Gedanken akzeptieren - wie praktisch umsetzen?

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Eva1987
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Re: Gedanken akzeptieren - wie praktisch umsetzen?

Beitrag von Eva1987 » 13:01:2019 9:27

Das fiel mir tatsächlich leicht. Ich kann gut mit solchen Ansätzen arbeiten. Aber ich musste es schon üben. Manchmal lässt sich die Wolke tatsächlich schlecht wegschieben, dann weiß ich, dass dieser Gedanke mehr Arbeit braucht. Mit ihm spreche ich dann innerlich wie beim Friedhof neulich.

Bisher habe ich sie alle auf mit einer der Techniken von mir bekommen.

Wie schaut es bei dir mit ignorieren aus? Fällt dir das leichter? Oder mit ihm sprechen? Natürlich nicht laut 😋 obwohl beim Fahrradfahren im Gelände hab ich auch das schon gemacht. ☺

November17
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Re: Gedanken akzeptieren - wie praktisch umsetzen?

Beitrag von November17 » 13:01:2019 22:45

Liebe Eva,

in der Therapie bin ich noch nicht wirklich bei den Strategien angekommen, so dass es bei mir weiterhin auf Ablenkung und Vermeidung hinausläuft. :shock:

Ich habe in der letzten Sitzung gesagt, dass ich merke in welchen Situationen die Gedanken mehr werden und das scheint wohl gut zu sein. Ich habe jedoch auch gesagt, dass ich dennoch nicht soweit bin akzeptieren zu können bzw. sicher sein zu können, dass ich kein schlechter Mensch bin. Diese Überzeugung "ich werde es nie tun" fehlt noch.

Und eine Sache ist mir noch aufgefallen...in Stresssituationen häufen sich die Gedanken, aber kennt ihr das auch in eigentlich positiven Situationen sprich, wenn es eigentlich richtig gut läuft?

sternschnuppe_
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Re: Gedanken akzeptieren - wie praktisch umsetzen?

Beitrag von sternschnuppe_ » 14:01:2019 7:59

Liebe Eva,

nochmal vielen Dank für deine tollen Beiträge. Sie sind wirklich sehr hilfreich und interessant!

Ich kenne es auch, dass diese Überzeugung "Ich würde es nie tun" und sich dabei absolut sicher fühlen, fehlt.

Also ich denke, dass es ganz normal ist, dass sich die Gedanken in Stresssituationen noch häufen. Man achtet da ja fast noch mehr auf sich, dass man ja nicht irgendwie impulsiv handelt und ausflippt. Bei mir ist das besonders so, wenn ich mit dem Gefühl Wut konfrontiert werde. Da achte ich innerlich noch mehr drauf, dass ich ja nix unkontrolliertes tue.
Aber natürlich können die Gedanken auch in schönen und ruhigen Situationen kommen... Gerade weil man sie ja am liebsten nicht denken würde und unterschwellig nicht haben will, hab ich immer das Gefühl, sie warten auf die erstbeste Gelegenheit wieder "rumzuhirnen".

Eva1987
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Re: Gedanken akzeptieren - wie praktisch umsetzen?

Beitrag von Eva1987 » 14:01:2019 13:12

Hallo ihr beiden 🤗

Auch ich kenne diese Unsicherheit, sich selbst nicht zu vertrauen. Und trotz meiner Fortschritte kommt auch das immer mal wieder. Mir hat mein Pferd dann immer wieder geholfen, Selbstvertrauen zu schaffen. Ich kann es noch, mich selbst wertvoll fühlen. So komme ich ganz oft zu der Überzeugung, dass ich es wirklich nie tun würde.

Ich kann euch nur empfehlen, eure Seele zu pflegen 😊 tut etwas für euch, kommt an eure Grenzen. Ich bin am schlechten Tagen wie blöde Fahrrad gefahren, um den 'drohenden Kontrollverlust' entgegen zu wirken. Berge habe ich mich hochgequält, um dann oben zu stehen und vor Stolz zu weinen 😊 bei mir stand das Gegenkämpfen immer im Vordergrund. Mein Therapeut sagt auch, dass genau das gut tut. Ich habe während des Fahrens immer mit meiner Depression gesprochen, sie heißt übrigens Erika 🙈😏. Ich habe ihr gesagt, dass ich sie nicht brauche, dass ich die Kontrolle nicht mehr verlieren werde. Und ich habe mich danach immer wie neu geboren gefühlt... Erika saß in meiner schlimmsten Zeit auf meiner Couch heim und hat sich sehr wohl gefühlt, heute schaut sie noch selten durchs Fenster 👍

Mit meinem Thera hat auch meine Angst einen Namen bekommen, sie heißt Lilly. Sie darf bei mir bleiben, wenn sie da ist, versuche ich das gut zu finden, sie zeigt mir, dass ich aufpassen soll. Ich sollte sie immer freundlich begrüßen. Das tue ich auch noch immer, wenn sie mal da ist.

Ihr seht schon ich arbeite viel mit Imaginationen und es hilft mir 😊 wir werden das alle schaffen!

November17
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Re: Gedanken akzeptieren - wie praktisch umsetzen?

Beitrag von November17 » 14:01:2019 20:12

Liebe Eva,

finde ich gerade sogar ganz witzig wie du es beschreibst :lol: und dem Kind einen Namen gibst, die so harmlos und liebevoll klingen.

Du sagst, du erlaubst der Angst zu bleiben, da sie dir zeigt, dass du aufpassen sollst.
Meine Angst dreht sich um die Gedanken und parallel um das Alleinesein. Wenn ich dann alleine bin und mich die Angst und Gedanken überkommen, frage ich mich worauf soll ich dann aufpassen? Was will mir die Angst zeigen?
Hast du dies für dich erkennen können?

Im Moment merke ich insbesondere wie die schlaflosen Nächte mir zusetzen. Heute in der Sitzung wurde thematisiert, wie viel ich eigentlich mit dem Kleinen mache...Eigenwahrnehmung vs Fremdwahrnehmung...und muss dies protokollieren. Auch hier zielte die Therapeutin quasi auf die Pflege der Seele.

Irgendwie sind die Gedanken nie wirklich im Mittelpunkt der Sitzungen :?:

Eva1987
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Re: Gedanken akzeptieren - wie praktisch umsetzen?

Beitrag von Eva1987 » 15:01:2019 16:15

Liebe November,

:lol: es ist wunderbar, dass du darüber lachen kannst! So ging es mir auch, als meine Psychologin in der Klinik mit mir die Erika ausgesucht und mein Therapeut nun die Lilly zum Leben erweckt hat 🤣

Meine Ängste kamen oft in Wartezimmern, Supermärkten und anderen Orten mit vielen Menschen. Beim Alleinsein auch, jedoch ist diese Angst wie vom Boden verschluckt. Sie hat sich in den letzten Monaten in Luft aufgelöst. Nur selten, z.B. in Wartezimmern oder wenn ich körperlich etwas stark fühle, wie schwitzen oder Schmerz, dann ist sie wieder da. Nur eben nicht mehr so stark wie damals. Eigentlich kann ich die Angst so schlicht als eine Freundin betrachten, sie meint es gut, warnt mich vor und zeigt mir, dass ich atmen muss. 1,2,3 einatmen, 1,2,3 ausatmen. In Angstsituationen werden wir kurzatmig. Das kann man dann mit der Atemtechnik gut in den Griff bekommen 😊 und wenn Lilly da ist, sag ich oft, 'danke, ich weiß, ich muss atmen.'

Hm...machst du Gesprächstherapie? Wir machen Gestalt- und Verhaltenstherapie. Ein kleines Beispiel: ich sollte beschreiben, welche Form und Farbe die Enge in meinem Hals hat. Für mich war es ein weißes gekraustes, dickes Band. Mein Therapeut überlegte, flitze zur Toilette und holte Toilettenpapier. Zerknautschte es und gab es mir in die Hand. Ich brach ich Tränen aus...und dann fragte er mich, ob ich nun mit diesem Papier meine Tränen trocknen kann. Das konnte ich ☺ bei uns im Gespräch kommt viel Selbsterfahrung zum Einsatz. Vielleicht wäre das auch das Richtige für dich 🙂

Liebe Grüße

November17
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Re: Gedanken akzeptieren - wie praktisch umsetzen?

Beitrag von November17 » 15:01:2019 23:13

Hallo Eva,

also sie ist Verhaltenstherapeutin, und wir reden noch sehr viel über allgemeine Lebensumstände bei mir etc. Die Gedanken sind bisher weniger im Fokus...Also wirkliche Strategien etc haben wir bisher kaum besprochen.

Deine Art der Therapie würde mir vermutlich schwer fallen :? Ich bin wirklich zu unkreativ und ganz schlecht in Vorstellungen und Phantasien. Außer bei den Gedanken, da scheint mein Hirn ganz kreativ zu sein und tischt mir alles an Gefühlen, Gedanken und Wahrnehmungen auf :roll:

sternschnuppe_
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Re: Gedanken akzeptieren - wie praktisch umsetzen?

Beitrag von sternschnuppe_ » 16:01:2019 7:42

Also ich denke, es ist wirklich das Wichtigste, einen Therapeuten zu haben, der sich wirklich mit Zwangsgedanken auskennt. Das drum herum reden kenne ich auch, das bringt einen leider nicht weiter und man tritt auf der Stelle. Schade, dass es z.T. so schwierig ist, einen Therapeuten zu finden, der sich da auskennt und weiter helfen kann. Ich find es echt toll, dass Eva einen Guten gefunden hat. :-)

Wohnt ihr alle in Großstädten?
Ich hatte erst gestern von einer Therapeutin gehört, sie ist keine Spezialisten bei Zwängen und die Wartezeit bei ihr beträgt 10-12 Monate. Ich find das so krass... das man ein bisschen warten muss, ok. Aber 1 Jahr??? Bis dahin kann man doch schon viel weiter sein, wenn man die Zeit nutzt und an den Zwängen arbeitet. Das ist für mich so unrealistisch. Wenn ich was anderes hab, warte ich doch auch nicht 1 Jahr auf nen Arzttermin :lol:
Ich rufe nächste Woche, wenn ich Spätschicht hab, nochmal bei der DZG an, in der Hoffnung die können mir ein paar Therapeuten nennen, die sich mit ZG auskennen.
Letzte Woche hatten sie leider Renovierungsarbeiten und Anrufzeit ist nur vormittags.

Lg

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