Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

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Sternenkind777
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Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Sternenkind777 » 02:08:2018 17:10

Hallo!

Ich bin neu hier und hoffe auf gleichgesinnte zu treffen bzw. Ratschläge/Hilfe zu bekommen.
Ich habe eine 3-jährige Tochter per Notkaiserschnitt entbunden. Seit der Geburt geht es mir nicht mehr wirklich gut. Ich habe viele Ängste, Kontrollzwang, kein Glücksgefühl/ Freude, innere Unruhe, Unausgeglichenheit, Überforderung, keine Motivation, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und bin dauernd (alle 3-4 Wochen) krank – grippale Infekte mit Husten, Halsweh, Schnupfen,.. Das habe ich aber die erste Zeit verdrängt bzw. auf die Müdigkeit durch das Baby/Kleinkind und die durchwachten Nächte geschoben. Ich hatte die ersten Tage im Krankenhaus auch so gut wie keine Bindung zu meiner Tochter, da ich sie erst 3 Stunden nach der Geburt das erste Mal gesehen habe. Als wir dann am 5. Tag im Krankenhaus nach Hause durften, war das erste was ich daheim gemacht habe Staub zu saugen und die ganzen Sachen aus dem KH zu verräumen. Meine Tochter war die ersten Tage dann viel bei meinem Mann im Erdgeschoss während ich im Obergeschoss im Bett gelegen bin und er hat sie mir dann zum Stillen gebracht. Ich hatte kein Bedürfnis sie immer in meiner Nähe zu haben. Das war wohl auch die fehlende Bindung. Versteht mich bitte nicht falsch, ich liebe meine Tochter über alles und vermisse sie schon extrem, wenn sie mal 2 Tage bei ihrer Tante ist aber die Gefühle die ich oben beschrieben habe sind halt auch da und ich bin dann auch mal froh wenn sie 1 Tag im Kindergarten ist und ich einfach nur daheim sein kann.
Es fällt mir schwer, mich ½ Stunde intensiv mit meiner Tochter zu beschäftigen. Ich muss dazusagen, sie fordert mich auch sehr. Sie hängt rund um die Uhr an mir, ich kann weder allein auf die Toilette gehen, noch im Mittag richtig kochen weil sie immer getragen werden will und sich nicht wirklich allein beschäftigen kann. Wir haben ein großes Haus und einen wunderschönen Garten. Ich kann aber nichts von allem genießen, da ich durch meinen Perfektionismus immer hinterherräume und nie entspannt bin. Ein Ordnungszwang ist wohl auch nach der Geburt dazugekommen. Während der Schwangerschaft und auch während den ersten 1,5 Jahren unserer Tochter hatten wir noch sehr viel im neuen Haus zu tun, welches wir gebaut haben und mit Beginn der SS bezogen haben. Während der SS habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht, wie ich die erste Zeit mit dem Baby zurechtkommen soll, da sich mein Mann nach dem Krankenhaus nur 1 Woche Urlaub nehmen konnte.
Die Schwangerschaft war leider auch nicht sehr schön, hatte in der 8. Woche einen schweren Migräneanfall mit Aura (mit 2 Wochen stationärem Krankenhausaufenthalt), nachdem ich 2 Wochen Angst hatte, die Schwangerschaft meinem Dienstgeber mitzuteilen. Seitdem habe ich regelmäßig Migräne, was ich vorher nicht kannte. Habe auch seit der Geburt immer wieder mit Schwindelgefühl zu kämpfen.
Seit 1,5 Jahren haben wir auch wieder einen Kinderwunsch. Leider bislang unerfüllt, obwohl es bei unserer Tochter damals sofort geklappt hat. Ich weiß nicht, ob es auch vielleicht daran liegt, dass es mir nicht gut geht.

Ich denke erst seit kurzem bewusst über meine Situation nach und dass es so nicht weitergehen kann. Ich wünsche mir einfach so sehr, dass ich wieder glücklich sein kann.
Ich weiß auch nicht ob es eine postnatale Depression ist/war oder sonstiges aber ich möchte so nicht mehr weiterleben und schleunigst etwas an meiner/unserer Situation ändern.

Astrid
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Astrid » 03:08:2018 10:30

Hallo Sternenkind,

herzlich willkommen. Ich lese so viel Traurigkeit aus deinen Zeilen... . Ich weiss auch nicht, ob es eine PPD ist, aber das ist auch egal. Es hört sich in vielem so an, und ich kann einiges nachempfinden und verstehen. Das Geklammere vom Kind und keine Freiheit mehr zu haben, hat mich auch sehr fertig gemacht. Hatte auch eine sehr zwiespältige Empfindung gegenüber meinem Kind und immer ein schlechtes Gewissen, und das Gefühl nicht gut genug als Mutter zu sein. Aber das war alles nur in meinem Kopf, vermutlich habe ich viel zu viel um meinen Sohn herumgeturnt, aus dem schlechten Gewissen heraus. Meine Frage ist, warst Du schon in irgendeiner Behandlung? Hast Du mit deinem Hausarzt, Frauenarzt, Hebamme gesprochen?? Vielleicht hast du auch ein hormonelles Ungleichgewicht, was deine Psyche und auch die weitere Schwangerschaft beeinflusst. Ist die Schilddrüse kontrolliert worden? Hast du auch noch andere körperliche Beschwerden? Ich bin froh zu hören, dass du gerne noch ein zweites Kind möchtest. Das ist alles noch möglich, setzte dich nicht zu sehr unter Druck. Du hast angefangen Hilfe zu suchen, und das ist der erste Schritt. Zu den Zwangsstörungen kriegst du sicher noch mehr Infos von den anderen, da bin ich nicht fit. Ganz liebe Grüße von Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
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Sternenkind777
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Sternenkind777 » 04:08:2018 14:05

Liebe Astrid! Danke für deine Antwort.

Nein, ich bin noch in keiner Behandlung. Habe auch noch mit niemandem darüber gesprochen ausser mit meinem Mann. Bezüglich Hormonhaushalt habe ich in Bezug auf den erneuten Kinderwunsch einen Hormonstatus machen lassen - lt. dem passt alles. Schilddrüse ist auch in Ordnung. TSH ist leicht erhöht aber nicht schlimm. Körperlich halt "nur" Migräneanfälle, Schwindel und das dauernde krank sein. Hätte die letzten Wochen versucht mir irgendein Hobby, Sport,... zu suchen, kann mich aber einfach nicht motivieren :-( Werd mich jetzt mal erkundigen ob es einen guten Therapeuten bei uns in der Nähe gibt und mir dann einen Termin für ein Erstgespräch ausmachen. Ich hoffe dass ich bald wieder positiv denken kann und glücklich sein kann. Liebe Grüße

Astrid
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Astrid » 04:08:2018 15:50

Hallo Sternenkind,

das deine Hormone in Ordnung sind, ist doch schonmal gut. Diesen Punkt kannst du abhaken... . Hast Du schon pflanzliche Mittel ausprobiert? Z.B. Johanniskraut, Neurexan, Lioran etc.? Schüssler Salz Nr. 5? Ist Eisen und Vitamin D überprüft worden? Ich hatte einen starken Vitamin D Mangel und war völlig von der Rolle... . Ein großes Blutbild wäre vermutlich nicht schlecht. Es könnte dir erst einmal aus dem schlimmsten Tief helfen. Wenn du alles "organische" ausgeschlossen hast, wäre ein guter Therapeut wegen deiner Ängste und des Kontrollzwanges sicher sinnvoll. Darf ich dich fragen, wie es zu dem Notkaiserschnitt gekommen ist? Hattest Du schon vor deiner Schwangerschaft Probleme mit Zwängen oder Ängsten? Guck doch mal auf die Liste hier von Schatten und Licht, wegen der Therapeuten/Ärzte. Auf der Betroffenenliste, kannst du auch Frauen aus deiner Umgebung finden, die dir in dieser Richtung auch noch Tipps geben können und von ihren Erfahrungen berichten können.
Ich finde es übrigens toll, dass Du versucht hast ein Hobby oder Sport für dich zu suchen. Das ist unglaublich. Vielleicht hilft es dir zu überlegen, was dich vor der Schwangerschaft und vor dem Kind glücklich gemacht hat. Bei mir war es singen und Sport. Es ist mir während meiner Krankheit nicht gelungen etwas in der Art zu machen, aber auf dem Weg der Besserung, hat es mich sehr sehr unterstützt. Du kannst auch anfangen ein Glückstagebuch zu führen, dort kannst du Dinge eintragen, die dich glücklich gemacht haben, bzw. die positiv für dich waren. Es muss nichts großartiges sein, der Duft von frischem Kaffee, oder knusprigem Brot, kalte Kinderfüße am Bauch, der Geruch von frisch gewaschenem Haar, ein Schmetterling, ein lautes Lachen, ein freundliches Wort... . Es hilft in den dunklen Stunden und sind kleine Lichtstrahlen, die einen aufrecht erhalten.

Ganz liebe Grüße Astrid
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Sternenkind777
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Sternenkind777 » 05:08:2018 16:41

Hallo Astrid! Nein pflanzlich habe ich noch nichts ausprobiert. Eisen und Vitamin D ist bei mir immer schon zu niedrig bzw. hatte ich nach dem Notkaiserschnitt aufgrund des hohen Blutverlustes einen starken Eisenmangel und musste 2 Monate Eisentabletten nehmen. Der Wert wurde dann nochmal kontrolliert und war laut Arzt ok. Diverse Ängste hatte ich schon vor der Schwangerschaft, Zwänge aber eigentlich nicht, zumindest wär mir das nicht bewusst.
Ich hatte schon zu Hause 2 Tage lang "leichtere Wehen" und nichts mehr geschlafen.
Im Krankenhaus hatte ich dann nochmal 28 h Wehen mit einer PDA die "verstochen" wurde und durch diese nur mein Fuß taub wurde und sonst nichts. Der Muttermund ist innerhalb dieser 28 h inkl. Blase aufstechen, Wehenförderer, Wehenhemmer,.... nur 5 cm aufgegangen. Während der letzten 12 Stunden durfte ich nichts mehr essen, da die Ärzte immer wieder wegen Kaiserschnitt hin und her überlegt haben. Zum Schluss waren die Herztöne meiner Tochter nicht mehr in Ordnung und es wurde ein Notkaiserschnitt gemacht - Nachts ohne meinen Mann. Der durfte nicht mit in den OP. War dort dann ganz alleine und nach dem KS wurde meine Tochter sofort rausgebracht und später zu meinem Mann und ich musste 3 h im OP zur Beobachtung bleiben. Meine Tochter hatte dann einen Tag lang aufgrund von Infektionsgefahr ein Atemkontrollgerät angehängt.

In der Schatten und Licht Liste sind leider keine Therapeuten in unserer Nähe. Ich hätte gestern eine Therapeutin im Nachbarort angeschrieben, die nimmt leider keine neuen Patienten mehr :-(

Bei mir hilft Musik auch sehr. Wenn ich mal eine "gute Phase" hab und mir dann meine Lieblingsmusik laut aufdreh geht es mir meist gleich noch viel besser. Lesen mag ich auch recht gern. Da bin ich dann kurzzeitig "in einer anderen Welt". Auch wenn wir wo zu Besuch sind oder einfach nur unterwegs geht es mir besser. Ich hab das Gefühl wie wenn mir zu Hause die Decke auf den Kopf fällt. Ich fühl mich auch überhaupt nicht wohl, obwohl wir wirklich ein tolles Haus haben - genau so wie ich es mir immer gewünscht hab. Das Glückstagebuch ist eine schöne Idee. Werd ich mir auf jeden Fall überlegen. Heute geht es mir leider wieder nicht gut. Mein Mann und ich hatten jetzt 2 Wochen Urlaub und morgen startet wieder die Arbeit. Werde die Woche wieder viel allein sein mit unserer Tochter....
Liebe Grüße und danke für deine Worte

Astrid
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Astrid » 05:08:2018 18:05

Hallo Sternenkind,

du hattest wirklich eine "Horrorgeburt" mit ganz viel Angst um Dich und dein Kind, da ist es nicht wirklich verwunderlich, dass Du Ängste und Zwänge entwickelt hast. Dieses ausgeliefert sein und keine Kontrolle mehr über sich und seinen Körper zu haben, hat mich auch völlig fertig gemacht, und dabei hatte ich eine im Vergleich dazu Traumgeburt... . Auch das Gefühl des alleine seins, ohne Unterstützung durch eine vertraute Person ist nicht gerade hilfreich. Ich glaube, die Seele macht da echt dicht. Es ist schade, dass es keine Therapeuten bei Schatten & Licht für dich gibt. Hier bei uns in der Nähe ist auch ein echtes Notstandsgebiet, was das angeht... . Aber ich habe festgestellt, dass andere betroffene Frauen meist noch Adressen in petto haben. Nicht alle Ärzte lassen sich listen. Meine Therapeutin steht zum Beispiel auch nicht drauf. Versuch es doch ruhig mal mit pflanzlichen Mitteln. Zur Überbrückung. Manchmal gibt es in der Nähe auch "Heilpraktiker Psychotherapie", die sind nicht so überlaufen. Oder eine psychologische Beratungsstelle, bzw. eine psychologische Notfallambulanz. Du kannst auch deine Krankenkasse anrufen, und um Hilfe bitten. Die haben oft auch einen ganz guten Überblick. Ja, auch mich hat der Alltag nach dem Urlaub wieder, es ist immer wieder ein Graus... . Und wenn man in einer Krise steckt sowieso, damals bin ich daran fast kaputt gegangen. Wusste nicht wie ich den Tag schaffen sollte. Geht dein Kind schon in den Kiga/Krippe? Hast Du morgens wenigstens Zeit? Vielleicht kannst du einen Babysitter engagieren, damit du eine Auszeit bekommst. Gerade wenn das Kind so klammert,ist das ein Segen. Oder eine "Leihoma" oder jemand anderen, wo die Kleine gerne mal hingehen würde. Habt ihr so etwas wie einen Kinderwagentreff oder eine Krabbelgruppe, wo du andere Mamas mit Kids treffen kannst? Oder Kinderturnen etc.? Mein Sohn war allerdings auch bei so etwas eine Klette und ging nicht von mir weg. Aber ich kann dich trösten, jetzt mit fast 12 ist er wirklich sehr selbstbewusst und selbstständig, es wird also besser :? , dauert halt.
Ich kann verstehen, dass das neue Haus, so sehr es auch dein Traumhaus ist, nicht wirklich Sicherheit und Ruhe vermittelt. Du selber fühlst dich einfach nicht so, und verbindest mit diesem Ort auch noch nicht so viele positive Erlebnisse und Gefühle. Dass kommt sicher noch, ihr habt ja noch ganz viel Zeit. Dazu kommt, dass du alles in Ordnung und unter Kontrolle haben willst, bei einem großen Haus und Garten ist das nicht gerade leicht. Vor allem mit kleinem Kind, was ungeteilte Aufmerksamkeit will. Ich habe es gehasst nichts im Garten machen zu können, ohne das einer gekräht hat. Dabei macht auch gärtnern glücklich... . Ich hoffe du findest bald gute Hilfe. Halte durch, es lohnt sich...

Alles Liebe von Astrid
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Sternenkind777
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Sternenkind777 » 05:08:2018 18:35

Es tut schon so gut einfach mit jemandem darüber zu reden, Erfahrungen auszutauschen bzw. wenn jemand zuhört. Danke :-)
Schlimmer ist es eigentlich geworden, seit ich wieder 3 Tage die Woche arbeite (sehr schlechtes Arbeitsklima im Büro, die Kollegen waren nur grantig zu mir / haben mich ignoriert wenn ich mal 2 Tage im Krankenstand war bzw. mal 1 Tag Pflegeurlaub brauchte weil meine Tochter krank war. Die Tage an denen ich arbeite geht meine Tochter in die Krabbelgruppe. Was leider sehr stressig ist, da ich 12 h die Woche arbeite und meine Tochter an den 3 Tagen nur bis halb 12 bleiben kann. Somit müssen wir schaun, dass wir morgens bis spätestens 7 Uhr ausser Haus sind, damit ich meine 4 h arbeiten zusammenbekomme und sie rechtzeitig abholen kann. Mein Mann fängt immer schon um 5 zu arbeiten an und ich bin alleine mit ihr. Das ändert sich aber jetzt weil ich mir eine Auszeit nehme - 1 Jahr Bildungskarenz. Das habe ich vor 3 Wochen mit dem Dienstgeber vereinbart, hab zwar auch schon wieder Bammel vor der Ausbildung/dem Lernen aber ich hoffe dass mir die Abwechslung gut tut.

Kinderturnen, etc. ist bei uns in der Gegend sehr schwierig. Bis sie 1 Jahr war, war ich wöchentlich 1 mal in einem Stilltreff, was mir sehr gut getan hat, da darf man aber nur bis 1 Jahr hingehn. Die Omas sind auch beide in der Nähe, arbeiten aber noch und haben in der "Freizeit" auch eher selten Zeit. Ich glaube die negative Verbindung zu unserem Haus habe ich einfach weil mit dem Einzug/Beginn der SS alles begonnen hat. Ich denke mir, sie spürt einfach wie schlecht es mir geht und hängt auch deshalb so sehr an mir. Es ist teilweise echt extrem, da darf sie jemand anderer (auch der Papa) garnicht ansprechen und sie will nur auf mir sein und den ganzen Tag getragen werden. Ich hoffe, dass das auch leichter wird sobald es mir wieder besser geht.
Liebe Grüße und einen schönen Sonntagabend

Astrid
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Astrid » 08:08:2018 13:54

Hallo Sternenkind,

ich finde du machst ganz viel richtig!!! Zu erkennen, dass einem eine Situation nicht gut tut, und dann daran etwas zu ändern (wie bei dir die Arbeit), ist richtig toll. Dadurch wird eine Menge Druck erst einmal wegfallen. Wissen Deine Eltern/ Schwiegereltern, wie es um Dich steht? Denn selbst wenn sie noch arbeiten, könnten sie am Wochenende doch mal die Kleine nehmen und dich entlasten. Ich habe festgestellt, dass es wichtig ist so viel Hilfe anzunehmen, wie es geht. Egal woher sie auch kommt. Kannst du auch mal weg, und eine Freundin besuchen, oder eine Auszeit bekommen? So dass dein Mann auf deine Tochter aufpasst. Ja das Klammern kenne ich nur zu gut, auch mir haben sie suggeriert, dass ich als Mama die Hauptperson bin, und durch meine Krankheit habe ich das auch geglaubt. Aber es geht auch anders. Selbst wenn sie nur an dir klebt, mit drei Jahren kommt sie bald in den Kiga und da dürfen Mamas auch nicht mit hin :-) . Ist ja kein Mamagarten... . Sie versteht bestimmt schon eine Menge, und du kannst ihr auch erklären, dass du sie lieb hast und immer für sie da sein wirst, auch wenn sie nicht dauerhaft an dir klebt. Kannst du einschätzen, wann es besonders extrem ist, und wann nicht?
Wäre es eine Mögichkeit für dich in Mutter Kind Kur zu fahren? Ich bin gefahren, aber meine Kinder waren da schon älter, und ich stabil. Aber ich habe es sehr genossen, Hatte unglaublich viel Zeit für mich und die Kinder hatten eine tolle Betreuung. Ich habe nette Frauen kennengelernt und viele Tipps für Zuhause mitbekommen. Ich bin damals zur Kurberatung der Caritas gegangen, die haben mir sehr geholfen und das richtige Haus für mich gefunden. Es gibt auch Mutter/Vater/ Kind Kuren, falls das für euch in Frage kommt. Ganz liebe Grüße von Astrid
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Sternenkind777
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Sternenkind777 » 08:08:2018 14:37

Danke :-)
Mit meiner Mama habe ich gestern gesprochen und sie hat gesagt ihr war das nie so bewusst, dass es mir nicht gut geht. Nach aussen hin hat immer alles so "perfekt" gewirkt bzw. wenn ich halt mal geweint hat weil ich so fertig war, hat sie nicht gedacht dass es so "ernst" ist. Sonst weiß niemand davon. Die Omas müssen sowieso oft mal am Wochenende einen Abend her halten weil etwas ist, ich hab dann immer ein schlechtes Gewissen wenn ich dann nochmal zusätzlich um Hilfe bitte. Aber ich weiß, ich sollte da umdenken.... Hab jetzt einen Termin bei einer Psychotherapeutin in 2 Wochen. Bin schon sehr gespannt darauf. Mein Mann ist halt auch sehr sehr eingespannt - übernimmt die elterliche Firma und kann sich nie freinehmen. Er arbeitet 60 Stunden die Woche und hat im Jahr insgesamt 3 Wochen Betriebsurlaub (Sommer/Winter) und das wars. Zwischendurch mal einen Tag Urlaub oder auch nur ein paar Stunden früher heimkommen geht garnicht. Das ist halt echt schwer für mich und ich wollte das lange nicht akzeptieren. Es ist aber so wies ist und ihm gefällt die Arbeit und ich will nicht, dass er wegen mir was anderes macht.

Meine Kleine ist schon sehr weit für ihr Alter, sie hat mit 1 zu sprechen angefangen und ich denk mir oft, dass manchmal sie die "Stärkere" von uns zwei ist und dann versucht mich zu trösten. Ich glaub dass sie einfach merkt, dass es mir nicht gut geht und drum klammert sie so extrem. An den Tagen an denen ich viel genervt und überfordert bin ist es meist noch schlimmer. Da weicht sie keine Sekunde von meiner Seite und ist dann auch sehr weinerlich.
Mutter-Kind Kur kenne ich nicht. Gibt's da Infos im Internet? Ist das selbst zu bezahlen? Das nächste halbe Jahr gings sowieso nicht, da ich ja eine Weiterbildung mache, die 3 Abende die Woche stattfindet.

LG

Astrid
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Astrid » 08:08:2018 18:50

Hallo Du,

das hab ich mir fast schon so gedacht. Ich glaube, da ticken wir alle gleich. Aber es ist nicht richtig, die anderen, das heisst Mann und Omas, Opas aus der Verantwortung rauszunehmen. Wel man kann nicht die ganze Last der Welt alleine auf den Schultern tragen, Und in dir ist noch eine Baustelle, die du bearbeiten musst, und dafür brauchst du deine ganze Kraft. Da ist es gut, wenn man eine Menge Mitstreiter hat. Und krank sein, will keiner gerne. Eine Mutter Kind Kur bezahlt die Krankenkasse, bzw. die Rentenkasse. Am besten ist, du sprichst deinen Hausarzt darauf an, oder auch deinen Therapeuten. Freue mich, dass Du in 14 Tagen einen Termin bekommen hast :-) ... . Es geht voran! Einen Antrag für die Kur musst du bei der Krankenkasse stellen. Die Caritas hilft dabei super, so dass sie auch nicht abgelehnt wird. Die Kur dauert ca. 3 Wochen. Mit Anwendungen / Gesprächen für Dich, und Betreuung fürs Kind. Im Internet kannst du dich auch schlau machen.

Das deine Tochter so weit ist, ist doch toll und eben auch anstrengend... . Sie spiegelt deine Gefühle und merkt genau wie es dir geht. Da ist es ja vielleicht gut ihr zu sagen, dass sie dir mehr hilft, wenn sie dich einen Moment in Ruhe lässt, und es Mama dann wieder besser geht, Und das es nichts mit ihr zu tun hat, wenn du traurig bist.

Du machst das richtig gut. Halte weiter durch

Astrid
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kapi
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von kapi » 08:08:2018 19:42

Hallo Sternenkind,
auch ich will dir mal schreiben. Ich kenne dieses Gefühl auch sehr gut. Wir sind vor 3 Monaten umgezogen. In ein schönes Haus mit Garten. Haben uns einen kleinen MiniBauernhof erschaffen. Alles toll. So wie ich es immer haben wollte. Trotzdem kann ich es nicht genießen und empfinde keine richtige Freude darüber.

Meine PPD hat vor 1 1/2 Jahren angefangen. Nach der Geburt meines zweiten Kindes. Seitdem ist es richtig schlimm. Ich weiß aber mittlerweile das es nach der Geburt meines 1. Kindes schon anfing. Es ging/geht mir wie dir. Ich bin auch sehr viel alleine mit meinen beiden Kindern. Sie gehen erst seit kurzem hier in den neuen Kindergarten aber ab um 11:30 Uhr habe ich sie beide zu Hause. Das ist manchmal wirklich die Hölle für mich! Das bespaßen an jedem Tag. Immer da sein. Manchmal möchte ich mich einfach nur verkriechen aber das geht nicht. Wenn sie dann Abends im Bett sind, komme ich nicht mehr zur Ruhe. Bin total kribbelig habe auch einen enormen Aufräumzwang entwickelt. Alles muss perfekt sein, bis zur Erschöpfung.

Ich hatte zwei Antidepressiva ausprobiert. Aber aufgrund meiner zusätzlichen Angst- und Panikstörung, gerade auch was Medikamente angeht, habe ich sie wieder abgesetzt. Ich nehme jetzt Laif 900 - ich denke sie helfen nicht so gut wie richtige Antidepressiva. Aber ich traue mich einfach nicht ran. Zusätzlich habe ich eine Therapie begonnen.

Du bist nicht alleine damit! Das ist das wichtige!

Ich drück dich ganz dolle!

Kapi

Sternenkind777
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Sternenkind777 » 08:08:2018 21:16

Liebe Astrid! DAnke für deine ganzen Infos und das Zuhören. Es tut sehr gut, wenn man verstanden wird.
Ich weiß auch, dass ich mir mehr Unterstützung holen sollte, bin aber meist "zu gut" und mag keine Konflikte, weshalb ich mich dann oft nicht traue zu fragen... Werd aber versuchen, dass ich das in den Griff kriege.
Mutter Kind Kur hört sich sehr interessant an. Werd mir da noch ein paar Infos einholen und dann mal zur Therapeutin gehen und dann weiterschauen was sich ergibt.
Hab halt irgendwie Angst, wenn meine Tochter immer wieder mitkriegt, dass ich nicht "gesund" bin bzw. wie es mir geht, dass es bei ihr auch irgendwelche Folgen hat. Sie ist noch so klein und muss schon so viel Traurigkeit/Probleme ertragen.

Liebe Kapi!
Du sprichst mir aus dem Herzen. Und es tut einem einfach selber so weh, wenn man alles hat was man sich gewünscht hat, und dann nicht glücklich/zufrieden ist. Man fühlt sich dann so schlecht....
Geht es dir besser, seit sie vormittags in den KIGA gehen? Kannst du die Zeit dann für dich genießen, dich entspannen, oder eher nicht? Ich bin den einen Tag in der Woche, wo ich nicht arbeite und meine Tochter im KIGA ist dann dauergestresst, will alles in Ordnung bringen, aufräumen,.... und kann die Zeit für mich garnicht genießen. Ich hoffe dass das jetzt anders wird, wenn sie 4 Vormittage im KIGA ist und ich erst Abends Kurs hab. DAs ich mir dann zumindest einen oder zwei Vormittage für mich rausnehm und mir was such was mir Spaß macht.
Ich möchte am liebsten garkeine Medikamente nehmen. Bin persönlich sehr weit weg von der Schulmedizin seit ich meine Tochter geboren habe und versuch so gut wie möglich mit der Natur zu unterstützen. Wenns natürlich nicht anders geht hilft es eh nichts. Aber ich hoffe, dass eine Therapie hilft und ich drum rum komme.
Liebe Grüße euch beiden und einen schönen Abend

Astrid
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Re: Vorstellung und Hoffnung auf Hilfe

Beitrag von Astrid » 10:08:2018 10:35

Hallo Du,

die Angst, dass mein Sohn Schaden nimmt, bzw. Schaden genommen hat, hat mich noch ganz lange verfolgt. Bei jedem "Problem", jeder eventuellen "Auffälligkeit" habe ich gedacht, dass kommt von meiner Erkrankung und er hat jetzt den Knacks weg... . Ich deswegen extra nochmal in Therapie gegangen, weil mich das so fertig gemacht hat. Ob die Therapie in dem Zusammenhang etwas gebracht hat, weiss ich nicht. Am meisten hat geholfen, dass ich nochmal ein Kind bekommen habe, und meine Tochter, die ich ohne PPD erleben durfte, sich ganz ähnlich wie mein Sohn entwickelt. Jetzt merke ich erst, dass manche Entwicklungschritte einfach normal sind. Mein Sohn ist und war immer sehr fordernd, er konnte sich früh äußern und sprechen, und er war lange sehr unselbständig, "Du sollst das machen" :-) . Und wenn ihm heute Sachen unangenehm sind, ist das immer noch so. Mein Mann und meine Schwiegermutter haben ihn allerdings, als er klein war auch sehr verwöhnt. Grenzen bekam er nur von mir gesetzt. Trotzdem ist er jetzt ein lieber, aufgeschlossener Junge. Er weiss von meiner Erkrankung, und wollte sehr viel darüber wissen. Er hat mal zu mir gesagt, "Mama das war dann aber schlimm für dich. Gut das Du mich hattest und dir deine Ärztin geholfen hat." Die Kinder kommen damit klar. Sie bekommen mit, dass es uns schlecht geht, und versuchen darauf zu reagieren. Denke, wenn deine Tochter jetzt mehr in Fremdbetreuung geht, dann wird es für dich leichter. Sie ist zwar noch klein, aber sie ist gesund und du versorgst sie, sie leidet keinen Hunger/Durst, sie wird nicht verhauen, sie wird gekleidet und betreut. Du bespielst sie, du versuchst dein Bestes. Mehr geht im Moment nicht. Das ist schon ganz schön viel. Meist machen wir PPD Mamas aus unserem schlechten Gewissen heraus viel mehr mit den Kids, weil wir nicht das richtige empfinden und meinen es wieder gut machen zu müssen. Das habe ich bei meinem zweiten Kind gemerkt, die lange nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen hat, wie der Große.

Liebe Grüße Astrid
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