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Re: Escitalopram wirkt nicht mehr

Verfasst: 27:05:2026 16:30
von Jessi2901
Hallo ihr Lieben 🫶🏻
Mir geht es Gott sei Dank wieder etwas besser 🙏🏻 das Morgentief ist zum Glück nicht komplett ausgebrochen und ist auch schon gut abgeebbt, es wird von Tag zu Tag besser. Die innere Unruhe meldet sich hin und wieder kurz aber ich versuche mit Atemübungen und Ruhe mich nicht zu sehr dem Ganzen hinzugeben. Ich glaube ich habe mich auch gut selbst hineingesteigert, einfach vor lauter Angst das es wieder losgeht… Aber ihr kennt das ja 🙄

Danke Alibo für deine Nachricht 🫶🏻 und du hast natürlich vollkommen recht, man übernimmt sich einfach schnell wenn es einem gut geht. Wir waren vor zwei Wochen auch noch im Urlaub und die Woche davor war der pure Stress, ich wusste teilweise nicht mehr wo oben unten ist so viel gab es noch zu organisieren. Dann Kindergarten-Feste, Kuchen backen, Geburtstag von meinem Mann vorbereiten usw usw. Es war zu viel, das ist mir jetzt ganz klar, mein Nervensystem war einfach komplett überreizt und nachdem Urlaub bin ich dann in diesem Tief gelandet.
Ich ruhe mich seit dem sehr viel aus, ich schlafe oft wieder wenn die Kinder bis Mittag im KiGa sind und das hilft mir enorm 🙏🏻
Morgen erreiche ich hoffentlich meine Frauenärztin um auch da mal nachsehen zu lassen.
Alibo wie lange ging so ein Tief denn immer bei dir?

Re: Escitalopram wirkt nicht mehr

Verfasst: 28:05:2026 21:21
von alibo79
Liebe Jessi,
ich kenne das noch zu gut als meine Kinder im kindergarten waren oder auch in der grundschule. Wie viel man da als Eltern, vor allem als Mutter immer eingebunden ist. Meine Kinder sind jetzt schon etwas größer. Natürlich werde ich auch als Mama immer noch wieder gefragt oder bekomme Aufgaben, die zusätzlich zu erledigen sind. Wie Fahrten, für klassenarbeiten üben, irgendwelche anderen schulischen Dinge. Aber dadurch, dass die Kinder mehr selbstständigkeit erlangen, bekommt man als Mama auch mehr freiräume und man wird wieder flexibler. Das hat bei mir auch sehr viel zur Stabilität beigetragen.
Du hast gefragt, wie meine Tiefs waren. Damals in der ersten großen Episode, die nach der Geburt begonnen hat. Dauerten meine Teams immer ungefähr eine Woche. Manchmal auch acht oder neun Tage. Die waren auch wirklich immer sehr ähnlich in ihrem Verlauf. Am ersten Tag merkte ich schon. Irgendwas stimmt nicht. Das ging das oft schon mit heulerein los, am zweiten Tag konnte sich dies dann noch steigern. Der dritte Tag ging dann wieder. Der vierte und fünfte Tag waren dann wieder schlimm und dann Klang das tief ganz langsam ab.
In der zweiten Episode war es etwas anders. Da hatte ich ungefähr einen 10 bis 14 Tage Rhythmus von tief und halbwegs okay, dann wieder das nächste tief. Bis sich das dann so langsam auseinander zog. Aber auch da gab es Unterschiede und ich kann mich auch an tief erinnern, die mal wirklich vier Wochen dauerten. Die aber nie so ganz heftig düster gewesen sind, sondern das waren dann eher so vier Wochen, wo mein Körper echt so an der Grenze gewesen ist. Ich aber im großen und ganzen den Alltag geschafft habe aber immer mit Pausen und die Stimmung war nicht gut. Ich musste dann zwar nicht mehr so viel Weinen wie früher, aber es war oft so, dass ich einen kloß im Bauch hatte. Unruhe, schlecht abschalten können , unterschwellige Ängste , Grübeln über meine Krankheit. Eben die ganzen Symptome, die jeder hier kennt bloß, dass sie für mich händelbar waren. Ich konnte zur Arbeit gehen. Ich konnte die Kinder versorgen und war ich völlig ausgenockt. Die längeren Tiefs waren aber in der Regel auch immer dann, wenn irgendetwas anderes belastendes in meinem Leben gewesen ist oder Dinge anstanden, gegen die ich doch sehr stark angesehen habe. Und z.b hatte ich letztes Jahr im Herbst auch ein tief, was wirklich 4 bis 5 Wochen gedauert hat, aber nicht wirklich schlimm war. War nur so stark, dass ich gemerkt habe, dass etwas nicht so ganz richtig gewesen ist. Das war aber nach einer Borreliose Infektion und langer medikamenteneinnahme mit Antibiotika. Und da sagte mir mein Psychiater, dass das auf jeden Fall damit zusammenhängen kann.
Dieses tief war natürlich nicht so ganz angenehm, aber auch nicht ganz schlimm und es hat bei mir danach noch mal wirklich so ein Klick im Kopf gegeben. Weil ich für mich gemerkt habe, dass ich stärker bin als die Erkrankung. Dass ich zwar für diese Zeit meine Krankheit etwas gemerkt habe, dass ich es aber in der Hand habe. Auch dagegen anzugehen und daraus herauszukommen. Und das ist halt auch wieder vorbei geht und es mir keine Angst machen muss. Denn diese Angst ist natürlich was, was wir alle hier kennen. Einfach die Angst davor, dass es wieder ganz schlimm wird, dass man ganz tief fällt. Aber ich habe für mich gemerkt, dass meine ganzen maßnahmen und mein sicherheitsnetz aktuell gut ist und ich auch so im letzten Jahr diese Borreliose Infektion überwinden konnte.
Natürlich weiß man nie was die Krankheit in der Zukunft mit sich bringt. Und es ist immer wieder ein lernen aus den Tiefs, was man im Anschluss vielleicht noch in seinem Leben für sich umsetzen kann, um sich noch mehr zu stärken.