Akutphase

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Melli79
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Akutphase

Beitrag von Melli79 » 19:10:2019 8:46

Ihr Lieben,

mein Termin bei meinem Psychiater Donnerstag beschäftigt mich sehr, deswegen schreibe ich erst jetzt.

Ich hatte ja vor mit ihm nochmal über die Bindung zu meiner Ma zu sprechen und was das mit mir gemacht hat und wie sich das wohl auf meinen Sohnemann ausgewirkt hat und ob da nicht der Knackpunkt zu meinen Zwangsgedanken/Kurzfilmen liegt.

Ich hatte noch nicht mal die Hälfte erzählt , da unterbricht er mich und sagt ich würde ständig mit "neuen Erkenntnissen" um die Ecke kommen die alle schon klar und besprochen wären , dann folgte ein Monolog über das Meideverhalten bei Angststörungen und dass ich wollen würde dass mir jemand die Last abnimmt und dass er sich nicht mal sicher ist ob ich nochmal zu seiner Kollegin in die Traumathera müsste und dass ich zu noch vielen weiteren Therapeuten gehen könne und sich nichts ändern würde....
Erst wurde ich innerlich sauer, dann traurig dann habe ich es über mich ergehen lassen. Zum Ende hin dachte ich dass er mich nicht versteht und ich woanders hingehen werde. Ich ihm also brav zugeredet und gegangen. Den Rest des abends habe ich geheult und war innerlich wie geschockt. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Schlafen war kaum möglich und der gestrige Tag und die Nacht eine Katastrophe.


Aber :!:

Dann habe ich mal überlegt was er wohl damit bezwecken wollte, ich glaube nicht dass er sich selber nicht im Griff hat, ich glaube er hat das ganz bewusst gemacht. Denn seit einem Trigger im Mai komme ich von meiner Panik nicht runter. Ich mache und tue, denke und grüble, lese Bücher mache Zeichnungen, versuche die Symptome der Angst weg zu bekommen...und ziehe mich immer mehr zurück und falle immer weiter in die Vermeidung.

Nu motzt er also mit mir rum und was mache ich? Klein beigeben wie immer!! Und innerlich denken dass mich keiner versteht.
Dann habe ich überlegt was ich ihm gesagt hätte wenn ich mich getraut hätte? Ich hätte gemotzt und ihm gesagt dass er mich nicht versteht und das ich keinen Bock hab mich so behandeln zu lassen und dass ich sehr wohl verstehe in was für ner Phase ich stecke und weiß wie ich mich zu verhalten habe und keinen brauche, der noch auf mir rumhackt. Hätte mir das geholfen? Vielleicht, denn manchmal wünsche ich mir ich könnte endlich für mich selber einstehen, zeigen wenn ich sauer bin, zeigen wer ich bin, Grenzen ziehen, so für mich sorgen, dass ich nicht abhängig bin dass andere mich so behandeln wie ich es mir innerlich wünsche.

Trotzdem ließ mir das keine Ruhe und ich googelte mal nach verschiedenen Therapiekonzepten und die Arten der Kommunikation der Therapeuten dazu. Dann fand ich eine Art die nannte sich irgendwas mit Provokation.
Dort wurde beschrieben, dass es eine Art ist den Patienten aus der Reserve zu locken. Dort war es etwas anders beschrieben als bei mir, nämlich dass der Therapeut den Patienten darin verbal unterstützt, dass er z.B. zu dumm ist sich selber zu helfen oder nichts wert ist und sich deshalb alles gefallen lassen muß und und und
Dann habe ich mich gefragt was ich meinem Psychiater gesagt hätte, wenn er mir gesagt hätte "stimmt, mit ihnen stimmt was nicht, sie sind ein schlechter Mensch oder noch schlimmer eine schlechte Mutter"
Nachdem es mich erstmal umhauen würde, wäre ich irgendwann geplatzt und hätte ihm 1000 Dinge aufzählen können warum ich gut bin und es verdient habe mich gut zu fühlen und mir zu vertrauen und nur weil ich Zgs habe niemals etwas schimmes tun würde und die Symptome der Angst noch lange aushalten könne weil ich weiß dass nichts schlimmes passiert und ich sie selber aufrecht erhalte durch mein Zweifeln und dass ich genau weiß dass ich gesund werden kann und eine gute Mutter bin usw!!!

Tja, es ist echt erstaunlich wie ich für mich einstehen könnte wenn mich jemand so arg in Frage stellen würde.
Das hat mich tatsächlich etwas überrascht und gleichzeitig war ich erleichtert dass es diesen Kampfgeist und das gesunde Denken in mir gibt :!:

Wie der nächste Termin wird weiß ich nicht, er ist übernächsten Montag und bammel habe ich zwar aber er will mir helfen, das ist mir ganz klar geworden.
Aber bis dahin kann ich entweder vor dem PC wurzeln schlagen oder mir selber helfen in die Gänge zu kommen.

Und nun, da ich weiß dass ich nicht die einzige bin der es zur Zeit so furchtbar schlecht geht, wollte ich fragen, ob ihr Lust habt dass wir uns gegenseitig motivieren aus der Sofastarre auszubrechen.
Ich dachte wir können immer wenn wir uns überwunden haben aufzustehen und etwas zu tun(und sei es nur duschen oder Nägel machen oder eine Runde um den Block) es uns hier mitteilen. Egal wie klein diese Schritte sein werden, sie werden uns Schritt für Schritt unsere Hilflosigkeit nehmen.

Ich habe mir für heute ein paar Dinge vorgenommen und werde am Abend schreiben was ich so gemacht habe. Zusätzlich werde ich mir für jedes "aus dem Quark kommen" nen Harken oder Herz in den Kalender malen um mir zu zeigen dass ich etwas gemacht habe obwohl es mir so dreckig geht.

Hat jemand Lust mit zu machen?

Liebe Grüße

Melanie

Mel
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Re: Akutphase

Beitrag von Mel » 19:10:2019 9:37

Hallo Melanie,
das ist ja ein ganz schönes Schlitzohr, der Psychiater. Ist er gleichzeitig auch Psychotherapeut?
Es tut mir echt leid, dass es dir so dreckig geht. Ich fühle mit dir.
Ich finde deine Idee großartig!
Ich bin übrigens auch noch in der Akutphase, aber meine Umwelt meldet mir zurück, dass ich viel besser drauf bin. Ich merke es nur daran, dass ich nicht mehr in Tränen ausbreche, dass ich etwas lockerer und ein kleines bisschen weniger ängstlich bin. Auch die suiz. Gedanken empfinde ich nicht mehr so stark. Aber jetzt zum eigentlichen:
Gestern habe ich das erste Mal seit langem einen größeren Ausflug gemacht. Meine Schwiegermutter, mein Söhnchen und ich sind 130km zu einer Verwandten gefahren und das ganze hat sogar fast ein bisschen Spaß gemacht. Seit meiner PPD hasse ich Ausflüge, habe zwar öfters mitgemacht, bin aber spätestens bei der Ankunft in Tränen ausgebrochen. Ich bin dieses Mal zwar nicht selber gefahren aber habe mein gewohntes Terrain verlassen.
Was meint ihr dazu?
Bin ganz gespannt auf eure Geschichten!
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Setralin
mittlerweile 150mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen

Celeste
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Re: Akutphase

Beitrag von Celeste » 20:10:2019 8:06

Deine Idee ist super Melli :D

Ich mache da mit! Und ... ich fühle mit dir.

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Melli79
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Re: Akutphase

Beitrag von Melli79 » 20:10:2019 12:26

Huhu,

super, ich freue mich!!

Mel ich finde es super dass du den Ausflug gemacht hast! Andere Bilder in den Kopf zu bekommen ist einfach nötig in dieser Zeit.
Entscheidend für den "Erfolg" vom einfach machen ist auch gar nicht keine Symptome zu haben, sondern trotz Symptomen zu machen.

Ich war gestern mit meinem Mann in einem neuen Einkaufszentrum bei uns in der Stadt.
Wir waren da trotz meiner Symptome. Wir haben Bekannte getroffen, waren was essen und sind ca 3 Stunden aktiv dort rumgelaufen und haben gebummelt.
Die dauerhafte Angst die zur Zeit leider da ist konnte ich gut händelnn und da sein lassen. Die Panikattacke die zum Ende hin kam, habe ich per Lippenbremse und steuerung meiner Atmung so weit geregelt bekommen, dass ich mich nicht irgendwo hinsetzen oder fluchtartig das Haus verlassen musste Und es hat funktioniert, so dass ich mich selber etwas fangen konnte

Als wir wieder zu Hause waren war ich mega platt und mir tat alles weh und gleichzeitig war ich etwas stolz. Die Nacht habe ich etwas besser geschlafen, vielleicht war ich zufriedener oder der Körper platt von der Anstrengung oder eine Mischung aus beidem.

Celeste
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Re: Akutphase

Beitrag von Celeste » 20:10:2019 20:49

Hallo in die Runde,

toll Melli, dass du bummeln warst 🙂 Und es auch ein stückweit Spaß gemacht hat. Wie du schon sagst, es ist wichtig, dass der Kopf auch schöne Momente ,festhält‘ 🙂

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Melli79
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Re: Akutphase

Beitrag von Melli79 » 23:10:2019 10:03

So...

Gestern hab ich beim Hausarzt ein 24Std. Blutdruckmeßgerät bekommen. Das konnte ich ganz gut händeln obwohl es nervig ist. Hab es heute morgen um 7Uhr gleich zurückgebracht und warte nun auf die Ergebnisse. Mein Blutdruck ist ja leider seit der Panikphase von vor 3 Jahren zu hoch und ich nehme Medis dgegen.
Da bei einer normalen Messung schon der Blutdruck ins obere Ungesunde schießt(Weißkitteleffekt :? ) muß ich halt alle paar Monate 24 Stunden mit dem Gerät verbringen. Bei meiner Phase zur Zeit bin ich mehr als gespannt, oder eher besorgt was dabei rauskommt. Hab noch nie in einer Akutphase so ein Ding umgehabt.
Am späten Nachmittag bin ich dann mit den Hunden ne große Runde gelaufen und das tat seit langer Zeit mal wieder gut.
Dann habe ich heute morgen eine Fortbildung gebucht, die ich schon lange machen wollte.
Ich hab es immer vor mir her geschoben weil ich dachte dass mir das zu viel werden könnte. Da ich aber bei allem denke es könnte mir zu viel werden und so meißtens aus Vermeidung wieder auf dem Sofa lande, dachte ich mir dann eben jetzt! :wink:
Ich habe alle Zeit der Welt, muß niemandem was beweisen und voll Lust dazu. Wenn ich es nur nicht beginne weil ich Angst habe und warten möchte bis die Angst weniger ist, warte ich mit 65 immer noch darauf.

Mel
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Re: Akutphase

Beitrag von Mel » 23:10:2019 15:35

Melli,
toll hast du das gemacht! Das mit dem Verschieben kenne ich auch. Ich sage immer: Das mache ich, wenn ich mich wirklich besser fühle...
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Setralin
mittlerweile 150mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen

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