Wie soll ich diese Zeit nur überstehen?

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NMom
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Re: Wie soll ich diese Zeit nur überstehen?

Beitrag von NMom » 11:06:2018 20:06

Hey😊
Ich habe seit Oktober 2017 meine kleine Tochter und seit November 2017 mit einer postnatalen Depression inklusive Derealisation zu tun. Die Derealisation macht mir am meisten zu schaffen und bringt mich oft zum weinen weil ich es kaum aushalten kann mich nicht richtig „hier“ zu fühlen. Ich mache eine Therapie seit Dezember und nehme ein AD. Die Symptome hatte ich auch ohne Tabletten...
Wer Hat es schon hinter sich und kann mir Mut machen? Ich bin nun fast 8 Monate in diesem Zustand und habe Abgst dass es nicht wieder normal wird 😏😳
Liebe Grüße, NMom

MiHe1417
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Re: Wie soll ich diese Zeit nur überstehen?

Beitrag von MiHe1417 » 24:08:2018 20:29

Hallöchen alle zusammen,

es gibt mich noch!! Nach diversen Problemen mit meinem Account bzw Passwort bin ich nun wieder am Start.

Ist ja nun doch wieder einige Tage her, seit ich hier zum letzten Mal geschrieben habe... Es ging mir wirklich richtig gut. Ich hab mein Leben wieder weitergelebt, allerdings etwas fokussierter und mit Ruhephasen zwischendurch. War echt sehr zufrieden. Auto fahren ist kein Problem, ich kann die Kinder abgeben, ich konnte gut einschlafen und und und. Sertralin und meine Therapeutin haben mir echt geholfen.

In den letzten Wochen habe ich mir auch etwas für meine Zukunft vorgenommen: ich möchte eine Ausbildung zur Reittherapeutin machen und mich auf traumatisierte Kinder und Jugendliche spezialisieren und auf Frauen mit Wochenbettdepressionen und Angststörungen. Ich möchte meine Erfahrungen teilen und den Betroffenen wieder Zuversicht und Lebensmut schenken. Wenn ich darüber nachdenke, geht es mir sehr gut.

Habe für einen Monat auch für 50 % in meinem gelernten Beruf gearbeitet, da ging es dann allerdings wieder los mit der Angst und nach 2 Wochen hab ich mich nicht mehr getraut, von meinen Kindern weg zur Arbeit zu gehen. Habe tageweise gearbeitet und war hin und zurück immer 45-60 Minuten unterwegs und das hab ich einfach nicht gepackt. Wurde innerlich wieder angespannt, hab mich nicht mehr richtig getraut einzuschlafen. Hab dann nach diesem Monat gekündigt. Die Chefs waren überhaupt nicht erfreut, aber mir ging es so nicht gut.

So und dann hab ich Blödi mein Sertralin von 75 auf 50 mg runterdosiert, weil ich plötzlich wieder täglich völlig neben mir stand und teilweise starkes Herzklopfen hatte. Das war glaub echt etwas blöd von mir. Ging 3 Wochen gut und dann kam die Angst wieder massiver an. Bin dann vor 2 Wochen wieder auf meine 75 mg hoch.Bin ja seit Februar auf der Dosis gewesen und es hat alles gepasst, aber da im Juli durch die Arbeit ging alles in die falsche Richtung. Momentan ist es jetzt wieder schwierig. Tagsüber geht es einigermaßen, aber die Nacht ist wieder furchtbar für mich. Und der Schlafentzug tut dann halt wieder sein übriges. Ätzend.

Ist das nur eine Phase, die bald wieder gut ist, oder soll ich auf 100 mg hoch? Hab dafür grünes Licht von meiner Psychiaterin. Hab nur bissl Angst, dass ich dann gar nimmer von den Pillen weg komm, wenn ich 100 mg nehm...

Wünsch euch noch einen schönen Abend!
Viele liebe Grüße
Sandra

1. Kind 11/14 Zwangsgedanken
2. Kind 6/17 Angststörung mit Panikattacken, PTBS, Zwangsgedanken

75 mg L-Thyroxin
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seit 10/2017 Verhaltenstherapie

"Man muss das Leben tanzen." (Nietzsche)

Astrid
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Re: Wie soll ich diese Zeit nur überstehen?

Beitrag von Astrid » 28:08:2018 12:08

Hallo Sandra,

schön von dir zu hören. Und schön zu hören, dass es dir schon mal wieder richtig gut ging. Damit hast du dir deine Antwort quasi selbst gegeben. Du brauchst anscheinend noch dein Medikament. Das kann auch noch eine Weile dauern. Aber was ist so schlimm daran? Antidrepressiva sind keine "Happypillen", sie ermöglichen dir nur, deine eigenen Glückshormone wieder zu nutzen. Man wird von Antidepressiva nicht abhängig. Sie ermöglichen dir normal zu leben und sich wieder zu freuen. Ich finde es toll, dass du so wundervolle Zukunftspläne schmiedest!! Es hört sich toll an. Und ich wünsche mir, dass sie wahr werden. Du musst dir nur mehr Zeit geben. Überfordere dich nicht. Freue dich an den kleinen Fortschritten. Genieße deine Kinder und den Alltag. Deine zweite Entbindung ist erst knapp ein Jahr her? Oder? Du hast jetzt auch verdient die Zeit mit deinem "Baby" nachzuholen. Ich bin stolz auf dich, dass du auf dich gehört hast, und die Reissleine gezogen hast. Hab keine Zweifel, es wird alles wieder gut. Du hast es ja schon gemerkt.

Liebe Grüße astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
heute gesund ohne Medis
beginnende Wechseljahresbeschwerden

MiHe1417
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Re: Wie soll ich diese Zeit nur überstehen?

Beitrag von MiHe1417 » 05:09:2018 23:43

Hallo Astrid,

vielen lieben Dank für deine Antwort.

Ja, es ging mir zwischendurch wirklich wieder richtig gut. Ich hätte es selbst kaum für möglich gehalten und ich bin unheimlich dankbar und froh. Es ist mir wieder leicht gefallen zu leben.

Ja, im Juni vor einem Jahr kam unser Sohn zur Welt. Wie schnell die Zeit vergeht. Jetzt im September vor einem Jahr hatte ich auch meine erste Panikattacke. Das Gefühl von damals werde ich wohl nie vergessen. Aber es hat alles seine Berechtigung. Das weiß ich jetzt und ich versuche, auf mich zu achten und nicht immer so extrem selbstkritisch zu sein. Wobei das gar nicht so leicht ist. Ich rutsche schon noch oft in alte Verhaltensmuster ab, allerdings hat sich dieses Programm ja in den letzten Jahren in mein Hirn gefressen. Ist ja klar, dass es nach einem knappen Jahr noch nicht umgeschrieben ist.

Vor 10 Tagen habe ich mein Sertralin auf 100 mg erhöht. Momentan sind dadurch die Ängste und Empfindungen wieder richtig garstig und hartnäckig. Aber das kenn ich ja schon.
Was mich so abgeschreckt hat vor der Höherdosierung war einfach der Fakt, dass ich seit einigen Monaten gut mit 75 mg gelebt hab und dann kam plötzlich wieder so ein Megatief. Meine Angst ist einfach, dass ich alle paar Monate höher dosieren muss. Und dann überleg ich weiter, was in meinem Hirn falsch läuft, dass ich nicht ohne AD "angstfrei" sein kann. Es macht mich so wütend und ein bisschen traurig. Aber genug gejammert. Ich bin ja froh, dass ich wieder im Stande bin, zu leben. Alles andere wird sich fügen .

Gute Nacht!
Viele liebe Grüße
Sandra

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Graureiherin
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Re: Wie soll ich diese Zeit nur überstehen?

Beitrag von Graureiherin » 07:09:2018 13:32

Hallo Du,

Tiefschläge sind immer schwierig zu verdauen. Daran knabbert und zweifelt man. Du überlegst nun, ob Du ohne Medis sein kannst bzw. evtl. immer weiter auf dosieren musst etc. Ich denke das ist ein "einfacher" Angstgedanke, der eben nicht die ganze Realität repräsentiert. Die Angst macht sich an der Medieinnahme fest, vermutlich könnte es auch ein anderes Thema sein. Oder?

Ich würde an Deiner Stelle versuchen diesen Zweifelgedanken nicht zu viel Gewicht zu geben und das weiter anzuwenden, was Du in der Thera lernst. Du brauchst das AD eben noch und die Dosierung ist absolut im Rahmen. Alles nicht schlimm.Punkt. Ich weiß das ist schwierig, die Gedanken kann man nicht auf Knopfdruck abstellen, aber:
"glaube nicht alles was Du denkst"!

mit lieben Grüßen Dir
die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
langsame Reduzierung auf 5 mg Escitalopram seit Juli 2017
Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

MiHe1417
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Re: Wie soll ich diese Zeit nur überstehen?

Beitrag von MiHe1417 » 07:09:2018 23:30

Hallo Graureiherin,

danke dir für deine Worte.

Genau dasselbe sagt meine Therapeutin auch. Ich soll den Scheinwerfer hin und wieder mal auf das Positive richten, dass das AD mir ermöglicht. Und wenn es nur ganz kurz ist.

Im Moment sind die Ängste wieder da, nicht so, wie vor einigen Monaten, aber doch wieder präsenter. Ich versuche, die erlernten Strategien anzuwenden und es ist soweit alles aushaltbar. Vermutlich kommt es von der höheren Dosierung.

Sind das diese Wellen, die Aufs und Abs? Es ist so ätzend, aber ich weiß, dass es wieder besser wird. Ich muss es nur aushalten und darf den Gedanken nicht so viel Macht geben... Das ist die Kunst.

Ein schönes Wochenende!
Viele liebe Grüße
Sandra

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Marika
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Re: Wie soll ich diese Zeit nur überstehen?

Beitrag von Marika » 10:09:2018 9:02

Hallo auch von mir!

Für mich liegt es klar auf der Hand: Die Arbeit war einfach zu viel (die Fahrzeit ist ja furchtbar gewesen!!!), du hast nicht mehr richtig geschlafen und dann noch das AD reduziert zu einem leider sehr unpassenden Zeitpunkt. Von daher ist es nur logisch, dass es dir schlechter geht. Und die Frage "was stimmt in meinem Gehirn nicht...." eigentlich nicht relevant. Denn es waren klar die äußeren Umstände, die das sensible Gleichgewicht (auch im Gehirn) wieder durcheinander gebracht haben. Auch die Angst, dass du jetzt immer weiter steigern musst, ist nicht berechtigt. Denn du hast ja die Auslöser klar vor dir liegen, die diese Erhöhung nötig gemacht haben. Es war also keine willkürliche und unbeeinflussbare Schwankung.

Du bist meiner Meinung nach einfach zu weit über deine Grenzen hinaus gegangen. Mit der Zeit kann man sich immer etwas mehr zumuten, die Grenze verschiebt sich immer weiter nach hinten. Trotzdem muss man sehr aufpassen, was geht und was nicht. Das hast du jetzt gemerkt und die Reißleine gezogen - gut so. Und ich finde du hast wirklich ausgezeichnet reagiert.

Übringens finde ich den Spruch von dir Graureiherin super: "Glaub nicht alles was du denkst"... wirklich genial!!!!!
Liebe Grüße von
Marika

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MiHe1417
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Re: Wie soll ich diese Zeit nur überstehen?

Beitrag von MiHe1417 » 13:09:2018 22:38

Hallo Marika,

du hast wohl recht mit deiner Einschätzung der Situation. Ich hab mir zu viel zugemutet und muss es nun teuer bezahlen. Die Gründe sind auch für mich ersichtlich und eigentlich glasklar. Ich habe nicht nur mein AD erhöht, sondern habe jetzt auch wieder wöchentlich Therapie. Darüber bin ich froh.

Heute hatte ich wieder eine Stunde, aber sie war hart und sehr schwer zu verdauen. Beschäftigt mich auch immer noch. Meine Therapeutin hat heute gemeint, dass ich wohl nicht nur eine Angststörung habe, sondern auch eine posttraumatische Belastungsstörung und Zwangsgedanken. Immer wieder ploppen hässliche Gedanken auf, die mich fertig machen. Ich möchte einfach hinsitzen und nur noch weinen. Ich schäme mich unendlich dafür und ich versteh es einfach nicht.
Marika, kannst du es mir erklären? Wie entstehen Zwangsgedanken? Warum hat man die, obwohl man seine Kinder über alles liebt und ihnen niemals ein Haar krümmen würde? Hatte das auch nach meiner ersten Geburt, wusste aber nicht, was es ist. Dachte, dass ich einfach nur komplett geisteskrank bin. Wurde damals nach ungefähr 2 Jahren besser. Ganz weg waren sie nicht, aber wirklich sehr selten.

Naja, jetzt werd ich versuchen, noch ein bisschen abzuschalten und runterzukommen.

Wünsche allen einen schönen Abend!
Viele liebe Grüße
Sandra

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