Seit längerem Mal wieder ein Tief

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Ja, ich glaube auch dass mein Sytem erstmal im kompletten Ausnahmezustand war/ist. Ich war heute bei meiner Hausärztin, eigentlich weil ich seit gestern etwas Halsweh habe, aber hab ihr dann auch alles erzählt. Und sie hat mich jetzt auch mal die Woche krankgeschrieben, einfach weil drumherum schon genug Belastung ist mit meinem Papa und Kindergarten zu. Und sie war sehr nett und Verständnisvoll. Ich fühle mich auch gerade erleichtert und gut mit dem gedenken, die Woche nicht noch auf die Arbeit zu müssen. Ich wollte mich glaube permanent ablenken, dass ich es mit aller Kraft ausblende. Aber das geht halt nicht, die Unruhe hat sich ja trotzdem krass gezeigt, vielleicht auch gerade deshalb, weil ich es weg schieben wollte.
Liebe Grüße
Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Ihr Lieben,
Meine Woche krank ist jetzt so gut wie rum und ich weiß nicht, wie ich weiter machen soll 😣. Mich versuchen nochmal krank schreiben zu lassen? Aber wie lang soll ich mich krank schreiben lassen, das geht ja nicht auf Dauer 😣. Es käme mir irgendwie erschlichen vor. Es kann ja noch eine schlimmere Zeit mit meinem Papa kommen.
Die Woche jetzt zu Hause war etwas besser für mich, weil wenigstens eine Anstrengung weg gefallen ist. Montag startet auch mal wieder der Kindergarten.
Er ist jetzt aktuell zu Hause und bekommt alle 2 Wochen chemo. Ihm geht's sehr schlecht und eine Chance auf Heilung gibt es leider auch nicht mehr, sagt die Ärztin am Freitag 😔
Liebe Grüße
Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Achso und am 18.08. wäre eh der letzte Arbeitstag vor 2,5 Wochen Urlaub.
Liebe Grüße
alibo79
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von alibo79 »

Hey Sternschnuppe
Es tut mir leid dass es deinem Vater nicht gut geht und ihr noch eine sehr schwere Zeit vor euch habt.
Mein erster Gedanke zu deiner Nachricht war tatsächlich dass du dich auch nächste Woche krank schreiben lassen solltest. Das war wirklich mein erstes Gefühl und ich bin sonst auch jemand für den krank melden so überhaupt gar nicht in Frage kommt. Aber ich glaube es würde dir gut tun. Dich selbst nächste Woche nochmals komplett in Vordergrund zu stellen, dich ganz persönlich um dich selbst zu kümmern, das wäre doch eigentlich ganz schön oder?
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
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Marika
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Marika »

Liebe Sternschnuppe!

Ich möchte dich mal fest drücken aus der Ferne. ❤️ Es tut mir sehr leid, dass dein Papa so einen schweren Weg vor sich hat. Vielleicht kannst du aber aus der Tatsache, dass nun Klarheit herrscht und er in professionellen Händen ist, Kraft schöpfen. Es gibt nun kein Spekulieren mehr, die Tatsachen liegen am Tisch und man ist ins Handeln gekommen. Dieses machtlos Gefühl nichts genaues zu wissen, könnte nachlassen. Auch wenn es keine komplette Heilung gibt, kann dein Papa mit einer gut anschlagenden Therapie eine sehr gute Lebensqualität erreichen. Und heutzutage gibt es wirklich sehr gute und effektive Krebs Therapien.

Hast du dich schon wegen einer weiteren Krankschreibung entschieden? Bei mir war das damals als mein Papa intensiv lag, ganz seltsam: ich wollte unbedingt arbeiten gehen, obwohl alle sagten "bleib daheim". Ich bin einfach meinem inneren Gefühl gefolgt. Es war für mich, als würde mir die "normale Welt" Halt geben. Aber ich war da (vor 2,5 Jahren) auch nicht in einem Tief, sondern schon jahrelang stabil. Daher: hör auf deine innere Stimme! ❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Danke für euch Antworten, ihr Beiden 🙏.
Am Anfang hatte ich auch die innere Stimme, dass ich die Arbeit als Halt wollte. Aber jetzt sagt sie mir klar, dass ich gerade diesen Stress nicht zusätzlich bewältigen kann, ohne dass es mir massiv zusätzt. Mir geht es nach der Woche nicht gut, aber etwas besser und wenn ich morgen wieder arbeiten ginge, wäre das wahrscheinlich direkt wieder weg. Deshalb gehe ich morgen nochmal zu meiner Hausärztin. Mal schauen was sie meint und ob sie mich pberhaupt nochmal krank schreibt. Hab ja schon ein schlechtes Gewissen meiner Kollegin gegenüber, aber damit muss ich wohl leben.
Liebe Grüße
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Marika
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Marika »

Sehr gute und nachvollziehbare Entscheidung! Sei stolz auf dich, das hören auf deine innere Stimme und das liebevolle Umgehen mit dir selber! ❤️
Liebe Grüße von
Marika

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alibo79
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von alibo79 »

Sternschnuppe, das hast du sehr gut entschieden. Du hast richtig gut auf dein Gefühl und Bedürfnisse geachtet ❤️❤️
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alibo79
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von alibo79 »

Guten Morgen Sternschnuppe, wie geht es dir?
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Ihr Lieben,

Ja, wie geht es mir 🙄. Also die Ärztin hatte mich ja sogar ohne das ich hin musste direkt für die Woche krankgeschrieben. Was schonmal eine erste Erleichterung war. Dann bin ich jedoch nachmittags zu meinen Eltern und meine Mama war ziemlich aufgelöst weil mein Papa ab da künstlich ernährt werden sollte und die Frau, die diese Pumpe für die Nahrung brachte war gerade da gewesen. Der Pflegedienst, der sich um das Mischen der Nahrung und das An und Anhängen kümmern sollte, ist einfach nicht gekommen. Das war wohl bei denen keine Seltenheit und der andere hatte keine Kapazitäten mehr. Ich hab mich dann um einen Termin mit der Paliativversorgung gekümmert. Die wollten das auch nicht machen. Also haben wir weiter ewig rum Telefoniert. Am nächsten Tag kam der Pflegedienst auch nicht und die Frau, die die Pumpe brachte hatte uns Also übers Telefon erklären müssen, wie wir die Nahrung von dem Port abhängen. Meine Mama hat es erst nicht hinbekommen, also musste ich das machen. Dann ist mei Onkel auch noch abgereist und meine Oma ist in der Zeit auch öfter hingefallen 🙈. Ich bin dann durch diese ganzen Aktionen vollkommen nervlich am Ende gewesen. Hab dann auch mein Notfallmedikament genommen. Und mich mit meinem Mann beraten. Er hat dann gesagt, er übernimmt alles was mit meiner Familie jetzt so anfällt an ToDos und ich gehe nur noch alle paar Tage mit ihm meinen Papa besuchen. Seine Mama kümmert sich um meine Oma. Ich hab dann die letzten drei Tage mich massieren lassen, gelesen und versucht wieder in mein inneres Gleichgewicht zu finden. Ich versuche mich aber jetzt auch mehr zurück zu nehmen und mich mehr auf mich und meinen Sohn zu fokussieren. Allerdings habe ich oft noch den Vorwurf von damals in den Ohren, als meine Mama des öfteren Mal sagte, wenn sie mal nicht mehr könnten, dann könnten sie ja wahrscheinlich nicht auf mich zählen. Das macht mir zu schaffen, weil der Fall ja jetzt eingetreten ist. Das sie nicht auf mich zählen können.
Liebe Grüße
Mayte
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Mayte »

Ach Sternschnuppe, du Arme…

Ich stelle dir mal ein paar rhetorische Frage: ist deine Mutter alleine gelassen? Antwort: nein, dein Mann kümmert sich. By the way wie toll von ihm!
Sitzt du einfach zu Hause rum weil es dir egal ist? Nein, du bist am Rande deiner Kräfte und dein Vater stirbt gerade, nicht nur ihr Mann. Ist das nicht eine absurde Vorstellung dass du da drüber stehen sollst, so als Kind?
Wenn jemand sowas wie sie zu ihrem Kind sagt, findest du das liebevoll? Interessiert am Kind? Einladend? Um Hilfe bittend? Ich finde das klingt wie Erpressung. Und wie ein Überbleibsel aus einer Zeit wo man gedacht hat Kinder schulden ihren Eltern. Glaubst du dass du was schuldig bist? Oder dein Kind dir?

Ich verstehe dass du dich hilflos fühlst und gerne mehr tun würdest, aber die Welle hat dich auch umgerissen. Wie gut dass du ein Bedarfsmedikament hast und die Ärztin dich krank geschrieben hat.
Pass gut auf dich auf!
alibo79
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von alibo79 »

Mensch Sternschnuppe, es tut mir echt leid, was du gerade alles durchmachen musst. Aber ich muss sagen das du wirklich einen tollen Mann hast, der dir eine große Hilfe und Stütze ist. Die Aussage deiner Mutter finde ich auch schwierig. Denn sie kann ja trotzdem auf dich zählen. Nur vielleicht nicht in dem ausmaß, dass sie sich wünscht , vorstellt oder auch gerne hätte. Aber das ist ja ihr Bedürfnis und du hast ein ganz anderes Bedürfnis und da treffen dann unter Umständen zwei ganz verschiedene Vorstellungen aufeinander. Ich habe dabei gerade eine Aussage von einer Kollegin im Ohr, die auch erzählt hat, dass ihre Eltern sich vorgestellt hätten, dass sie und ihre Schwester im Alter die Eltern pflegen und versorgen. Da hat meine Kollegin aber klipp und klar gesagt, dass das nicht passieren wird, auch wenn Sie ihre Eltern gerne mag. Aber dass diese Bürde ihr einfach zu groß ist. Und sowas auch heutzutage nicht mehr erwartet werden kann.
Als die Frauen vor 50 Jahren nicht berufstätig waren und erst zu Hause mit den Kindern geblieben sind und die großgezogen haben. Da war das völlig selbstverständlich, dass im Anschluss dann die ältere Generation bis zum Tode gepflegt wurde. Aber diese Zeiten sind vorbei. Wir sind alle berufstätig und haben viele Aufgaben und auch für den familiären Frieden , Sind solche Konstellationen, dass ein Angehöriger pflegt nicht unbedingt gut.
Und ich denke auch , damals waren die Familien auch viel größer und die familienstrukturen anders. Man wohnte in einem engeren Umkreis. Es waren tanten, Onkel cousinen oder Cousins in der Nähe und die einen Geschwister oft sowieso , es war ja immer irgendjemand da. Das haben wir heute oft gar nicht. Die Familien werden kleiner und man wohnt teilweise sehr weit entfernt, wie dein Onkel.
Ich finde gerade du zeigst sehr viel Rückgrat für dich und setzt gute Grenzen. Das ist für dein Umfeld vielleicht schwierig zu verstehen. Aber trotzdem gibst du im Moment mehr als du vielleicht eigentlich könntest und das muss dann auch mehr als genug sein!
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