Angst vor den Monaten nach der Geburt...

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Skylie
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Angst vor den Monaten nach der Geburt...

Beitrag von Skylie » 26:02:2018 20:15

Ich bin aktuell in der 20. SSW, die Schwangerschaft war nicht geplant - die Spirale war aber einfach weg und abtreiben brachte ich nicht über mich.
Ich habe schon zwei Kinder, noch klein (beide unter 3 Jahre alt), die ich leider in Pflege gegeben habe, da ich schwer überfordert und auch depressiv war.
Nun ist da natürlich ständig die berechtigte Angst, dass ich auch diesmal versagen werde. Gerade die ersten 15-18 Monate im Leben eines Kindes finde ich sehr anstrengend, da ich sie bis zu diesem Alter lediglich als Belastung mit 24/7-Bedürfnissen wahrnehme, erst danach kommt allmählich ein Glücksgefühl auf, da die Kinder langsam deutlich mehr können und man sie in der Regel nicht mehr den ganzen Tag herumtragen muss.
Ich hatte auch mit meinen beiden Kindern große Schwierigkeiten, überhaupt eine Bindung aufzubauen. Bei der Großen hat es allmählich geklickt, als sie 15-18 Monate alt war. Die Kleine ist jetzt 9 Monate alt und bisher empfinde ich nur große Unsicherheit. Babys verstehen noch nichts und drücken sich nur durch Weinen aus. Damit habe ich ein Problem. Nicht, dass sie weinen, sondern, dass ich dieses Weinen nicht innerhalb von fünf Minuten "abstellen" kann. Das löst in mir großen Stress aus. Das Chaos ist dann groß, da das Baby meine Unsicherheit und Verzweiflung spürt. Abstellen kann ich diese Reaktion leider nicht. Wenn die Kinder schliefen, war ich ständig in Alarmbereitschaft, beim kleinsten Laut sofort zu reagieren, damit sie garnicht erst weinen. Jeder Laut hat mich ebenso gestresst, mir wurde teilweise richtig schlecht, wenn ich nur daran dachte, dass sie jederzeit aufwachen könnten. Je älter die Große wurde, desto weniger hat es mich gestresst. Weil die Große ja nicht mehr weint, wenn sie aufwacht. Natürlich weint auch sie mal, wenn sie hinfällt oder etwas nicht darf, aber eine fast 3-jährige ist deutlich leichter zu trösten, weil sie in dem Alter schon fast alles versteht.

Ich lebe mit dem Kindsvater zusammen, aber wir sind beide arbeitslos, die Aussichten auf baldige Arbeit sind extrem gering. Wir leben in einer 50m² Wohnung mit 2 1/2 Zimmern, ausgeprägten Dachschrägen und ein klassischer Altbau - alles krumm, schief und alt. Die Wohnung selbst ist in Ordnung, wenn auch zu klein, aber unsere Second-Hand-Möbel fallen auseinander, für Ersatz fehlt das Geld, und überhaupt löst meine Wohnsituation zusätzlichen Stress in mir aus, weil ich mich hier nicht wohlfühle. Zu einem Umzug fehlt sowohl eine finanzierbare, bessere Wohnung (wir können die Stadt nicht verlassen, sonst können wir die Kinder nicht mehr sehen, da wir auch kein Auto haben) als auch Geld - das Jobcenter stimmt einem Umzug zwar zu, übernimmt aber keine Umzugskostenhilfe. Wir haben absolut keinerlei Kontakte, weder Familie noch Freunde noch Bekannte, die uns helfen könnten. Das ist übrigens ein weiterer Stressfaktor, die soziale Isolation. Ich war schon in so vielen Müttergruppen, hier und da, tausend Gesichter allein in den letzten zwei Jahren habe ich gesehen. Aber es "passt" einfach nicht, die Chemie stimmt nie. Ein wenig Austausch mit Müttern ähnlich alter Kinder würde mir sicher gut tun, aber ich schaffe es einfach nicht, dass die Menschen Interesse an einem weiteren Kontakt haben.
Meine Familie lebt zwar hier, arbeitet aber gegen mich und wünscht sich nichts lieber, als dass ich "endlich" auf der Straße lebe, wo ich "hingehöre". Soviel dazu.
Ich hatte damals eine Familienhilfe von Jugendamt, die auch sehr nett war. Leider reichte diese Hilfe (1 Stunde 1x wöchentlich) nicht aus. Eine Nachsorgehebamme meldete sich nach der Geburt auf sämtliche Nachrichten und Anrufe nie zurück.

Mein Partner versteht nicht allzu viel von Kindern. Er liebt seine Kinder zwar, aber er hat eine völlig verzerrte Vorstellung davon, was gut, altersgerecht und angemessen für Kinder ist. Noch dazu verkennt er Gefahren, macht mir oft Vorwürfe, dass ich es nicht genug versuche, und habe ich schwache Momente, kritisiert er mich und fragt sich laut, warum er mit jemandem wie mir Kinder bekommen hat. Solche Momente sind recht häufig, aber ich möchte ihn nicht rauswerfen. Die guten Phasen überwiegen noch. Die Kinder (die Große) liebt ihren Papa und er unterstützt mich ja auch. Zudem ist er der letzte soziale Kontakt, den ich noch habe. Ohne ihn würde ich in die totale Isolation fallen, die Folgen sind unabsehbar. Wir sind seit 2013 zusammen und wollen irgendwann heiraten, denn eigentlich hat diese Beziehung den nötigen Boden dazu. Nur eine Zukunft kann ich momentan schwer erkennen, wenn er sein Verhalten nicht ändert. Denn im Grunde habe ich mit ihm ein weiteres Kleinkind, das mich obendrein manchmal terrorisiert. Dennoch - meine Situation würde sich nicht verbessern, sondern eher massiv verschlechtern, wenn er weg wäre.

Ich habe Angst, dass der Stress mich wieder zur totalen Erschöpfung führen wird. Ich glaube, man kann hier durchaus von einem Burnout-Syndrom sprechen, denn ich gebe immer mein Bestes, den Umständen entsprechend und so gut es geht trotzend, aber am Ende des Tages bleibt nicht genug Ausgleich für mich dabei. Ich habe zwar meine Methoden zur Stressbekämpfung entwickelt, diese erfordern aber neben Zeit auch das Gefühl, "abschalten" zu können, und nicht in ständiger Alarmbereitschaft zu sein. Selbst wenn ich den Papa mal mit den Kids nach draußen zum Spazieren geschickt hab, war ich ständig gestresst, denn er könnte ja jeden Moment wiederkommen. Das ist doch nicht normal! Aber was kann ICH schon dagegen tun, meine Umstände berücksichtigt?

Vielleicht finde ich auf diesem Wege ja Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben/hatten, es gar ausgestanden haben und mir berichten können, dass es auch geht, ohne dass die Kinder wegkommen. Denn ganz ehrlich, noch ein Kind kann ich nicht verlieren. Ich bin ein emotional sehr starker Mensch, aber nach drei so schweren Verlusten müsste ich ein emotionsloser Felsen sein, dass ich nicht daran zerbrechen würde...

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