30 ssw und Anfang Depression?

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sakuranbo
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30 ssw und Anfang Depression?

Beitrag von sakuranbo » 08:01:2019 16:19

Hallo zusammen :wink:

ich bin neu hier und möchte mich kurz vorstellen. Ich bin momentan im 7. Monat schwanger und fange an an mir selbst zu zweifeln.. kurz vor Weihnachten hat es angefangen. Ich habe mich plötzlich nicht mehr real in dieser Welt gefühlt, hatte einen kurzen "Tunnelblick" vor meinem Mann und dann haben irgendwie ZG's bei mir angefangen (gegenüber meinem Mann und meinem Baby im Bauch) :cry: . Ich hatte plötzlich solche Angst vor mir selber, Angst die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren und sogar verrückt zu werden.. ich dachte warum passiert das auf einmal.. warum denke ich so? Ich liebe meinen Mann und mein Baby im Bauch :cry:
Die Nacht konnte ich nicht schlafen.. meine Hände und Beine haben angefangen zu kribbeln, ich dachte ich verliere gleich die Kontrolle über mich selbst, aber irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen. Meinem Mann hab ich nix davon erzählt, ich denke er würde das nicht verstehen.. Naja ich hatte dann einen Termin beim Frauenarzt, weil ich 2 Tage lang einfach nur deprimiert drauf war und vor allem nix essen und nicht schlafen konnte. Ich hatte Angst alleine zu Hause zu bleiben wenn mein Mann arbeiten war, Angst die Kontrolle zu verlieren und mir noch was an zu tun... mein Frauenarzt hat mir ne Überweisung gegeben und dann war ich beim Psychiater in der Ambulanz. Ich habe gesagt, dass ich mich nicht wohl fühle, über meine Ängste, meine Freud-, Appetit-, und Schlaflosigkeit. Ich hatte auch plötzlich keine Gefühle gegenüber meinem Baby. Ich hatte wie eine innere, große Leere in mir... der Arzt meinte in 2 Tagen bekäme man keine Depression und ich soll abwarten, Freunde/Familie treffen usw.. Medikamente wollte ich auch keine nehmen. Über die ZG habe ich nix gesagt, weil ich vorher nicht wusste was das ist und habe dann später im Internet recherchiert und es erst dann herausgefunden das ich sowas hatte...

Mir ging es danach auch wirklich gut und ich hatte keine einzigen Beschwerden mehr, bis mein Mann und ich wieder zu uns nach Hause gefahren sind (hatten Weihnachten/Neujahr bei meinen Eltern verbracht und wir wohnen weiter weg). Dann hat es plötzlich wieder angefangen. Ich dachte ich halte das nicht länger aus, die Angst verrückt zu werden, die Angst die Kontrolle zu verlieren, die Angst psych. krank zu sein, die Angst nicht mehr ich selbst zu sein.. hatte auch wieder das Gefühl die Welt sei nicht real, ich sei nicht real und wo bin ich eigentlich? Ich konnte mich für einen Moment nicht mal im Spiegel ansehen.. und die ZG kamen wieder zurück, genauso wie die Freudlosigkeit, nix hat mich glücklich gemacht, ich konnte nicht lachen.. mein Mann hat nix davon mitbekommen, ich wollte ihm keine Angst vor allem keine Sorgen machen... jetzt bin ich wieder bei meinen Eltern, weil ich es bei meinen Mann nicht ausgehalten habe wirklich die Kontrolle über mich zu verlieren, außerdem wäre ich die ganze Zeit alleine Zuhause weil er arbeitet. Auch davor hatte ich Angst - alleine Zuhause zu sein.
Bei meinen Eltern geht es mir schon etwas besser, dennoch habe ich diese Beschwerden...

Auch habe ich Angst das es nach der Geburt noch schlimmer wird!!

Kennt das jemand? Wird es besser werden?

Ich will eine gute Mutter werden und einfach wieder glücklich werden... was ich vergessen habe zu sagen ist, dass ich vor der Schwangerschaft schon an Panikattacken litt und das ist meine 1. Schwangerschaft..

Sorry für den langen Text.. ich hoffe jemand kann mir helfen

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Marika
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Re: 30 ssw und Anfang Depression?

Beitrag von Marika » 10:01:2019 9:51

Herzlich Willkommen hier in unserer Runde,

du bist hier sehr richtig, wir alle kennen was du beschreibst - entweder in der Schwangerschaft oder danach.

Ja - es wird wieder gut, nur du musst dir helfen lassen. Dazu ist es wichtig, deine Symptome in ihrer ganzen Bandbreite offen zu legen und nichts zu verschweigen. Das bedeutet, du musst nochmal ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Von alleine wird es mit Sicherheit nicht besser, sondern du läufst Gefahr, nach der Geburt in ein tiefes Loch zu fallen. Soweit muss es nicht kommen, dazu musst du aber jetzt handeln.

Wissen deine Eltern Bescheid? Wenn nicht, dann wird es Zeit, dich zu öffenen. Auch deinen Mann solltest du recht schnell einweihen, ihn zu schützen ist zwar lieb von dir, schadet aber nur dir selber. Denn "geheim halten, im Geheimen gesund werden und sein Umfeld schützen" spielt sich bei dieser Erkrankung leider nicht. DU bist es, die nun Hilfe, Schutz und Fürsorge braucht, auch im Hinblick auf dein Baby im Bauch. Dein Mann und deine Eltern werden die Kraft aufbringen, zu verstehen was mit dir los ist, wenn nötig auch mit ärztlicher Aufklärung.

Also - was würde ich in deiner Lage tun: Deine Frauenärztin kontaktieren und ihr klar sagen, wie schlecht es dir geht. Sie kann dann alles in die Wege leiten, damit du nochmal sehr schnell einen Termin bei einem Psychiater erhälst. Der Erste hat den Ernst der Lage wohl nicht erkannt, möglicherweise weil du nicht die ganzen Symptome erwähnt hast. Dafür ist es nun Zeit - gerade weil du schon vor der Schwangerschaft an Panikattacken gelitten hast, ist es wichtig dich jetzt schon zu stabilisieren, damit du nach der Schwangerschaft gesund bleibst.

Medikamente nimmt niemand gern, das ist klar. Aber auch in der Schwangerschaft gibt es sehr gut verträgliche AD´s und sie sind oft die bessere Wahl, als ohne zu leiden. Denn man vergisst oft den Umstand, dass wenn es der betroffenen Frau so schlecht geht, eine Menge Stresshormone gebildet werden, die ebenfalls auf das Ungeborene übergehen. Diese stellen nachweislich einen Risikofaktor für später mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. psych. Erkrankungen dar. Dass soll dir keine Angst machen, aber ich meine du solltest die ganzen Fakten beim Abwägen - "Medikamente ja - nein" - kennen.

Meld dich wieder, wir helfen dir gerne weiter!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

sakuranbo
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Re: 30 ssw und Anfang Depression?

Beitrag von sakuranbo » 10:01:2019 13:16

Vielen Dank für deine Antwort und Hilfe Marika!

Ja, ich muss was dagegen tun. Ich weiß nun das ich das alleine nicht schaffe. Meine Panikattacken hatten vor 2 Jahren angefangen, ich dachte ich schaffe es ohne einen Arzt, aber nun bin ich hier und habs nicht geschafft.. ich habe nächste Woche Termine bei 2 verschiedenen Psychotherapeuten.. mal schauen was die sagen.
Sobald ich weiß was mit mir los ist, werde ich meiner Familie davon berichten. Ich würde auch Medikamente einnehmen, falls nötig. Ich kann so wie es momentan ist nicht mehr Leben.. ständig diese Angst in mir :cry:

Was ich fragen wollte.. ich habe seit paar Tagen ständige Angst verrückt/schizo zu sein/werden.. ich bekomme den Gedanken einfach nicht los, das begleitet mich den ganzen Tag und wenn ich morgens aufwache gehts von vorne los. Ich habe ständig diese Innere Unruhe im Herzen, mein Kopf fühlt sich so an als ob er gleich platzen würde.. ich fühle mich einfach nicht frei und nicht mehr ich selbst. Ich hatte sogar Gefühle mir sei alles fremd, meine Umgebung, meine Familie... Kennt das jemand? Ich hab solche Angst :| ich muss doch stark sein für mein Baby und meine kleine Familie. Ich habe keine freude mehr an allem.. hattet ihr das auch so wie ich? :cry: habe ich Zwangsgedanken oder eine Depression?

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Marika
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Re: 30 ssw und Anfang Depression?

Beitrag von Marika » 10:01:2019 15:57

Ich kann von hier aus keine Diagnose stellen, aber es läuft in die Richtung von einer Depression. Was ich auch hatte: die Angst schizophren zu sein, verrückt zu werden, manchmal dachte ich dass mir alles fremd ist. ZG sehe ich bei dir keine, eher wie du selber schreibst Angst und Panik. Ich kann dir aber sagen, dass Menschen die tatsächlich schizophren sind, das nicht merken und auch gar nicht vermuten. Sie hinterfragen nichts so, wie du das tust - somit bist du es auch nicht. Das hat mir mein Arzt damals auf diese Frage gesagt.

2 Wochen finde ich noch sehr lang. Ich würde deine Familie gleich mit ins Boot holen und schauen, dass du früher einen Termin bekommst. Wie gesagt kann deine behandelnde Ärztin das sehr beschleunigen. Ich persönlich würde keine 2 Wochen mehr warten.
Liebe Grüße von
Marika

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sakuranbo
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Re: 30 ssw und Anfang Depression?

Beitrag von sakuranbo » 21:01:2019 21:47

Hallo Marika 😊

Danke für deine Nachricht und tut mir leid dass ich jetzt erst antworte...

Also ich war letzte Woche schon bei 2 Ärzten mit V.a. Panikstörung.. Medikamente habe ich nicht bekommen und mein Frauenarzt meinte auch ich soll lieber nur pflanzliches einnehmen...

Ja, bei mir ist es auch so die Angst verrückt zu werden, Angst vor Kontrollverlust und das komische Gefühl das alles "fremd" ist, habe ich auch. Kannst du das vielleicht genauer erzählen wie das bei dir ausgesehen hat? Vor allem mit dem "fremd" sein interessiert mich momentan. :cry:

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Marika
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Re: 30 ssw und Anfang Depression?

Beitrag von Marika » 22:01:2019 9:06

Das ist schwer zu beschreiben, es war als würde ich alles durch eine Glasglocke wahrnehmen, als wäre ich zwar mitten drinn, aber doch irgendwie außen vor.

Ich finde du denkst viel zu sehr über die Symptome nach, auch wenn ich das gut verstehen kann. Es bringt aber nichts, im Gegenteil - du bewegst dich dadurch noch stärker in die Angstspirale hinein. Das hat eine andere Userin in einem anderen Beitrag auch schon sehr treffend geschrieben.

Was du JETZT brauchst ist wirklich eine Fachperson. Du schreibst du warst bei 2 Terminen, was haben die gesagt, waren das Psychotherapeuten? Meiner Meinung brauchst du einen Überweisung an einen Psychiater. Therapeuten können und dürfen gar keine Medikamente verschreiben, hier wäre ein Psychiater gefragt, der dich aufklärt. Verlange eine Überweisung von deinem Frauenarzt oder deinem Hausarzt. So kann es nicht weiter gehen, gerade weil du vorbelastet bist und die Geburt bald bevorsteht. Man muss jetzt alles tun, um ein Netz zu bilden, damit es dir nach der Geburt nicht schlechter geht. Dazu gehört, dass du dich deiner Familie öffnest - hast du das schon getan?

Also: bitte versuche Hilfe zu bekommen, zusammen mit deiner Familie. Über Symptome zu grübeln, bringt gar nichts!
Liebe Grüße von
Marika

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