Mein Sohn hat Panikattacken - Teil 2

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Marika
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Mein Sohn hat Panikattacken - Teil 2

Beitrag von Marika » 10:09:2018 9:40

Hallo ihr Lieben,

die laaaaangen Ferien sind vorbei und ich dachte mir, ich berichte mal vom aktuellen Stand meines Sohnes. Ihr erinnert euch vielleicht: Gegen Ende des Schuljahres hatte er plötzlich mit Schulangst, ZG und Panikattacken zu kämpfen. Das war ein Schock für mich.... muss er wirklich das gleiche durchmachen wie ich? Aber er ist ER und nicht ich, das habe eindruckvoll in den letzten beiden Monaten erleben dürfen.

Wir haben uns mit der Thematik in diesen Sommerwochen auseinander gesetzt. Wir sind vorläufig "nur" bei einer Kinesiologin in Behandlung gewesen (der Psychiater steht allerdings immer bereit, wenn nötig - ich kenne ihn ja seit Jahren.... :wink: ) - das hat ihm sehr, sehr gut getan. Er kennt sich - bedingt durch mich - sehr gut aus mit ZG. Er hat bereits sehr gut gelernt, den Zwang hinter div. Gedanken zu erkennen und benennt ihn auch aktiv. Meist kommt er dann freudig an und sagt: "ich habe wieder den Zwang entlarvt" und erzählt mir dann alles. Panikattacke hatte er bisher keine mehr...

Dann heute morgen - der erste Schultag - in der Nacht war MIR schlecht vor Angst.... :roll: :roll: :roll: Dann kam es, mein Sohn zog sich an, wurde blass, musste plötzlich aufs Klo, kam dann mit Tränen zurück und sagte: "Es ist wieder da, ich verstehe das nicht...." :cry: :cry: :cry: Ich nahm ihn an den Händen, wir setzten uns und ich sagte: "Das alles passiert nur in deinem Kopf, das weißt du. Daher kannst du - weil keine wirkliche Bedrohung besteht - auch ganz einfach die Regie, die Führung übernehmen. Schau das Gefühl an und sage "NEIN - JETZT NICHT". Du bist zwar da, aber ICH ÜBERNEHME DIE FÜHRUNG, ich bin der Macher." Er hat dann tief geatmet und dann ein paar mal immer lauter "NEIN" gerufen und dann: "Du kannst mich mal, du Sch..... Zwang und Angst, ich bin der Chef und ich gehe jetzt...." Er stand auf und ging... noch etwas blass um die Nase, aber wieder mit seinem Kampfgeist in seinen Augen....Ich bin soooooooooooooo stolz auf ihn... denn ich weiß wie mega schwer das ist.... Danach war MIR wiederum noch eine halbe Stunde schlecht :roll: und als ich dann wusste - ja er ist in der Schule und kommt nicht wieder zurück, verschwand die Übelkeit... Heilige Sensibilität.... :roll: :lol: :lol: :lol:

Danke fürs Lesen!!!!
Liebe Grüße von
Marika

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Astrid
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Re: Mein Sohn hat Panikattacken - Teil 2

Beitrag von Astrid » 12:09:2018 20:30

Hallo Du Liebe,

ich bin sooo stolz auf dich!! Eine meiner Ängste ist, dass ich meinen Kindern diese Erkrankung mitgegeben habe. Und auch ich bin da sehr wachsam. Bis jetzt sieht es nicht danach aus, aber mein Großer ist ja auch ein Jahr jünger als deiner... . Haben die Hormone in der Pubertät auch Einfluss darauf? Ich finde es toll, dass du so offen mit deinem Sohn gewesen bist, und er dadurch auch wusste, was mit ihm los ist. Und du hast ihm Hilfen angeboten. Sowohl mit der Kineseologie, als auch der Option des Therapeuten, und deine eigenen angewandten Tipps und Tricks. Ich glaube, dass Dein Sohn dadurch nicht mehr so verzweifelt ist. Man erkennt ja auch, wie selbstbewusst er dann zur Schule gegangen ist. SUPER!! Er hat eine dicke Umarmung verdient, wenn er das noch mag :). Und Du hast auch eine ganz feste Umarmung verdient, weil ich genau weiss, wie du dich gefühlt hast. Auch ich habe regelmäßig Bauchgrummeln und Unruhe, wenn ich mir Sorgen mache um meinen Sohn. Seltsamerweise, habe ich bei meiner Tochter viel mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten, obwohl es gar keinen Grund dafür gibt. Mein Sohn hat bisher alles prima gemeistert. Selbst die Klassenfahrt in der neuen Schule etc.. Denke, dass auch immer eigene Ängste wieder hoch kommen, die man auf die Kinder projeziert. Dabei sind sie teilweise ganz anders als man selbst... . Gott sei Dank. Ich finde ihr meistert das richtig gut. Sensibel zu sein ist nicht das Schlechteste.

Ganz liebe umarmung von Astrid
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Marika
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Re: Mein Sohn hat Panikattacken - Teil 2

Beitrag von Marika » 24:09:2018 8:53

Hallo,

vielen Dank für deine Antwort, liebe Astrid. Ich wollte noch kurz weiter bereichten:

Nach 2 Tagen Schule, wurde es leider wieder schlimmer für meinen Sohn. Wir haben dann eine Psychologin aufgesucht, bei der er auch schon eine erste Stunde hatte und ich ein Vorgespräch. Wir sind beide sehr begeistert von der Dame! :D Und sie hat MIR die Augen geöffnet:

Es geht um das LOSLASSEN - besonders von MIR!!! Noah traut sich den Schritt vom Kind zum Jugendlichen nicht zu und in der Schule manifrstiert sich das in der Angst davor sich übergeben zu müssen, oder Durchfall zu bekommen. Beides Zeichen für die "Angst die Kontrolle" zu verlieren. Und diese Kontrolle ist bei ihm besonders jetzt in diesem Übergang stark ins Wanken gekommen. Er sieht seine körperlichen Veränderungen, erste Mädchen gefallen ihm und gleichzeitig hat er Angst vor diesem neuen Schritt. Somit möchte er sich in seine "sichere Umgebung (daheim bei Mama)" zurück ziehen. Und ich mache es ihm noch schwerer, weil ich nicht richtig loslasse. Das hat die Psychologen so zwar nicht gesagt, aber ich habe es glas klar erkannt. Ich muss das "Vögelchen" jetzt ein bissl liebevoll aus dem Nest schupfen. :wink:

Und - wir sind auf einem sehr guten Weg!!! Seit der ersten Stunde bei der Psychologin, sind Noahs Ängste viel, viel kleiner geworden. Er konnte seither jeden Tag in die Schule und hat es durch gezogen. Die ersten 2 Tage habe ich ihn gefahren, seine Klassenlehrerin hat zugesagt, am Eingang auf ihn zu warten um so zu sagen, sein "Ziel" zu symbolisieren. Mittlerweile fährt er wieder mit dem Fahrrad und seinem Freund in die Schule und hat morgens auch keine starken Ängste mehr. Er nimmt zwar wahr, dass er sich leicht unsicher fühlt, geht aber aktiv in die Situation uns sagt sich selber: ich schaffe das.
Besonderen Auftrieb hat ihm natürlich der erste volle Schultag gegeben, da hat er gespürt: ich kann alles schaffen.

Was ich für mich noch erkannt habe: ich als Mama kann niemals die "Therapeutin" für meinen Sohn sein. Auch wenn ich viel weiß, aber das funktioniert nicht. Auch das habe ich zuerst nicht wahr haben wollen. Ich habe meinen Sohn als wirklich selber in vielfacher Hinsicht "blockiert". Ich bin total überrascht was da jetzt alles zu Tage kommt, besonders auch mein Verhalten... und ich bin fasziniert von meinem Sohn...
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Mein Sohn hat Panikattacken - Teil 2

Beitrag von Graureiherin » 25:09:2018 8:21

Liebe Marika,

im Moment weine ich mir ja grad noch selber die Augen aus dem Kopf, aber wenigstens kurz wolle ich Dir antworten.

Ich denke tatsächlich, dass es eine gute Erkenntnis war, dass Du nicht die "Therapeutin Deines Sohn sein kannst". Du weißt zwar unendlich viel, aber Du bist eben die Mutter und Du bringst Deine eigene Geschichte mit. Du bist Du und Dein Sohn ist Dein Sohn. Deine erlebten Ängste unterscheiden sich auch von den Ängsten die Dein Sohn erlebt. Ich habe noch mehrer Gedanken dazu kann diese aber grad nicht gut formulieren. Ich melde mich später nochmal.

In jedem Fall ist es toll, dass ihr eine gute Thera zur Hand habt. Das ist ein großes Glück. Wie habt ihr das geschafft?!

Umarmung vom Vögelchen
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
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Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

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Marika
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Re: Mein Sohn hat Panikattacken - Teil 2

Beitrag von Marika » 25:09:2018 9:33

Ich danke dir sehr, liebes Vögelchen dass du mir antwortest, obwohl es dir selber im Moment bescheiden geht. Bitte fühl dich nicht gedrängt mir zu antworten, das soll hier nicht in Stress ausarten. :wink:

Dass wir diese Therapeutin die sogar noch gleich bei uns ums Eck ist gefunden haben, war fast schon Schicksal. Nach Jahren habe ich eine liebe Bekannte wieder getroffen, deren Tochter gleich alt wie Noah ist und mit der wir die ersten 6 Jahre sehr viel unternommen haben. Sie erzählte mir dann, dass ihre Tochter in Therapie ist wegen psych. Probleme. Ich habe ihr dann von uns erzählt und um die Kontaktdaten gebeten. Wie durch ein Wunder hatte die Psychologen spontan einen Platz frei, weil jemand ausgefallen war. So hatten wir das wahnsinnige Glück, quasi sofort kommen zu können.
Liebe Grüße von
Marika

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Astrid
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Re: Mein Sohn hat Panikattacken - Teil 2

Beitrag von Astrid » 25:09:2018 10:44

Hallo Ihr Beiden,

es ist doch immer wieder erstaunlich, wie alles zusammenhängt. Wir sollten unseren Kids wohl mehr zutrauen und sie aus dem Nest schubsen :-) , uns mit ihnen freuen, wenn sie etwas alleine schaffen und sie unterstützen selbständig zu werden. Für sie da sein, wenn sie uns brauchen, aber sie nicht verunsichern, und aus unserer eigenen Angst heraus überbehüten. Es ist ein Drahtseilakt, weil wir so empfindsam sind, und alles viel stärker wahrnehmen und interpretieren durch unsere Vorgeschichte. Deshalb bin ich immer dankbar für meinen Mann und alle anderen Erwachsenen im Leben meiner Kinder, die meine Reaktionen relativieren. Ich bin oft überrascht über die Stärke und Zuversicht der Kinder. Ich hoffe sie bleibt ihnen lange erhalten. Ich habe Angst vor der Pubertät und den Stimmungsschwankungen die damit einher gehen werden. Angst davor, sie falsch zu verstehen, ich hoffe meine Therapeutin dann weiterhin an meiner Seite zu haben, damit sie mir, bei Bedarf, wie die Graureiherin so schön sagte, den Kopf gerade rückt. Ich brauche auch zwischendurch jemanden, der mich wieder erdet, wenn ich in meinen Ängsten schwimme.

Drücke euch ganz herzlich

Astrid
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