Seit längerem Mal wieder ein Tief

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Marika
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Marika »

Hallo liebe Sternschnuppe!

Ich freue mich, dass dir dein Termin geholfen hat und dass du schlafen kannst. Das sind schon mal 2 wichtige Säulen, die dich tragen können.

Ich hatte damals keine Symptome meiner Erkrankung, mein Escitalopram hat mich stabil gehalten obwohl die Aussichten für meinen Papa sehr schlecht waren, er war aber auch viel älter als deiner. Er lag im Koma und ist auch nicht mehr aufgewacht, er durfte dann in Frieden gehen. Wir als kleine Familie (ich habe keine Geschwister) haben fest zusammen gehalten und haben diese schwierige Phase gut gemeistert.

Wie geht es denn deinem Papa aktuell, deiner Mama, warst du schon im Spital?❤️
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
alibo79
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von alibo79 »

Liebe Sternschnuppe
Die Zeit aktuell für dich ist natürlich überhaupt nicht einfach und da dürfen ganz viele Gefühle da sein. Und sie haben alle ihre Berechtigung. Natürlich sind sie unangenehm zu empfinden und du möchtest sie gar nicht gerne annehmen. Doch ich glaube, dass diese Gefühle anders zu sehen sind als die negativen Gefühle der Depression. Da du die Angst, die du aktuell hast, ja schon konkret mit einer Situation in Verbindung bringen kannst.
Ich werde es als ganz gutes Zeichen, das weiterhin der Schlaf vernünftig ist. Und das kannst du vielleicht ja schon als gewisse Stabilität sehen, dass du trotz deiner ganzen sorgen nachts zur Ruhe kommst.
Vielleicht kannst du ja auch im Krankenhaus mit einem Arzt oder Pfleger sprechen und etwas mehr über den gesundheitszustand von deinem Vater rausbekommen.
Auch da würde ich es so handhaben, dass du dir nur so viel zumutest wie gerade für dich in Ordnung ist. Also ich meine, dass du nicht ständig da sein musst und auch Abstand vom Krankenhaus und deinen sorgen einhältst.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Liebe Marika,
oh, das tut mir total leid 😔. Aber so wertvoll, dass ihr euch gegenseitig Halt gegeben habt.

Alibo, Marika, so lieb, dass ich hier alles Teilen kann und so viel Verständnis hier erfahre.
Ja, mein Arzt hat mir auch nochmal gesagt, dass das konkret mit dem Ereignis verknüpft werden kann. Und diese Unruhe und Sorge auch da sein dürfen und mein Körper daran nicht zusammenbricht. Das hat mir viel Sorge genommen. Dass es anscheinend nicht aus dem Nichts kommt die Anst und Unruhe und das nicht daran liegt, dass das Medikament jetzt nicht wirkt oder so.

Mein Papa hatte jetzt ganz viele Untersuchungen. Vorhin kam heraus, dass er wohl eine Entzündung am Gehirn hat. Was diesen ganzen Symptome, die einem Schlaganfall oder Tumor im Kopf ähneln, erklärt. Es wird jetzt geschaut was es für ein Erreger ist. Und er wird dann 9 Infusionen oder so am Tag bekommen. Ich war noch nicht da, weil er das nicht will. Ihm ist alles zu viel und deshalb will er nur das meine Mama kommt. Was ich auch verstehe und ihm die Zeit gebe, bis er sich irgendwann gut genug dafür fühlt. Ich hoffe so, dass ihm jetzt geholfen werden kann.
Gerade mache ich mir auf jeden Fall immer noch viele Gedanken und Sorgen. Bin aber andererseits erleichtert, dass er jetzt da ist, wo er hingehört und man weiß, was man jetzt tun kann, um ihm hoffentlich zu helfen.
Liebe Grüße
alibo79
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von alibo79 »

Liebe Sternschnuppe, wie sieht's es bei dir aus? Wie geht es deinem Vater?
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Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Huhu liebe Alibo,
Leider ist die Unruhe tagsüber ziemlich da, gerade unter der Woche. Am Wochenende, wo mein Mann da war ist es besser. Aber schlafen tu ich zum Glück weiterhin gut und meine Laune ist etwas besser.
Am Samstag war es für meinen Papa okay, dass ich mal vorbei kommen konnte. Ihm geht's leider immer noch ziemlich schlecht. Sie wissen immer noch nicht, wodurch die entzündung ausgelöst wurde. Das kann wohl bis zu 14 Tagen dauern, bis die da etwas wissen. Nun kommt heute sein Bruder aus Uruguay für 2 Wochen und wohnt bei der Oma. Ich bin froh, dass er kommt, weil er vernünftiger ist als meine Eltern. Meine Mama meinte nämlich letzt vlt wäre er daheim besser aufgehoben, weil die da ja nur rumprobieren im Krankenhaus und sie denkt das käme alles von einem vitaminmangel...sie haben da sehr seltsame Ansichten. Jedenfalls hatte ich da wieder zu viel bekommen und bin nun froh, dass der Onkel kommt. Einer der da nicht schon die letzten Wochen so drin involviert war. Und vielleicht kann man mit ihm auch klären, wie man das dann alles jetzt mit meiner Oma regelt, weil mein Papa hatte sich ja gekümmert um sie. Meine Mama und sie sind ja komplett zerstritten und ich kann nicht so viel leisten da auch noch. Aber meine Oma ist stur und will auch keine Hilfe von außen. Echt nicht so einfach alles 🙈
Liebe Grüße
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Heute meinte meine Mama, mein Papa wär ganz guter Dinge. Ich bin also hin. Aber gerade als ich kurz vor der Tür ankam, sind da alle panisch rumgerannt und in sein Zimmer und meinten ich soll draußen warten. Ich war so panisch, hab voll gezittert. Irgendwann durfte ich dann rein. Er war kurz vorher wohl kollabiert, also voll weg. Er war dann am dauer EKG und blutdruck und so angeschlossen. Und dann war es wieder kurz vor nem Anfall, meine Mama meint, ich soll jetzt besser gehen. Und dann kamen wieder die Krankenschwestern 😣. Und sie wissen auch nicht woher das kommen kann und haben auch die Infusionen wieder aufgehört. Es ist so schrecklich. Meine Mama hat sich noch nicht gemeldet. Ich weiß nicht, was das noch werden soll
Liebe Grüße
alibo79
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von alibo79 »

Liebe Sternschnuppe, es tut mir total leid, was du im Moment alles durchmachen musst. Du hast es wirklich nicht einfach. Vor allen Dingen diese letzte Situation hat es natürlich bei dir wieder viele Gefühle und Ängste an.
Trotzdem denke ich, dass dein Vater erstmal im Krankenhaus am besten aufgehoben ist. Vor allem kann dort schnell gehandelt werden und auch noch notwendige Untersuchungen gemacht werden.
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Marika »

Liebe Sternschnuppe!

Auch ich bin in Gedanken bei dir. Ich weiß was du grad durchmachen musst. Es ist eine schwere Zeit, wenn ein so enges und geliebtes Mitglied der Familie so krank ist. Aber im Krankenhaus werden sie alles für deinen Papa tun.

Dass der Bruder deines Vaters da ist, ist sehr gut. Vielleicht kann er ein bisschen deeskalierend auf deine Oma und Mama einwirken. Für dich ist es trotz der schwierigen Situation sicher nötig, gut auf dich zu schauen. Hast du Zeit für dich alleine, um mal etwas runter zu kommen?❤️
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Danke 🥹🩷 ihr seid so lieb.
Ich versuche immer mal wieder etwas für mich zu machen. Gestern war ich beim Yoga. Ich hab mir aber so schwer getan, nicht an meinen Papa zu denken. Es spukte die ganze Zeit in meinem Kopf rum. Trotzdem war es natürlich besser, als mir nur zu Hause sorgen zu machen. Aber es kam bei mir das schlechte Gewissen auf. Wie ich hab Spaß und meinem Papa geht es so schlecht und er leidet. Ich weiß natürlich eigentlich, dass es ihm ja auch nix bringt, wenn ich nur daheim Trübsal blase, aber es ist trotzdem nicht so leicht.
Liebe Grüße
Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Ich bin vollstens verzweifelt 😩. Ich glaube meine Mama ist vollkommen durch. Also sie war schon immer antiärzte. Aber sie glaubt, die machen alles nur noch schlimmer. Gestern war ein anderer Arzt von ner Uni extra da, weil im nervenwasser irgendwas auf ein Geschwulst oder Tumor hindeutet. Jetzt wollen sie meinen Papa nochmal ins Ct für Bauch und Brust und ins Mrt für den Rücken. Meine Mama will ihn aber am liebsten heim holen. Weil sie meint, die machen ihn da nur krank. Jetzt war sie eben da bei mir und hat einen Ausdruck für eine vorsorgevollmacht und patientenverfügung geholt. Sie will dass er es noch ausfüllt, so lang er noch kann. Weil sonst die Ärzte alles entscheiden. Und ich hab dann nochmal zu ihr gesagt, er soll es aber alles selbst entscheiden und nicht sie. Dann hat sie mich angefahren, dass ich ihr ja nicht helfen würde, wenn die Ärzte ihn zum pflegefall machen und sie sich dann kümmern muss. Sie betrachtet gerade alle, die auf der Seite der Ärzte stehen, als gegen sich. Ich kann irgendwie nicht mehr normal mit ihr reden. Ich weiß, sie ist eigentlich nur verzweifelt, aber trotzdem. Mein Onkel wollte heute auch ins Krankenhaus. Ich hab Angst, dass sie meinen Papa soweit bekommt, dass er mit ihr heim geht 😭. Aber ich hab eigentlich null Kapazitäten mehr. Hab heute ja auch meinen Sohn, weil der Kindergarten zu hat und ich mit ihm in den tierpark wollte. Ich bin einfach nur fertig. Das Thema frisst mich auf. Gerade hauptsächlich wegen meiner Mama.
Liebe Grüße
Mayte
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Mayte »

Liebe Sternschnuppe,
Es tut mir sehr sehr leid, was dir gerade passiert und ich schreibe dir, weil mein Vater in den letzten zehn Jahren zweimal fast gestorben wäre und jeweils lange Zeit auf intensiv und im Krankenhaus war - und ich bin fast verrückt geworden dabei. Ich war nur noch mit Handy in der Hand und dachte wenn ich fünf Minuten nicht an ihn denke stirbt er. Bei mir kam alles noch damals als meine Mama (auf intensiv) gestorben ist.
Unsere Konstellationen sind sicherlich anders, aber deine Not kommt mir bekannt vor, dieses grenzenlose und das Gefühl, Verantwortung übernehmen zu müssen.
Ich versuche mal, dir was zu schreiben, was für mich damals wichtig war, auch wenn es lange gedauert hat bis ich damit klar kam: deine Eltern sind für dich verantwortlich und du nicht für sie. Was auch immer da gerade passiert sind auch Entscheidungen, die sie - sowohl dein Vater als auch deine Mutter - über ihr Leben (und Sterben) Treffen. Und du überforderst dich masslos (oder sie dich), wenn du versuchst, ihr Schiff zu steuern. Auch wenn du mit dem wie sie damit umgehen nicht einverstanden bist. Du bist gerade sicherlich im absolut roten Bereich- und brauchst selbst Hilfe. Auch wenn es sich wie Verrat anfühlt, schau, was du für dich tun kannst. Und damit meine ich weniger Yoga (denn natürlich gehst du dabei steil), sondern eher: Krisen und Lebensberatung für dich. Sowas gibt es in vielen Städten kostenlos und zeitnah. Auch telefonisch.
Was du über deine Eltern beide schreibst klingt danach, dass sie total hilflos sind und wenig selbstfürsorge und Verantwortung übernehmen. Vielleicht hast du das als familiäre Rolle bekommen und dich dabei überfordert? Das jetzt nicht zu tun kann Schuldgefühle oder auch von Verrat erzeugen. Aber da geht der Weg lang, du siehst ja, wie sie dich in ein System einstellen, in dem du selbst krank wirst. Weil du nicht genug für dich übrig hast. Sie sind erwachsen. Beide.
Ich habe damals immer hören wollen das alles gut wird und es war trotzdem nicht das richtige. Es wurde aber alles gut, aber manchmal wird auch nicht alles gut, auch das habe ich erlebt. Aber das liegt nicht an dir oder in deiner Hand. Das Leben ist größer als wir. Heute ist mir wichtiger dass nicht jemand sagt, dass alles gut wird, sondern wie wir miteinander umgehen in der Krise und ich vor allem mit mir. Denn natürlich liebst du deinen Vater, deine Eltern und willst dass es ihm gut geht. Und gleichzeitig brauchst du Distanz zu der Art und Weise wie sie gerade damit umgehen. Du bist nicht deren krisenmanagerin, du bist die Tochter und gerade selbst ganz bedürftig.
Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Ich danke dir, liebe Mayte. So schlimm, was du da schon durch stehen musstest.
Wie hast du es geschafft, da etwas Abstand zu wahren?
Ich war eben im Krankenhaus 😩. Es ist höchstwahrscheinlich ein bösartiger Tumor im Magen, der ins nervenwasser gestreut hat. Jetzt wird er am Montag in ein anderes Krankenhaus verlegt für ne Biopsie. Am Sonntag werden wir uns wahrscheinlich alle wegen der Patientenverfügung zusammensetzen.
Ich war heute grad mal 45 Minuten drin, dann gings ihm wieder noch schlechter und ich konnte es nicht mit ansehen und bin wie so ein Feigling gegangen 😭. Aber das hat er nicht verdient, dass ich da einfach weg gehe.
Liebe Grüße
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Marika
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Marika »

Liebe Sternschnuppe, das tut mir sehr, sehr leid und ich fühle mit dir. Du bist kein Feigling, du gehst sowieso schon über deine Kräfte. In so einer Ausnahme Situation ist man niemals ein Feigling.

Ich bin in Gedanken bei dir! ❤️
Liebe Grüße von
Marika

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