Verhaltenstipps für Angehörige

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

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marc

Verhaltenstipps für Angehörige

Beitrag von marc » 09:01:2008 11:23

Hallo zusammen,
meine Frau leidet unter einer PPP und liegt seit gut 2 Wochen im Krankenhaus.
Hat jemand von Euch Verhaltenstipps für mich, wie ich mit meiner Frau umgehen soll, wenn sie wieder der Meinung ist, sie ist gesund und muss nach Hause?
Und auch so ein paar Tipps, wie man als Angehöriger mit der ganzen Situation umgehen soll?
Ich bin zwar jetzt 1x in der Woche bei der Psychotherapie, möchte aber noch ein paar andere Meinungen von Betroffenen hören, wie sie es gemacht haben, oder wie sie damit umgehen.

Danke für Eure Hilfe!
Viele Grüße Marc

Balu

Beitrag von Balu » 09:01:2008 12:47

Hallo Marc,

erst mal einmal herzlich Willkommen.

Hast Du Lust noch etwas mehr zu schreiben? Z.B. wie alt Euer Kind ist und ob Deine Frau schon früher psychische Probleme hatte?

Wenn sie eine Psychose hat dann dauert es vielleicht noch eine Weile bis die Medikamente so wirken, dass sie realisiert, was sie genau hat. Vielleicht ist ihre Wahrnehmung noch nicht so klar und sie glaubt, dass sie gesund ist. Was sagen denn die Ärzte?

Es ist sicher sehr schwer für Dich zur Zeit. Du musst vielleicht ein Menge auffangen...! Ist denn das Kind bei Dir oder mit in der Klinik?

Du machst eine eigene Therapie. Das ist toll. So kannst Du auch mit professioneller Hilfe dazu beitragen, dass sich diese "Krisensituation" für alle beteiligten verbessern wird. Und ausserdem ist auch jemand für Dich in dieser schweren Zeit da, der sich Deine Sorgen anhört und versteht!!!

Erst mal liebe Grüße Balu

marc

Beitrag von marc » 09:01:2008 13:43

Hallo Balu,

danke für deine Nachricht. Unser Sohn ist jetzt 3 Wochen alt und kann nicht mit in die Klinik, da diese dafür nicht ausgelegt ist. Deshalb hab ich auch schon Kontakt mit der Psychatrie in Frankfurt aufgenommen und sie würden sie auch mit Junior nehmen. Momentan klärt das aber ihr Arzt mit seiner Oberarztin, und hoffe das nichts dagegen spricht.

Meine Frau hatte am Anfang der Schwangerschaft so erster bis zweiter Monat ein paar Wochen ähnliche Probleme, die aber bei weitem nicht so stark ausgeprägt waren, wie diese jetzt nach der Schwangerschaft. Die sind auch nach 2-3 Wochen wieder weggegangen. Wir wollten damals auch psychologische Hilfe, aber es hat uns KEINER geholfen. Die Krankenkasse hat uns betraten und Adressen rausgegeben und die haben wir ALLE abgearbeitet. KEINER war direkt erreichbar sondern wenn nur über Anrufbeantworter. Rückrufe gab es trotz der Schilderung und dringlicher Bitte keinen einzigen. Und in die Klink fahren war damals keine Option an die wir gedacht hatten. Wäre u.U. auch schlecht fürs Kind gewesen...weiß man nicht....

Ihr Arzt meint das "richtige Denken", den Fachausdruck weiß ich nicht mehr, kehrt schon zurück aber sie ist noch nicht belastbar. Ihr bereitet alles Stress.
Vor allem aber die Klinik selbst. Die anderen Patienten machen ihr Angst, einer möchte z.B. immer mit ihr kuscheln und ihre gebrauchten Teller usw. haben. Die Klinik an sich ist auch eklig. Das Zimmer und das Bad....

Ich war die ersten beiden Tage mit unserem Sohn mit in der Klink. Und ich habe da nichts angerührt. Sondern beschwert, und dann kam ein Pfleger der dann geputzt hat, weil keine Putzfrau zur Hand war.

Einziger Lichtblick: Es sind alle sehr sehr freundlich!

Sie sagt sie will heim, weil sie sich in der Lage fühlt (Selbstüberschätzung), alles selbst zu machen, obwohl es in der Klink schon nicht klappt. Thema: Essen gehen, Medi holen usw.

Aber sie ist schon so wieder "bei klarem Verstand", dass sie die ekligen Sachen mitbekommt und auch die anderen Patienten, die Ihr Angst machen.
Also mir sind da manche sehr unangenehm und machen auch mir Angst.

Die Medikamente wirken schon, meiner Meinung nach. Zyprexa bekommt sie. Davon bin ich zwar alles andere als begeistert, aber der Arzt meint, das verträgt sie gut, wenn ich allerdings will könnte man auch Risperdal geben. Aber da wären die Patienten nicht so zufrieden, da es nicht so weine einschleichende Wirkung hätte wie Olanzapin, sondern gleich Krass reinhaut.

Unser Nachwuchs ist momentan bei mir und meine Mutter ist da und kümmert sch auch mit drum. Organisatorisch ist das eine fast nicht zu schaffende Arbeit. Kind, Krankenhaus, Hund, Pferd, Haushalt, Arbeit.....

Ich bekomme aber von allen Seiten Hilfe, die ich nie erwartet oder gedacht hätte zu bekommen. Wahnsinn. Echt!

Was mir aber bleibt ist der psychische Stress, der mich momentan sehr mürbe macht. Das Hilflose, wenn meine Frau mich um Hilfe bittet, die ich ihr nicht geben kann. Wie z.B. sie aus der Klinik holen.

Mir tut sie so schrecklich leid, aber groß helfen kann ich ihr nicht. Außer mit meiner (bzw. unserer [Junior]) vollen Unterstützung, das zu tun, wo ich der Meinung bin, das ist das bete für sie.
Und gerade die Meinungsbildung fällt mir so schwer! Weil ich selbst so betroffen bin und sie mir so leid tut.

Deshalb hab ich mich mal vorsorglich in professionelle Hände begeben. Wobei ich dort erst 1x war. Morgen hab ich den zweiten Termin.


Heute darf ich sie mal mit nach Hause nehmen, bis morgen früh muss sie aber wieder drin sein, damit es nicht zu lange ist. Ich habe aber auch Angst vor morgen früh, im Falle es Theater gibt und sie nicht mehr mit will. Sie hat es zwar versprochen, aber die Gefahr besteht trotzdem. Schließlich wird sie wieder Ihrer Familie und vor allem Ihrem 3 Wochen alten Baby entrissen.....

Gruß Marc

Balu

Beitrag von Balu » 09:01:2008 16:05

Mensch Marc,

ja das ist eine schwere Zeit. Ich kann verstehen, dass Du am Ende bist. Gerade auch mit der Sorge um sie. Aber zum Medikament möchte ich Dir sagen, dass es wirklich ein gutes und sehr wirksames und lang erprobtes Neuroleptika ist. Meine Freundin - hat keine Kinder - nimmt dies zur Zeit sehr hoch dosiert, da sie Anfang letzten Jahres eine sehr schwere Psychose hatte. Und es dauerte trotzdem sehr lange, bis sie wirklich wieder hergestellt war. Vor allem dauerte es aber vorher sehr lange, bis sie sich eingestand eine beginnende Psychose zu haben. Das heisst, sie dokterte fast 2 Monate zu Hause damit rum. Sie war aber schon so weit weg von mir, dass ich sie nicht mehr erreichte in ihrem inneren Stimmenreichtum. Leider... Denn dann musste sie zwangs eingewiesen werden und dadurch war ihr Kopf natürlich total durchgebrannt.

Deine Frau ist schnell behandelt worden und wie ich lese ist sie schon wieder "fast" bei sich. Das hört sich doch schon ganz gut an. Du musst sie davon überzeugen, dass es für ihren Kräftehaushalt notwendig ist, sich weiter zu erholen. Wenn sie es nicht tun, bleibt sie in dieser Spirale.

Wenn es mit Frankfurt klappt wäre doch toll. Dann kann sich auch gleich lernen mit Eurem Junior umzugehen trotz Erkrankung. Das ist natürlich echt doof jetzt.

Aber es wird sich irgendwie zurecht laufen. Hier im Forum sind mehrere Frauen, die auch PPP hatten und ziemlich fertig waren. Und sie haben es geschafft. Manche hatten nicht so viel Hilfe durch ihre Männer.

Und Du machst es richtig, wenn Du Dich auch stärkst. Das ist sehr gut. Auch Du hast nicht unendliche Kräfte. Und ich lese, dass Du sehr angestrengt bist, das kann ich total verstehen. Euer Familienstart ist nicht so einfach, scheinbar.

Dass Ihr niemanden gefunden hattet am Anfang der Schwangerschaft ist doch echt unglaublich. Wie ist das möglich. Und in die Klinik geht man ja nicht unbedingt sofort. Sag mal hatte Deine Frau das früher schon einmal?

Melde Dich wieder, lese heute abend spät noch mal rein.

Alles Liebe Balu

marc

Beitrag von marc » 09:01:2008 18:02

Hallo Balu,
nein meine Frau hatte soetwas vor der Schwangerschaft noch nie. Zumindest ist es mir nicht aufgefallen.

Und ja es ist wirklich unglaublich, dass wir am Anfang keinen Termin bei einem therapeuten bekommen haben, geschweige denn sich einer gemeldet hat. Aber die Ärzte in der Klinik meinten das wäre normal. Unser Gesundheitssystem eben....Toll!


Ja den Familenstart haben wir uns auch anders vorgestellt....
Aber seit 1,5 Stunden ist meine Frau mit zu hause. der Arzt meinte es wäre gut für sie. Denn sie wollte ja ganz nach hause, was definitv nicht geht, da sie noch nicht belastbar ist. Mal gespannt wie der abend und die nacht verläuft, dann kann man solche aktionen ja mal wiederholen.

Gruß Marco

Balu

Beitrag von Balu » 09:01:2008 23:49

Hallo Marc (o),

sicher schaust Du heute nicht mehr rein, Du bist sicher anders beschäftigt. Wie hat es denn geklappt? Man kann ja so sehr verstehen, dass Deine Frau zu Hause sein möchte. Ist doch klar.

Sie versteht es hoffentlich, dass sie schneller gesund wird, wenn ihr Euch nach den Ärzten richtet. Und wenn sie so etwas noch nicht hatte, wird sie auch wieder ganz gesund. Es dauert halt etwas.

Erst mal eine gute Nacht!

Balu

marc

Beitrag von marc » 10:01:2008 14:06

Hallo Balu,

es war super! Es hat alles geklappt. Sie hat sich zurückgehalten mit arbeiten, die sie eigentlich gerne machen wollte. Sie ist freiwillig, ohne murren heute morgen wieder mit in die klinik.

Wir haben das dem Arzt erzählt und er hat ihr gleich wieder für Sonntag auf Montag "urlaub" gegeben.
Ich weiß ja nicht ob das sinn macht. Aber ihr geht es gut dabei und mir auch. Vorallem sehe ich solche aktionen als fortschritt.

Zora

Beitrag von Zora » 10:01:2008 15:37

Lieber Marc!

Ich wollte dir nur sagen, dass ich es ganz toll von dir finde, wie du dich um deine kranke Frau kümmerst, das können leider nicht immer alle Frauen hier von sich sagen.

Ich will dir auch sagen: Deine Frau wird auf jeden Fall wieder gesund werden! Gerade wenn sie zuvor noch nie eine Psychose hatte, stehen die Chance sehr sehr gut.
Auch ich hatte eine Psychose und war in einer Klinik und mir konnte sehr gut geholfen werden, eigentlich bin ich wieder die alte, nur dass es mir sogar noch besser geht, als vor der Schwangerschaft.

Ich bin mir sicher, ihr macht das alles richtig,

weiter so!

marc

Beitrag von marc » 10:01:2008 16:08

Hallo Zora,

danke für Deine ermutigenden Worte!!

Hat es bei dir lange gedauert, bis du wieder "klar denken" konntest? Mal abgesehen von der Belastbarkeit.

Ich finde 4 Monate schon sehr sehr lange (jetzt nicht für die Krankheit sondern an sich) und will es nicht wahr haben, dass es bei uns auch so lange dauern könnte.

Warst du auch mal zuhause, oder die ganze zeit in der Klinik?
Ich suche momentan nach jedem Strohhalm, der mir anzeigen soll, dass es doch schneller geht...

sevcan

Beitrag von sevcan » 10:01:2008 16:48

hallo marc!!!
alles gute für deine familie,zusammen werdet ihr das schaffen.ich finde von dir super das du hinter deine frau stehst.mein mann steht auch seit 8 mon.hinter mir goot sei dank.ich war 6 wochen im krankenhaus,hat aber leider nichts bei mir gebracht.die AD die ich nehmen sollte wae nicht für mich geeignet,so habe ich 7mon.zeit umsonst die Qualen gelitten.erst seit ca.1mon nehe ich die neuen AD,und kann sagen nur ein klein bisschen fühle ich mich gut,bin aber nicht in der lage mein alltag wie ein normale mensch zu leben.meine gedanken sind auch seit 2tagen etwas normal geworden auch wenn es nur ein kleine schritt ist.ich konn oder kann gar nicht mich konsentriere,mir fehlt nichts ein nichtmal anziehen und mit meinem sohn rausgehen kann ich nicht(mein sohn ist ca.8mon.alt)weil das gehirn einfach nichts denken tut.ich möchte dir damit sagen,bitte gedulde dich noch,deine frau hat hart zu kämpfen und sich braucht dich jetzt mehr.höre sie einfach zur auch wenn es dir sehr komisch seine gedanken vorkommen,aber bitte höre sie an,und gib ihr mut das das bald vorbei geht.mein mann macht das jeden tag mit leider.hier in aachen sind die DOC leider nicht so erfahrungsreich wenn es um depression nach der geburt geht,das ist leider auch mein glück.

ich hoffe das deine frau nicht so lange braucht um gesund zu werden,erähle ihr einfach viele betroffene frauen hier sind und das sie nicht verrückt ist,das ist eben die krankheit die auch irgendwann vorbei geht bei uns allen hoffentlich.

also marc,kopf hoch und zeit und gedult muüsst ihr und eure familie haben

bis dann
sevcan

Zora

Beitrag von Zora » 10:01:2008 16:49

Hallo, Marc,

Die Dauer der Krankheit ist bei jedem unterschiedlich und leider kann man nie eine genaue Zeit angeben. Ich weiß, das ist ätzend, diesen Satz habe ich auch zig mal in der Klinik gehört...

Bei mir war es so, dass ich zwar wahnhafte Gedanken hatte, aber nie einen völligen Realitätsverlust hatte, das heisst, ich wusste, dass ich krank bin und eine Psychose hatte. In sofern konnte ich eigentlich immer relativ "klar" denken, aber die wahnhaften Gedanken, sind erst nach und nach zurückgegangen, das hat insgesamt schon so 1,5 Jahre gedauert, bis ich mich "gesund" gefühlt habe. ABER ich hatte auch eine heftige Depression gleichzeitig, ich weiss nicht, ob das bei deiner Frau auch so ist?

Generell ist es nämlich so, dass Wochenbettpsychosen schneller zu heilen sind als Depressionen, die sich meist länger hinziehen.

Eine sehr enge Freundin von mir hatte "nur" eine Psychose und war in derselben Klinik wie ich, und bei ihr hat es nur 5 Wochen gedauert, bis sie entlassen wurde. Es kann also auch schneller gehen, wie du siehst.

Ich war jedes Wochenende zu Hause, und manchmal auch so unter der Woche. Auch an Weihnachten selbstverständlich.

Ich weiss, es ist sehr schwer (wenn nicht gar eines der schwersten Dinge an dieser Krankheit), aber versuche nicht, dich an einen Zeitpunkt zu klammern, dass setzt euch nur unter Druck.
Versuche lieber, "kleine" Ziele zu erreichen, wie z.B.: "Diese Woche hat sie schon einen ganzen Tag lang klar denken können", oder "Heute konnte sie sich für eine halbe Stunde mit dem Baby beschäftigen". Das sind auch SEHR SEHR wichtige Schritte der Gesundung, die man wertschätzen muss, und es ist für die Moral viel besser als immer nur die "entgültige Gesundung" im Auge zu haben.
Diese ist sowieso ein sehr schleichender Prozess. Irgendwann wird deine Frau gesund sein, und ihr werdet euch fragen, wie das passiert ist, aber es wurde einfach immer ein kleines Stückchen besser, manchmal so wenig, dass man es gar nicht merkt, aber es wird besser.
Manchmal gibt es auch Tage, wo es wieder schlechter geht, auch das ist normal, aber die Tendenz wird immer in Richtung Gesundung gehen, bis die Krankheit irgendwann nur noch eine Erinnerung ist.

Ich wünsche dir viel Kraft, mach weiter so!

Alles Liebe,

Mammo

Beitrag von Mammo » 20:05:2008 20:42

hallo!
ich würde so gern kontakt zu marc aufnehmen. oder zu einem anderen männlichen angehörigen, der mir einen tipp geben könnte, wie ich meinen schwiegersohn positiv beeinflussen könnte, bzw. ihm helfen könnte die PPP/ppd zu akzeptieren. unter dem titel hilfe für helfer könnt ihr etwas zur geschichte lesen. ich bekam den tipp mich an marc zu wenden gerade von claudia. gruß mammo

annu

Beitrag von annu » 23:05:2008 12:20

hallo mammo! hast du es bei marc schon per pn versucht? lg, annu.

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