Dritte Therapiesitzung

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Celeste
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Dritte Therapiesitzung

Beitrag von Celeste »

Heute hatte ich meine dritte Therapiesitzung. Leider war diese nicht so gut. Ich konnte dem Therapeuten kaum folgen.
Ich fragte ihn, ob diese Berg-und Talfahrt gängig ist bei einer PPD. Daraufhin antwortete er, dass er kein PPD-Fachmann sei, er aber einige Frauen behandelt hat. Es wären auch einige dabei gewesen, die ganz ohne Tiefpunkte, sondern immer ein Stückchen mehr, den Weg aus der Depression geschafft haben. Auch hat er mir nahegelegt, ich solle meinen eigenen Weg gehen und mich und meinen Weg nicht mit anderen und deren Weg vergleichen. Das stimmt ja, doch ich würde auch einfach gerne verstehen, was in meinem Kopf passiert. Was allgemein bei einer Depression und Angsterkrankung im Kopf passiert. Leider ist er nicht näher darauf eingegangen.

Ich habe ihm nochmal erklärt, wie so ein Tiefpunkt bei mir aussieht und ich, wenn ich in einem Tief stecke, fast zu nichts in der Lage bin. Er antwortete, dass man seine Ängste analysieren und sich fragen sollte, ob diese denn unbegründet bzw. realistisch sind. Er hat das Beispiel ,Bahnfahren‘ erläutert. Wenn man Angst davor hat, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, sollte man sich fpr 2 Euro ein Ticket kaufen und einfach den Mut aufbringen zu fahren. Diese 2 Euro wären gut in die Gesundheit investiert. Denn nur mit Erfahrungen kann man Vertrauen in sich selbst gewinnen. Ja, dem stimme ich zu. Nur, was hat das mit einem schlimmen Tief zu tun? Wie die Kraft aufbringen und mutig in einem Tief sein? Wobei ich ja nicht glaube, dass Mut hier der Schlüssel und die Lösung einer PPD ist. Oder was meint ihr?
Bin nun ehrlich gesagt ein bisschen ratlos und habe noch mehr Fragezeichen über meinem Kopf. Wenn man unter spezifischen Ängsten leidert, wie eben z.B ,Bahnfahren‘, dann sind diese Tipps ja sicher gut und auch irgendwo machbar. Aber nicht, wenn einem nicht mal das rausgehen gelingt. Wenn man in einem Loch voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit steckt. Nicht weiss, woher die Angst denn eigentlich kommt.
Ich habe ja stark das Gefühl, dass er nicht verstanden hat, um was es eigentlich geht.
Ich werde mir zum nächsten Termin mal ein paar Notizen machen und ihm das nochmal sagen. Bin wirklich sehr enttäuscht gerade. ☹️

P.S Bis jetzt konntet ihr mir wirklich am meisten helfen. ❤️ Danke dafür
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt
Kikke

Re: Dritte Therapiesitzung

Beitrag von Kikke »

Hallo meine liebe.
Es ist ganz normal, dass man nach therapiesitzungen gefühlt 50000 Frage mehr hat als vorher. Diese Sitzungen sind anstrengend Punkt man muss den Kopf erstmal neu ordnen. es kann einem oft zuvorkommen wie eine Welle von Fragen, die man nie bearbeiten kann. Das stimmt aber nicht. Langsam wird sich das Fragen Feld lichten und nach jeder Sitzung wird es besser gehen.
wer hat Mut sehr viel geholfen. In meinen schlimm Tiefs habe ich versucht, meine Gedanken mit Liedern zu übertönen und einfach aufzustehen. Je öfter man das macht, desto besser gelingt es einem. dein Handeln bestimmt dein Denken und somit auch deine Gefühle. Wir öfter du also handelst, desto mehr verändert sich dein Denken ins Positive und auch deine Gefühle. Ich kann verstehen, dass man im Tief da wirklich nicht dran glaubt, es ist aber so.
Aias

Re: Dritte Therapiesitzung

Beitrag von Aias »

Liebe Celeste,

Welche Therapie machst Du? Vt oder tp?

Mir (tp) geht es manchmal auch so, dass ich das Gefühl habe, dass man aneinander vorbeiredet und ich erkläre es mir so:
Ich bin in dem Gefühl drin. Die Therapeutin geht darauf jedoch nicht ein, sondern analysiert das Gefühl auf einer Metaebene und geht sehr über den Verstand.
Ich bin dann nachwievor mit dem Gefühl allein. Kurzfristig blöd (deswegen habe ich mir dafür was anderes gesucht), langfristig wird die Therapie aber auch helfen. (ich denke schon, dass sie -und auch dein therapeut- verstanden hat, um was es geht, aber sie hat in ihrer Ausbildung gelernt, damit eher/vorwiegend rational umzugehen).

Meine Lösung für das in dem Gefühl (Angst, Hoffnungslosigkeit) sein ist in Akutsituationen: klopfen nach Michael Bohne (andere Klopftechniken gehen bestimmt auch. Da er aber Mediziner ist, fühle ich mich bei ihm besser).
Und, ja, auch Mut etwas zu machen, das ich mir in der Situation nicht vorstellen kann, dass ich es schaffe. Rausgehen bspw.
Und auch Körperübungen: 2min (das ist lang) Arme hoch, Siegerpose, Beine hüftbreitbreit, Fäuste, Kopf nach hinten und strahlen, yeah. Wahlweise unter freiem Himmel oder vor dem Spiegel. Klingt blöd, aber es kann helfen.

So, und zu Deiner Frage "Das stimmt ja, doch ich würde auch einfach gerne verstehen, was in meinem Kopf passiert. Was allgemein bei einer Depression und Angsterkrankung im Kopf passiert. Leider ist er nicht näher darauf eingegangen." schreibe ich noch. Meine Ansprechperson bei der Selbsthilfegruppe ppd hat es mir erklärt, es hat Sinn gemacht, doch kann ich es nicht so akkurat wiedergeben. Ich frage nochmal nach.
Kurz: man ist durch äußere Umstände (Krise) und/oder innere (hormone) (und weitere Faktoren) in einer Lage so in Stress geraten, dass der unbewusste Verstand das Ruder übernommen hat. Rationales wird außer Kraft gesetzt, ein Notfallplan läuft.
Und deswegen klappen Körperübungen wohl oft ganz gut, weil sie nicht über den Verstand laufen, sondern dem Unbewussten eine Botschaft senden, dass Angst haben gerade nicht nötig ist (bspw. die Siegerpose).

Ich schicke Dir viel Kraft. Du schaffst es.
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