Jemand Erfahrungen mit Sertralin?

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morbus_teacher

Jemand Erfahrungen mit Sertralin?

Beitrag von morbus_teacher »

Hallo Leute,
ich habe das Antidepressivum Sertralin verschrieben bekommen, soweit ich das bei euch sehe, bekommt ihr alle etwas anderes. Kennt sich jemand mit dem Medikament aus und kann seine Erfahrungen an mich weitergeben? Das würde mich sehr freuen!

Und noch etwas Allgemeines zu AD: Ich mache mir ständig Gedanken darüber, welche Gefühle meine eigenen sind und welche nur vom Medikament kommen. Auch habe ich an den guten Tagen Angst, dass ich für immer nur mit Medikamenten so gut durch den Tag komme. An den schlechten denke ich immer, das AD wirkt nicht oder die Ärzte geben mir das Falsche oder das Medikament löst als Nebenwirkung negative Stimmungen aus. Muss dazu sagen, dass ich noch nie so ein starkes Medikament verabreicht bekommen habe.

Wie war das bei euch, kann mir jemand meine Ängste bezüglich der Medikamente nehmen, welche Nebenwirkungen hattet ihr am Anfang bzw. wann und inwiefern habt ihr eine Wirkung bemerkt?

Danke euch im Voraus!
inga1983

Re: Jemand Erfahrungen mit Sertralin?

Beitrag von inga1983 »

Hallo,

ich habe vor der 1. SS 3 Jahre lang Sertralin genommen. Mir hat es super geholfen damals und ich war quasi depressionsfrei. Ich habe bei dir in einem anderen Thread etwas von 25 mg gelesen. Das ist sehr wenig. Üblich sind mindestens 50mg. Ich bin mit 75mg gut zurecht gekommen. Habe es dann vor meiner SS abgesetzt und als es nach der geburt wieder rund ging, habe ich es wieder damit versucht. Da hat es dann plötzlich gar nicht mehr geholfen. Warum das so gewesen ist, frage ich mich bis heute...
inga1983

Re: Jemand Erfahrungen mit Sertralin?

Beitrag von inga1983 »

Nebenwirkungen hatte ich übrigens fast keine. Allerdings hatte ich immer mal wieder nachts im Bett diese restless legs
Sanna
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Re: Jemand Erfahrungen mit Sertralin?

Beitrag von Sanna »

Hallo!

Ich nehme zwar nicht Sertralin, aber ein anderes SSRI. Dh. ein Medikament aus der gleichen Wirkstoffgruppe. Mir hilft es gut, denn meine guten Phasen werden länger und die schlechten kürzer. Wenn das so ist, bist du auf demr rechten Weg.

Leider kann das so sein, dass die Medis die Symptome nicht wegzaubern, sondern sich die Erkrankung über einen längeren Zeitraum (manchmal Jahre) verzieht. Auch mit Medikamenten.

Du bist mit 25mg im unteren Wirkungsbereich. Nach oben ist noch viel Luft. Wenn du das Gefühl hast, du bist nicht stabil genug, berede mit deinem Arzt, ob du nicht höher gehen kannst. Und keine Angst, das bedeutet nicht, dass die NW mehr werden!!! Ich hatte beim Einschleichen mit einer geringen Dosis mehr NW als beim Erhöhen.

Generell musst du keine Angst vor Medikamenten haben. Nicht immer, aber meistens sind sie nötig um eine Grundstabilität zu erhalten, mit der man dann arbeiten kann.

LG, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei
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Marika
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Re: Jemand Erfahrungen mit Sertralin?

Beitrag von Marika »

Hallo,

ich nehme zwar Cipralex - aber es ist wie Sanna auch schon schreibt, aus der selben Gruppe wie dein Sertralin. Diese AD´s erhöhen im Gehirn den Botenstoff "Serotonin", der bei Depressionen in zu geringer Menge vorhanden ist.

Ich bin durch mein AD gesund geworden, natürlich + Therapie. Meine PPD ist 9 Jahre her und bei mir ist es genau so, was viele hier fürchten: ich werde mein AD für immer in geringer Dosis brauchen, um stabil zu bleiben. Die Depression ist bei mir chronisch, das hat aber auch den Grund, weil sie schon in meiner Jugend latent vorhanden ist. Eine Horrorvorstellung für mich? Früher ja, - heute längst nicht mehr, weil ich jetzt eine Lebensqualität habe, die ich vorher nie gekannt habe. Die Natur (oder wer sonst auch immer :wink: ) hat mir seine Laune in Form eines chronischen Serotoninmangels aufgedrückt. Ich habe getan was möglich war und bin heute einfach nur dankbar, dass ich mit 10 mg auskomme (Anfangs meiner PPD 30 mg + 2 weiter Psychopharmaka) und sonst nichts brauche. Das ist für mich ein Riesenerfolg.

Ein AD erzeugt nicht irgendwie künstlich Gedanken und Gefühle. Wenn du dich plötzlich fröhlicher fühlst, hat das "nur" damit zu tun, dass die Botenstoffe in deinem Gehirn wieder in ausreichender Zahl vorhanden sind. Das AD soll also einen gesunden und normalen Botenstoffhaushalt herstellen, damit das Gehirn richtig arbeiten kann und "Missempfindungen" wie Ängste, Panik, Depressive Gedanken verschwinden dadurch.

Ich kann mich Sanna auch bei der Dosierung anschließen: Wenn du merkst, das ist es einfach noch nicht, dann besprich mit deinem Arzt die Höhe der Dosis. Es ist ein Irrglaube, so wenig wie möglich zu nehmen - dann wirst du nicht stabil und ohne Stabilität keine langfristige Gesundung. Die Höhe der Dosis hat auch überhaupt nichts damit zu tun, ob du für immer ein AD brauchst. Im Gegenteil: zu niedrig dosiert hat den Effekt, dass sich eben kein gesunder Zustand einstellt und du folglich beim Reduzieren und Absetzen viel eher scheitern wirst.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
morbus_teacher

Re: Jemand Erfahrungen mit Sertralin?

Beitrag von morbus_teacher »

Danke für eure zahlreichen Antworten!

Meine PPD wurde erst vor gut drei Wochen in Amgriff genommen, deswegen bin ich wohl noch im Prozess meine Krankheit überhaupt zu akzeptieren. Wenn man dann das AD bekommt und sich den Beipackzettel durchliest, fällt man ja ersteinmal vom Stuhl. Hätte ich wahrscheinlich lassen sollen.

25mg wurden mir zu Beginn verschrieben, wir wollten es ersteinmal damit probieren. Ich muss dazu sagen, ich wurde von drei Ärzten betreut, die alle was anderes gesagt haben, von lieber erst einmal 25mg bis "mit der Dosis brauchen Sie gar nicht anfangen"!
Ich habe mich dann dennoch für 25mg entschieden, weil ich mich mit den Medis bisher nicht so anfreunden konnte. Aber vielleicht muss ich wirklich mal mit dem Arzt über eine Dosiserhöhung nachdenken.

Im Moment ist es ein ziemliches Auf und Ab. Morgens bin ich meistens ängstlich und nervös und am Abend, wenn ich Gesellschaft habe, fühle ich mich schon wieder wie früher. Das wechselt alles so schnell... das macht mich ziemlich fertig. Zumal ich noch keine Strategien entwickelt habe, die schlimmen Phasen irgendwie gut zu überstehen oder in Angriff zu nehmen. Im Moment ist das nur ein einziges Aushalten und wenn dann die Minuten wie Stunden vergehen, muss ich schon sehr kämpfen...
engelchen2012

Re: Jemand Erfahrungen mit Sertralin?

Beitrag von engelchen2012 »

Hallo!

Ich nehme seit ziemlich genau 2 jahren sertralin und es war und ist meine absolute rettung! Als ich vor 2 jahren in der klinik war, bekam ich sofort sertralin (und zusätzlich mirtazapin). Das sertralin wurde sehr schnell auf 100mg hochdosiert. Nach einigen wochen war ich zwar deutlich stabiler, habe jedoch gemerkt, dass noch irgendwas fehlt. Ich habe mit den ärzten gesprochen, die zuerst nicht erhöhen wollten. Dann wurde mir blut genommen, um den spiegel zu sehen. Da das medi erst im unteren wirkungsbereich angelangt war, wurde nochmal erhöht auf 150mg und das brachte den durchbruch. Im vergangenen jahr habe ich ja reduziert und kurz sogar ganz abgesetzt, zu beginn der schwangerschaft musste ich dann doch wieder damit anfangen und momentan stehe ich bei 100mg. Ich sehe sertralin inzwischen als eine art "freund", einfach weil ich mein leben wieder zurück habe!

Du siehst, es ist noch viel spielraum nach oben! Mein psychiater fängt zb gar nicht unter 50mg an, aber das muss jeder arzt selbst entscheiden.

Die nebenwirkungen hielten sich bei mir in grenzen. Anfangs hatte ich das gefühl, dass meine fußsohlen brennen, wenn ich morgens aufgewacht bin. Und ich war auch etwas unruhiger. Aber diese nw geben sich und wenn man dafür wieder gesund wird, ist das denke ich auszuhalten.

Alles liebe für dich!
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