Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

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Anna81
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Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Anna81 » 09:12:2016 10:28

Hallo ihr Lieben,

ich habe lange Zeit nichts geschrieben. Nachdem ich 2014 nach Schwangerschaftsdepression mein zweites Kind zur Welt gebracht habe, ging es mir lange Zeit sehr gut. Ich hatte keine neue PPD, ich hatte aber auch vorgesort. Familienhebamme, Geburtsplan, Progesteronprophylaxe, Wellcome Service und und und...
Ich hatte mich so gut es geht abgesichert und es lief gut. Darüber bin ich sehr froh. Als dann nach ca. 1 Jahr meine Periode wieder kam wurde ich instabiler. Ich begann Mönchspfeffer zu nehmen und kam so gut durch den Winter 2015/2016.
Ab Februar 2016 ging es dann wieder schlechter. Ich hatte mir was gutes tun wollen und Zeit mit mir verbringen ohne Kinder zu einem WochenendKurs im Spinnen in einem Kloster bei mir in der Nähe.
Ich hatte direkt in der ersten Nacht dort mehrere Panikattacken. Ich hatte mir wieder einmal zu viel vorgenommen, denn ich musste sehr schmerzlich begreifen, dass ich nicht mal eben einfach irgendwo anders ALLEIN schlafen kann. Und da war sie wieder, die große Angst vor der Krankheit.
Meine Angststörung hatte mich wieder im Griff. Ich kam wieder mehr und mehr ins Vermeiden um wieder stabil zu werden.
Dann folgte eine Mutter Kind Kur zeitgleich mit meinem Mann, der in derselben Einrichtung zur Vater Kind Kur war. Sozusagen jeder mit einem Kind...
Das fiel mir sehr schwer. Eine weitere bekannte Angst drängte sich in den Vordergrund: Angst vorm Verreisen und dann dort auswärts schlafen zu müssen. Also nicht zu Hause. Die Angst vor dem neuen und der Fremde...
Wir waren auf einer norddeutschen Insel, ich konnte dort auch nicht weg. Ich hatte große Angst vorm eingesperrt sein und dass ich da nicht raus kann. Ich traue mich nicht Dinge zu beenden egal was dann passiert. Ich möchte mein Gesicht wahren....
Diese beiden Hauptängste möchte ich jetzt angehen. Ich habe mich für eine Verhaltenstherapie angemeldet. (Von 2011-2014 habe ich eine analytische Therapie gemacht)
Nun habe ich tatsächlich schon nach zwei Monaten einen Therapieplatz bekommen und die Probesitzungen absolviert. Und nun soll es losgehen. Klar sollen meine Hauptängste im Vordergrund stehen aber es geht mir gerade nicht gut.
Ich habe das Gefühl, dass sich meine Ängste wehren angeschaut zu werden, dass sich die Krankheit wehrt angegangen zu werden. Seit dem Termin gestern habe ich starke Angstgefühle und leichte Panik.
Ich MUSS aber etwas tun. Ich will so nicht weiter machen. Ich möchte eine Perspektive haben und nicht immer wieder Strategien entwickeln wie ich es vermeide allein über Nacht zu bleiben... Vermeidung erhält die Angst doch nur. Was ist wenn sie sich dann einen anderen Weg sucht. Für mich ist meine Angst so wenig beherrschbar. Sie hat etwas von einem Monster was mit mir macht was es will. Ich schaffe es nicht, es zu zähmen.
Ich enge aber mit meiner Angst andere ein und mein Mann braucht auch seine Freiheiten. Ich will vermeiden, dass er mich irgendwann verlässt. Ich will loslassen können und mich dabei möglichst wohl fühlen... Ich will nicht dass es so weh tut.... Aber das wird wohl nicht möglich sein.

Ich möchte euch fragen, kennt ihr diese Ängste und wie geht ihr damit um? Vermeidet ihr oder stellt ihr euch? Ignoriert ihr sie einfach und macht einfach weiter?
Kann mir jemand sagen ob ich eher in kleinen Schritten vorwärts gehen soll oder gleich ins kalte Wasser springe. Ich habe es schon so oft versucht allein zu schlafen aber seit meiner PPD 2010 geht es nicht. Hier ist schon eine riesige Druckkulisse gewachsen, die mich irgendwann erdrückt.

Ich nehme aktuell 10mg Escitalopram und auch hier ist nicht an eine Reduktion zu denken...

Ich hoffe, ihr könnt mir helfen!

LG Anna
Viele Grüße von
Anna

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Nickolakala
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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Nickolakala » 10:12:2016 0:15

Hallo Anna,

JA, ich kenne Deine Ängste !

Mir hat das Buch von Waltraud Gauglitz SEHR geholfen !

Es zeigt eine ganz andere Sicht der "Angstbekämpfung" , vll. magst Du es ja mal lesen !

Alles Gute
Nickolakala

Nickolakala
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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Nickolakala » 10:12:2016 0:16

Ach und was ich auch immer wichtig finde sind Vitamin D, Omega 3, die B-Vitamine und Magnesium.........ich nehme das alles jeden Tag !

LG
Nicole

Anna81
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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Anna81 » 10:12:2016 9:23

Hallo Nicole,

ich danke dir für deine Antwort.
Ich nehme täglich Vitamin D und B Komplex. Dazu noch Selen und Magnesium. In welcher Dosierung nimmst du das alles? Und was macht Omega 3?

Hast du schon an deinen Ängsten arbeiten können? Und wenn ja wie bist du die Sache angegangen?

Das Buch klingt interessant, ich werde es mir besorgen.
Trotzdem hoffe ich sehr auf die Verhaltenstherapie. Dass sie mir eine andere Sicht auf die Dinge gibt.

Ich stelle auch immer wieder fest, dass ich mich selbst am härtesten kritisiere. Mir dürfen keine Fehler passieren und ich achte nicht auf mich. Erst wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist dann suche ich regelrecht nach meiner Selbstliebe um dann festzustellen, dass da nichts aufzufinden ist...

Machst du etwas zum Entspannen?
Ich bin da auch etwas ratlos. Weiß nicht wo ich anfangen soll. Es gibt einiges, dass man anfangen muss, auf das man sich einlassen muss. Ich habe immer wieder Angst was anzufangen und dann führt es nicht zum Ziel. Ich bin so ungeduldig, mag nicht versagen und und und...

Ich bin so froh, dass es mir nicht allein so geht! Und ich "Gleichgesinnte" finde, mit denen ich mich austauschen kann! Vielen Dank dafür!

Liebe Grüße
Anna
Viele Grüße von
Anna

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Nickolakala
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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Nickolakala » 10:12:2016 10:34

Hallo Anna,

ich habe schon sehr viel "gegen" meine Ängste gearbeitet, immer wieder mit V-Therapien, die auch gut waren.

So mit der ganzen Zeit hab ich aber festgestellt, dass der Knackpunkt bei mir mein fehlendes bzw. nicht vorhandenes Selbstvertrauen ist.
Dadurch konnte bzw. kann ich immernnoch nicht richtig zu mir und meiner Meinung stehen.
Versuche es immer allen anderen Recht zu machen und ich bleibe auf der Strecke.

Deshalb bin ich gerade dabei MEHR auf meine Grenzen zu achten, mehr in mich hineinzuhören was sich gerade gut anfühlt und was nicht. Und danach dann auch zu Leben - immer mehr. Und einfach entspannter sein, nicht alles so eng und verbissen sehen sonder etwas "cooler", denn es kommt sowieso alles wie es kommen soll.

Und ja hierbei hat mir dieses Buch nochmal die Augen geöffnet. Denn bei der Angst geht es ja immer um Kontrolle haben. Alles unter Kontrolle haben. Aber das haben wir nicht. NIE. Es passiert was passieren soll und das Leben lebt sich auch ohne unsere Kontrolle.

Schwierig ich weiss, ich bin ja auch mittendrin in der Angst.

Hast Du denn keine Medikamente für den "Notfall". Das habe ich immer hier. Beruhigt mich einfach ungemein.

Ja ich versuche mich jeden Tag 10 min. hinzusetzen und zu meditieren und so zur Ruhe zu kommen, war übrigens auch ein Tip aus diesem Buch.
Das ist gar nicht so einfach, weil ich mich ja immer irgendwie getrieben fühle.

Freue mich auf Antwort von Dir.
Liebe Grüsse
Nicole

Anna81
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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Anna81 » 10:12:2016 22:49

Hallo Nicole,

danke für deine Antwort!

Das mit dem Selbstvertrauen kenne ich. Ich stehe auch nicht zu mir und meinen Wünschen und Bedürfnissen. Ich kümmere mich immer um alle um mich herum aber ich komme zuletzt. Nein sagen kann ich auch nicht gut.
Und ich habe vor allem in letzter Zeit das Gefühl gar nicht mehr zu wissen was gut für micht ist und was nicht.

Und ja du hast Recht! Man sollte viel mehr in sich rein hören was man möchte. Die Mühe mache ich mir nicht, vielleicht weil ich Angst habe, dass ich dann eine eigene Meinung habe, die ich auch durchboxen müsste...

Als Notfallmedikament habe ich Tavor 1mg hier. Das meinst du doch sicher, oder?

Hast du eigentlich auch diese Angst vorm allein über Nacht schlafen? Und konntest du hier schon weiter kommen. Magst du vielleicht etwas dazu erzählen? Wie du da ran gehst und so?

Hast du wegen der Meditation noch einen Tipp für mich? Machst du hier eine geführte Meditation oder für dich selbst?

Ich freue mich auf deine Antwort,
LG
Anna
Viele Grüße von
Anna

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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Marika » 11:12:2016 11:04

Hallo du,

ich finde es ganz toll, dass du einen Therapieplatz gefunden hat. Es ist völlig normal, dass du jetzt davor solche zwiespältigen Gefühle hast. Ängste anzugehen heißt auch sie anzuschauen und lernen aus zu halten - das macht Angst, war bei mir nicht anders. Man lernt sich mit seinen Ängsten zu konfrontieren und das ist oft mehr als nur unangenehm, aber nötig um sie ab zu legen.

Ich konnte jahrelang - seit meiner Kindheit - nachts nicht alleine sein oder schlafen, nicht mal im eigenen Bett. Grund war, dass ich als Kind öfters alleine gelassen wurde, wenn ich schon geschlafen hatte, aufgewacht bin und niemand da war. Das hat Spuren hinterlassen.

In meiner Therapie habe ich vor allem auch eines gelernt - Nikolakala hat es bereits erwähnt: SELBSTVERTRAUEN UND SELBSTLIEBE: diese beiden sind Grundsäulen für eine stabile Persönlichkeitsstruktur, die ich lange nicht hatte. So hatten Ängste leichtes Spiel bei mir, weil ich mir ja selber nie vertraut habe.

Bei mir war es ein langer und langsamer Prozess - 2,5 Jahre Therapie waren erst der Anfang damals, dass ich auf eigenen Beinen weiter gehen konnte. Ich habe dann sehr viel gelesen zu dem Thema, bin seit 11 Jahren hier im Forum - und alles zusammen hat sich wie ein Puzzlebild zusammen gesetzt.

Sich den Ängsten zu stellen, war mein erster Schritt in der Therapie - aber ein ganz wichtiger.
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Anna81 » 11:12:2016 11:48

Hallo Marika,

danke, dass du auch geantwortet hast!

Mir fehlt auch das Urvertrauen aus meiner Kindheit. Meine Eltern haben so sehr mit sich und ihren Problemen zu tun gehabt, dass ich nicht gesehen und beachtet wurde. Ich bin das vierte Kind und meine Eltern hatten damals bis heute eine schwere Zeit. So bin ich groß geworden und habe versucht mich so klein wie möglich zu machen. Nicht aufzufallen und keine Probleme zu bereiten. Hatte ich Probleme, so habe ich sie verdrängt oder in mich rein gefressen... Ich habe mich auch irgendwann nicht mehr getraut darüber zu reden.

Und dabei habe ich das Gefühl für mich verlernt. Ich war süchtig nach Harmonie. Die habe ich in meinem Elternhaus nur selten gefunden. Dann hatte ich sie mit meinem jetzigen Mann gefunden. Und ich konnte durchatmen.
Und als dann mein Sohn geboren wurde bin ich in meine Kindheit zurück gebombt wurden. Alles war wieder da. Würde ich es anders machen können?
Und ich war neidisch auf meinen Sohn. Dass er bei uns groß werden darf, warum durfte ich das nicht. Etc...

Nun. Ich habe meinen Frieden mit alledem noch nicht vollständig gemacht. Die analytische Therapie, die ich gemacht habe, hat mir dabei schon sehr geholfen. Ich habe viele Dinge erkannt. Davon haben sich auch schon viele Ängste gegeben. Wie beispielsweise, dass ich den Dingen ihren Lauf lassen muss, dass es nichts bringt krampfhaft festzuhalten. Aber was eben noch gar nicht behandelt wurde sind meine Selbstliebe und mein Selbstvertrauen. Ich habe es schon ein paarmal versucht mich damit zu beschäftigen aber ich habe es schnell wieder aufgegeben. Wahrscheinlich auch weil mein Unterbewusstsein hier verhindern wollte, dass ich drauf schaue...
Ich vergleiche mich hier gerne mit einem Abhängigen, der nicht von seiner Sucht lassen kann. Obwohl er weiß dass es ihm schadet, greift er wieder zur Droge.... Und so ist es bei mir. Obwohl ich weiß, dass ich das lernen sollte und dass das der Schlüssel ist oder auch der Anfang zur Veränderung traue ich mich nicht ran. Ich habe Angst vor den seelischen Schmerzen, vor den unangenehmen Gefühlen. Dennoch muss ich da ran! So geht es nicht weiter!

Marika, wie hast du Selbstvertrauen und Selbstliebe gelernt. Kannst du mir hier einen Tipp geben?

Vielen lieben Dank
Anna
Viele Grüße von
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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Anna81 » 11:12:2016 11:51

Ach und noch eine Frage. Ist es normal, dass so eine VT nur 25 Stunden geht? Schafft man da überhaupt was?
Ich bin total verwöhnt von meinen 150 Stunden analytische Therapie. ...
Viele Grüße von
Anna

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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Anna81 » 11:12:2016 14:18

Ich hatte grade eine sehr interessante Erkenntnis:

Ich war vor dem Mittagessen draußen und habe darüber nachgedacht warum ich die Angst nicht aushalten kann bzw. warum ich Angst davor habe die Angst dann in der Therapie aushalten zu müssen und warum ich so Angst vor Veränderungen habe.
Ich habe nie gelernt loszulassen. Als ich wieder kam vom Spaziergang stand ein Beutel vor der Tür mit Sachen, die mein Mann unbemerkt verschwinden lassen will. Ich habe sofort angefangen darin rumzuwühlen was da jetzt alles weg soll. Ich hätte am liebsten mindestens die Hälfte da wieder raus geholt. Ich kann es einfach nicht. Die vielen Erinnerungen die da dran hängen, und die Dinge, die man geschenkt bekommen hat. Die schmeißt man doch nicht weg. So zumindest habe ich es gelernt.... In meiner Wohnung gibt es so viele Dinge, die weggeworfen werden müssten... Und genauso halte ich an meinen Ängsten und meinen unangenehmen Gewohnheiten fest. Was meint ihr? Kann ich sowas auch in der Therapie lernen? Ich glaube das ist eine essentielle Sache, die mir vieles erleichtern würde wenn ich es könnte....

Und am liebsten würde ich das jetzt SOFORT können. Auch so eine Eigenschaft, die ich an mir hasse. UNGEDULD!

Wie geht es euch mit dem Loslassen?

Liebe Grüße
Anna
Viele Grüße von
Anna

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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Marika » 12:12:2016 9:12

Hallo du,

mir ging es ähnlich wie dir: meine Kindheit war auch eher geprägt von "sich anpassen, nicht unangenehm auffallen, keine eigene Meinung haben, sich im Hintergrund zu halten, lieb und brav sein". Selbstvertrauen und Selbstliebe habe ich nie gelernt. In der Therapie dann musste ich Schritt für Schritt lernen, Dinge zu tun, die mir eigentlich Angst gemacht haben. Z.B. alleine einen Kaffee trinken zu gehen, im Restaurant MEINE Bestellung selber sagen und nicht meinen Mann das machen lassen (konnte ich wirklich nicht - aus Angst!!!), über einen Platz gehen wo mich vermeintlich jeder von den umstehenden Cafes anstarren wird .... usw. usw... Ich war extrem unselbständig und nach meinen Eltern, wurde dann mein Mann so zu sagen die "Bezugsperson" die das Leben für mich schaukeln sollte. In dem ich dann aktiv Dinge tun musste die eigentlich angstbehaftet waren, habe ich gelernt diese Angst aus zu halten und vor allem zu registrieren: es passiert GAR NICHTS SCHLIMMES DABEI!!! So trainiert man sein Gehirn mit der Zeit nachhaltig um. Es reagiert dann auf ein und die selbe Situation nicht mehr Angst, weil es eben erlebt hat, dass es unnötig ist, ständig ein Warnsystem auf zu fahren.

So verlief meine VT - ich bekam z.B. die Hausaufgabe alleine einen Cafe trinken zu gehen und davor und danach auf zu schreiben, was ich dabei gefühlt habe. In der "Davor - Spalt" stand dann meist so was drinnen wie "Angst, Schweißausbruch, Übelkeit, Herzrasen..." das war natürlich sehr unangenehm. Aber dann dafür die "Danach Spalte": "Freude, Leichtigkeit, Stolz, Glücksgefühl" - das hat sich so viel intensiver angefühlt als das "Davor", dass es mich für das nächste Mal richtig beflügelt hat. Mit jedem Mal wurde ich etwas stärker, ich traute mich Zusehens immer somit VERTRAUTE ICH MIR SELBER AUCH IMMER MEHR. So wuchs mein Selbstvertrauen und gleichzeitig auch meine Selbstliebe. Ich erkannte, was ich alles kann, zu was ich im Stande bin blühte richtig auf. Natürlich nicht innerhalb von einer Woche - das hat schon gedauert. Was aber auch völlig klar ist: Verhaltensmuster die sich 30 Jahre lang eingegraben hatten, kann man nicht in wenigen Wochen auflösen.

Ob 25 Stunden reichen kann ich dir leider nicht sagen. Für mich wären sie zu wenig gewesen. Ich hatte einen private Therapie, dich selber bezahlt habe (mit teilweiser Rückerstattung der KK) und dauerte 2,5 Jahre. Aber da würde ich jetzt nicht dran denken, sondern einfach mal anfangen und schauen wie es dir dabei geht. Das ist sehr individuell und verschieden
Liebe Grüße von
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Re: Meine Ängste wehren sich gegen die VT - ich bin ratlos

Beitrag von Marika » 12:12:2016 9:20

Zum "Loslassen": ich glaube es ist recht typisch, dass dir das nicht so gelingen will - Loslassen ist Veränderung und so mit etwas Unbekanntes und das wieder um würde ja Angst machen. Somit vermeiden wir das. Auch hier kannst du bereits üben: Wirf etwas weg, dass du einfach nicht mehr brauchst, aber es aus "Vermeidungsverhalten" behalten willst. Du merkst ja dabei deine Gefühle wir bei den Sachen, die dein Man weg geschmissen hast: "Unbehagen, das kann man doch nicht wegschmeißen, das tut man doch nicht, Traurigkeit, Angst" - dann auch die körperlichen Symptome wie etwa: "Herzklopfen, der Magen zieht sich zusammen, Schweißnasse Hände ... usw." Registriere all das ganz aufmerksam und schreibe dir das in eine "Davor - Spalte" - dann schmeiß es weg - unwiederbringlich - und registriere, dass die Welt sich trotzdem weiter dreht. :wink: Merke wie dein Herz sich beruhigt, der Magen sich entspannt, die Hände trocknen - wie eine Last von dir abfällt. Notiere das in die "Danach - Spalte" und schaue auch, was sich an den Gefühlen geändert hat: ist das vielleicht plötzlich Stolz etwas geschafft zu haben, Leichtigkeit weil du etwas Belastendes los geworden bist, ein neues leichtes Glücksgefühl???? Schreibe das alles genau auf und vergleiche den enormen Unterschied.

Je öfter du das machst, um so normaler wird es und integriert sich praktisch von selbst in deinen Alltag. So kannst du mit allen Angstmachenden Situationen umgehen.
Liebe Grüße von
Marika

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