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An alle mit Cipralex 30 mg

Verfasst: 25:12:2014 9:18
von Pustblume
Ihr lieben,
Zunächst einmal frohe Weihnachten! Gestern ging es mir den ganzen Tag bescheiden. Hätte nur weinen können. Hab ja leider immer noch keinen guten Psychiater der sich mit PPD auskennt und keine Aussicht, dass sich in den nächsten Tagen etwas ändert. Da ich hier aber in einem Loch hänge, gestern habe ich mich den ganzen Tag bedrückt und Weinerlich gefühlt , bin ich am überlegen, die Cipralex aufzudosieren.

Ich möchte
hier direkt fragen, wie euer Zustand war als ihr auf 30 mg Cipralex hoch gegangen seid. War es wegen antriebslosigkeit oder wegen der Zwänge oder Ängste. Ich habe Angst dann so aufgedreht zu sein und gar nicht mehr schlafen zu können. Da ich ja jahrelang Citalopram genommen habe, habe ich ja auch Angst, dass das Cipralex gar nicht mehr wirkt. Da es ja fast gleich ist. Weiss jemand ob der Wechsel zwischen den SSRI was bringt? Ist ja die gleiche Wirkstoffgruppe, soll wohl wenig bringen. Also von Cipralex auf Paroxetin beispielsweise. Ich freue mich über jede Antwort!!! Brauche Unterstützung, um mich mal zu 30 mg Cipralex durchzuringen. Lieben Dank an alle!!!

Re: An alle mit Cipralex 30 mg

Verfasst: 25:12:2014 10:24
von Marika
Hallo,

von mir weißt du bereits, dass ich mit 30 mg endlich stabil geworden bin damals. Ich hatte auch keinerlei NW - Gott sei Dank. Aber jeder reagiert anders - daher diese Info bitte als eine von vielen möglichen sehen.

Der Wechsel innerhalb von einer Wirkstoffgruppe kann sehr wohl Sinn machen - habe ich schon sehr oft miterleben könne. Manche Ärzte behaupten zwar was anderes, in der Praxis allerdings habe ich das Gegenteil gesehen.

Re: An alle mit Cipralex 30 mg

Verfasst: 25:12:2014 16:17
von Pustblume
Liebe Marika,

Danke für Deine schnelle Antwort. Ich wüsste dennoch gerne, wie du erhöht hast und was bei 20mg anders war als bei 30 mg und wann du davon etwas gemerkt hast. Wie lange bist du dann auf 30 mg geblieben? Ich habe mit meinem Mann beschlossen es zu versuchen, damit ich das Gefühl Habe hier über die Feiertage zu kommen und ein bisschen was zu tun. Hattest du in deiner schlimmsten Ühase, neben dem Zwang und der Angst auch diese Leere und Traurigkeit in Dir und wurde das dann auch unter 30 mg besser? Hattest du jemals andere Medis ausser Cipralex? Ganz lieben Dank und wunderbare Feiertage noch für Dich und Deine Familie

Die Pustblume

Re: An alle mit Cipralex 30 mg

Verfasst: 26:12:2014 7:06
von scaramouch
Hallo du
ich kann dir gerne berichten wie das mit Cipralex bei mir war. Ich hatte es lange genommen und es hat mir super geholfen. Als ich dann am abdosieren war und bei nur noch 4mg, bekam ich einen schweren Rückfall. Also habe ich erhöht. Zunächst auf 10mg, dann auf 20mg, es wurde dann zwar besser, aber es reichte nicht. Dann hab ich zuletzt auf 30mg erhöht, merkte dies aber leider gar nicht mehr. Es wirkte einfach nicht mehr. Ich habe dann auf Paroxetin umgestellt, welches wieder half. Das ist aber nur meine Geschichte und muss bei dir nicht so sein. Ich möchte dich nicht verunsichern. Du wirst es nur herausfinden wenn du wirklich auf 30mg gehst und schaust wie es wirkt. Ansonsten kann ein Wechsel durchaus was bringen. War bei mir ja auch so.
Nur Mut, du schaffst das. Und wenn du wirklich nicht schlafen kannst dann, gibt es dafür auch eine Lösung.
Ich weiss, es ist hart, aber hör auf dein Bauchgefühl und tu was es dir sagt.

Grüsse, scara

Re: An alle mit Cipralex 30 mg

Verfasst: 26:12:2014 10:16
von Marika
Hallo,

also ich habe vor allem wegen der Zwangsgedanken auf 30 mg erhöht. Begonnen hatte ich damals mit: 5 mg Cipralex (aber nur zum Einschleichen 5 Tage lang), dann 10 mg Cipralex + 15 mg Mirtazapin + 1,5 mg Xanor (ist wie euer Tavor ein Angsthemmer). Diese Medis nahm ich in der akuten ersten Phase von ca. 8 Wochen. Danach wurde Mirtazapin und Tavor reduziert und abgesetzt - gleichzeitig das Cipralex von 10 mg auf 20 mg erhöht. Das ging recht gut und hat das Absetzen der anderen beiden Medis gut abgefangen.

Diese 20 mg halfen sehr gut gegen die Antriebslosigkeit und gegen diese Leere und Traurigkeit die du auch hast. Nur die ZG - Attacken kamen noch durch. Zwar weniger stark wie zu Anfang, aber halt immer noch. Daher beschloss mein Arzt es mit 30 mg zu versuchen - das war zu einem Zeitpunkt von ca. 9 Monaten nach Krankheitsausbruch. Die Erhöhung auf 30 mg habe ich recht schnell gemerkt - so nach ca. 1 Woche bereits. Meine Grundstimmung war noch besser, die Ängste komplett weg und das Wichtigste: Ich merkte plötzlich so eine Art emotionale, psychische Stärke - ich fühlte mich den ZG nicht mehr ausgeliefert, sondern ÜBERLEGEN! Ich verlor durch die 30 mg die Restangst vor den ZG - und das ist ja auch der Knackpunkt: Die ANGST vor den ZG erzeugt immer wieder neue. Man therapiert ja eigentlich nicht die Gedanken, sondern die Angst dahinter und versucht Selbstvertrauen auf zu bauen.
Es hat einfach einen gewaltigen Schub getan mit 30 mg und ich konnte in meiner Therapie endlich effektiv arbeiten. Die 30 mg nahm ich dann 1,5 Jahre - solange hat es gedauert bis wirklich gar kein Tief mehr auftrat. Denn auch mit 30 mg gab es noch kurze Phasen, wo die Erkrankung durchkam - nur merklich schwächer - die guten Phasen dauerten dabei immer länger an.

Beim Abdosieren war ich dann aber zu schnell - innerhalb von 2 Wochen war ich schon bei 10 mg, was nicht gut ging. Ich bekam Absetzsymptome und ging wieder hoch auf 20 mg. Das ging sehr gut - ich brauchte keine 30 mg mehr. Danach ließ ich mir ein ganzes Jahr Zeit um auf 10 mg zu kommen und es hat geklappt! Ich probierte dann sogar mal ganz ab zu setzen, was auch gelang, ich bekam dann aber nach 9 Monaten wieder ZG, was dazu führte, dass ich wieder mit 10 mg begann. Und diese 10 mg haben gereicht, was einem kleinen Wunder gleich kommt, sagt mein Arzt! Noch heute ist es bei diesen 10 mg geblieben - das sind jetzt insgesamt 9 Jahre mit AD und 5 Jahre nachdem ich einmal ganz abgesetzt hatte. Ich musste nie mehr höher gehen und bin trotzdem gesund - auch für mich ist das ein Wunder, dass ich dankbar annehme! Im Gegensatz zu Scara hat bei mir das Cipralex also wieder hervorragend angeschlagen. Ich werde an dieser Dosierung auch niemals mehr was ändern - das Risiko ist mir viel zu groß. Da ich ZG schon im Kindesalter hatte, liegen bei mir diese als Grunderkrankung vor - die PPD hat sie dann nur völlig zum Ausbruch gebracht. Mit dieser Diagnose ist es zum momentanen Stand der Forschung sehr unwahrscheinlich ohne AD auf Dauer stabil zu bleiben.

Daneben habe ich aber in all den Jahren viele weitere Hilfsmaßnahmen in Anspruch genommen: Bachblüten, Kinesiologie, Yoga, autogenes Training und immer wieder über die Erkrankung reden und schreiben - vor allem hier im Forum. Ich glaube, dass das eine ganz wichtige Verarbeitungsstrategie für mich war, nach dem meine Therapie nach 2,5 Jahren zu Ende war. Und auch heute noch tue ich ganz viel neben dem Cipralex, um meine psychische Gesundheit zu erhalten. Für mich hat die Erkrankung einen Weg eröffnet, der immer weiter führt und auf dem ich persönlich gewachsen bin bzw. immer weiter wachse!

So, jetzt hoffe ich mal, dass ich nichts vergessen habe! :wink: