Ende August/Anfang September war ich auf dem Höhepunkt meiner postpartalen Depression. Ich hatte massive Ängste und Zwangsgedanken, konnte kaum noch schlafen und hatte große Angst davor, allein zu sein, insbesondere auch allein mit meinen Kindern. Ich hatte schlimme Gedanken, keinerlei Hoffnung und kaum noch Freude. Ich wusste nicht, wie mein Leben weitergehen sollte, und konnte mir kaum vorstellen, dass es jemals wieder besser werden würde.
Seit etwa vier bis fünf Wochen nehme ich Sertralin und seit ungefähr drei bis vier Wochen bin ich auch in therapeutischer Behandlung. Und ich merke tatsächlich, dass es langsam bergauf geht.
Ich habe keine starken Panikattacken mehr. Leichtere Angstzustände kommen zwar noch vor, aber sie gehen wieder vorbei. Die Zwangsgedanken sind deutlich weniger geworden, und wenn sie auftauchen, gelingt es mir zunehmend, sie vorbeiziehen zu lassen, ohne mich so sehr von ihnen mitreißen zu lassen. Ich kann wieder allein mit meinen Kindern sein. Mein Antrieb kommt langsam zurück, und zwischendurch gibt es wieder Momente, in denen ich etwas Freude empfinde. Auch Hoffnung und Motivation werden wieder spürbar.
Es geht mir noch lange nicht gut. Aber es geht mir besser. Und ich kann diese Veränderung tatsächlich wahrnehmen.
Die innere Angst und Unruhe, die Erschöpfung, die Ungeduld, manchmal auch Wut, Traurigkeit und Leere sind immer noch da. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass diese Gefühle endlich verschwinden. Ich möchte wieder gesund sein, Leichtigkeit in mir spüren und mein Leben mit meinen Kindern genießen können, ohne dass sich alles so schwer anfühlt.
Aber ich habe inzwischen wieder mehr Hoffnung, dass genau das irgendwann möglich sein wird. Nicht, weil schon alles gut ist, sondern weil ich merke, dass sich etwas verändert. Und genau diese Erfahrung möchte ich mit euch teilen. Vielleicht liest das gerade eine Frau, die mitten in ihrer Akutphase steckt, keine Hoffnung mehr hat und sich fragt, ob sie jemals wieder aus diesem Zustand herausfinden wird.
Ich kann euch nicht versprechen, wie euer persönlicher Weg aussehen wird. Aber ich möchte euch sagen: Es kann wieder besser werden. Auch wenn ihr es euch gerade überhaupt nicht vorstellen könnt.
Außerdem möchte ich gerne noch etwas ansprechen, das mir im Austausch mit einer anderen Betroffenen bewusst geworden ist.
Wir haben festgestellt, wie hilfreich es sein kann, hier von Frauen zu lesen, denen es wieder besser geht. Gleichzeitig können manche Erfahrungsberichte, gerade wenn sie viele schlimme Erlebnisse, Ängste oder schwierige Verläufe beschreiben, einen auch sehr verunsichern und zusätzliche Ängste auslösen.
Ich glaube, wir dürfen uns dabei immer wieder bewusst machen, dass gerade diejenigen besonders häufig schreiben, denen es aktuell sehr schlecht geht und die dringend Unterstützung, Verständnis und Austausch suchen. Das war bei mir in meiner schlimmsten Phase genauso. Frauen, denen es wieder besser geht oder die ihre Depression überwunden haben, schreiben möglicherweise deutlich seltener, weil sie irgendwann wieder mehr in ihrem Alltag ankommen und das Forum nicht mehr so intensiv brauchen.
Dadurch entsteht hier vielleicht ein Bild, das sich viel beängstigender anfühlt, als die tatsächliche Vielfalt der Verläufe ist. Wir lesen viele schwere Erfahrungen gebündelt an einem Ort. Und wenn wir selbst mitten in der Akutphase stecken, nehmen wir vieles besonders stark wahr, beziehen es auf uns und beginnen vielleicht, uns auszumalen, dass uns all das ebenfalls passieren könnte.
Ich kenne das von mir selbst. Deshalb möchte ich euch ermutigen, beim Lesen immer wieder einen kleinen Schritt zurückzutreten. Die Erfahrungen anderer Frauen sind nicht automatisch eure eigene Zukunft. Nicht jede Geschichte wird sich bei euch wiederholen. Und auch wenn hier manchmal vor allem die schweren Seiten sichtbar werden, gibt es Frauen, denen es wieder besser geht, die wieder Freude empfinden, Vertrauen in sich selbst entwickeln und Schritt für Schritt in ihr Leben zurückfinden.
Vielleicht dürfen wir deshalb in dieser Positivrunde auch den kleinen Fortschritten Raum geben. Den ersten ruhigeren Tag. Die erste Nacht mit etwas mehr Schlaf. Den Moment, in dem ein Zwangsgedanke kommt und wieder geht. Das erste Lachen, das sich wieder echt anfühlt. Oder einfach die Erkenntnis: Heute war es ein kleines bisschen leichter als gestern.
Ich bin noch nicht am Ziel. Aber ich bin nicht mehr dort, wo ich vor einigen Wochen war. Und das wollte ich euch gerne dalassen.
Für alle, die gerade ganz unten sind: Ihr müsst heute noch nicht daran glauben können, dass alles wieder gut wird. Vielleicht reicht es fürs Erste, wenn ihr lest, dass es anderen Frauen wieder besser gehen kann. Und vielleicht könnt ihr euch ein kleines Stück Hoffnung von uns leihen, bis ihr eure eigene wieder spüren könnt.