Ich bin so eine schlechte Mutter

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Bela2017
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Ich bin so eine schlechte Mutter

Beitrag von Bela2017 » 10:11:2018 23:10

Hallo,

Ich schreibe hier mal wieder etwas um meine Gedanken loszuwerden und hoffe jemand versteht mich :cry:
Seit 16 Monaten habe ich nun diese psychischen Probleme...
Ich bin nun in bei einer anderen Psychotherapeutin und mache eine Verhaltenstherapie nehme aber keine Medikamente...
Und meine Wut und Aggression meinem Kind gegenüber werden immer schlimmer... :cry: stresssituationen enden immer wieder mit meinem lautem Geschrei und ihrem Weinen... ich schreie sie oft an mein 16 Monate altes Kind! Ich bin eine Rabenmutter eine Versagerin!
Mich quälen danach diese Gedanken was ich ihr antue und was für eine Schlechte Mutter ich bin :(
ICH KANN EINFACH NICHT AUFHÖREN NACHZUDENKEN!
Meine Gedanken kreisen den ganzen Tag. Ich kann nicht mehr ich fühl mich unverstanden und allein. Ich will weglaufen aber wohin?
Ich bereue es sie bekommen zu haben aber nicht weil ich sie nicht liebe sondern weil ich eine Gefahr für sie bin. Ich bin schlecht für sie. Immer öfter denke ich darüber nach mich umzubringen und wie es ihr ohne mich ginge?! :x wahrscheinlich besser.... ich bin so traurig :cry:

Traurige Grüße... Bela ....

Astrid
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Re: Ich bin so eine schlechte Mutter

Beitrag von Astrid » 10:11:2018 23:53

Liebe Bela,

ich kenne diese Gedanken, als ich sie las, dachte ich, genauso habe ich damals auch gefühlt. So verzweifelt, so hilflos, so allein, so überfordert... . Diese Gedanken, die du hast und auch die Agressionen und Wut sind Teil dieser Erkrankung. Ich hatte schreckliche Agressionen gegenüber meinem Kind und habe mir oft vorgestellt ihn loszuwerden. Wollte nur mein altes Leben zurück oder nur weg, egal nur weg. Später waren auch die Agressionen weg, und ich konnte gar nichts mehr fühlen. Darf ich dich fragen, warum du keine Medikamente nimmst? Ich hätte ohne meine Medikamente vermutlich nicht überlebt, und war so glücklich, dass ich irgendwann ein helfendes Mittel gefunden hatte. Hattest du vor dem Kind auch schon mit Depressionen zu tun? Das schlechte Gewissen gegenüber meinem Kind und meiner Familie hatte ich auch extremst. Dachte ich mache alle nur mit unglücklich und sie wären ohne mich besser dran. Aber das war nicht so. Sie liebten und lieben mich. Und du wirst auch geliebt und gebraucht. Und nur, weil du jetzt krank bist, ändert sich das nicht. Es wäre das schlimmste, wenn du nicht mehr da wärest. Du kannst mehr Hilfe bekommen. Geht deine Kleine in die Krippe? Oder zu einer Tagesmutter? Hast Du Hilfe? Schalte eine Familienhelferin ein, oder bitte das Jungendamt um Unterstützung. Dein Arzt kann dir eine Haushaltshilfe verschreiben. Du leidest jetzt schon so lange. Käme auch eine Klinik für dich in Frage? Es gibt noch so viele Möglichkeiten, die du noch probieren kannst. Gib nicht auf. In der Betroffenen Liste hier bei Schatten & Licht findest du auch Frauen in deiner Nähe, die du kontaktieren könntest. Die können auch oft Tipps geben, was bei dir in der Gegend an Angeboten vorhanden ist. Du bist nicht alleine mit diesem Mist, und es wird wieder gut, auch wenn du gerade nicht daran glauben kannst... .

Sei umarmt von Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
heute gesund ohne Medis
beginnende Wechseljahresbeschwerden

Nelli
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Re: Ich bin so eine schlechte Mutter

Beitrag von Nelli » 11:11:2018 0:36

Liebe Bela,

bitte überlege Dir doch, ob Du nicht doch ein AD nehmen willst. Du leidest schon so lange,
Deine Agressionen sind Symptom Deiner Depression! Deiner Überforderung!
Ich schwöre auf meine AD! Ohne sie und Psychotherapie wäre ich da nie mehr rausgekommen.
Damit will ich Dir keine Angst machen, im Gegenteil, Mut will ich Dir machen, wie Astrid.
Und sie hat recht: Kita oder Tagesmutter, OHNE schlechtes Gewissen!
Dein Kind wird es lieben und sich umso mehr auf dich freuen können.

LG Nelli

Christina
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Re: Ich bin so eine schlechte Mutter

Beitrag von Christina » 12:11:2018 2:02

Hallo Bela,
Ich würde dir auch zu Medikamenten raten. Hast du schon mal beobachtet, ob deine Aggression sich in deinem Zyklus ändert und vielleicht vor der Blutung am schlimmsten ist? Könnte auch rein Progesteronmangel sein...

Ich war auch sehr aggro und genervt von meiner Tochter. Einfach weil ich mich die meiste Zeit allein um sie gekümmert habe und mich das einfach überfordert. Wir haben leider keine Großeltern o.ä. in der Nähe. Jetzt ist sie seit September in der Krippe für 6 Stunden. Da war sie 10,5 Monate. Dadurch hat sich die Situation sehr entspannt. Vielleicht ist das auch was für euch.
Seit Geburt meiner Tochter im Oktober 2017 an PPD erkrankt.
5 Wochen stationär ohne Kind
7 Wochen Mutter-Kind-Tagesklinik
Medis: Sertralin, Bupropion, Quetiapin, Progesteron in 2. Zyklushälfte
Psychotherapie

Juli 2018: Quetiapin wegen Restless Leg-Syndrom abgesetzt.

Aktuell: Leider wieder sehr wechselhaft.

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Marika
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Re: Ich bin so eine schlechte Mutter

Beitrag von Marika » 15:11:2018 9:22

Hallo Bela,

ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen: Schau dir die Möglichkeit deiner AD Einnahme nochmal an. Bei unserer Erkrankung kommen wir sehr schnell an unsere Grenzen und aus totaler Erschöpfung und Überforderung unserer Nerven kommt es zu dann auch zu Wut, Agression und dem Wunsch weg zu laufen. Es ging mir ganz ähnlich...

Du leidest schon lange, eine Therapie ist super aber kann einfach oft nicht alles abfangen. Ich würde in deiner Lage ein AD in Betracht ziehen.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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