Depressionen und Ängste

Hier können sich unsere Mitglieder vorstellen

Moderator: Moderatoren

Antworten
Majah
Beiträge: 5
Registriert: 07:01:2026 23:50

Depressionen und Ängste

Beitrag von Majah »

Hallo,

ich hatte früher schon mit Depressionen zu tun und war einige Jahr relativ stabil (zumindest keine akute Depression mehr).
Ich hatte keinen Kinderwunsch, aber mein Mann. Ich habe mich also gefragt, warum ich keinen Kinderwunsch empfinde, ich wusste von meinen Versagensängsten ...
Durch Gespräche, die mich glauben ließen, das Mutterglück könne dann noch kommen, habe ich mich dazu entschieden, es zu versuchen.

In der SS kam dann die Depression und mittlerweile habe ich starke Zukunftsängste, die ich nur schwer aushalte. Ich habe während der SS weiter Venlafaxin genommen, nachdem ich nach der Geburt weitere Medis bekam, nehme ich mittlerweile zusätzlich Lithium und hoffe, dass das endlich eine Besserung bringt.
Ich stehe gerade vor der Entscheidung, ob ich noch in eine Klinik gehe, allerdings würde ich da meinen Sohn mitnehmen. Ich weiß nicht, was das bringen soll.
Und es wäre eine Krankenhausstation, wo ich hingehen könnte, keine schöne Umgebung. Beim Vorgespräch habe ich mich dort nicht wirklich wohlgefühlt. Allerdings hätte ich in meinem ganzen Angsterleben mal andere Ansprechpartner.

Ich konnte in meiner Kindheit nur wenig selbstwirksame Erfahrungen machen, sodass ich nach meinem Schulende viele depressive Phasen durchleben musste und mir mein bisherigen Weg mühsam erarbeitet habe. Ich würde am liebsten die Geburt meines Sohnes ungeschehen machen. Diese Ängste sind das Schlimmste und da sie ja direkt mit meinen Sohn gekoppelt sind, frage ich mich, wie ich lerne, damit zu leben und wie ich überhaupt wieder handlungsfähig werde.
Ich hatte schon immer Probleme mein Leben aktiv zu gestalten und jetzt hab ich das Gefühl meine ganzen Schwächen machen mich zu einer schlechten Mutter. Ich will diese Verantwortung so gerne abgeben.
Es kommt erschwerend hinzu, dass ich an meinem Wohnort kaum Kontakte habe und mir auch schwerfällt, neue Kontakte zu knüpfen.
Die Zeit alleine mit Kind ist einsam und ich finde nur schwer, Beschäftigung, die mich ablenkt.
In meiner letzten Depression gab es einen Konflikt mit meiner Chefin, die Beziehung wurde mir quasi zu eng und das wiederum löste Panik aus. Das ist die gleiche Panik, die ich jetzt wieder habe. Aber meine Familie kann ich nicht wie eine Arbeitsstelle hinter mir lassen.

Könnt ihr mich ermutigen? Ich will, dass diese Ängste endlich aufhören. Wie schafft man es in das neue Leben mit Kind zu finden? Ich hab das Gefühl, ich darf in Zukunft gar nichts mehr entscheiden, weil ich dann wieder Depressionen bekomme. Und dass ich überhaupt froh sein kann, dass ich ein paar Jahre ein anscheinend normales Leben führen durfte und dass es jetzt vorbei ist... Weil ich mir eine dauerhafte Überforderung angetan habe.
alibo79
power user
Beiträge: 1717
Registriert: 16:06:2021 11:15

Re: Depressionen und Ängste

Beitrag von alibo79 »

Guten Morgen, ich muss jetzt gleich los zur Arbeit, ich versuche mich heute Nachmittag bei dir zu melden und dir Mut zu machen ❤️❤️
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
alibo79
power user
Beiträge: 1717
Registriert: 16:06:2021 11:15

Re: Depressionen und Ängste

Beitrag von alibo79 »

So, jetzt habe ich Zeit dir zu schreiben.
Ich versuche dir ein wenig Hoffnung zu geben. Den Zustand den du jetzt erlebst wird nicht für immer so bleiben. Aktuell bist du krank und ich kann mir gut vorstellen, dass viele dieser negativen Gedanken und Ängste vor der Zukunft durch die Krankheit bedingt ist, die uns nun mal leider so negativ denken lässt. Wenn du hier im Forum ein wenig liest, wirst du merken, dass es ganz viele Mütter gibt. Die dachten ihr Leben wäre jetzt vorbei, da sie sich so fremdbestimmt fühlen durch das Baby und sich total verloren fühlen und nicht mehr wie sie selbst. Aber bei allen war es so, dass je länger sie Medikamente genommen haben, Therapie gemacht haben und die Krankheit langsam zurückgingen, Sie den Weg zurück in das normale Leben fanden und auch das normale empfinden gegenüber ihrem Baby zurückbekommen haben. Auch ich war lange davon überzeugt, einen Fehler gemacht zu haben, meine Kinder zu bekommen und war überzeugt, dass ich unter die Bezeichnung regretting motherhood Falle. Das war aber nicht so, denn ganz viel Hat da meine Krankheit reingespielt und auch der Umstand, dass ich wirklich erstmal in diese mutterrolle finden musste und auch zulassen musste. Da dich nur mal zwei Kinder hatte und mein altes Leben erstmal so nicht fortführen konnte. Mit der Zeit konnte ich aber das Mutter sein annehmen und habe einen guten Weg gefunden. Und auch mit der Zeit gelernt Meine Bedürfnisse wieder zu erfüllen, so dass es mir insgesamt besser ging.
Leider wird Mutter sein immer extrem glorifiziert und mit rosa und auf wolkenschweben dargestellt. Das mag vielleicht für ein paar Frauen zutreffen, aber für viele ist Mutter sein Ein ziemlich harter Job. Der der anstrengendste überhaupt ist und man sehr oft an seine Grenzen kommt.
Wenn du wenig Kontakte hast und dich einsam fühlst mit deinem Kind, wäre es möglich, an eine von vielen kindergruppen teilzunehmen. Auch in kleineren Orten finden sich solche Gruppen, die sich einmal die Woche treffen und wo du dich mit anderen Müttern austauschen kannst. Sofern du da Freude daran hast. Es gibt oft babyschwimmen babymassage, PEKiP oder krabbelgruppen. Vielleicht ist da etwas für dich dabei.
Vielleicht magst du noch ein wenig erzählen, wie deine Medikamente aktuell aussehen und was du bisher an Therapie gemacht hast.
Man kann als Mutter mit einer psychischen Erkrankung Trotzdem ein gutes Leben führen und seinen Platz finden, wo man hingehört. Nur manchmal dauert die Suche etwas, bis man den passenden Weg gefunden hat.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Majah
Beiträge: 5
Registriert: 07:01:2026 23:50

Re: Depressionen und Ängste

Beitrag von Majah »

Danke für deine Nachricht.
Aktuell nehme ich Venlafaxin und Mirtazapin, wobei mir eigentlich zu Lithium geraten wurde, aber das wollte ich erst nicht, weil ich Bedenken wegen mgl. NW hatte. Mittlerweile habe ich meine Meinung geändert und nun werde ich auf Lithium eingestellt.

Ich hatte schon öfters Gesprächstherapie. Dort habe ich vor allem meinen Alltag besprochen. Generelles Handwerkszeug wurde mir da eig kaum an die Hand gegeben. Außer dass ich Situationen besser neutral statt negativ bewerten soll, weil die Bewertung meine Gefühle beeinflusst, aber das ist so leicht gesagt.

Ich habe das Gefühl, ich muss ein Leben lang gegen mich kämpfen, weil ich diese Verantwortung nicht will.
Das ist so hart.
Ging es dir auch so? Dass du dachtest, du bist doch gar nicht bereit dazu? Und dass du dich innerlich so dagegen gewehrt hast? Was hat dir geholfen, deine Mamarolle zu akzeptieren?

Zu solchen Gruppen zu gehen, fällt mir schwer.
Majah
Beiträge: 5
Registriert: 07:01:2026 23:50

Re: Depressionen und Ängste

Beitrag von Majah »

Gibt es hier Mütter, die sich schon vor der SS unsicher waren?

Ich kann mir das nicht verzeihen, dass ich das trotzdem gewagt habe. Ich habe so Mühe mit mir selbst. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.
Majah
Beiträge: 5
Registriert: 07:01:2026 23:50

Re: Depressionen und Ängste

Beitrag von Majah »

Wie lernt man damit umzugehen und dem Kind ggü fair zu bleiben?
Ich meine, ich habe die Verantwortung, ob ich will oder nicht. Aber der Kampf in mir ist immens.
Suchenende
Beiträge: 5
Registriert: 31:12:2025 11:14

Re: Depressionen und Ängste

Beitrag von Suchenende »

Majah hat geschrieben: 12:01:2026 22:36 Gibt es hier Mütter, die sich schon vor der SS unsicher waren?

Ich kann mir das nicht verzeihen, dass ich das trotzdem gewagt habe. Ich habe so Mühe mit mir selbst. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.
Liebe Majaj ich fühle mit Dir und wünsche Dir ganz viel Kraft und Zuversicht. Ja ich kenne dass Gefühl gut war vor/ in der Schwangerschaft auch super unsicher und bin es immer /aktuell wieder. Mir hat geholfen anzuerkennen dass man auch wenn man noch so viel denkt, ließt usw. Gefühle die man als Mutter empfindet nicht Vorhersagen kann. Genauso wenig wie den Verlauf (s)einer Erkrankung.
Majah
Beiträge: 5
Registriert: 07:01:2026 23:50

Re: Depressionen und Ängste

Beitrag von Majah »

Seit gestern scheint das Lithium zu greifen. Mein Gedanken sind ruhig, ich fühle mich wieder normal. Es ist richtig krass! Bin so froh, dass der Horror des letzten halben Jahres endlich vorbei ist.
Antworten