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seideneFaden
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Hilfe :(

Beitrag von seideneFaden » 02:12:2018 21:06

Hallo an die Runde,

wie der gewählte Nickname schon sagt, habe ich gerade das Gefühl alles hängt an einem letzten seidenen Faden und es gibt keine Hoffnung mehr...
"Kurz" meine Geschichte: ich habe Anfang September nach einer mehr als schwierigen Schwangerschaft (Grippe, Erbrechen bis ich völlig entkräftet und dehydriert im KH gelandet bin, vorzeitige Wehen verbunden mit striktem Liegen von SSW 28 bis 36 - das in diesem Sommer -, Symphysenlockerung so dass ich dann kaum noch laufen konnte, angehende Schwangerschaftsvergiftung in der 37ten Woche mit massiven Wassereinlagerungen und sich drastisch verschlechternden Leberwerten) eine zauberhafte kleine Tochter zur Welt gebracht. Das alles hat meine Psyche mehr schlecht als recht weggesteckt - soviel ist mir im Nachhinein bewusst und mein stetiges Weinen und Verzweifeln hätte mir damals schon, IN der Schwangerschaft, etwas sagen sollen; nur wie sollte ich auch DAS noch bei allem realisieren? Erstes Kind, 38 Jahre.
Ich wurde dann in der 37ten Woche eingeleitet. Auch hier blieb mir leider nichts erspart. 15 Stunden tat sich gar nichts und dann bekam ich einen Wehensturm. 2 Stunden hat es gedauert dann war die Kleine da. Das Köpfchen wollte nicht, so dass ich, schon völlig entkräftet, umgangssprachlich um mein und auch ihr Leben gepresst habe als ich bemerkte, dass die Ärztin hektisch wurde und mich anschrie. Gerissen, genäht. Meinem kleinen Mädchen ging und geht es gut. Mir, im Rausch der Hormone, auch - einen Tag lang. Danach sackte mein Kreislauf ab. Folge der Abstilltablette sagte man mir. Nach 3 Tagen durften wir dann dennoch nach Hause, allerdings mussten wir alle 2 Tage ins KH wegen der Billirubinwerte. Ich habe ab da nur noch geweint. Kam gar nicht wieder bei, war unendlich kraftlos, hatte schlimme Schmerzen. Der Wochenfluss kam ins Stocken, es entwickelte sich eine Gebärmutterentzündung, die ambulant von meinem Frauenarzt behandelt wurde.
Als mein Mann nach 1 Woche wieder arbeiten musste passierte es dann...meine Schwester war bei mir um sich um die Kleine zu kümmern, so dass ich mal zum Schlafen kommen könnte. Statt Schlaf bekam ich, ich nehme an es war eine solche, ausgewachsene Panikattacke, nachdem ich dachte "och, du nimmst dir jetzt die Nagelschere und schneidest dir damit den Arm auf und dann tust du der kleinen was". Diese Gedanken haben mich derart verunsichert, dass ich völlig die Fassung verloren habe. Wie kann man nur so etwas denken? (ich habe erst später verstanden, dass das Zwangsgedanken sind, sowas kannte ich bisher nicht, zumal ich noch nichtmals einer Fliege was zuleide tue und ein enorm harmoniebedürftiger Mensch bin der sich ungern streitet und nie laut wird). Danach war nichts mehr wie es war. Es war so, als wäre mit diesem Tag, mit diesem Gedanken, alles in mir auseinandergebrochen und das letzte bisschen Kraft und Verstand was ich noch hatte verpufft. Ich durchlitt tagelange Angstzustände, konnte nicht mehr stehen, nicht mehr sitzen, nicht mehr liegen. Alles war mir zu viel. Alles zu laut, zu bunt, zu grell. Meine Gedanken kreisten unaufhörlich: "Was, wenn ich ihr doch etwas tue? Ich habe mich selbst nicht mehr unter Kontrolle." Ich kann in Worten gar nicht beschreiben in welches Dunkel ich gefallen bin, wie unerträglich alles war (und leider wieder ist). Ich glaube man kann es am besten beschreiben wenn man sagt "ich konnte nicht mehr sein und der eigene Körper wurde zu eng" (wobei das nichts mit Selbstmordabsichten zu tun hat, die hatte ich nie - nur wahnsinnige Angst, dass was passieren könnte weil ich so verzweifelt war). Ich war beim Arzt, der AD verschrieb (Venlafaxin) und bin zu diesem Zeitpunkt auch direkt in Psychotherapie gegangen. Dennoch war ich am Ende der Woche so am Ende und von Angst und Depressionen aufgefressen, dass ich das Gefühl hatte sterben zu müssen. In meiner Not (dachte ich hätte jetzt auch noch einen Herzinfarkt) rief ich 112 an. Ich konnte mir nicht mehr helfen, also hatte ich die irrige Hoffnung, dort könnte man mir helfen. Meine Schwester, die ich auch angerufen hatte, kam sofort und einige Zeit später auch der Rettungswagen. Zu dem Zeitpunkt saß ich nur noch hechelnd und weinend auf einem Stuhl. Die netten Herrschaften kamen ins Wohnzimmer und fuhren mich an, sie wissen nicht was sie hier sollen. Ich hätte ja eindeutig psychische Probleme und dafür wären sie nicht zuständig. Ich erspare mir und Euch an dieser Stelle Einzelheiten - das würde mich nur noch mehr aufwühlen als gerade gut für mich ist. Beschwerde läuft jedenfalls und mein Vertrauen war nun gänzlich dahin (wer soll mir denn noch helfen können wenn der Rettungsdienst sich weigert?). Man riet mir, die zuständige Psychatrie zu kontaktieren. Das tat ich auch und stellte mich am nächsten Morgen dort vor. Auch hier mache ich kurz, weil ich es selbst noch nicht glauben kann. Mein Baby war zu Hause bei meiner Mutter (die Kleine dort zu lassen und in eine Klinik zu gehen zerbrach mich weiter, ich wollte nicht von meinem Kind weg aber ich dachte ich muss, um sie zu schützen ) die sich liebevoll kümmerte. In der Klinik angekommen (seit 4 Tagen nichts essen können und demnach natürlich auch schlecht laufen weil zu schwach) ließ man mich erstmal 2 Stunden warten. Im Gespräch danach erklärte man mir dann Mal- Bastel- Musiktherapie und schickte mich zu den anderen Patienten in den Essraum, wo ich etwas essen sollte. Von da an sah ich 4 Stunden weder Arzt noch Schwester, wurde völlig mir selbst überlassen. Irgendwann kam jemand und zeigte mir mein Zimmer. Eine Stunde später kam ein "Arzt" der mich abwechselnd auf einem Bein stehen ließ und kontrollierte, ob ich mit dem Zeigefinger die Nase berühren könne. Auf die Frage was ich an AD nehme und in welcher Dosis, lachte er mich erst aus und sagte dann "ja wenn sie sich nicht helfen lassen wollen, ist ja ihre Sache". Mit den Worten und der Aussicht, am nächsten Tag dann mal die Psychiaterin zu sprechen verschwand er wieder und man ließ mich wieder allein (ich war von morgens 8 Uhr an, so hatte man mir gesagt ich solle kommen, da). Weitere 3 Stunden geisterte ich durch den Flur, rauchte eine Zigarette nach der anderen (ich hatte in der Schwangerschaft aufgehört und da dann wieder begonnen) bis mein Mann kam. Er hielt die Zustände für absolut haltlos dort und da ich auf die Trennung von meiner Kleinen überhaupt nicht klar kam, nahm er mich wieder mit nach Hause. Fürchterlich.
Mir ging es aber nicht besser. Der Zustand war immer noch akut und unerträglich. Meine Schwester zog bei mir ein, damit die Versorgung der Kleinen rundum gewährleistet war und ich Unterstützung hatte. Mein Mann war natürlich auch noch da - zumindest nach der Arbeit. Ich nahm weiter die Antidepressiva, dosierte vorsichtig hoch auf 37,5 mg. Auf Anraten meines Therapeuten nahm mein Mann umgehend einen Monat Elternzeit plus die 2 noch verbleibenden Wochen Urlaub für dieses Jahr. 6 Wochen. In den ersten 2 Wochen gab es nur Stunden, wenn überhaupt, in denen es mir "neutral" ging. Irgendwann war es ein ganzer Tag und irgendwann hielten die Tage an. Wir konnten sogar für 4 Tage in den Urlaub fahren. Ich war zuversichtlich, dass ich doch irgendwann wieder, behutsam die "Alte" werden könnte. 3 Tage nach dem Urlaub, das ist nun 2 Wochen her, stehe ich hier im Wohnzimmer, will meiner Tochter den Schnuller bringen, als ich ohne Ankündigung anfangen muss zu weinen. Es fühlt sich an, als zöge sich alles wieder zu. Panik, Dunkelheit, ich höre alles wieder lauter, meine Gedanken kreisen, mir wurde schlecht. Ich habe mich übergeben müssen und hatte keinen Hunger mehr, sehe schlecht, habe Kopfschmerzen. Am schlimmsten sind diese "Zustände". Ich weiß nicht, wie ich es sonst nennen soll. Ich habe keine Hoffnung mehr, sehe mich in einer geschlossenen Psychiatrie, sitze zitternd stundenlang auf der Couch und starre vor mich hin, innerlich so unter Strom und Angst und doch unfähig mich zu bewegen. Ich warte darauf, dass es besser wird, doch das wird es tagelang nicht. Keine Pause von diesen "Zuständen", abends völlig erschöpft ins Bett gehen. Dann kommt mal ein "machbarer" Tag, gefolgt von einigen Tagen an denen es um 20 Uhr besser wird. Gestern, nachdem ich das AD nach Rücksprache mit meinem Arzt auf Retard umgestellt habe war ab 12 Uhr gut, heute wieder ganz schlecht (mein Mann fliegt beruflich morgen für 2 Tage ins Ausland und ich glaube das ist auch der Auslöser gewesen, warum es, nachdem es doch schon fast wieder normal war, nun wieder so unsäglich schlimm ist). Meine Schwester kommt gleich, bleibt die 2 Tage hier und kümmert sich auch sonst an den Tagen, an denen mein Mann nun wieder arbeiten muss (3 Tage die Woche - halbe Elternzeit bis März). Meine Mutter wohnt auch im Haus, das heißt, die Versorgung der Kleinen ist gewährleistet. Ich gehe 2 mal die Woche zu meinem Psychologen und nehme die Ad wie verordnet, aber ich habe das Gefühl, es will und wird nicht besser. 2 Wochen habe ich nun schon wieder dieses Leid, mit Ausnahme der besagten 2 Tage. Endet das nie? Was kann ich nur noch tun? Ich kämpfe so gut ich kann, ich liebe meine Tochter ohne Unterlass...aber es wird und wird nicht. Gehört das wirklich zu einer PPD? Diese Grübeln und unfähig sein etwas zu tun ? Diese Angst, dieses Starren, diese unsägliche Hölle? Warum hat das AD gestern gegriffen und heute nichts? Ich bin so verzweifelt.....ich habe doch "nur" ein Kind bekommen. Ich stand im Beruf, war immer ein fröhlicher Mensch der für jeden Spass zu haben war...ich verstehe das alles nicht und ich weiß nicht wie ich das alles ertragen soll....Ist das nur bei mir so? Wenn ich so lese, wie ihr das so erlebt habt, dann denke ich immer "oh weh, sie hatte es wirklich schwer aber sie konnte noch so viel tun - bei mir ist es sicher was anderes, ich habe sicher keine PPD sondern irgendwas anderes Schlimmes". Fühlt sich eine PPD wirklich so an oder drehe ich völlig durch? :(

eine, wie ihr lesen könnt, sehr verzweifelte seideneFaden

Nelli
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Re: Hilfe :(

Beitrag von Nelli » 02:12:2018 22:42

Du Liebe!

Ganz viele kennen diese Zustände, ich auch. Ja, es ist eine, sehr schwere, PPD.
Ich denke, man müsste an der Medikation feilen!
Bei mir war es wie bei Dir, unvorstellbar grauenhaft, auch mich hat mein Mann
aus der Psychiatrie retten müssen.
Ich bekam zu meinen zwei hoch dosierten AD noch ein Neuroleptikum,
Quetiapin. Ich nahm es nicht gerne, aber es hat geholfen:
Es bringt Ruhe rein, lässt Dich schlafen, ohne Dich zu betäuben, nur am Anfang schläfst
Du voll durch, aber der Körper gewöhnt sich zunehmend daran. Es hat mich gerettet.
Dass Du die AD jetzt nehmen mußt, heißt keinesfalls, dass Du sie für immer,
noch dazu hoch dosiert, nehmen mußt. Sprich Deinen Psychiater auf ein
weiteres Medikament an. Du bist noch akut und brauchst dementsprechend Unterstützung.

Alles Liebe,

Nelli

Nelli
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Re: Hilfe :(

Beitrag von Nelli » 02:12:2018 22:46

P.S.: Ich dachte auch immer, ich sei halt diejenige, bei der es nie mehr
gut wird oder ich hätte die schwerste aller PPD.
Aber es stimmte nicht. Diese Ängste gehören aber halt zur Krankheit dazu.
Dass Du so akut bist, ist angesichts Deiner unglaublich belastenden SS und Geburt
kein Wunder. Du hast Unglaubliches bewältigt und Dein Kind geschützt.

seideneFaden
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Re: Hilfe :(

Beitrag von seideneFaden » 02:12:2018 22:58

Du glaubst nicht, wie gut mir Deine Worte gerade tun. Danke dafür! Ab 20 Uhr ist es bei mir, Gott sei Dank, immer "ruhig", da kann ich dann mal 2 Stunden "ich" sein bevor ich, völlig erschöpft in`s Bett falle. Schlafen klappt an sich gut. Mein Mann kümmert sich komplett um das nächtliche Füttern. Ja, ich glaube auch, dass ich mit 37,5 mg wohl noch unterdosiert bin. Bin auch bei meinem Hausarzt und nicht bei einem Psychiater. Da gibt es hier auf dem Lande leider nichts außer der besagten Klinik. Fragt sich nur, warum ich mit der Dosis schon diese 4 guten Wochen haben konnte und jetzt alles wieder zusammenbricht. Ich weiß, wissen zu wollen bringt gar nichts und all die Fragen, selbst wenn man eine Antwort finden würde, helfen nicht weiter. Man steht doch auf und hängt wieder voll drin - von 7 bis 20 Uhr aber manchmal, nein sehr oft, helfen diese kleinen Hoffnungsschimmer ala "das AD könnte ja doch wieder wirken".

Ganz liebe Grüße

Christina
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Re: Hilfe :(

Beitrag von Christina » 03:12:2018 1:24

Hallo,
Ich kann sehr gut verstehen, wie es dir geht!! Es ist die Hölle auf Erden und man weiß nicht warum. Gibt es keine andere Klinik in die du gehen könntest? Ich glaube du musst zu Hause raus und dich erstmal ganz um dich kümmern. Deine Tochter ist gut aufgehoben. Ich bin auch 38 und habe letztes Jahr eine Tochter bekommen. Als sie 8 Wochen war bin ich in die Uni-Klinik, die wirklich sehr gut war. Es tut mir so leid, dass du in deinem ganzen Schmerz keine bessere Anlaufstelle gefunden hast. Glaub mir, auch ich war ganz unten und wollte nicht mehr, hatte Angst, dass es nie wieder gut wird, ich nie wieder ich bin. Aber auch mir geht es wieder sehr gut, so wird das bei dir auch sein. Trau dich, dich ganz fallen zu lassen, deine Gesundheit ist jetzt das wichtigste. Deine Tochter hat so später auch mehr von dir. (Glaub mir, habe eine Mutter mit unbehandelter Depression, das geht an einem Kind auch nicht spurlos vorbei).

Ich wünsch dir alle Kraft! Du hast so viel durchgestanden, dass schaffst du auch!!!
Seit Geburt meiner Tochter im Oktober 2017 an PPD erkrankt.
5 Wochen stationär ohne Kind
7 Wochen Mutter-Kind-Tagesklinik
Medis: Sertralin, Bupropion, Quetiapin, Progesteron in 2. Zyklushälfte
Psychotherapie

Juli 2018: Quetiapin wegen Restless Leg-Syndrom abgesetzt.

Aktuell: Leider wieder sehr wechselhaft.

LaLiLu
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Re: Hilfe :(

Beitrag von LaLiLu » 03:12:2018 12:36

Hallo,
ich nehme selbst Venlafaxim retard,allerdings hat meine Ärztin gemeint, dass sich der "Effekt" bei 150 mg meistens erst einstellt. Außerdem dauert es ungefähr 3-4 Wochen bis das AD wirkt.

Bei mir ging es auch trotz AD nochmal extrem runter, im Moment schwankt es. Jch denke aber ein wenig positiver.

Und es ist eine riesen Umstellung von Arbeiten zu dauernd zu Hause sein. Ich musste mich an die "Leere" erstmal gewöhnen trotz Kind.

Falls du Fragen hast melde dich

seideneFaden
Beiträge: 8
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Re: Hilfe :(

Beitrag von seideneFaden » 03:12:2018 14:00

@Christina - vielen lieben Dank für Deine Worte. Ich habe schon recherchiert wie verrückt. Es ist erstaunlich, wie wenig bekannt das Krankheitsbild doch ist und das, obwohl statistisch so viele Mütter daran erkranken. Die nächste Klinik, die "Ahnung" hat liegt 120 km entfernt und hat gerade mal 8 Betten. Alles andere liegt mindestens 70 km weit weg und hat leider, durch die Bank weg schlechte Bewertungen für den Fachbereich Psychiatrie. Mein Psychologe meinte, wie mein Hausarzt auch, dass es bei mir - sprich in meinem konkreten Fall - (beide kennen mich nun schon lange) wohl kontraproduktiv sei stationär zu gehen. Dennoch werde ich mir beim Termin morgen mal die Adresse eines "guten" Psychiaters geben lassen, damit ein Fachmann sich die Medikation anschaut und evtl "optimiert", Nelli hat da schon recht.

@LaLiLu hatte ich auch gelesen, dass man da meist erst ab 150 mg was erwarten kann, davon bin ich ja noch weit weg. Komisch halt nur, dass ich auf der geringen Dosis von 37,5 mg schon eine so enorme Verbesserung hatte. Das kann doch kein Zufall gewesen sein? Hat ja immerhin knapp 4 Wochen gehalten. Ich erwarte ja auch keine Wunder, nur, dass es weniger wird - aber das geht uns wohl allen so :/

ganz liebe Grüße und vielen Dank für Eure Rückmeldungen, das tut mir sehr gut

LaLiLu
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Re: Hilfe :(

Beitrag von LaLiLu » 03:12:2018 17:03

Vielleicht war die Dosierung auch nur um zu schauen ob du das Medikament verträgst. Wichtig ist einen guten Psychiater zu haben (Vielleicht gibt es bei euch irgendwo eine Frauensprechstunde).Meine Ärztin ist darauf spezialisiert (u.a. auch Hormone etc das kommt ja alles mit).
Ich war selbst auch bis jetzt nicht in der Klinik (Hab zu viel Angst dass ich dann nachher gar nicht mehr klar komme).
Wichtig war und ist für mich mit Leuten den Tag zu verbringen die mir gut tun

Nici3011
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Re: Hilfe :(

Beitrag von Nici3011 » 03:12:2018 21:33

Hallo,
bitte lass Deine Schilddrüse kontrollieren.
Jedoch von einem Fachmann, der sich gut mit der Thematik auskennt.
Ich weiß nicht woher du kommst, aber in meiner Gegend gibt es eine Frauenärztin, die sich darauf spezialisiert hat. ( autoimmune Schilddrüsenerkrankungen)
Gerade während und auch nach der Schwangerschaft ist die Schilddrüse oft Übeltäter.
Sie hat mir sozusagen mein Leben wieder geschenkt.

Bitte halte durch, ich dachte auch, mich hätte es von allen am schlimmsten getroffen.
Ein ganz typisches Symptom für diese Krankheit.
Die AD Einnahme dauert, war bei mir auch so.

Halte durch, es wird wieder

Es grüßt Nicole

seideneFaden
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Re: Hilfe :(

Beitrag von seideneFaden » 03:12:2018 22:55

Liebe Nici,

der "Witz" ist, dass ich tatsächlich schon seit Jahren eine latente Unterfunktion habe. Das kam damals ans Licht, als ich wie aus heiterem Himmel Panikattacken bekam. Langer Leidensweg, damals auch mit AD Mirtazapin (was ich diesmal aber nicht wollte weil es mir 20 kg und vor allem ganz wirre Gedanken beschert hat). Erst mein damaliger Frauenarzt hat dann die latente Unterfunktion festgestellt und nachdem ich mit viel hin und her auf 67,5 mg L-Thyroxin und mein TSH bei 1,4, war alles wieder normal und der Spuk vorbei.
In der SS lag mein TSH bei 0,5 (also deutlich in der Überfunktion aber man riet mir es dabei zu belassen weil es besser fürs Kind wäre). Da hatte ich ja auch "nur" Traurigkeit und Weinen und dachte, das liegt an der Schwangerschaft als solche. Aktuell bin ich bei 1,04. Auch noch Überfunktion. Tabletten nehme ich natürlich keine mehr, das würde mich ja nur noch weiter in die Überfunktion heben aber mein Arzt meint auch, dass 1,04 noch Norm ist und somit ok da ich sehr wahrscheinlich wieder in die Unterfunktion rutschen werde, dies aber eben dauert. Da die Hormone gegen die Überfunktion aber wohl auch Zeit brauchen um zu wirken wollte er mir da nichts aufschreiben. Klingt irgendwo logisch aber wenn man sich so fühlt wie ich (oh es ist die Hölle und ich sterbe innerlich jeden Tag scheibchenweise) wäre man froh, wenn man was fände, wo man ansetzen könnte zumal meine enorme Sensibilität auf Schilddrüsenhormone bekannt ist : (
Ich nehme weiter das Venlafaxin und hoffe, dass da außer enormen Nebenwirkungen auch wieder Wirkung kommt jetzt nach der Erhöhung.

Ganz liebe Grüße und vielen Dank für den Hinweis

Nici3011
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Re: Hilfe :(

Beitrag von Nici3011 » 03:12:2018 23:26

Es wird Dir auf jeden Fall besser gehen, es braucht Zeit.
Ich kann so gut mit Dir fühlen, ich dachte genau so wie Du.
Heute kann ich sagen, es war mit Abstand die schwerste Zeit in meinem Leben.
Aber was soll ich sagen, ich hab ein wundervolles kleines Mädchen, die mir jeden Tag zeigt, für was es sich gelohnt hat zu kämpfen.
Und das ganze ist noch gar nicht so lange her .....
Man lernt viel daraus, man achtet mehr auf sich, auf seinen Körper, auf die Dinge die wichtig und unwichtig
im Leben sind..

Herzliche Grüße

seideneFaden
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Re: Hilfe :(

Beitrag von seideneFaden » 04:12:2018 0:32

Ich freue mich sehr für Dich. Für jede von uns, die das durchgestanden hat und wieder Sonne sehen kann. Ich hatte ja keine Ahnung. Bevor ich jetzt so krank wurde hatte ich auch ein völlig falsches Bild von Depressionen. Jetzt, wo ich hier in dieser unsäglichen Dunkelheit gefangen bin und mir jeden Tag die Hände aufreiße bei dem Versuch aus diesem Brunnen zu klettern oder auch nur atmend durchzuhalten am Boden des Brunnens (und auch das bringt einen wahrlich an seine Grenzen und darüber hinaus) verstehe ich. Sollte ich das überstehen - gebe Gott Gnade - habe ich mir geschworen, dieses Thema in die Hand zu nehmen und zu helfen wo Frauenärzte und Wochenbettstationen immer noch versagen. Es wird viel zu wenig aufgeklärt und es gibt zu wenig Hilfe. Zu wenig schnelle Hilfe und die wird dringend benötigt in meinen Augen.
Aber erstmal muss ich den nächsten Tag überstehen. Heute war es zum Glück etwas ruhiger und ich konnte mal kurz vor die Türe. Hätte nicht gedacht, dass ich "Erfolg" irgendwann daran messe, wieviele Tassen ich abspülen kann.

Gute Nacht, von Herzen, da draußen

Nelli
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Re: Hilfe :(

Beitrag von Nelli » 04:12:2018 0:47

Von wegen Klinik: Es ist halt nicht leicht, etwas Gutes zu finden.
Ich habe bei Dir den Eindruck, dass Du es auch, oder sogar am besten,
in Deinem vertrauten Umfeld durchstehen könntest.
Bei mir hat das geklappt, dank Partner, Großeltern, Tagesmutter, Psychiater
und Therapeut. Ich war 2 Wochen in der Psychiatrie, ohne Kind, und es war
furchtbar. Ich habe auch den Eindruck, dass Du Dich durchaus um Dein Kind
emotional kümmern kannst. Kannst Du mit ihm sprechen, es in den Arm nehmen?
Da es ja noch andere Bezugspersonen hat, kann das gewisse Defizit ausgeglichen werden.
Ich habe meine Tochter immer nachts im Arm gehalten, um ihr wenigstens da
meine Nähe zu geben (Bei der Erinnerung daran könnte ich gerade heulen).
Das hat viel gebracht, denke ich. Ganz wichtig wäre halt, dass sie Struktur
und viel Liebe bekommt, vom Papa, Oma und Opa... Ich bin sicher, die bekommt sie auch von Dir, auch,
wenn es Dir nicht so scheint. Versuche, ihr Körperkontakt zu geben, natürlich nur,
wie es Dir guttut.
Bliebest Du unbehandelt wäre es natürlich schlimm, aber das ist ja ganz und gar nicht der Fall.

seideneFaden
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Re: Hilfe :(

Beitrag von seideneFaden » 04:12:2018 14:14

Ich habe sie an sich viel auf dem Arm. Das habe ich, sobald ich auch nur einen Funken Kraft hatte immer wieder versucht, egal was es mir abverlangt hat. Ich kann auch hier sitzen und mit ihr reden, sie anlächeln, mit ihr spielen. Immer nur dosiert, soviel meine Kraft eben gerade hergibt aber den Kontakt da nicht abreißen zu lassen war mir wichtig. Ich stehe abends an ihrem Bett, singe ihr vor und bete - soweit ich es eben kann aber es vergeht an sich kein Abend, an dem ich das nicht tue. Ansonsten sind da noch die Oma, die Tante und natürlich der Papa die die Kleine eigentlich rundum umsorgen. Da bin ich sehr froh, dass es zu keinen Defiziten kommt, natürlich abgesehen davon, dass ich mich aus Mama immer mal wieder rausziehen muss weil es nicht geht.
Tja, an sich geht es "nur" mir schlecht. Habe meinen Therapeuten heute "angeheult" dass es doch bitte aufhören soll und ob ich nicht doch nochmals zu einem Psychiater soll oder er nicht vielleicht doch eine Klinik anrät, egal wie sehr ich das nicht will aber er sagt, dass "alles läuft" und wir die Blockaden auflösen müssen. Antidepressiva bekomme ich ja, auch wenn es nicht so wirkt wie ich es mir ersehne (vielleicht noch nicht?) und die Therapie hilft halt nicht sofort, sondern Schrittweise. Man sitzt dann halt da und sagt "aber ich halte das so nicht aus, es ist so furchtbar" und muss verstehen, dass es leider, leider Zeit braucht und es keine Alternative gibt, die schneller wirkt und mich morgen wieder normal sein lässt :/

Wie schauts denn bei Dir Nelli? Wo stehst Du gerade? Wie lange ist die akute Phase her, wie lange hat sie gedauert ?

ganz liebe Grüße

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