Hallo Nordstern,
ich wollte dir auch einmal schreiben, da einiges an deiner Gesichte meiner ähnelt. Ich war auch ohne meine Tochter in der Psychatrie für ganze sechs Wohen und hatte danach extreme Schuldgefühle. Auch ich erlebte den Klinikaufenthalt als traumatisch und hatte danach viele ähnliche Gedanken und Gefühle meiner Tochter gegenüber, wie du sie jetzt erlebst.
Mir geht es jetzt, 16 Monate nach dem Ausbruch der Krankheit sehr viel besser. Ich profitiere sehr von der psychologischen Behandlung in der ich mich gerade befinde. Aber, ich bin mir ganz sicher, dass es ohne eine gute medikamentöse Eintellung nicht geklappt hätte. Medikamente und Therapie gehen Hand in Hand. Ich habe erlebt, dass es mir durch die Medikamente überhaupt erst möglich war, in neuen Gedankenbahnen etc. zu denken. Auch ich musste 2-3 Medikamente durchtesten, bevor ich eine geeignete Kombi für mich gefunden habe - aber es war es total wert! Darum möchte auch ich dir einfach ans Herz legen, dass ganze noch einmal mit deinem Psychiater zu besprechen. Viele nehmen ein SSRI auch in Kombi mit einem beruhigenden AD wie Mirtazapin, das fängt dann die Erstverschlimmerung vom SSRI. Auch ich mache das so, und fahre mit dieser Kombi sehr gut!
Alles Gute dir!
Weiß nicht mehr weiter…
Moderator: Moderatoren
Re: Weiß nicht mehr weiter…
10/2024: PPD/PTBS
10 mg Escitalopram + 15 mg Mirtazapin
10 mg Escitalopram + 15 mg Mirtazapin
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nordstern_27
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Re: Weiß nicht mehr weiter…
Vielen Dank für eure Antworten und dass ihr euch die Zeit nehmt. Ich glaube einfach so einen „Spezialfall“ wie mich gab es noch nie.
Also aktuell nehme ich keine Medikamente mehr und der Schlaf ist etwas besser geworden. Freitag habe ich wieder einen Termin beim Psychiater.
Kommt man denn mit Mirtazapin nachts überhaupt hoch um sein Kind zu versorgen? Ich habe ja monatelang seit dem Klinikaufenthalt die Nächte nicht gemacht und schaffe es jetzt seit Mitte Januar gerade mal so mich aufzuraffen. Ich bin aber froh dass mein Mann auch noch da ist, weil ganz alleine traue ich mir das noch nicht zu.
Außerdem schaue ich meinen Sohn an und kann nicht glauben, dass er schon so groß ist, weil ich vom Gefühl her einfach noch im Wochenbett stecken geblieben bin.
Das Schlimmste ist gerade einfach, dass ich das Gefühl habe von einem ins nächste gekommen zu sein und das es garnicht hätte soweit kommen müssen. Das ich durch den Psychiatrie Aufenthalt in diesen Zustand gekommen bin, weil ich mich da aufgegeben habe und seitdem erst diese Distanz zu mir selbst und meinem Sohn habe. Rein rational weiß ich heute dass dieser Aufenthalt nicht nötig gewesen wäre. Ich hätte mich meiner Angst stellen müssen und mit zum Kinderarzt Termin gehen müssen, denn der hat ja auch nochmal viel sinnvollere Anlaufstellen nennen können. Und so lebe ich wieder nur in der Vergangenheit
Zudem habe ich das Gefühl, dass ich schon alles kaputt gemacht habe und nur noch auf den großen Knall warte und dann alles verliere. Und mein Sohn tut mir einfach so Leid weil er hat das alles und mich so nicht verdient und ich wäre einfach gerne wieder „normal“ mit ihm. Einfach so wie es am Anfang war.
Vielleicht macht es auch Sinn nochmal eine Familienhebamme zu kontaktieren, die mir im Alltag hilft und mich bestärkt? Ich kenne aus meinem Geburtsvorbereitungskurs und von einem Vertretungsbesuch im Wochenbett eine ganz tolle Hebamme, aber auch da spielt die Scham mit, dass sie jetzt sieht was für eine leere Hülle aus mir geworden ist…
Vielleicht kann mir ja die Therapie helfen um anders auf das Geschehene zu blicken. Aber die Zeit zurückdrehen und meine Fehler ungeschehen machen kann mit niemand und wenn ich Pech habe und meine Ehe und mein Leben dadurch kaputt geht kann ich mir das mein Leben lang vorwerfen…
Also aktuell nehme ich keine Medikamente mehr und der Schlaf ist etwas besser geworden. Freitag habe ich wieder einen Termin beim Psychiater.
Kommt man denn mit Mirtazapin nachts überhaupt hoch um sein Kind zu versorgen? Ich habe ja monatelang seit dem Klinikaufenthalt die Nächte nicht gemacht und schaffe es jetzt seit Mitte Januar gerade mal so mich aufzuraffen. Ich bin aber froh dass mein Mann auch noch da ist, weil ganz alleine traue ich mir das noch nicht zu.
Außerdem schaue ich meinen Sohn an und kann nicht glauben, dass er schon so groß ist, weil ich vom Gefühl her einfach noch im Wochenbett stecken geblieben bin.
Das Schlimmste ist gerade einfach, dass ich das Gefühl habe von einem ins nächste gekommen zu sein und das es garnicht hätte soweit kommen müssen. Das ich durch den Psychiatrie Aufenthalt in diesen Zustand gekommen bin, weil ich mich da aufgegeben habe und seitdem erst diese Distanz zu mir selbst und meinem Sohn habe. Rein rational weiß ich heute dass dieser Aufenthalt nicht nötig gewesen wäre. Ich hätte mich meiner Angst stellen müssen und mit zum Kinderarzt Termin gehen müssen, denn der hat ja auch nochmal viel sinnvollere Anlaufstellen nennen können. Und so lebe ich wieder nur in der Vergangenheit
Zudem habe ich das Gefühl, dass ich schon alles kaputt gemacht habe und nur noch auf den großen Knall warte und dann alles verliere. Und mein Sohn tut mir einfach so Leid weil er hat das alles und mich so nicht verdient und ich wäre einfach gerne wieder „normal“ mit ihm. Einfach so wie es am Anfang war.
Vielleicht macht es auch Sinn nochmal eine Familienhebamme zu kontaktieren, die mir im Alltag hilft und mich bestärkt? Ich kenne aus meinem Geburtsvorbereitungskurs und von einem Vertretungsbesuch im Wochenbett eine ganz tolle Hebamme, aber auch da spielt die Scham mit, dass sie jetzt sieht was für eine leere Hülle aus mir geworden ist…
Vielleicht kann mir ja die Therapie helfen um anders auf das Geschehene zu blicken. Aber die Zeit zurückdrehen und meine Fehler ungeschehen machen kann mit niemand und wenn ich Pech habe und meine Ehe und mein Leben dadurch kaputt geht kann ich mir das mein Leben lang vorwerfen…
Re: Weiß nicht mehr weiter…
Die Idee mit der Familien Hebamme finde ich sehr gut. Das wäre schon mal ein Anfang, um dich in deiner Situation zu bestärken. Zur Mirtazapin kann ich dir sagen, dass ich schon viele Jahre 45 mg nehme. Das ist die offizielle höchste Dosis und ich höre nachts alles. Ich habe meine Kinder immer gehört und auch jeden anderen Pups. Da musst du dir überhaupt keine Sorgen machen. Die ersten Tage kann es schon zu einem überhang kommen, aber du sagst ja selbst, dass dein Mann in der Nähe ist und deswegen habe ich da überhaupt keine Bedenken. Wenn du Freitag einen Termin hast, würde ich das Thema Medikamente auf jeden Fall noch einmal ansprechen, ob man nicht doch eine kleine Unterstützung geben kann. Denn von meinem Gefühl her bist du in einem negativen gedankenkreislauf gefangen, der wie eine Spirale, dich immer tiefer in einen Sog Reinzieht und du dich einfach im Kreis drehst. Die Medikamente können dir dabei helfen, diese Spirale mit der Zeit zu durchbrechen und auch wieder andere Gedanken zuzulassen.
2014 schwere PPD mit Ängsten, 6 Monate Tagesklinik
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
2015- 2019 mirtazapin, erst 45mg ab 2017 langsam reduziert
Zwischendurch versuch mit citalopram, nach 2 Monaten abgesetzt, da starke Verschlimmerung der Depression
Anfang 2021 erneut schwere Depression wieder 45 mg mirtazapin zusätzlich noch quetiapin 150mg
Über Jahre zusätzlich noch psychotherapeutische Behandlung
Re: Weiß nicht mehr weiter…
Hey Nordstern,
Ich Stimme Alibos Einschätzung zu. Auch wenn jede Situation speziell ist, deine auch so auf ihre Weise besonders, gibt es ein Muster oder eine Dynamik, die viele hier so erlebt haben. Deine Hebamme als Hilfe ist sicherlich eine gute Idee und auch das sprechen über Medikamente. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dir das nicht sofort empfohlen wird nachdem was du hier schreibst. Im Interesse dein Leiden zu mindern und deine Heilung zu unterstützen. Wenn du ein bisschen von dem Druck es alleine zu schaffen oder mit dem vermeintlich alleinigen Versagen nach außen zu geben wird dir das bestimmt Entlastung bringen, um dann auch die emotionale Reise diese Erfahrung zu verarbeiten anzugehen.
Ich Stimme Alibos Einschätzung zu. Auch wenn jede Situation speziell ist, deine auch so auf ihre Weise besonders, gibt es ein Muster oder eine Dynamik, die viele hier so erlebt haben. Deine Hebamme als Hilfe ist sicherlich eine gute Idee und auch das sprechen über Medikamente. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dir das nicht sofort empfohlen wird nachdem was du hier schreibst. Im Interesse dein Leiden zu mindern und deine Heilung zu unterstützen. Wenn du ein bisschen von dem Druck es alleine zu schaffen oder mit dem vermeintlich alleinigen Versagen nach außen zu geben wird dir das bestimmt Entlastung bringen, um dann auch die emotionale Reise diese Erfahrung zu verarbeiten anzugehen.
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nordstern_27
- Beiträge: 7
- Registriert: 08:02:2026 16:37
Re: Weiß nicht mehr weiter…
Hallo ihr Lieben,
ich lasse mir das mit den Medikamenten mal durch den Kopf gehen und bespreche das am Freitag mit meinem Psychiater. Vielleicht gibt es ja auch etwas, was weniger antriebssteigernd ist und mehr Ruhe und Abstand zu den Gedanken bringt? Und mir irgendwie hilft mehr in die Zukunft zu schauen und nicht mehr in der Vergangenheit zu hängen. Wichtig ist für mich auf jeden Fall, dass ich schlafen kann
Die Familienhebamme habe ich auch kontaktiert und einen Termin gemacht.
Ich fühle mich immer noch sehr überfordert mit der Zukunft und glaube alles ist verloren.. bzw. habe Angst mein Kind und meinen Mann und alles was wir uns aufgebaut haben zu verlieren. Und ich würde einfach gerne wieder diese tiefe Verbindung fühlen, die ich in den ersten Wochen gefühlt habe ohne dass diese Schuldgefühle alles überlagern. Für mich ist halt dieser Psychiatrie Aufenthalt der Wendepunkt, der alles nur noch schlimmer gemacht hat, da ich mich dort aufgegeben habe und die Verantwortung abgegeben habe
ich lasse mir das mit den Medikamenten mal durch den Kopf gehen und bespreche das am Freitag mit meinem Psychiater. Vielleicht gibt es ja auch etwas, was weniger antriebssteigernd ist und mehr Ruhe und Abstand zu den Gedanken bringt? Und mir irgendwie hilft mehr in die Zukunft zu schauen und nicht mehr in der Vergangenheit zu hängen. Wichtig ist für mich auf jeden Fall, dass ich schlafen kann
Die Familienhebamme habe ich auch kontaktiert und einen Termin gemacht.
Ich fühle mich immer noch sehr überfordert mit der Zukunft und glaube alles ist verloren.. bzw. habe Angst mein Kind und meinen Mann und alles was wir uns aufgebaut haben zu verlieren. Und ich würde einfach gerne wieder diese tiefe Verbindung fühlen, die ich in den ersten Wochen gefühlt habe ohne dass diese Schuldgefühle alles überlagern. Für mich ist halt dieser Psychiatrie Aufenthalt der Wendepunkt, der alles nur noch schlimmer gemacht hat, da ich mich dort aufgegeben habe und die Verantwortung abgegeben habe
Re: Weiß nicht mehr weiter…
Ich möchte mich ebenfalls meinen Vorschreiberinnen anschließen. Und: dieses Gefühl ein Sonderfall zu sein, dem nicht geholfen werden kann hatte ich ganz stark, viele hier kennen das. Diese Einschätzung ist typisch für eine psychische Erkrankung, aber sie stimmt nicht. Es ist eine durch die Erkrankung erzeugte Fehleinschätzung. Ganz nüchtern gesagt: im Gehirn funktionieren die Biochemischen Prozesse nicht richtig im Moment und man hat total verzerrte Wahrnehmungen. Ich sehe das mit der Klinik so: du musstest die Verantwortung abgeben, denn schließlich hattest du Suizid Gedanken, da wäre nichts anderes möglich gewesen. Der Verlauf in der Klinik kannst du dann sicher in der Therapie anschauen. Du hast keine Fehler gemacht, du bist krank geworden, du hättest das nicht anders beeinflussen können. Du denkst das zwar, aber diese Gedanken sind eben diese Fehleinschätzung und verzerrten Wahrnehmungen die typisch für diese Erkrankung sind. Du hast dich nicht aufgegeben in der Klinik, die Erkrankung kann einen so lähmen, dass man völlig Handlungsunfähig wird. Ich weiß was das heißt, ich hatte das auch. Das kannst du nicht willentlich beeinflussen.
Wärmstens möchte ich dir ein Gespräch über Medikamente ans Herz legen. Denn genau das was du dir wünscht - Abstand von diesen Gedanken, Ruhe und Schlaf ermöglichen sie dir. Sie sind in der Lage die Biochemischen Prozesse im Gehirn wieder zu regulieren.
Ich denke morgen an dich beim Psychiater Gespräch!
Wärmstens möchte ich dir ein Gespräch über Medikamente ans Herz legen. Denn genau das was du dir wünscht - Abstand von diesen Gedanken, Ruhe und Schlaf ermöglichen sie dir. Sie sind in der Lage die Biochemischen Prozesse im Gehirn wieder zu regulieren.
Ich denke morgen an dich beim Psychiater Gespräch!
Liebe Grüße von
Marika
Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Marika
Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Re: Weiß nicht mehr weiter…
Ich wünsche dir für dieses Gespräch auch alles Gute! Trau dich wirklich offen alles anzusprechen, damit der Psychiater dir einen auf dich passenden Vorschlag machen kann- ADs müssen nicht antriebssteigernd sein. Ich hatte Sertralin, da ging es vor allem um die angstlösung (depressiv war ich auch nie in diesem Sinne). Diese Gedanken: alles ist zu Ende und kann nie wieder gut werden sind wirklich klassischte Anzeichen, die du aus deinem Kopf heraus nicht lösen kannst. Und Medikamente unterschiedlichster Form für eine Unterbrechung der daueranspannung gibt es auch. Wisse: ein AD braucht seine Zeit. So kurz wie du das escitalopram genommen hast kann das eigentlich kaum gewirkt haben. Für die kurzfristige Entlastung oder Überbrückung gibt es anderes. Niemand wird dich dazu zwingen (außer bei suizidgedanken und Einlieferung), aber diese fremden hier aus dem Internet sind hier um dir zu sagen, dass sie kennen, womit du denkst alleine zu sein und haben dazu ein kollektives frauenwissen und vielleicht ermutigt es dich in selbsfürsorge in diesem Gespräch um Hilfe zu bitten und etwas für dich zusammen stellen zu lassen, dass dir nicht einfach wiederfährt, sondern wo du zustimmen kannst. Sag ihm auch was in der Klinik schlimm für dich war und warum es so nicht geht. Aber trau dich, wirklich zu sagen wie es dir geht und auch zu hören was er vorschlägt! Und schreib uns wie es dir geht!