Resümee nach 5 Jahren
Verfasst: 11:05:2012 10:15
Ein Artikel in der aktuellen Nido über PPD bzw. fehlende Mutterliebe nach der Geburt hat mich veranlasst, mal wieder über meine eigene Situation zu rekapitulieren (was für ein passendes Wort;).
Vielleicht gibte es ja andere Zwangs-Betroffene unter euch, die sich darin wiedererkennen:
Noch heute, 5 Jahre danach, leide ich unter den
Folgen (starke Stimmungsschwankungen, schlechtes Körpergefühl durch grosser Gewichtszunahme durch Antidepressiva,
belastete Partnerschaft und Schuldgefühle gegenüber meinem Kind), auch wenn mein jetziger Therapeut sagt, dass man nach
5 Jahren nicht mehr von einer PPD eher von einer posttraumatischen Belastungsstörung sprechen müsse).
Beim Austritt aus
dem Krankenhaus bekam ich mit vielen Papieren eine Fragebogen mit der Bitte um Rücksendung, in dem es um traurige
Gefühle nach der Niederkunft ging (dieser landete mit den vielen anderen Papieren im Mülleimer). Auch in den vielen Baby-
Ratgebern, die ich in der Schwangerschaft gelesen hatte, wurde nur kurz das Thema "Baby Blues" und traurige Gefühle
wegen Abschied vom alten Leben angesprochen. Wie sehr hätte man mir damals geholfen, wenn mich jemand einmal über
Symptome einer PPD aufgeklärt und Begriffe wie "Zwangsgedanken" ins Spiel gebracht hätte (weder die Nachsorgehebamme,
die 2 mal da war, noch die Mütterberatung, bei der ich wöchentlich vorstellig wurde, erwähnte diesen "unanständigen"
Begriff). Ich muss allerdings fairerweise sagen, dass erst die Sorge um die Gesundheit meines Kindes, danach meine
Schlaflosigkeit kam da es grosse Stillprobleme gab, innere Unruhe und dann erst die Zwangsgedanken/-impulse
kamen, die mir den Eindruck vermittelten: so, jetzt wirst du langsam aber sicher verrückt; man wird dir dein Kind
wegnehmen. Keine Unterstützung aus der Familie, die Angst, mich anderen mitzuteilen, kleine Signale, die von meinem
Mann und Angehörigen überhört wurden...10 Monate in totaler innerer Einsamkeit, Verzweiflung und Angst. Meine
vorsichtigen Hinweise auch gegenüber der Mütterberatung, ich könne es nicht mehr schaffen, nicht mehr schlafen, hätte
Angst zu versagen, wurden mit nettgemeinten Vorschlägen, wie "ich müsse das im Auge behalten, solle mir Freiräume
schaffen" niedergeschmettert. Wieder der Gedanke, ich bin die einzige Mutter auf dieser grossen Welt, die im Begriff
ist verrückt zu werden (Gedanken, die Tag und Nacht um schlimme Dinge kreisen, die ich meinem Kind antun könnte und
gleichzeitig die masslose Sorge und Beschäftigung um und mit meinem Kind).
Was ich mit meinem Beitrag sagen will ist:
es ist nicht immer die mangelnde Mutterliebe, die eine PPD so grausam macht, die anderen Symptome waren hier für mich
weitaus schlimmer (Asche über mein Haut wegen allen, die es anders sehen): Angst, die Kontrolle zu verlieren, Angst meinem Kind nicht gerecht zu werden; das Gefühl haben, mich 24 Stunden seinen Bedürfnissen
widmen zu müssen (vielleicht weil ich selbst nie eine liebevolle Mutter hatte?), massive Schlafstörungen und plötzlich
das Gefühl, meine Gedanken, Impulse werden immer verrückter..man wird mir das Kind wegnehmen, mein Mann wird mich
verlassen...Erst nach 10 Monaten habe ich Hilfe in Form von Antidepressiva bekommen. Leider war damit nicht alles
wieder im Lot, Mühe mit der Dosierung, dann Kündigung durch meinen Arbeitgeber, bei dem ich bis 8 Monate nach
Niederkunft freigestellt war. Herumpröbeln welches AD denn nun passt, immer wieder Nebenwirkungen, die zwar nicht so
furchtbar wie die Krankheitssymptome aber immerhin unangenehm waren (Gewichtzunahme, zu viel oder zu wenig
Schlafbedürfniss).
Mein derzeitiger Psychiater möchte eine Verhaltenstherapie machen, mit PPD und ihren Folgen kennt er
sich leider nicht aus. Manchmal weiss ich nicht, ob ich je wieder ein normales Leben führen werde, solange ich nicht
die Ereignisse von vor 4-5 Jahren aufgearbeitet habe.
Liebe Grüsse,
darkside
Vielleicht gibte es ja andere Zwangs-Betroffene unter euch, die sich darin wiedererkennen:
Noch heute, 5 Jahre danach, leide ich unter den
Folgen (starke Stimmungsschwankungen, schlechtes Körpergefühl durch grosser Gewichtszunahme durch Antidepressiva,
belastete Partnerschaft und Schuldgefühle gegenüber meinem Kind), auch wenn mein jetziger Therapeut sagt, dass man nach
5 Jahren nicht mehr von einer PPD eher von einer posttraumatischen Belastungsstörung sprechen müsse).
Beim Austritt aus
dem Krankenhaus bekam ich mit vielen Papieren eine Fragebogen mit der Bitte um Rücksendung, in dem es um traurige
Gefühle nach der Niederkunft ging (dieser landete mit den vielen anderen Papieren im Mülleimer). Auch in den vielen Baby-
Ratgebern, die ich in der Schwangerschaft gelesen hatte, wurde nur kurz das Thema "Baby Blues" und traurige Gefühle
wegen Abschied vom alten Leben angesprochen. Wie sehr hätte man mir damals geholfen, wenn mich jemand einmal über
Symptome einer PPD aufgeklärt und Begriffe wie "Zwangsgedanken" ins Spiel gebracht hätte (weder die Nachsorgehebamme,
die 2 mal da war, noch die Mütterberatung, bei der ich wöchentlich vorstellig wurde, erwähnte diesen "unanständigen"
Begriff). Ich muss allerdings fairerweise sagen, dass erst die Sorge um die Gesundheit meines Kindes, danach meine
Schlaflosigkeit kam da es grosse Stillprobleme gab, innere Unruhe und dann erst die Zwangsgedanken/-impulse
kamen, die mir den Eindruck vermittelten: so, jetzt wirst du langsam aber sicher verrückt; man wird dir dein Kind
wegnehmen. Keine Unterstützung aus der Familie, die Angst, mich anderen mitzuteilen, kleine Signale, die von meinem
Mann und Angehörigen überhört wurden...10 Monate in totaler innerer Einsamkeit, Verzweiflung und Angst. Meine
vorsichtigen Hinweise auch gegenüber der Mütterberatung, ich könne es nicht mehr schaffen, nicht mehr schlafen, hätte
Angst zu versagen, wurden mit nettgemeinten Vorschlägen, wie "ich müsse das im Auge behalten, solle mir Freiräume
schaffen" niedergeschmettert. Wieder der Gedanke, ich bin die einzige Mutter auf dieser grossen Welt, die im Begriff
ist verrückt zu werden (Gedanken, die Tag und Nacht um schlimme Dinge kreisen, die ich meinem Kind antun könnte und
gleichzeitig die masslose Sorge und Beschäftigung um und mit meinem Kind).
Was ich mit meinem Beitrag sagen will ist:
es ist nicht immer die mangelnde Mutterliebe, die eine PPD so grausam macht, die anderen Symptome waren hier für mich
weitaus schlimmer (Asche über mein Haut wegen allen, die es anders sehen): Angst, die Kontrolle zu verlieren, Angst meinem Kind nicht gerecht zu werden; das Gefühl haben, mich 24 Stunden seinen Bedürfnissen
widmen zu müssen (vielleicht weil ich selbst nie eine liebevolle Mutter hatte?), massive Schlafstörungen und plötzlich
das Gefühl, meine Gedanken, Impulse werden immer verrückter..man wird mir das Kind wegnehmen, mein Mann wird mich
verlassen...Erst nach 10 Monaten habe ich Hilfe in Form von Antidepressiva bekommen. Leider war damit nicht alles
wieder im Lot, Mühe mit der Dosierung, dann Kündigung durch meinen Arbeitgeber, bei dem ich bis 8 Monate nach
Niederkunft freigestellt war. Herumpröbeln welches AD denn nun passt, immer wieder Nebenwirkungen, die zwar nicht so
furchtbar wie die Krankheitssymptome aber immerhin unangenehm waren (Gewichtzunahme, zu viel oder zu wenig
Schlafbedürfniss).
Mein derzeitiger Psychiater möchte eine Verhaltenstherapie machen, mit PPD und ihren Folgen kennt er
sich leider nicht aus. Manchmal weiss ich nicht, ob ich je wieder ein normales Leben führen werde, solange ich nicht
die Ereignisse von vor 4-5 Jahren aufgearbeitet habe.
Liebe Grüsse,
darkside