Wann wird es dauerhaft besser?

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Britta1988
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Wann wird es dauerhaft besser?

Beitrag von Britta1988 » 30:03:2019 15:03

Hallo ihr Lieben,

Ich hatte nun 2 Sitzungen bei meiner Therapeutin und zwischenzeitlich ging es mir deutlich besser. Die körperlichen Symptome wie Missenpfindungen, schwacher Arm und Hand und links etc sind zwar bestehen geblieben aber mir ging es psychisch besser. Ich hab es einfach ignoriert und war zuversichtlich dass es irgendwann weg geht. Der Schwindel war auch weniger geworden. Jetzt hab ich aber seit einigen Tagen wieder ein richtiges Tief :( es gab dafür keinen Auslöser aber ich hänge fest in meinen Sorgen. Habe jetzt Angst vor einer anderen neurologischen Erkrankung wie Parkinson (hat mein Vater). Diese Nacht lag ich 3 Stunden wach und hab gegoogelt und mich wahnsinnig gemacht. Meine Therapeutin hat mir für solche anfälle einen strohhalm für Atemübungen gegeben. Das hilft aber nur kurz. Auch die Achtsamkeitsübungen bewirken bei mir eher dass ich mich noch mehr auf meine körperlichen Symptome versteife und darüber nachdenke. Diese Gedanken bestimmen meinen ganzen Tag. Ich kann einfach nicht mehr. Ich möchte einfach nur wieder normal sein und nicht von morgens bis nachts erfüllt von Sorgen und Ängsten. Wie lange hat es bei euch gedauert bis sich eine dauerhafte Besserung einstellte? Meine Kleine ist jetzt schon 4 Monate alt. Was kann ich noch tun? Doch moch eine zweite Meinung bei einem anderen Neurologen einholen?

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Marika
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Re: Wann wird es dauerhaft besser?

Beitrag von Marika » 03:04:2019 3:45

Hallo Britta,

es ist schon mal ein Anfang, wenn es dir zwischenzeitlich besser ging. Ich muss dir aber leider sagen, dass das Gesund werden wirklich dauern kann. Vielleicht hast du dich hier schon ein bisschen durchgelesen. Dann wirst du sicher festgestellt haben, dass die die meisten Frauen etliche Monate - manche Jahre - brauchten, um gesund bzw. stabil zu werden. Damit will ich dich jetzt nicht schocken, dennoch musst du dir klar werden, dass es sich um einen lanwiergigen Prozess handelt. Geduld ist also angesangt - ich weiß - genau das ist sooo schwer. 4 Monate ist eigentlich noch gar nichts an Zeit.

Meine Frage ist auch: nimmst du zusätzlich zur Therapie irgendein ein Medikament? Wenn nein, kann ich dir aus meiner Erfahrung sagen, dass du mit medikamentöser Unterstützung deutlich schneller stabil wirst, als nur mit der Therapie. Übrings finde ich es toll, was du für Übungen von deiner Therapeutin bekommen hast. Diese müssen immer und immer wieder gemacht werden, denn es dauert wirklich seine Zeit, bis im Gehirn durch die Übungen eine nachhaltige Veränderung statt gefunden hat.

Du siehst also, was ich dir sagen möchte: du brauchst GEDULD, schnell geht bei dieser Erkrankung leider gar nichts. Und meistens ist es auch so, dass das Gesund werden in Wellen verläuft. Das heißt gute und schlechte Phasen wechseln sich am Anfang noch sehr oft ab. Auch das ist ein Fakt, der sehr kräftezehrend und mühsam ist. Bleib dran, übe fleissig weiter, dass wirst du Erfolg haben. Und wie gesagt: nimmst du ein Medikament zusätzlich? Wenn nicht, kann ein Neurologe oder Psychiater abklären, ob eines nötig ist. Ich finde es wichtig, dass man beide Seiten abklärt: therapeutisch und medikamentös. Dein Hausarzt kann dir ein Überweisung zu einem Neurologen bzw. Psychiater ausstellen.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Kikke
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Re: Wann wird es dauerhaft besser?

Beitrag von Kikke » 06:04:2019 7:50

Hi,

Vielleicht hilft dir ein Bericht von mir:

Ich war 6 Wochen nach der Geburt für zwei Monate in einer Psychiatrie. Dort habe ich ein Antidepressivum bekommen und wurde stabilisiert. Nach Entlassung habe ich eine Verhaltenstherapie begonnen. Nach 8 Monaten habe ich das Medikament absetzen können und nach einem Jahr habe ich die Therapie beendet.

Wie du siehst: es wird besser.
Die Frage nach der Zeit, hat mich auch immer sehr beschäftigt. Meine erste Frage in der Klinik war: wann kann ich wieder gehen?
Man muss lernen, diese Fragen nicht zu stellen. Alleine das kostet unvorstellbar viel Kraft.

Versuche dich davon zu lösen. Du hast ja schon gespürt, dass es auch Mal besser sein kann. Und alleine das zählt!

Alles Liebe
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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Kikke
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Re: Wann wird es dauerhaft besser?

Beitrag von Kikke » 06:04:2019 7:53

Ach ja: Versuche vielleicht etwas für dich zu finden. Wie wäre es mit Yoga oder ähnlichem?
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
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Britta1988
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Re: Wann wird es dauerhaft besser?

Beitrag von Britta1988 » 15:04:2019 16:53

Danke für eure lieben Antworten. Die geben mir Mut. Eigentlich weiß ich ja auch dass ich geduldig sein muss aber das ist ganz schön schwierig :? Ich gebe mir aber wirklich Mühe. Mache jeden Tag meine Achtsamkeitsübungen/Meditationen (schwieriger als man denkt mit einem kleinen Baby mal 7 freie Minuten zu finden) und versuche mich gedanklich zu lösen und die Symptome erstmal einfach hinzunehmen und zu vertrauen dass es besser wird. Manchmal ist es dann aber einfach schwierig zu glauben dass die Beschwerden wirklich nur durch psychische Probleme ausgelöst werden :roll: wenn man vorher nie mit sowas Probleme hatte, kann man sich das schwer vorstellen. Ich denke man darf nicht zu sehr hadern aber ich vermisse mein altes Ich dass wirklich sehr gelassen und ausgeglichen war. Jetzt bin ich irgendwie ein gestresstes Nervenbündel und so kenn ich mich eigentlich nicht :? Aber eure Geschichten geben mir Mut. Medikamente waren bisher noch kein Thema. Davon hat die Therapeutin zumindest noch nichts gesagt. Würde es natürlich auch gerne ohne Medikamente in den Griff bekommen aber wenn es mir empfohlen wird, mache ich das natürlich auch.
Bisher mache ich nur die Meditationen in der App die mir meine Therapeutin empfohlen hat eigenständig. An Yoga oder ähnliches hatte ich auch schonmal gedacht. Mache auch jetzt 1x die Woche wieder Sport (Aqua-Jogging). Ich denke nämlich ich muss an meiner Körperwahrnehmung arbeiten um die Beschwerden wieder loszuwerden. Es hilft mir wenn ich irgendwie aktiv werden kann. Vll wäre auch eine Aktivität nur mit meiner kleinen gut um die Bindung weiter zu stärken.
Ende Mai fliegen wir in den Urlaub. Da freue ich mich trotz allem drauf. Ich weiß zwar dass ich dann noch nicht wieder geheilt sein werde, aber die Auszeit und Sonne tut bestimmt trotzdem gut.

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Kikke
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Re: Wann wird es dauerhaft besser?

Beitrag von Kikke » 15:04:2019 18:01

Das klingt alles danach , dass du sie Lage sehr gut im Griff hast! Ich denke ,wenn du so weiter machst, geht es bald bergauf.

Ich hatte vorher auch nie Kontakt mit sowas. Und jetzt 1,5 Jahre danach, kann ich kaum noch nachfühlen, wie s mir damals ging. Vlt baut dich das auf. Dein altes ich wartet auf dich. Und es wird ein stärkeres sein, weil es weiß , was im Leben zählt!
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Britta1988
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Re: Wann wird es dauerhaft besser?

Beitrag von Britta1988 » 16:04:2019 7:47

Danke dir liebe Kikke. Deine Geschichte macht mir wirklich Mut. Ich werde auf jeden Fall weiter kämpfen und das tun was die Therapeutin mir vorschlägt. Ihr Ansatz ist es zunächst Strategien aufzuzeigen um mit den Ängsten, Stress, Missempfindungen umzugehen und dann möchte sie in den kommenden Sitzungen den Ängsten mal auf den Grund gehen und wir schauen wo diese eigentlich herkommen. Ich halte euch auf dem Laufenden. Ich denke zur Zeit einfach ein Tag nach dem anderen. Erstmal zählt nur heute und dann geht es morgen weiter. Ich freu mich jetzt schon auf die Zeit wo ich auf diese anstrengende Phase meines Lebens zurückschauen kann.

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Kikke
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Re: Wann wird es dauerhaft besser?

Beitrag von Kikke » 16:04:2019 8:58

Weiter so!
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
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