Seit längerem Mal wieder ein Tief

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Nat86
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Nat86 »

Liebe Sternschnuppe,

ich hatte heute Vormittag schon mal hier geschrieben, aber die Nachricht ging irgendwie verloren. Es tut mir sehr leid, dass es so schlecht um deinen Papa steht und dass dich diese Situation verständlicherweise so belastet. Ich möchte Dir viel Kraft wünschen und Dich darin bestärken, dass Du in dieser schwierigen Zeit auch an Dich und deine Grenzen denkst und diese versuchst zu wahren. Dies macht dich nicht zu einer schlechten Tochter. Es bringt niemanden etwas, wenn du dich über deine Grenzen hinweg verausgabst und dann selbst psychisch erkrankst. Wir alle wissen hier, wie schwer der Weg zur Gesundung sein kann und das solltest du nicht riskieren. Ich wünsche Dir viel Kraft für diese schwierige Zeit!
Viele Grüße von Nat
Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Liebe Nat,
Ich danke dir sehr für deine bestärken Worte 🙏.
Wir sind tatsächlich seit Montag in einem kurzurlaub an einem See, zwar nur 1 Stunde von zu Hause entfernt, aber der Abstand tut trotzdem gut. Gestern konnte ich auch recht gut abschalten. Meine Mama wollte sich melden, sollte die Situation sich irgendwie verschlechtern. Jetzt schrieb sie mir heute Mittag, dass sie meinen Papa von der Chemo morgen abgemeldet hat. Weil er nun nur noch verwirrt ist. Die ganze Nacht nicht schlief und wirr vor sich hin erzählt hat. Die paliativärztin war mittlerweile auch da und hat auch bestätigt, dass er so keine chemo mehr machen kann, da er schon sehr in seiner eignen Welt ist.
Heute mittag war sie aber noch nicht da, als ich mit ihr telefoniert habe. Meine Mama war in Tränen aufgelöst und hat meine Oma sehr beleidigt und meinte sie hätte schon immer ihre Ehe sabotiert und sie würde sie am liebsten umbringen. Weil meine Oma ihr wohl ihrerseits unterstellt hat, dass es meiner Mama ja jetzt recht käme, dass sie ihn nicht mehr zur Chemo fahren müsste. Seit ich denken kann, haben die zwei Zoff und mein Papa und ich standen immer zwischen den Stühlen. Ich bin es einfach so leid. Meine Mama meinte auch, dass sie meiner Oma ab jetzt den Zutritt verbietet und sie dann auch nicht auf die Beerdigung dürfte. Ich versteh einerseits, dass sie beide auf ihre Art verzweifelt sind, durch die Situation. Und ich will meine Mama einerseits auch trösten. Aber andererseits ertrage ich diese Streitigkeiten auch nicht mehr. Das habe ich als Kind so oft und auch nach der Geburt, als es mir so schlecht ging. Vielleicht habt ihr noch einen Impuls für mich 😣
Liebe Grüße
alibo79
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von alibo79 »

Liebe Sternschnuppe!
Ich habe deine Nachricht zweimal gelesen und bisschen überlegt, was ich dazu schreiben kann. Ich finde das sehr schwierig und auch deine Situation ist natürlich echt schwer im Moment. Ich kann mir vorstellen, dass du für deine Mutter der einzige Mensch bist, wo sie vielleicht ihre Gefühle frei rauslassen kann und ihren Frust los wird. Natürlich möchtest du für Sie da sein. Aber trotzdem musst du auch deine Grenzen waren. Definitiv finde ich, dass du nicht zwischen deiner Mutter und deiner Oma vermitteln musst. Es sind beides erwachsene Menschen und wenn du sagst, das war schon als Kind,so , dann hast du die vermittlerrolle schon viel zu lange getragen.
Ich denke da ist wieder das Thema viel zu früh schon in der Kindheit zu viel Verantwortung getragen für Menschen, für die du eigentlich nicht verantwortlich bist. Natürlich möchtest du als Erwachsene Person für deine Eltern da sein. Und das heißt ja auch nicht, dass du komplett ohne Verantwortung und Beziehung zu ihnen bist. Aber gerade jetzt hast du auch einfach nicht die Kapazitäten der Vermittler zwischen streitigkeiten zu sein.
Wenn es um medizinische Fragen bezüglich der palliativtherapie bei deinem Vater geht, dann könnten ja auch die Ärzte mit deiner Oma reden und ihr alles erklären, sofern Sie dazu noch aufnahmefähig ist.
Wie sieht denn die generelle Prognose für deinen Vater aus? Gibt es da einen Plan, ob er zu Hause bleibt oder ob er in ein Hospiz oder eine palliative Einrichtung geht?
Sonst gibt es bestimmt in diesen Einrichtungen auch Menschen, die mit den Angehörigen gute Gespräche führen können.
Ansonsten weiß ich auch nicht so recht, was ich dir raten könnte, außer immer wieder für dich selber da zu sein. Und du hast ja neulich in deiner Nachricht geschrieben, dass der Anspruch, dass es dir richtig gut geht, vielleicht im Moment auch einfach nicht da sein kann. Da der Umstand bei euch zu Hause einfach so traurig und bedrückend ist.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Mayte
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Mayte »

Liebe Sternschnuppe
Ich wusste auch gar nicht richtig wie oder was antworten, aber ich finde Alibo hat einen guten take: kannst du irgendwen um Hilfe fragen?
Solche über Jahre und Jahrzehnte eingefangen Konflikte in der absoluten Krise zu lösen als Beteiligte… weiß deine Mutter eigentlich wie schlimm das für dich war/ist? Könntest du ihr das auch sagen: Mama, ich weiß dass du gerade ganz schlimme Dinge erlebst, aber wenn du mich so dazwischen stellst ist das auch ganz schlimm für mich…?
Das geht ja alles so schnell gerade bei euch- da muss dein Vater eigentlich schon lange krank gewesen sein oder? Wisst ihr irgendwas darüber was er sich gewünscht hat/hätte?
Sternschnuppe2023
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Re: Seit längerem Mal wieder ein Tief

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Huhu ihr Lieben, danke euch 🩷.
Ich habe jetzt bei meinem Onkel und meiner Mama klar gesagt, dass ich davon gerade nichts hören will. Weil es gerade allein um meinen Papa geht.
Mit meiner Oma haben wir es jetzt so gelöst, dass mein Mann sie zu meinem Papa fährt und meine Mama in der Zeit nicht da sein wird. Dass die beiden sich gar nicht begegnen. Weil meinem Papa waren beide wichtig.
Und ja, anscheinend hatte er es schon lange. Aber er hat es bis zum geht nicht mehr runter gespielt 😔.
Liebe Grüße
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