Letzte Therapiesitzung

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Graureiherin
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Letzte Therapiesitzung

Beitrag von Graureiherin » 11:09:2017 8:51

Hallo Ihr Lieben,

ich habe heute Nachmittag nach 4,5 ! Jahren meine letzte Therapiesitzung. Seit über einem Jahr war ich nur noch ca. alle drei Monate dort. Ich kann im Grunde also "alleine gehen".

Trotzdem ist mir ganz schön mulmig zu Mute und der negative Teil meines lieben "Schwarzmalergehirns" tut das Seine um mir Schlechtigkeiten einzureden. So frage ich mich, was ist wenn es mir doch wieder schlechter gehen sollte und nicht mal mehr meine Thera erreichbar ist (sie geht in Rente). Meine Thera wird nachher sicher sagen, dass diese Gedanken zwar nachvollziehbar sind, aber kein wirklicher Grund zur Besorgnis besteht. Also nicht diese große Bedeutung einnehmen sollten. Sie meinte bei der letzen Sitzung, dass ich immer noch häufig negative Rückschlüsse ziehen würde. Sie hat recht, mir ist es in alle den Therapiejahren nicht gänzlich gelungen dieses negative Denken zu ändern.

Außerdem tue ich mich seit jeher schwer mit Abschieden. Liegt daran, dass ich sowieso Verlassensängste habe. Und meine Thera war meine große verlässliche Stütze.

Falls jemand aufmunternde und zuversichtliche Worte für mich findet, kann ich diese heute Abend sicherlich gebrauchen.

Ansonsten alles Liebe für euch
die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
langsame Reduzierung auf 5 mg Escitalopram seit Juli 2017
Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

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Marika
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Re: Letzte Therapiesitzung

Beitrag von Marika » 11:09:2017 9:19

Hey du Liebe,

lass dich drücken - muss das Vögelchen also jetzt endgültig das Nest verlassen... ich kann gut verstehen, dass du verunsichert bist, nachdenklich, vielleicht kommt auch ein bisschen Angst und Trauer auf! Lass dir sagen - das alles darf sein, lass es zu, denn du hat ja einen Grund für diese Gefühle! Eine Trennung ist immer genau mit diesen Emotionen verbunden und gerade ein Therapeut ist ja über eine lange Zeit ein ganz enger Vertrauter von uns. Und das ist jetzt plötzlich weg - zeig mir da jemanden der lachend und überschwänglich ins Ungewisse startet!!!

Mir ging es damals auch so, ich hatte auch richtig Angst, weil ich ja nicht wusste, ob ich wirklich genug gelernt hatte, um alleine weiter zu gehen! Aber ich konnte, es war anfangs manchmal wackelig, aber ich wurde immer sicherer. Vor allem sind wir hier im Forum ja auch noch da - diese "Therapieform" kannst du dein ganzes Leben lang gratis haben! :D Das ist doch auch ein schöner Ansatz und auch ein Anker, oder? :wink:

Noch etwas ist mir aufgefallen: du schreibst: ..."mir ist es in alle den Therapiejahren nicht gänzlich gelungen dieses negative Denken zu ändern". Bewusst greife ich "nicht gänzlich" auf. Was wäre denn wenn du "gänzlich" nicht mehr "negativ" denken oder bewerten würdest???? Du wärst kein Mensch, du wärst ein Roboter. Die bewerten immer nur logisch. Das menschliche Dasein besteht immer aus Positiv und Negativ, aus Yin und Yang, aus weiblich und männlich - also immer aus Polarität bzw. Dualität. Das macht uns als MENSCH aus! Wenn du jetzt also manchmal negativ denkst oder bewertest - na und? Wenn du es selber merkst - umso besser, denn das BEMERKEN ist ja (wie beim Zwang) das Um und Auf. Nicht die ZG oder das Negative Denken sind das Problem, sondern das nicht bemerken manövriert uns in eine Negativ Spirale. Wenn du aber z.B. ZG erkennst oder eine negative Bewertung die in einer Situation nicht angebracht ist, ist das doch schon DER ERFOLG!!!

Mir geht es doch heute auch noch oft genug so, dass ich "negativ" denke oder bewerte - manchmal zur Recht, manchmal nicht. Und sehr oft bemerke ich es selber und kann dann trotzdem das Positive sehen. So mache ich das für mich ganz persönlich. Du hast jetzt die Trennung von deiner Therapeutin vor dir - das darf traurig machen, du darfst ein mulmiges Gefühl haben, das ist der Situation mehr als nur angemessen!!! Du wirst aber auch merken, dass du sehr gut alleine gehen kannst und ganz viel Freude daran entwickeln.

Und nicht vergessen: Wir sind FÜR DICH DA!!! :D
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: Letzte Therapiesitzung

Beitrag von Graureiherin » 11:09:2017 21:07

Hallo liebe Marika,

jetzt bin tatsächlich aus dem Nest "geplumst". Natürlich habe ich am Schluss geweint wie ein kleiner Schlosshund.
Du hast schon recht, wichtig ist das negative Denken überhaupt zu bemerken. Oft gelingt mir das, manchmal nicht. Dann verzettel ich mich ein wenig in negativen Rückschlüssen. Heute beim Radfahren dachte ich: "gut ich weiß, dass ich manchmal pessimistisch bin. Das ist ein Teil von mir, der eben auch zu mir gehört, er darf einfach nur nicht überhand nehmen. Akzeptieren und sich annehmen.

Zum Glück bestehe ich noch aus vielen anderen Eigenschaften. Immer wieder hilft mir z. B. mein Humor über schwerere Zeiten hinweg. Und es ist wirklich gut, dass es dieses Forum gibt! Zeitenweise war es mir genauso wichtig und hilfreich wie die Therapie.

Danke für Deine Antwort!

fühl Dich zurückgedrückt
flatter, flatter, flieg, flieg grüßt das Graureiher-Vögelchen

Achja, falls die Welt doch untergehen sollte, habe ich die Privattelefonnummer bekommen. Meine Thera geht aber nicht davon aus, dass ich sie brauche.
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Re: Letzte Therapiesitzung

Beitrag von Marika » 12:09:2017 8:56

Vielleicht hilft dir auch folgendes: mein Psychiater hat damals zum Abschied gesagt, dass ICH die Arbeit geleistet habe, er war nur ein "Spiegelbild" für mich um mich in die richtige Richtung zu schubsen. Das hat mir enorm viel Selbstvertrauen gegeben. Ich konnte mit der Zeit wirklich erkennen, dass ICH die Hauptarbeit geleistet habe und das ICH mich auch ohne Therapie ständig weiter entwickle.

Jeder Mensch denkt immer mal wieder negativ in seinem Leben, das gehört einfach auch zum Mensch sein dazu.

P.S. ich glaube du wirst die Tel.Nr. tatsächlich nicht brauchen... :wink:
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Letzte Therapiesitzung

Beitrag von Regenbogen » 12:09:2017 20:49

Hallo liebe Graureiherin,

nach so langer Zeit, ist es natürlich mehr als verständlich, dass du traurig bist. Das gehört dazu, genauso wie die Frage, wie es ohne deine Therapeutin weitergeht. Ich bin mir ganz sicher, dass deine Therapeutin dich gut auf das "Leben danach" vorbereitet und dir das richtige Werkzeug in die Hand gegeben hat. Daher kann sie dir natürlich ihre Privatnr. geben, denn sie ist sich bestimmt sicher, dass du sie nicht brauchen wirst :wink:
März 14: Geburt Kind
Mai 14: PPD mit Angst- und Zwangsstörung
Jan 15 - März 16: Therapie (keine VT leider)
Okt 15 - Feb 16 : Opipramol 100
Nov 15 - April 17 : Escitalopram 10 (Jan 16 - Aug 17 beschwerdefrei)

August 17 : Rückfall
Januar 18: Beginn Verhaltenstherapie

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Re: Letzte Therapiesitzung

Beitrag von Graureiherin » 15:09:2017 13:17

Liebe Marika, danke für das die Worte Deines Psychiaters! Da hat er wohl recht.

Liebe Regenbogenfrau, eine schöne Schlussfolgerung. Ich muss echt schmunzeln!

Bisher halte ich mich einigermaßen. Ab und an rede ich mir Unruhe ein und spüre diese dann auch, aber noch ist alles im grünen Bereich.

Gut, dass es euch gibt!

die Graureiherin
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