauptsächlich seine Fragen beantwortet. Mir hat es sehr gut getan, mit ihm zu reden und ich glaube, er war auch sehr froh und dankbar, dass ich es ihm gesagt habe, weil er mich jetzt besser verstehen und unterstützen kann. Und ich glaube auch, dass es uns wieder mehr zusammen gebracht hat :-)

Wie auch immer du dich entscheidest, ich wünsche dir von Herzen alles Gute und ganz viel Kraft! Fühl dich gedrückt!

Liebste Grüsse
Leonie
Ganz liebe Grüsse
Leonie

1. Kind 08.2018 Stillprobleme, ansonsten alles gut
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Lauri04
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Lauri04 »

Hi Leonie,

Ich habe tatsächlich vor ein paar Tagen mit meinem Mann gesprochen. Er hat ganz anders reagiert als erwartet und hat mich wirklich ernst genommen. Das tat sehr gut. Ich habe viel geweint und um den heißen brei herum geredet, aber er hat letzten Endes verstanden, was mit mir los ist. Ich werde mir im April beim Hausarzt eine Überweisung holen und ich denke dann kommt der Stein ins Rollen.
Ich glaube auch, dass das wichtig für unsere Beziehung war. Ich fühle mich seit dem auch wieder ein bisschen besser :)

Lieben Gruß
Lauri
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Leonie12
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Leonie12 »

Hey Lauri

Wow, super :!: Gerade weil ich weiss, wie schwer dir das gefallen ist, bin ich umso mehr stolz auf dich! Es freut mich sehr, dass du es geschafft hast und dass er dich wirklich ernst genommen hat! Dass ist für euch beide sooo wichtig! Freut mich, dass es euch gut getan hat und du jetzt nicht mehr allein damit bist!

Alles Liebe und mach weiter so, du bist auf einem guten Weg! Ich bin zwar auch kein Experte, aber da bin ich mir ziemlich sicher :wink:

Liebe Grüsse
Leonie
Ganz liebe Grüsse
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Lauri04
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Lauri04 »

Das ist so lieb von dir danke!
Es tut wirklich gut, das mit ihm zu teilen. Du und auch andere haben mir so viel Mut gemacht!
Bin gespannt, wie es für uns weiter geht..
Alles Liebe
Lauri
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Leonie12 »

Liebe Lauri

Wie gehts dir denn momentan? Wo stehst du gerade auf deinem Weg, dir Hilfe zu holen?

Ich wünsche dir alles Gute!
Ganz liebe Grüsse
Leonie

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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Lauri04 »

Hey Leonie,
Ich stecke irgendwie fest. Ich hatte ja bereits mit meinem Mann gesprochen und wir haben uns darauf geeinigt, dass ich mir einen Arzttermin geben lasse, wenn er Urlaub hat (Ende april). Jetzt hat er seinen Urlaub aber in den Juni verlegt, weil wir dann umziehen werden und sein Chef ihn im April braucht.
Davon bin ich irgendwie total enttäuscht. Ich weiß garnicht warum. Ich könnte den Termin auch einfach dann machen, wenn er einen Tag frei hat.. Vielleicht suche ich auch nur nach ausreden..

Der Alltag mit den Kindern ist auch anstrengend. Zwischendurch hatte unsere Kita wieder zu. Ab nächste Woche wieder auf... schlechtes Wetter und man kann nicht rausgehen. Alles ein bisschen aussichtslos.
Ich bin also noch kein Stück weiter :(
Liebe Grüße
Lauri
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Marika
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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Marika »

Hallo,

versuch dich frei zu machen von all den Umständen die du siehst, warum du keinen Termin machen "kannst". Du kannst - du schaffst das - auch ohne deinen Mann. Schieb es nicht weiter vor dir her, nimm dein Leben aktiv in die Hand!

Alles Gute dabei!
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Wie ist der Weg zur Therapie?

Beitrag von Leonie12 »

Liebe Lauri

Ich kann dich gut verstehen! Du hast auf "Unterstützung" durch den Urlaub von deinem Mann gehofft und da diese jetzt erstmal wegfällt, reagierst du mit Unsicherheit und Rückzug. Dass finde ich verständlich. Trotzdem schliesse ich mich Marika an: schrieb die Zweifel weg, du bist eine starke Frau und eine wunderbare Mutter und du kannst den Weg in die Therapie auch alleine gehen! Zudem ist dein Mann ja auch so an deiner Seite und unterstützt dich so gut wie möglich. Du bist also nicht allein! Du schaffst das, wir glauben an dich :D
Ganz liebe Grüsse
Leonie

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