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MariaK
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Neu hier .. brauche dringend Hilfe

Beitrag von MariaK » 10:06:2018 16:38

Hallo


Vor der Entbindung lief alles in meinem Leben gut. Gute Karriere, problemlose Schwangerschaft, das Kind war ein WunschKind und mit meinem Mann hatte ich eine gute Beziehung

Vor ca 10 Wochen habe ich meinen Sohn bekommen (Kaiserschnitt mit Vollnarkose) und seitdem geht es mir mental immer schlechter.

Zuerst dachte ich, dass ich Zeit brauche, um das Mutterglück und eine Erfüllung in meinem neuen Leben zu finden.. Aber die Traurigkeit und Überforderung wurden immer schlimmer. Vor ca 6 Wochen habe ich eine Brustentzündung bekommen, die ein wenig atypisch war (ohne Fieber ohne Verhärtung und mit einer Rötung der gesamten Brust). Die Medikamente schlugen nicht sofort ein, sodass ich im Internet nachrecherchiert habe und über eine seltene und sehr aggresive Form von Brustkrebs gelesen habe. Ich habe riesige Angst bekommen und bin zu mehreren Ärzten gegangen (auch zum Chefarzt eines Brustzentrums). Alle meinten, ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen. Ich konnte keinen glauben (die Rötung ist weniger geworden aber noch nicht ganz weg). Ich kämpfe ständig mit dieser Angst und mit den Gedanken, wenn ich mich auf meinen Sohn einlasse und ihn richtig liebe und ich mal unheilbar krank werde, würde ich es nicht aushalten, mich von ihm zu verabschieden. Diese Gedanken und die Traurigkeit eskalierten so, dass ich nichts mehr essen konnte und körperlich sehr schwach wurde. Ich habe vor ca einem Monat mich dann eingewiesen. Die Psychiatrie hat eine Mutter kind station, allerdings mit einer sehr langen Warteliste. Ich konnte meinen Sohn nicht mitnehmen. Ich musste sofort abstillen. Dort hat kaum jemand mit mir gesprochen und sie haben mir mehrmals täglich Tavor (sehr starkes Beruhigungsmittel) und verschiedene Neuroleotika gegeben. Ich wurde davon nur wirre und konnte nicht funktionieren. Nach 11 Tagen habe ich mich dann freiwillig entlassen. Ich konnte keinen Sinn in dieser Behandlung sehen (die ganze Zeit nur betäubt zu werden) und mein mann konnte nicht länger Urlaub nehmen.

Seit der Entlassung versuche ich verzweifelt Hilfe zu finden. Ich war bei einem psychiater vor 5 Tagen und dachte, ich könnte ein Antidepressivum bekommen. Der Arzt hat sich kaum Zeit gelassen, ich bin mir nicht sicher, ob er mich verstanden hat (sein deutsch war nicht gut) und mir 5 Minuten nachdem ich reinkam Seroquel verschieben hat, mit der Aussage: ja das hilft auch. Ich soll es 2 mal am Tag nehmen. Das ist allerdings ein Beruhigung- und Schlafmittel. Ich war ohnehin erschöpft und antriebslos. Als ich es genommen habe, bin ich in einem extrem Tiefschlaf gefallen, stundenlang ohne wach werden zu können. Meine Mutter musste von ihrer Arbeit kommen, weil ich nicht mehr in der Lage war, nach der Einnahme der Tablette, mich um meinen Sohn zu kümmern. Seit gestern nehme ich diese Tabletten nicht mehr und möchte nochmal schauen, ob der Arzt stattdessen ein Antidepressivum verschreiben kann.

Ich habe mich auch bemüht einen Therapeuten zu finden. Da habe ich nächste Woche einen Termin.

Bis dahin weiß ich nicht mehr wie ich alles aushalten kann. Ich weine rund um die Uhr, mein Mann hält es kaum noch aus und will dass ich endlich ein Medikament nehme, das zuschlägt. Meine Eltern denken, ich sei schwach geworden und verstehen nicht, warum ich mein Leben ruiniere und mich mich nicht zusammenreißen kann.

Ich weiß nicht, ob man mir helfen kann, ich glaube langsam nicht mehr dran, dass es je wieder gut wird..


Viele Grüße

Astrid
power user
Beiträge: 118
Registriert: 18:09:2017 11:34

Re: Neu hier .. brauche dringend Hilfe

Beitrag von Astrid » 10:06:2018 20:57

Hallo Du,

ein herzliches Willkommen und ja, du bist hier genau richtig!! Du hast schon sehr viel richtig gemacht. Du hast erkannt, dass etwas nicht mit dir stimmt, und du hast Hilfe gesucht. Leider hast du Pech gehabt und nicht jemanden gefunden, der dir erklärt, was mit dir passiert, und wie sie vorhaben, dich wieder gesund zu bekommen. Oder warum man dir zunächst einmal Mittel zur Beruhigung gibt. Das erschüttert mich immer wieder. Ich denke oft, dass Zeit und Verständnis bei einem Arzt und eine gute Aufklärung schon viel Helfen und die Panik verringern könnten und auch das Vertrauen in die Behandlung stärken. Du musst wissen, und auch deine Familie, dass eine PPD lange dauern kann. Es gibt leider nicht eine "Glücklich" Pille und sofort ist alles wieder gut. Daher mein Rat, versuche möglichst viel Entlastung im Alltag zu bekommen. Wenn dein Mann und deine Familie nicht einspringen können, dann versucht eine Haushaltshilfe über die Krankenkasse zu bekommen, oder über eine Familienhebamme eine kompetente Unterstützung zu finden. Über die Fachleuteliste hier auf der Homepage kannst du Ärzte und Kliniken finden, die sich mit unserer Krankheit auskennen.
Deine Geschichte, wie Du sie hier schilderst ist eigentlich ganz typisch. Hört sich verrückt an, ich weiss, aber hier wirst Du einige Frauen finden, die genau das gleiche durchlebt haben. Den Gedanken sehr schlimm krank zu sein und die Angst dadurch sein Kind zu verlieren und sich besser gar nicht darauf einzulassen, kenne ich auch. Und noch viel verquerere... . Auch die Zeifel an Ärzten und Behandlungen kenne ich sehr gut. Aber bitte gib nicht auf, auch wenn es jetzt so aussieht, als würde es nie wieder gut. Ich bin so ein Beispiel, dass es doch wieder gut wird! Mein Sohn wird in diesem Jahr zwölf Jahre alt und wir sind alle sehr glücklich. Und ich war wirklich am Limit und wollte so nicht mehr existieren. Und wie Du, war ich vorher eine Frau die alles gewuppt hat. Guter Job, guter Mann, gutes Leben, Wunschkind, gute Schwangerschaft, vorher nie depressiv. Trotzdem nach der Entbindung der Absturz. Leider hat es bei mir 8 Monate gedauert, bis ich wusste, was mit mir los ist. Deshalb hast du gute Chancen, dass dir viel schneller geholfen wird. Auch wenn du gerade nicht daran glauben kannst. Was deine Familie angeht, wäre es ganz wichtig, wenn sie sich über deine Krankheit schlau machen. Bitte sie sich die Homepage von Schatten und Licht anzuschauen. Dein Mann hat auch die Möglichkeit hier im Angehörigenforum zu schreiben oder mit einem betroffenen Papa per Mail zu kommunizieren, damit er weiss, was bei dir eigentlich los ist. Und wie eine mögliche Therapie aussehen kann. Deinen Eltern kann ich nur sagen, dass wir alle wussten: eigentlich müssten wir glücklich sein... . Aber es ist nicht so. Wir sind verzweifelt, panisch, traurig und überwältigt und ohnmächtig. Und später sind wir vielleicht völlig ohne Gefühl. Ich bin froh, dass du noch weinst und Angst hast, auch wenn sich das blöd anhören mag. Aber du fühlst noch etwas. Das ist gut!! Du kannst dich nicht zusammenreißen und du ruinierst auch nicht dein Leben. Du bist krank, und du hast ein Anrecht darauf, dass jemand dir hilft und dich auffängt. Zumindestens dass man dir zuhört und versucht zu verstehen. Ich hoffe, dass du das ganz bald findest. Bitte nehmt alle Hilfe an, die ihr bekommen könnt. Dann geht es so viel schneller und leichter.

Ich drücke dich erst einmal ganz feste und verspreche: es wird wieder gut. Auch wenn es vielleicht sehr lange dauert.

Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
heute gesund ohne Medis
seit Juni 2018 7,5mg Mirtazapin, wegen Schlafstörungen

Dian
Beiträge: 6
Registriert: 16:04:2018 14:00

Re: Neu hier .. brauche dringend Hilfe

Beitrag von Dian » 11:06:2018 22:47

Hallo,

Ich schreibe hier wirklich wenig aber deine Geschichte rührt mich sehr, weil sie mich an mich erinnert.
Natürlich war alles nicht ganz genau so wie bei dir.
Meine Tochter wurde im Nov. 2017 per Not-Sectio gegen meinen Willen auf die Welt geholt. Da man mir eindringlich klar machte, dass man meinen Willen übergehen müsse, da wegen angeblicher Präeklampsie akut mein Leben und das Leben meiner Tochter gefährdet seien, leistete ich keinen Widerstand.
Es stehe nicht gut um uns beide, betonte man.

Was das bedeutete, nämlich Tod (!), verstand ich in seiner vollen Tragweite erst später. Es kamen noch einige unglückliche Umstände und Situationen in den folgenden Monaten zusammen, die allesamt ein Thema immer wieder aufbrachten....nämlich den Tod.

Irgendwann brach ich zusammen. Ursächlich dafür war mit Sicherheit auch mein Lebenswandel (Selbständigkeit, Stress, Überlastung). Was blieb war aber die Angst vor Krankheit. Angst vom Tod bedroht zu sein und es nicht zu wissen. Diese Angst drang nach außen, bescherte mir schlaflose Nächte, dunkle Gedanken und sogar körperliche Schmerzen. Ich verstand nicht, wie mir, der starken Frau sowas passieren konnte und ich hatte große Angst nie mehr gesund zu werden.

Mittlerweile ist meine Tochter 7 Monate alt. Ich nehme seit ca. 10 Wochen Mirtazapin und fühle mich "fast" gesund.

Ich habe viele Ärzte gesehen aber letzten Endes war es meine Hausärztin, die die richtige Behandlung einschlug und immer Zeit, Verständnis und ein offenes Ohr für mich hatte.
Den "schlechtesten" Termin (weil am wenigsten hilfreich und zudem total unsympathisch) hatte ich übrigens beim Psychiater - dem eigentlichen Fachmann.

Wichtig ist nicht, wer dir nicht helfen kann oder wer dich nicht versteht. Wichtig ist die zu suchen und sich an die zu halten, die dir helfen können und dich verstehen wollen! Such weiter und lass dich nicht entmutigen. Es wird besser aber es ist ein Prozess und es kann dauern.
Auch ich habe immer mal wieder Sorge krank zu sein oder Flashbacks mein Geburtstrauma betreffend aber ich erlerne Wege dem entgegen zu treten und verzeichne schon häufig Erfolg. Ich kann wieder am Leben teilnehmen und komme sogar wieder mehrere Stunden am Stück mit beiden Kindern (bin 2fach Mama) gleichzeitig klar. Ich arbeite sogar wieder einige Stunden in der Woche. Hätte mir das jemand Anfang April gesagt, ich hätte es nicht glauben können.

Alles Gute dir und deiner Familie, Dian
06/2014 Geburt der 1. Tochter - keine PPD
11/2017 Geburt der 2. Tochter
04/2018 Diagnose Belastungsstörung und PPD

aktuell 30 mg Mirtazapin und Gesprächstherapie

MariaK
Beiträge: 3
Registriert: 08:06:2018 10:48

Re: Neu hier .. brauche dringend Hilfe

Beitrag von MariaK » 12:06:2018 10:37

Danke euch beiden für Eure Antworten.

Es klingt bescheuert, aber im Moment sind diese Antworten alles, was mir Hoffnung gibt. Ich habe sie bestimmt schon Dutzend male gelesen, quasi immer wenn ich wieder an einem verzweifelten und sehr dunklen Punkt gerate.

Ich habe gestern von meiner Hausärztin Escitalopram 20 mg verschrieben bekommen und werde heute mit der Einnahme beginnen. Ich habe auch auf Anraten meiner Hausärztin einen neuen Psychiater aufgesucht, bei dem ich morgen einen Vorstellungstermin habe.

Ich hoffen so sehr, dass ich bald anfange eine Besserung zu spüren... Was ich nämlich vergessen habe zu erwähnen, ich muss ab dem 1. August wieder arbeiten. Zwar zuerst nur Teilzeit und überwiegend Home Office aber ich muss bis dahin einigermaßen funktionieren. Ihr habt mir diesbzgl echt Hoffnung gemacht

Danke nochmal

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