Meine Verzweiflung

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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SchwarzerHase
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Meine Verzweiflung

Beitrag von SchwarzerHase » 18:06:2018 13:32

Hallo ihr Lieben.

Ich bin in der 17ten Woche schwanger und weiß grade nicht mehr weiter. Ich versuche mich etwas zu sortieren um es etwas klar zu beschreiben.
Bisher ging es mir gut mit der Schwangerschaft. Aber am Wochenende bin ich nervlich komplett zusammengebrochen. Mein Mann (er leidet selber hin und wieder unter Depressionen) hat mir seine Befürchtung geäußert, dass ich nach der Geburt des Kindes nur noch Mutter bin und ihm keine Ehefrau mehr sein kann. Er hat es schon öfter mitbekommen, dass Paare daran zerbrochen sind weil die Frau nur noch das Kind gesehen hat.
Ich weiß nicht was ich noch tun kann um ihm diese Angst zu nehmen. Dann habe ich am Wochenende gesehen, dass mein Mann diese Bedenken auch seiner besten Freundin gegenüber geäußert hat und das hat mich irgendwie zutiefst verletzt. Ich habe Angst, dass das Baby unsere Ehe kaputt macht. Mir geht seit dem ständig der Gedanke durch den Kopf, dass es besser gewesen wäre wenn das Kind nicht da wäre, wenn ich nicht schwanger wäre.
Ich will so wirklich nicht denken und es ist ein geplantes Kind. Aber die Verzweiflung lässt mich nicht mehr los. Mein Mann und ich streiten uns seit dem nur noch: er fühlt sich von mir nicht genug beachtet und ich hab das Gefühl das er mich links liegen lässt.
Ich hatte Samstag einen Heulkrampf und konnte bestimmt eine halbe Std/ Stunde nicht aufhören zu heulen. Das hat mein Mann allerdings nicht mitbekommen.
Ich fühle mich zur Zeit so einsam. Ich hab es meinem Mann auch gesagt, in dem Moment wo ich es gesagt hab, hat er sich auch Gedanken gemacht, aber 1-2 Tage später scheint er das schon nicht mehr zu wissen.
Sonst können wir über alles reden und klar, wir streiten auch mal. Aber selten so schlimm.
Ich hab ohnehin immer die Angst das er mich irgendwann verlässt, er verdient einfach jemand besseren. Ich hab es von Anfang an nicht geschafft ihn wirklich glücklich zu machen hab ich das Gefühl und er hat mir in schlimmen Streitereien auch schon 1-2x mit der Scheidung gedroht.
Ich hab ihm gesagt, das mich das tief verletzt und meine Ängste dadurch immer schlimmer werden, er hat es auch seit dem nicht wieder gesagt, aber die Angst ist da. Die Ängste werden immer schlimmer.

Ich hoffe es ist nicht zu durcheinander für euch :-/

Astrid
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Re: Meine Verzweiflung

Beitrag von Astrid » 18:06:2018 20:35

Hallo Du lieber Schwarzer Hase,

herzlich willkommen hier. Nein, deine Geschichte war nicht zu durcheinander. Und eigentlich kann ich diese ganzen Gedanken und Gefühle wirklich nachvollziehen. Ich glaube, auch ich hatte bei meinem ersten Kind/ Schwangerschaft diese Gedanken. Nur hatte ich einen Partner an meiner Seite, der wirklich in sich ruht, und mir die Ängste nehmen konnte. Bei euch ist das eine blöde Kombination. Trotzdem liebt ihr euch doch und wolltet dieses Kind. Vielleicht wäre es gut, wenn du deinem Mann schreibst. Ihm sagst, dass du ihn von Herzen liebst, schwanger bist mit seinem/eurem Kind und genauso unsicher bist wie er, was sich alles verändern wird. Und das dir das auch Angst macht. Dass Du aber weisst, dass ihr zwei das schaffen werdet, und dass man immer ganz viel Hilfe bekommen kann. Dass ihr Familie/ Freunde/ Ämter... mit ins Boot holt, wenn etwas nicht klappen sollte, oder euch zuviel wird. Ihr seid nicht alleine!!! Dein Körper wird sich verändern, deine Seele auch. Ihr werdet eine Verantwortung für ein völlig hilfloses Wesen übernehmen, dass macht Angst, aber auch unglaublich glücklich. Dieses Wesen wird euch lieb haben und eine Familie aus euch machen. Ihr könnt weiterhin ein Paar, Freunde und Liebende sein, es kommt nur ein weiterer Aspekt hinzu, ihr werdet auch Eltern sein. Daran muss man sich gewöhnen und sicher ist es nicht immer toll. Man schläft zunächst wenig, der Alltag dreht sich erst einmal ums Kind. Aber irgendwann entwickelt sich eine Routine und man atmet freier.
Holt euch ganz viel Hilfe und Unterstützung. Stellte einen "Notfallplan" zusammen. Besprecht miteinander, was euch Angst macht. Streit ist nichts schlimmes, es ist eine Art der Kommunikation, bei der auch ein Vertrauen da sein muss. Man streitet sich selten mit Personen, denen man nicht vertraut. Seid ihr beide in Behandlung mit euren Depressionen? Vielleicht wäre es sinnvoll wieder Kontakt mit Arzt/ Therapeuten aufzunehmen, um sofort gegenzusteuern. Hast Du, habt ihr Medikamente genommen? Wie gesagt, es gibt ganz viel Hilfe und ihr seid nicht alleine!!! Schwarzer Hase, ich streichle Dir übers Fell :wink: .

Liebe Grüße von Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
heute gesund ohne Medis
beginnende Wechseljahresbeschwerden

Graureiherin
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Re: Meine Verzweiflung

Beitrag von Graureiherin » 19:06:2018 13:20

Hallo Du,

evtl. könntet ihr euch auch beraten lassen. Es muss nicht sofort eine Partnertherapie sein, es reichen auch oft Beratungsgespräche, um mit Ängsten besser umgehen zu können. Ich denke an diese Möglichkeit, weil Du schreibst, dass Du bereits immer schon das Gefühl hast ihm nicht zu genügen, bzw. das er etwas besseres verdient. Ich denke das solltet ihr in der Partnerschaft bereden, damit sich diese gefühlt gleichwertig für beide Seiten entwickelt.

Die sorgenvollen Gedanken die ihr euch macht, vor allem Dein Mann, sind ein ja stückweit völlig normal. Diese Gedanken sollten nur nicht grundsätzlich eure Beziehung ins Wanken bringen. Dass er seine beste Freundin ins Vertrauen zieht, kann ich verstehen. Es zeigt, dass er sehr verunsichert ist. Ihr solltet aber in ersten Linie miteinander daran arbeiten und er sollte Dich nicht links liegen lasse, wobei das evtl. auch nur Dein Gefühl Ist?

Mit lieben Grüßen

die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
langsame Reduzierung auf 5 mg Escitalopram seit Juli 2017
Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

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