Durch die zweite Schwangerschaft hole ich mir die Liebe zurück

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Kikke
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Durch die zweite Schwangerschaft hole ich mir die Liebe zurück

Beitrag von Kikke » 11:04:2019 7:02

Guten Morgen,

Ich wollte euch einmal meinen Gedanken zum Thema "zweites Kind" erzählen. Vlt findet sich jemand darin wieder.

Mein Sohn wird 1,5 Jahre alt. In der ersten Schwangerschaft habe ich mich schon mit drei Kindern auf der Wiese sitzen sehen. Dann kam alles andere: ppd, Psychiatrie, Abstillen, AD, Therapie.

Ich habe nie diesen Glücksmoment gehabt, den mir alle beschrieben haben, wenn das Baby da ist. Ich habe ein Jahr lang gekämpft. Zum Glück hat sich der Kampf gelohnt.
Ich denke jeden Tag daran. Und dann kommt der Gedanke: wenn ich noch ein Kind bekomme,dann hole ich mir diesen Moment zurück. Oder: Weil ich depressiv war, wurde mir die Entscheidung genommen, ob ich ein zweites Kind will.

Ich werde kein zweites Kind bekommen. Und das habe ich ohne die depressive Brille entschieden: auch wenn ich diesen Glücksmoment hätte, bringt er mir das Glück nach der ersten Geburt auch nicht zurück. Ich alleine entscheide (mit meinem Mann), dass ich kein Kind will, weil mir eins total reicht und es anstrengend genug ist für mich. Ich entscheide - nicht die Depression.

Vlt kennt der ein oder andere solche Gedanken?

Liebe Grüße
November 2017: Schwere PDD mit psychotischen Anteilen nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, allerdings nach 10 Tagen direkt ausgeschlichen, AD 60 mg Cymbalta). Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta, dann im September abgesetzt.
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

Astrid
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Re: Durch die zweite Schwangerschaft hole ich mir die Liebe zurück

Beitrag von Astrid » 27:04:2019 19:11

Hallo Du,

ja, ich kenne diese Gedanken. Traurigkeit, um die verpassten Glücksgefühle, der normalen Babyzeit. Schlechtes Gewissen wegen der negativen Gefühle gegenüber meinem Baby. Dann der Gedanke an ein zweites Kind, nur mit Panik und Grausen. Die Möglichkeit noch einmal in so ein Tief zu stürzen hatte es völlig für mich ausgeschlossen. Aber die Zeit vergeht, und es kann sein, dass du in zwei Jahren wieder anders darüber denkst. Wir verändern uns so sehr in der Zeit, und auch dein Kind. Ich habe dann doch noch ein zweites Kind bekommen. Mein Mann und ich hatten sehr gemischte Gefühle dabei, und als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, habe ich erst einmal nur Panik gefühlt. Aber meine Ärzte haben mich optimal aufgefangen, und es ist alles gut gegangen. Ich bin nochmal belohnt worden, mit einer glücklichen Babyzeit. Es war für mich auch ein großes Glück und ein Segen für meine Gesundung, vor allem bei den oben genannten Schuldgefühlen und der Angst, dass mein Großer Schaden genommen hat, durch mich. Ich habe erkannt, dass meine Tochter sich eigentlich völlig gleich entwickelt, obwohl sie einen viel besseren Start hatte. Das hat viel Druck von mir genommen. Du hast alles Recht mit deinem Mann zu entscheiden, ob ihr noch ein zweites Kind wollt, oder nicht. Egal ob Depression oder nicht. Ich habe oft Fragen hören müssen, ob wir nicht noch ein Baby wollen, vor allem von Frauen, die keine Ahnung von meiner Krankheit hatten. Aber die haben immer etwas zu fragen und zu mäkeln, egal was man tut. Vermutlich werden dich die Gedanken noch öfter heimsuchen, aber du hast erst einmal das Recht dein "hier und jetzt" zu genießen und wieder im Leben zu sein, der Rest kann warten.

Liebe Grüße Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
heute gesund ohne Medis
beginnende Wechseljahresbeschwerden

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Kikke
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Re: Durch die zweite Schwangerschaft hole ich mir die Liebe zurück

Beitrag von Kikke » 08:05:2019 21:00

Danke für deine Antwort.
Es wandelt sich so langsam in meinem Kopf.
Ich denke nicht mehr: ich muss ein zweites Kind bekommen, damit ich nochmal glücklich bin, sondern oh Gott. Nochmal eine Geburt und die Anstrengung im ersten Jahr will ich nicht.

Es fühlt sich nicht mehr überlagert von der Depression an, sondern wie ganz nachvollziehbare Gedanken einer jungen Mutter.

Wann kam bei dir der erneute Kinderwunsch auf?

Liebe Grüße
November 2017: Schwere PDD mit psychotischen Anteilen nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, allerdings nach 10 Tagen direkt ausgeschlichen, AD 60 mg Cymbalta). Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta, dann im September abgesetzt.
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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