Schaffe ich es

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kapi
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Schaffe ich es

Beitrag von kapi » 21:06:2018 20:29

Hallo zusammen,

ich wollte mich schon länger vorstellen. Heute nun habe ich den Mut dazu. Ich bin 37 und habe im Mai 2017 meinen total knuffigen Sohn zur Welt bekommen. Er ist mein zweites Kind und war sehr groß und sehr schwer. (5060 g und 61 cm). Zwei Monate nach der Geburt bin ich mit Herzrasen zusammengebrochen. Daraufhin hatte ich eine schlimme Panikattacke und seitdem ist nichts mehr so wie es war. Es wurde zwei Monate lang alles untersucht. Leider ohne Befund außer das ich eine starken Eisenmangel hatte. Herzrasen blieb fast durchgehend. Zum Schluss schickte mich meine Hebamme zu einem Psychater der mir daraufhin Mirtazipin verschrieb. Später kam dann noch Escitalopram hinzu. Diagnose: Angst-/ und Panikstörung und mittlere Depression.

Ich muss gestehen das ich panische Angst vor diesen Medikamenten habe. Ich habe Mirtazipin nur bis 15mg eingenommen und Escitalopram bis 8mg. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl das ich total neben mir stehe und wollte es alles nur noch loswerden. Jetzt schlage ich mit mit Laif 900 seit 12.4. durch und eine Besserung ist nicht in Sicht. Es gibt Tage an denen ich viel weine und einfach nicht mehr die Kraft habe diese Sinnlosigkeit weiter zu machen.
Ab Juli habe ich jetzt Gott sei Dank einen Therapieplatz bekommen. Trotzdem ist die stete Angst das sie mir vielleicht auch nicht helfen kann. Das mir keiner helfen kann... Das macht mir Angst und führt dazu wieder in ein tiefes Loch zu fallen. So geht das ganze jetzt schon 11 Monate und kein Ende ist in Sicht.

Heute war ich wieder bei meiner neuen Psychaterin. Sie möchte das ich ein Medikament nehmen. Gibt es hier jemanden der mir die Angst davor nehmen kann? Der ähnlich wie ich panische Angst davor hatte und es doch gewagt hat die richtige Dosis zu nehmen und davon profitiert hat? Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich kämpfe jeden Tag und es soll doch nur endlich wieder aufhören!

engelchen2012
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Re: Schaffe ich es

Beitrag von engelchen2012 » 21:06:2018 20:45

Hallo kapi!

Ich wollte nie antidepressiva nehmen. Ich habe alles versucht, homöopathie, akkupunktur, auch laif900, aber es ging mir immer schlechter. Irgendwann war ich so tief unten, dass ich freiwillig in eine klinik gegangen bin. Die medikamente und natürlich die verschiedenen therapien dort haben mich in 7 wochen wieder soweit gebracht, dass ich mein leben gut meistern konnte. Ich habe auch eine zeit lang mirtazapin genommen, gut um schlafen zu können, hat aber wenig antidepressive wirkung bei mir gehabt. Mein haupt-ad war sertralin und ich gehe soweit, dass ich sage, es hat mir das leben wieder gegeben!!

Hab bitte keine angst, ich habe (im nachhinein betrachtet) zu viel zeit verstreichen lassen, bis ich mich endlich an ein ad rangetraut habe.

Wenn du dich hier ein bisschen einliest, wirst du merken, dass sehr viele hier mit antidepressiva gute erfahrungen gemacht haben.
Vertraue deiner ärztin!!!

Lass dich mal fest drücken, ich wünsche dir eine schnelle besserung!!

Lg, engelchen
seit 25.12.2013 kein mirtazapin mehr!!
seit 16.02.2014 nur noch 100mg sertralin
Und seit Mitte April 2014 nur noch 50mg sertralin
Seit 12.06. ohne AD!

aktuell wieder schwanger, ET 03.04.2015 ;o)
Beginn 50mg sertralin am 14.08.2014, aktuell 100mg

Geburt 2. tochter am 13.03.15, weiterhin 100mg sertralin
Seit 11.03.2016 75mg sertralin
Seit 15.07.2016 50mg sertralin
Seit 08.10.2017 25mg sertralin
Seit 05/2018 12,5mg sertralin
Ab 13.06.2018 ohne AD

kapi
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Re: Schaffe ich es

Beitrag von kapi » 21:06:2018 20:56

Danke Engelchen!
Es ist gut zu lesen, dass du auch alles andere versucht hast und dann doch am Ende ein AD genommen hast. Ich hab auch schon soviel durch... Und es hilft halt auch nichts wirklich. Meine Erfahrungen mit Mirtazipin waren nicht so gut. Aber es hat mich etwas beruhigt.

Wie wirkt ein AD wenn man richtig eingestellt ist? Merkt man das AD - sprich hat man trotzdem Nebenwirkungen. Oder ist man so wie "früher" und merkt eigentlich gar nicht das man eigentlich ein AD nimmt. Weißt was ich meine?

Danke für´s drücken!

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Marika
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Re: Schaffe ich es

Beitrag von Marika » 22:06:2018 9:23

Hallo Kapi,

herzlich Willkommen bei uns. Wir alle verstehen ich zu 100 %, wer nimmt schon gerne ein Medikament. Auch ich war anfangs total dagegen, hatte Angst und dachte ich bin doch kein Freak. :roll: Als er mir dann sehr schlecht ging, habe ich doch damit angefangen - und was soll ich sagen: Es ging Schritt für Schritt aufwärts, nicht sehr schnell, aber es wurde besser und besser bis ich dann wirklich symptomfrei war. Das AD hat mir mein Leben wieder gegeben.

Auch ich hatte Anfangs die Kombi aus Escitalopram und Mirtazapin. Zusätzlich hatte ich noch Tavor, weil ich total am Boden war. Das Mirtazapin habe ich bekommen, um wieder in einen Schlafrythmus zu kommen. Escitalopram wurde paralell dazu langsam von zuerst 5mg auf 10mg, dann auf 20 mg gesteigert. Es dauert einige Wochen, bis man einen Wirkstoffspiegel hat, daher spürt man Anfangs eigentlich nur die NW. Auch eine Art "Erstverschlimmerung" kommt vor, das ist nicht angenehm. Aber danach wenn die Wirkung eintritt, gehts wirklich bergauf. Es lohnt sich also durch zu halten.

Ich würde den Rat deiner Ärztin befolgen und es nochmal probieren. Du hast nur 8 mg genommen, da kannst du gar keine positive Wirkung merken. Erst am 10 mg hat man eine nachweisliche positive Wirkung.

Ich halte zwar auch sehr viel von der Alternativen Medizin, aber bei schwereren Symptomen stößt du da einfach an Grenzen. Es gibt aber in dem Bereich ganz viel, was zu zusätzlich zu einem AD und Therapie machen kannst. Ausnahme ist natürlich das Laif - das geht zusätzlich zum AD nicht.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

nad.be
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Re: Schaffe ich es

Beitrag von nad.be » 22:06:2018 15:59

Hallo und herzlich Willkommen.
Wovor genau hast du Angst bei der Einnahme?

Ich nehme ADs seit 2012 mit Unterbrechung während der Schwangerschaft.
Ich selber kann sagen, dass es mir, seit ich sie nehme, deutlich besser geht.
Ich bin kein anderer Mensch dadurch geworden, ich bin immernoch ich selbst.
Nebenwirkungen hatte ich nur zu Beginn der Einnahme, die nicht schön waren.
Jedoch würde ich mich immer wieder zur Einnahme entscheiden, denn dadurch (und durch Therapie usw.) habe ich wieder ein Stück an Lebensfreude gewinnen können.
So wie bei dir ist auch bei mir eine Angst und Panikstörung diagnostiziert worden.

Hab keine Angst vor den Medikamenten und sprich mit deinem Arzt darüber.

Lg und Kopf hoch
Nadine

engelchen2012
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Re: Schaffe ich es

Beitrag von engelchen2012 » 24:06:2018 17:37

hey!

ich hatte anfangs auch nebenwirkungen, weil das AD in der klinik auch sehr schnell gesteigert wurde. aber lieber ein paar tage mit nebenwirkungen und es wird dann besser als keine nebenwirkungen, aber auch keine veränderung!!

ganz wie früher wurde ich nie mehr, aber im positiven sinn. wenn man das alles mal durch hat, sieht man die welt mit ganz anderen augen. man lernt das leben, die gesundheit, familie und freunde ganz anders zu schätzen. und man hat viel mehr verständnis, wenn es anderen schlecht geht. es gibt also durchaus auch positive entwicklungen nach einer solchen erkrankung.

lg
seit 25.12.2013 kein mirtazapin mehr!!
seit 16.02.2014 nur noch 100mg sertralin
Und seit Mitte April 2014 nur noch 50mg sertralin
Seit 12.06. ohne AD!

aktuell wieder schwanger, ET 03.04.2015 ;o)
Beginn 50mg sertralin am 14.08.2014, aktuell 100mg

Geburt 2. tochter am 13.03.15, weiterhin 100mg sertralin
Seit 11.03.2016 75mg sertralin
Seit 15.07.2016 50mg sertralin
Seit 08.10.2017 25mg sertralin
Seit 05/2018 12,5mg sertralin
Ab 13.06.2018 ohne AD

Nelli
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Re: Schaffe ich es

Beitrag von Nelli » 25:06:2018 0:58

Du solltest keine Angst vor den AD haben! Es ist ein Segen, dass es sie gibt.
Probiere es aus. Es ist so: Wenn du psychisch krank bist, stehst du neben dir.
AD können dir helfen, dich wieder mehr zu spüren, also gerade das Gegenteil von dem,
wovor du Angst hast. Ich bin zwar traurig, dass ich nach der Geburt meines Kindes wieder welche
nehmen muss, nachdem ich vorher fast alles abgesetzt hatte - aber ohne sie ginge es gar nicht.
Und vor allem: Das heißt nicht automatisch, dass du sie für immer nehmen musst.
Auch gewöhnt sich dein Körper an eventuelle Nebenwirkungen, bzw. diese verschwinden auch oft wieder.
Ganz wichtig: Sie "manipulieren" dich nicht in deiner Persönlichkeit.

Dian
Beiträge: 11
Registriert: 16:04:2018 14:00

Re: Schaffe ich es

Beitrag von Dian » 27:06:2018 16:05

Hallo,
Du hast schon so viele tolle Nachrichten bekommen aber auch ich möchte nochmal für ADs sprechen.
Ich hatte meinen Zusammenbruch im März 2018 ca. 5 Monate nach der Geburt meiner 2. Tochter.
Im Februar war ich erstmals bei meiner Hausärztin. Sie verschrieb mir Venlafaxin. Nach langem Ringen hab ich eine genommen und total schlecht drauf reagiert.
Im Nachhinein war klar, dass ich wegen Panikattacken, innerer Unruhe und Schlafstörungen etwas sedierendes brauchte und Venlafaxin wirkt da ja eher gegenteilig. So bekam ich im April Mirtazapin. Mit riesigen Vorbehalten nahm ich sie ein, meinte jeden Abend nach der Einnahme ich würde sterben, sei womöglich nicht mehr ich selbst usw. Ich hab da ganz schlimme Panik geschoben, konnte aber plötzlich wieder schlafen. Als dann die Neurologin meinte, ich solle auf 30mg steigern, ging der ganze Zirkus wieder von vorne los. Hatte ich mich doch gerade erst mit den 15mg abgefunden.
Heute denke ich, meine Bedenken waren zum großen Teil mit Schuld an den "Nebenwirkungen". Ich meinte ja immer, es müsse was passieren und ich müsse mich verändern.
Als nach 4 Wochen Einnahme (vom ersten Einschleichtag an gerechnet) noch Symptome da waren, fühlte mich einmal mehr bestätigt, dass "dieses Teufelszeug doch nichts bringt ausser noch mehr Problemen". Ich hatte aber keine Wahl und bin dran geblieben und siehe da schon kurz später (etwa nach 8 Wochen) war ich symptomfrei. Natürlich gibt es immer noch gute und weniger gute Tage aber ich denke, dass diese Wellenbewegung normal ist.
Also: ich kann die nur raten dran zu bleiben! Es ist ein Medikament aber bei Kopfschmerzen nimmst du ja auch eine Tablette und bei Grippe Antibiotika!

Und zur Therapie: das ist der wirkliche Segen! Ich lerne dabei so viel und auch wenn diese Termine deutlich anstrengender sind, als ich zu ahnen gewagt hätte, möchte ich sie nicht missen. Dabei hat meine Therapeutin gleich zu Anfang gesagt "Sie werden nicht mehr werden wie früher!" Das hat mich total geschockt und dann schob sie nach "Schliesslich hat das sie so weit gebracht und da wollen sie doch nicht mehr hin."
06/2014 Geburt der 1. Tochter - keine PPD
11/2017 Geburt der 2. Tochter
04/2018 Diagnose Belastungsstörung und PPD

aktuell 30 mg Mirtazapin und Gesprächstherapie

kapi
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Re: Schaffe ich es

Beitrag von kapi » 08:08:2018 19:54

Hallo ihr Lieben!
Erstmal vielen vielen Dank für all die vielen lieben Nachrichten!
Ich arbeite aktuell noch an meiner Einstellung zu Medikamenten. Ich habe allgemein eine Angststörung Medikamenten gegenüber. Ich nehme noch nicht mal Kopfschmerztabletten... Ich nehme immer noch mein Laif 900 und gehe zur Therapie. Meine Psychaterin ist eine ganz tolle. Sie ruft regelmäßig an und unterstützt mich in meinen Entscheidungen. Wenn ich mich doch wieder für Mirtazipin entscheide steht sie auch hinter mir.

Und dir Dian: Ja genauso ging es mir auch. Als ich das erste mal Mirtazipin nehmen musste wollte ich danach schnell auf´s Klo und sie mir wieder rausholen. Ich habe totale Panik geschoben. Diese Angst bleibt bis heute bestehen. Ich habe Mirtazipin 9 Monate in Mini-Dosis genommen. Zum schlafen ging das ganz gut.

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