Überforderung - wer kennts

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Marina_Marina
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Überforderung - wer kennts

Beitrag von Marina_Marina »

Hallo zusammen, ich bin ja aktuell in der Tagesklinik und befinde mich in der Einschleichphase mit Escitalopram..
Ich habe so oft das Gefühl, dass ich das Leben nicht mehr schaffe. Mein Sohn ist 9 Monate alt und wenn ich daran denke zu ihm nach Hause zu fahren und für ihn da zu sein überkommt mich Panik. Als wäre mir selbst mich mit ihm auf den Boden zu setzen und zu spielen zu viel. Ein Tag ohne Plan macht mir höllisch Angst weil ich dann mit meinen Gedanken alleine bin. Arbeiten kann ich mir aber auch nicht vorstellen. Kennt ihr das? Wird das irgendwann wieder besser ? Ich möchte Mama sein und für mein Kind da sein aber ich schaffe es nicht
alibo79
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Re: Überforderung - wer kennts

Beitrag von alibo79 »

Das kenne ich zu 100 % aus meinem depressiven Episoden. Da war alles zu viel und es ging gar nichts mehr. Am wenigsten ging irgendwie Zeit mit den Kindern zu verbringen. Da hat sich alles in mir gestreut sich gewährt und ich wollte nur noch weglaufen. Es war mit zu viel, wenn die Kinder nur einen Mucks gemacht haben oder gemeckert haben. Damit war ich schon überfordert. Mit den Kindern etwas schönes zu machen, ging auch nicht. Das löst du direkt ganz schreckliche Gefühle aus. Alltägliche Sachen zu erledigen war mir nicht möglich. Egal ob es im Zusammenhang mit den Kindern stand oder ein simples Essen zu kochen, war schon manchmal eine Herausforderung. Ein Beispiel, was ich hier schon eher geschrieben habe, war, als ich für meine Tochter für die Schule eine neue Schere besorgen musste und diese Schere aber eine linkshänderschere sein musste war das für mich völlige überforderung. Ich musste meine Mutter bitten eine Schere zu kaufen, da ich nicht in der Lage dazu gewesen bin.
Also noch einmal zu deinen fragen. Ja, das kann ich alles total nachvollziehen, aber es ist auch alles wieder weggegangen und diese permanente überforderung war irgendwann vorbei. Deshalb gibt dir ein wenig Zeit. Lass erstmal die Medikamente anfangen zu wirken und zwing dich nicht dazu irgendwelche Dinge zu machen zu erfüllen, was aktuell nicht machbar ist.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Mirabel
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Re: Überforderung - wer kennts

Beitrag von Mirabel »

Ich kenne das sehr gut.
Und du musst das alles momentan nicht können. Aufs Kind alleine aufpassen nicht. Und arbeiten schon dreimal nicht. Es ist noch nicht die richtige Zeit dafür. Du hast jetzt eine Aufgabe. Und das ist das Gesund werden. Und das tust du auch. Du bist in der Klinik. Du nimmst Medikamente. Du holst dir Hilfe. Das ist schon sehr viel! Und du tust das alles, damit du wieder zu Kräften kommst und für dein Kind da sein kannst. Weil du dich wieder um dein Kind kümmern möchtest. Und es wird auch so kommen. Geduld mit sich selbst zu haben kann einem schwer fallen. Aber ich glaube, es lohnt sich. Du bist damit nicht alleine.
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Marika
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Re: Überforderung - wer kennts

Beitrag von Marika »

Hallo!

Ja auch ich kenne das alles und zwar haargenau so. Ich glaube du sprichst hier ganz, ganz vielen aus der Seele. Es sind die absoluten Klassiker an Symptomen einer PPD.

Die gute Nachricht ist, es wird tatsächlich zuerst zögerlich, dann spürbar immer besser. Es dauert ein bisschen, bis das AD eine wirklich gute Wirkung entfaltet. Ich kann dir von mir sagen, dass alle diese Symptome verschwunden sind und ich mit unendlich schönen Momenten mit meinem Kind entschädigt wurde. ❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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