Hallo: Leide an ZG

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November17
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Hallo: Leide an ZG

Beitrag von November17 » 13:10:2018 22:42

Liebes Forum,

ich bin neu hier und möchte mich kurz vorstellen:

Ich bin Mutter eines 11 Monate alten Sohnes und habe nun seit einigen Monaten mit Zwangsgedanken zu kämpfen.

Ich war schon in einer Tagesklinik einer Mutter-Kind-Einrichtung, aber dort war ich mit meinem Problem nicht so richtig aufgehoben, da meine Zwangsgedanken nicht so intensiv behandelt werden konnten. Und leider war es nicht möglich, die spezialisierte Therapeutin ambulant weiter zu nutzen.

Ich hatte gute Phasen doch seit einigen Wochen haben die Gedanken arg zugenommen. Was mich insbesondere fertig macht, ist der Inhalt der Gedanken. Leider sind es Gedanken mit sexuellem Inhalt, die sich so real anfühlen bzw. der Drang, dass ich es meide mit dem Kleinen alleine zu sein. Tagsüber klappt es eine gewisse Zeit, abends oder Nachts kann ich jedoch absolut nicht alleine sein.

Ich war immer ein total kinderlieber Mensch, der für seine Neffen und Nichten alles getan hätte. Umso erschreckender ist es, bei seinem eigenen und ersten Kind solche Gedanken zu haben. Diese Gedanken haben sich aber auch auf die anderen Kinder ausgeweitet, so dass ich den Neffen und Nichten gegenüber auch distanzierter geworden bin.

Insbesondere an Tagen wo es gut lief und ich mich auf den kleinen Mann einlasse, tauchen plötzlich wieder die Gedanken auf und diese komischen Gefühle.

Ich selber merke, dass ich wie dauerhaft angespannt bin. Vor allem, wenn ich ihn halte, er auf mir liegt oder sich an mir hochzieht. Als sei es mir zuuuu viel Nähe und zack schießen die Gedanken durch den Kopf und die Gefühle als eine Art Drang und Angst.
Ich muss zugeben, dass ich seit der Entbindung ein absolutes Gefühlschaos habe. Allerdings nehme ich zu intensiv jeden Körperkontakt wahr und interpretiere alles mögliche rein. Wenn er mich versehentlich anfasst und es kribbelt habe ich Angst "nicht, dass es mir noch gefallen könnte". Mein Mann versucht mir zu erklären, dass es normal sei und überall Nervenzellen sind und das Kribbeln/Kitzeln eine natürliche Reaktion sei.

Grundsätzlich habe ich ein kleines Problem mit dem Thema Sexualität und war immer etwas konservativer unterwegs. Ich mochte es nicht, wenn man bspw. aus kleinen Mädchen schon "Püppchen" macht. Wenn man vor Kindern zu offen mit Sexualität umgeht (Filme/Unterhaltungen etc).
Wenn ich in den Nachrichten Berichte zum Missbrauch sah, zog es mir den Magen zusammen und ich vetspührte Abscheu. Jetzt habe ich selber Angst solch ein Mensch zu sein und "vermisse" dieses Gefühl der Wut/Verachtung, denn momentan meide ich solche Medien bzw. habe das Gefühl nichts zu empfinden, was einen wieder zweifeln lässt. :(

Ich will so gerne diese Überzeugung haben, dass ich so etwas nie tun würde, aber die Gedanken/Gefühle sind momentan stärker.

Ich bin jetzt seit Kurzem bei einer Therapeutin und in der letzten Sitzung sagte sie mir, dass meine Gedanken eine Art Schutz sei...??? Leider ist der nächste Termin erst Ende des Monats :(

Sorry für den langen Text! Ich hoffe, jemand mit ähnlichen Problemen kann mir helfen und mich ermutigen.

Nelli
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Beiträge: 103
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Re: Hallo: Leide an ZG

Beitrag von Nelli » 16:10:2018 21:44

Hallo November,

tut mir leid, dass Dir noch niemand geantwortet hat, bitte werte das nicht falsch,
manchmal dauert es ein wenig, auch ich war ein paar Tage lang abgetaucht.
Lass Dir gesagt sein: Alles, was Du beschreibst, ist typisch für eine Zwangsstörung.
Mein Therapeut nennt sie "Denkstörung", denn das ist sie eigentlich:
Wir bewerten Dinge falsch, und wir können destruktive Gedanken, die eigentlich
in den Müll gehören, nicht loslassen. Ganz wichtig: Du wirst NIEMALS Deinem Söhnchen
etwas Derartiges antun, GERADE DU NICHT! Weißt Du, der Inhalt der ZG ist geradezu austauschbar,
immer aber sind sie destruktiv und klagen uns selbst an.
Was hilft, sind Medikamente plus Therapie.
Dein Mann hat völlig recht, was er in Bezug auf eine "Erregung" sagt, exakt so ist es in einem Buch über ZG
beschrieben ("Der Kobold im Kopf"): Wenn man sich aus Angst, um sich zu Überprüfen (daher auch der zweite Name unserer
Störung: Die Krankheit des Zweifelns), auf ein Körperteil konzentriert, nimmt man IMMER, unausweichlich,
ein Kribbeln, einen Schauer oder Sonstiges wahr, und dies, kombiniert mit unserer Einbildungskraft und Angst,
die hier leider eine verhängnisvolle Allianz eingehen, gaukelt Dir vor: Aha, so ist es also, ich bin kurz davor...
Du wirst diese Krankheit bewältigen, es wird vielleicht seine Zeit brauchen, aber Du wirst es schaffen.
Und noch was: Ich finde es ganz toll und wieder mal ermutigend für jeden, der hier stöbert und sich vielleicht noch
nicht traut, sich vorzustellen, dass Du uns so offen schreibst.

LG Nelli

November17
Beiträge: 3
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Re: Hallo: Leide an ZG

Beitrag von November17 » 17:10:2018 13:09

Liebe Nelli,

danke für deine Antwort.

Es fällt sehr schwer zu glauben, dass man es nie tun würde, da solche Gedanken im Kopf schwirren. Die eigene Überzeugung fehlt da gerade, sie war früher aber da (m.E. war sie da, denn ich quälte mich nicht mit solchen Gedanken).

Ich hatte schon einmal vor ca. 3 Jahren solche Gedanken bzw. in einer Situation in Bezug auf meine Nichte. Wir waren alleine zu Hause, es war nachts, sie wollte nicht schlafen und ich war genervt, gereizt und überfordert in dem Moment. Ich habe dies nie vergessen, aber es beschäftigte mich nicht täglich. Ich fand es schlimm solche Gedanken zu haben, aber es ging dennoch ganz normal weiter und war nicht dauernd präsent bei mir.

Ich bin grundsätzlich ungerne alleine und vor allem nachts mochte ich es nie, wenn mein Mann geschäftlich unterwegs war. Zu dieser Zeit gab es auch private Probleme mit ihm, die sich bis nach der Entbindung zeitweise wiederholten und einen großen Vertrauensbruch auslösten. Mich begleiteten dadurch finanzielle Sorgen.

Seit der Geburt des Kleinen beschäftigen mich die Gedanken täglich und auch die Erinnerung an den einen Abend.

Gedanklich stelle ich alles infrage. Wenn ich in einem Moment fürsorglich bin und emotional, weil sich ein Kind verletzt hat oder Ähnliches, dann kommen Gedanken/Fragen auf: nur weil ich Fürsorge zeige, schließt es die anderen Taten doch nicht aus. Vllt sind Menschen, die so etwas tun ja auch in anderen Situationen fürsorglich.

Ich habe auch schon viel gelesen und gesehen, dass man die Gedanken vorbeiziehen lassen soll. Bei mir ist es dann so, dass wenn mir ein Gedanke egal ist bzw sich der Magen nicht rührt, ich Sorge habe, dass dies doch wieder zeigt man könne es tun und einem gefallen.

Ich adaptiere und grübel auch viel über Gelesenes. Daher frage ich mich, ob es sinnvoll wäre "Der Kobold in meinem Kopf" zu lesen.

LG
November

Nelli
power user
Beiträge: 103
Registriert: 20:06:2018 1:55

Re: Hallo: Leide an ZG

Beitrag von Nelli » 17:10:2018 21:16

Hallo November,

kenne ich alles: "Aha, der Gedanke macht Dir nichts aus? Also findest Du es nicht schlimm? Also...."
Oder: "Klar, ich bin fürsorglich, aber das muß gar nichts heißen..."
Das sind ganz typische "Beweisführungen" gegen uns selbst, total bescheuert, aber wir sind halt
sehr gut im Beugen von Gedanken, Gefühlen...
Hast Du den Eindruck, dass Deine Therapeutin sich mit ZG auskennt?
Dass Dich das Thema schonmal gefangen genommen hat besagt einfach, dass es für dich eine wesentliche
Bedeutung hat, nämlich: Du findest das Ganze so abscheulich und bedrohlich, dass Du es nicht mehr aus
dem Kopf bekommst. Vielleicht meint Deine Therapeutin: Du willst DEin inneres KInd schützen vor
all dem Schrecklichen in der Welt. Und ZG tauchen dann auf, wenn man Stress hat.
Versuche, öfter Therapiesitzungen zu bekommen, am besten wöchentlich.
Ich will nicht verhehlen, dass ich auch noch mit meinen ZG zu tun habe - aber ich kann immer besser
mit ihnen umgehen, sie als Schwachsinn erkennen und abtun.
Ich weiß, wie furchtbar das ist und ich fühle mit Dir.
Von wegen Lektüre: Es gibt einiges an seriöser Literatur zum Thema, es tut aber nicht zu jedem Zeitpunkt gut,
dazu zu lesen. Einerseits würdest Du von A-Z sehen, dass Dein Fall typisch ist und Du nie etwas Derartiges wollen/machen würdest.
Andererseits kann es einen auch manchmal aufwühlen.
Ich würde das mit Deiner Therapeutin besprechen. Oder meinst Du, Dein Mann würde etwas darüber lesen wollen?
Das hat mir sehr geholfen, er hat mir dadurch zusätzlich Sicherheit geben können, weil er ja
klaren Kopfes das alles sieht.

Herzlich, Nelli

November17
Beiträge: 3
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Re: Hallo: Leide an ZG

Beitrag von November17 » 18:10:2018 7:52

Liebe Nelli,

noch ist es zu früh, um urteilen zu können, ob die Therapeutin auf ZG spezialisiert ist. Sie macht schwerpunktmäßig jedoch VT also würde ich jetzt erst einmal davon ausgehen. Ich war froh, dass ich überhaupt und recht zeitnah bei ihr zum Gespräch konnte.

Ja diese Beweisführung kenne ich, und es entwickelt sich auch immer in ein "Wollen-Gefühl/Gedanken" :(

Wie hast du gelernt mit den ZG umzugehen?

Ich funktioniere dem Kleinen gegenüber, aber ich bin meist angespannt. Er triggert mich halt...und ich finde es schade, nicht mit ganzem Herzen dabei zu sein wie ich es früher bei den anderen Kindern war. Wenn ich unterwegs oder unter Leuten bin, fällt es mir leichter.

VG
November

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