Rückfall nach Escitalopram absetzen

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Kadisha
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Rückfall nach Escitalopram absetzen

Beitrag von Kadisha »

Hallo zusammen,

kurz zu mir. Einige werden mich vielleicht noch kennen. Mein alter Nick war khadisha. Bin 2009 hier gelandet nach einer schweren ppd.
Wurde dann in der Klinik auf 10 mg escitalopram eingestellt. Über die Jahre hab ich es auf 15mg erhöht. Es ging mir damit nie zu 100 % Hatte immer Ängste und zwischendurch wohl auch Panikattacken.
Aber es war ok.
Habe die letzten zwei Jahre ganz langsam ausgeschlichen. Dann 3 Wochen nach 0mg ein extremer Absturz. Habe viel im antidepressiva Forum und bei absetz Experten wie dr Horowitz gelesen. Dort wurde gesagt es sei definitiv Entzug und ich solle blos nicht eine volle Dosis nehmen. Das könnte paradox wirken weil mein Nervensystem dysreguliert ist und sich über die zwei Jahre ja schon ab weniger gewöhnt hat.
Ich habe dann 2mg genommen. Das war vor 15 Wochen. Es wurde minimal besser. Aus Forum Seite hieß es immer ich müsse durchhalten bis sich der Verzug legt und das könne Dauern. Das habe ich die ganze Zeit gemacht aber ich kann nicht mehr.
Habe vor 1 Woche auf 0,5mg erhöht. Weil ich Angst habe vor einer massiven Verschlechterung, weil ich da in den Foren so viel gelesen habe. Ich habe mit der Wasserlösemethode angefangen. Daher sind diese kleinen Erhöhungen möglich.
Ich weiß nun nicht was ich machen soll. Ich denke ich muss auf jeden Fall erhöhen aber wie am besten ohne dass es sich verschlechtert. Und vor allem bis zu welcher Dosis ? Ich hatte überlegt bis 5mg zu gehen und dann erst mal abzuwarten. Vielleicht reicht das ja schon. Und dann lese ich wieder: es kann sein, dass das Medikament nach einem absetzen nicht mehr wirkt. Es kann sein, dass der Körper es nach einem Absturz ablehnt und paradox reagier.
Mein Kopf ist total verwirrt und weiß nicht mehr was richtig und falsch ist. Ich bin seit 15 Wochen in der Hölle. Und möchte einfach nur das es aufhört.
Ich muss hier wieder raus. Nur wie?

Vielleicht habt ihr hier Erfahrungen mit Absetzen, Rückfall und wieder Einnahme.


Ganz liebe Grüße

Kadisha
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Marika
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Re: Rückfall nach Escitalopram absetzen

Beitrag von Marika »

Hallo Liebes!

Ich kann mich noch sehr gut an dich erinnern und es tut mir sehr leid, dass es dir aktuell so schlecht geht.

Mein dringendster Rat wäre: setz dich bitte umgehend mit einem Facharzt in Verbindung. Hast du noch Kontakt zu deinen damals behandelnden Ärzten? Ich bin der Meinung, dass das die bessere Lösung ist, als mit einem virtuellen Arzt zu kommunizieren. Jeder Fall ist anders und muss individuell bewertet werden. Das kann eine Fachperson Face to Face meiner Meinung nach am besten. Gerade was ADs anbelangt gibt es immer wieder unterschiedliche Meinungen auch innerhalb der Fachwelt. Pauschalen Vorgangsweisen und Empfehlungen für alle und jeden stehe ich extrem skeptisch gegenüber.

Ich kann dir von mir sagen, dass ich ohne AD immer wieder Rückfälle bekomme, die definitiv keine "Entzungssymptome" sind. Ein Entzug würde eine Sucht vorausgesetzen und die gibt es bei klassischen ADs nicht. Daher spricht man in der Fachwelt auch von Absetzsymptomen. Ich habe damals eine hohe Dosis gebraucht, um stabil zu werden. Dann konnte ich in kleinen Schritten reduzieren. Bis 10 mg, darunter werde ich aber wieder krank. Aber mit 10 mg bin ich jetzt schon seit Ewigkeiten gesund und völlig stabil.

Du warst nie ganz stabil oder gesund. Das wäre aber eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Absetzen lt. Fachwelt.

Hast du die Möglichkeit der einen Facharzt Termin zu holen?
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Kadisha
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Re: Rückfall nach Escitalopram absetzen

Beitrag von Kadisha »

Hallo Marika,

ja, nächste Woche hab ich einen Termin.
Die Ärztin wird mir bestimmt dazu raten wieder voll mit dem Escitalopram zu starten. So sagen es ja die Leitlinien. Ich hab aber Angst, dass es damit noch schlimmer wird.
Ja eine Sucht vom Ad gibt es nicht im klassischen Sinne, aber der Körper gewöhnt sich sehr wohl an das Medikament. Vor allem nach 17 Jahren. Deswegen ist es ein körperlicher Entzug.

Kannst du mir von deinen absetzversuchen erzählen?
Und bist du danach direkt wieder auf die volle Dosis gegangen? Wurde es damit schlimmer? Und wie lange hat es dann gedauert bis das ad wieder Geholfen hat ?
Und hattest du keine Angst 30mg zu nehmen? Hast du direkt mit dieser Dosis angefangen? Man soll ja nur höchstens 20mg nehmen.

Liebe Grüße
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Marika
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Re: Rückfall nach Escitalopram absetzen

Beitrag von Marika »

Mit dem "Entzug" sehe ich es anders, aber das ist Ansicht Sache. Der Körper gewöhnt sich natürlich an das Medikament. Nur kann es auch einfach sein, dass wenn es dann fehlt, der Gehirnstoffwechsel wieder nicht richtig arbeiten kann und wieder Symptome auftauchen. So die Rückmeldung meiner Ärzte. Aber wie gesagt, es bleibt jedem unbenommen was man nun glaubt oder nicht. Fakt ist: mit der genannten Methode bist du gescheitert, daher ist es sehr gut, dass du schon einen Termin hast.

Ich bin damals auf Anraten meine Psychiaters wieder gleich mit 10 mg reingegangen. Ich war innerhalb von 2 Wochen völlig stabil, als wäre nie was gewesen. Davor war ich 9 Monate ohne AD und bekam dann einen Rückfall. Aber das ist nur meine individuelle Erfahrung, dein Arzt muss da natürlich seine Diagnose stellen.

Ich sage es ganz offen: ich halte von dem erwähnten Forum nichts. Aber auch hier: das ist einfach meine eigene Meinung.

Ich schreibe später ausführlicher, bin grad am Sprung.
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Kadisha
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Re: Rückfall nach Escitalopram absetzen

Beitrag von Kadisha »

Du warst innerhalb von zwei Wochen wieder komplett stabil? Das ist wirklich heftig. Hattest du gar keine Erstverschlechterung?

Ich habe einfach so Angst vor einer massiven Erstverschlechterung 😓 denn wenn es noch schlimmer wird, frage ich mich wie ich das dann überstehen soll.
Deswegen nun das langsame einschleichen
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Marika
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Re: Rückfall nach Escitalopram absetzen

Beitrag von Marika »

Ganz genau: beim Wiederbeginn mit 10 mg traten nur minimale Kopfschmerzen und Müdigkeit sowie leichte Appetitlosigkeit auf. Das für etwa 3 Tage, danach ging es steil bergauf. Aber auch da gibt es ganz unterschiedliche Erfahrungen, das ist wieder um nicht bei jedem so. Ich war selber erstaunt, dass das so extrem gut ging. Genau so ist dieses Reingehen von 10 mg bei weitem nicht Standard, sondern wurde individuell von einem Arzt für mich so bestimmt. Und es hat hervorragend funktioniert. Diese 10 mg haben mich völlig stabil und gesund gemacht, weiter erhöhen war nie mehr nötig.

Mein Psychiater war damals Chefarzt der hiesigen Psychiatrie mit Privat Ordination. Bei ihm machte ich auch meine Verhaltenstherapie bzgl. meiner Zwangsgedanken. Diese waren ja mein Hauptsymptom. Ich hatte extremes Vertrauen zu ihm und da bei Zwängen oft eine sehr hohe Dosis AD indiziert ist, hatte ich null Bedenken auf 30 mg (off label) zu gehen. Ich wurde in dieser Zeit engmaschig betreut, auch was den QT Intervall angeht, um alles im Blick zu haben. 30 mg werden heute nur wenn absolut nötig verschrieben, wegen dem erwähnten QT Intervall. Auf der anderen Seite bringt eine über der Höchstdosis liegende Verordnung gerade bei Zwängen oft erst den gewünschten Durchbruch. Bei mir war es so. Mein Psychiater hatte damals die nötige Erfahrung aus seinem Klinik Alltag mit dieser hohen Dosis Escitalopram.

Ich habe dann viel später noch 2 mal versucht unter 10 mg zu kommen. Aber bei 5 mg kamen schleichend wieder die Symptome. Die so genannte Wasser Glas Methode habe ich nie ausprobiert, mein Arzt hat davon nichts gehalten, wohl aber vom ganz langsamen Absetzen in so kleinen Schritten wie möglich. Heute gibt es Escitalopram ja auch in Tropfen die man mg genau dosieren kann. Hast du die?

Ein weiterer Reduzierungsversuch kommt für mich trotz jetzt vorhandenen Tropfen nicht mehr in Frage. Ich hatte schon vor der PPD latent eine Zwangsstörung - die Aussicht auf eine Beschwerde Freiheit ohne meine Erhaltungsdosis ist so gut wie ausgeschlossen. Das werde ich nicht aufs Spiel setzen. Aber auch hier wieder: das ist rein meine Geschichte, bei jemand anderes kann es anders aus sehen. Daher eben auch meine Einstellung: ein und das selbe Konzept oder Ziel kann ziemlich sicher nicht funktionieren.

Zum Einschleichen gibt es mittlerweile auch gute Mittel, die vorüber gehend genommen werden können und nicht abhängig machen wie z.B. Promethazin. Mit Promethazin haben hier viele Frauen sehr gute Erfahrungen gemacht, um aufkommende Erstverschlimmerungen abzufedern. Es kann punktgenau genommen werden und hilft innerhalb etwa 1 Stunde oder sogar weniger. Auch hier könntest du am kommenden Termin mit deinem Arzt darüber reden.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
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Kadisha
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Re: Rückfall nach Escitalopram absetzen

Beitrag von Kadisha »

Hallo Marika,

danke für deine Antwort.

Genau das ist es. Es ist bei jedem anders. Es ist immer ein Versuch.

Ich habe mal die Tropfen getestet, allerdings hatte ich das Gefühl, dass es mir damit schlechter geht. Daher ist das keine Option mehr für mich.

Ich werde auf jeden Fall das Escitalopram langsam höher dosieren. Ich habe 2 Jahre ja langsam reduziert bevor ich auf 0mg bin. Daher hoffe und denke ich, dass ich vielleicht nicht mehr so viel brauche.
Ich muss schauen. Weil wie gesagt. Ich bin momentan sehr verwirrt, weil jeder was anderes sagt und jeder anders auf Medikamente reagiert.

Du hast geschrieben tavor macht nicht süchtig. Ich denke da hast du dich verschrieben, weil Tavor ist ein benzo. Und die machen leider sehr schnell süchtig.
Promethazin habe ich hier. Nehme eine kleine Dosis abends zum
Schlafen.
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Marika
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Re: Rückfall nach Escitalopram absetzen

Beitrag von Marika »

Oh Gott, ja ich habe das falsch geschrieben. Natürlich macht Tavor abhängig, ich meinte selbstverständlich Promethazin, das macht nicht abhängig. Habe es gerade korrigiert.

Auch hier kannst du mit deinem Arzt dann die Dosis besprechen.
Liebe Grüße von
Marika

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