Aufsteigende Panik

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Sarah
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Aufsteigende Panik

Beitrag von Sarah » 14:05:2019 17:42

Hallo ihr lieben,
ich versuche mal mein aktuelles Problem zu beschreiben. Ich leide im Moment weniger unter den ZG‘s, aber dafür haben sich neue Dinge entwickelt. Ich stelle sehr viel in Frage oder vielmehr habe ich Angst davor, dass ich mein Leben so vielleicht nicht wollte bzw irgendwann ausbrechen möchte, meinen Mann und mein Kind verlassen möchte. Ihre Nähe vielleicht irgendwann nicht mehr ertrage. Rational weiß ich, dass mir in meinem Leben nichts wichtiger ist als meine Familie. Und diese Angst und Panik, die ich dann bekomme macht sich durch so ein körperliches Gefühl bemerkbar, dass ich am liebsten davor davon rennen will. Es ist keine vollständige Panikattacke, die hatte ich schön häufiger und das fühlte sich noch mehr körperlich an. Ich kann es gar nicht so genau erklären, aber es macht mir wahnsinnig Angst.
Kann mir jemand von euch etwas dazu sagen? Ich hab das Gefühl ich fürchte mich so sehr vor dem eigenen Kontrollverlust, dass ich noch verrückt werde.

sternschnuppe_
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von sternschnuppe_ » 15:05:2019 7:40

Hallo Sarah,

das könnten auch wieder ZG sein, nur hat sich der Inhalt verändert. Es gibt ja auch das sogenannte ROCD. Da haben die Betroffenen Angst, sie könnten ihren Partner gegen ihren Willen verlassen. Außerdem die Angst vor dem Kontrollverlust. Das ist doch der Kern für ZG.

Deswegen sagen viele Experten, dass der Inhalt der ZG unwichtig ist. Es ist immer der gleiche Mechanismus, den man auf die Schliche kommen muss.
Ich kenne diese Art von Gedanken auch. Hatte ich damals kurz vor meiner Hochzeit. Wieder ein typisches Beispiel, dass der Zwang sich gern das momentan wichtigste Thema im eigenen Leben sucht.

Sarah
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Sarah » 15:05:2019 8:45

Danke für deine Antwort!!! Das brauchte ich gerade. Habe gestern Abend noch vor Stress angefangen mich zu übergeben. Ich glaube ich brauche irgendwie einen Notfall Plan für solche Momente. Habe mich nun eben krank gemeldet, Kind zu Oma und Opa ausquartiert (schweren Herzens) und fahre gleich mal zum Arzt.
Das Gefühl verrückt zu werden frisst mich auf. Das was du sagst klingt plausibel!! Danke!!

sternschnuppe_
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von sternschnuppe_ » 15:05:2019 10:47

Gerne! Diese ZG sind so heimtückisch.
Klar kann das dann auch noch Ängste und Panik hervorrufen :roll:
Warst du beim Arzt?

Sarah
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Sarah » 15:05:2019 12:16

Ja war ich. Bin den Rest der Woche erstmal zu Hause und meine kleine schläft heute dann auch auswärts. Sie hat mir ein angsthemmendes Mittel für den „Notfall“ aufgeschrieben. Das Wissen darauf zurück greifen zu können ließ mich dann schon ruhiger werden. Das gemeine ist, dass man in einem Augenblick das Gefühl hat, es wird besser und plötzlich zieht es einem den Boden unter den Füßen weg. Ich möchte mit diesem Kapitel so gern abschließen, wie ja alle Frauen hier. Deine Worte haben mir wirklich sehr geholfen heut früh!!!

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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von sternschnuppe_ » 15:05:2019 13:18

Da bin ich froh, wenn ich dir etwas helfen konnte.
Der Zwang kann so viele Gesichter haben. Zumindest inhaltlich.
Leider ist es oft so, wenn man denkt, es wird besser, geht es trotzdem nochmal bergab.

Man hofft, irgendwann gibts keine Einbrüche mehr.

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Kikke
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Kikke » 15:05:2019 16:27

Den Gedanken des Weglaufens kenne ich nur zu gut. Als ich ganz unten war, habe ich mir eingeredet, dass ich mich selber krank/verrückt gemacht habe, damit ich in die Psychiatrie komme und nicht mehr bei meinen Mann und Sohn sein muss.
Ein sehr schlimmer Gedanken und es tut mir sehr leid, dass du dich gerade damit auseinander setzen musst.

Ein Notfallplan klingt: was tue ich akut? Durchatmen, Wasser ins Gesicht, jemanden anrufen etc.

Mir hat geholfen, dass die Gedanken nicht schlimm sind, dass man Mal zu Hause raus will. Die Krankheit macht sie für mich schlimm.
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von November17 » 16:05:2019 8:20

Diese aufkommende Panik kennt bestimmt jeder.

Soll ich dir etwas banales sagen...selbst wenn ich auf die Toilette muss steigt Panik auf.
Das Gefühl was sich dabei entwickelt nehme ich intensiv wahr und fehlinterpretiere es.
Durch den kurzen kann ich manchmal nicht sofort auf Klo und klar es steigert sich auch das Gefühl, wenn man nicht einmal entspannt auf die Toilette kann.

Bei meinen Eltern ist es nicht so...da bin ich automatisch entspannter. Da ist ja jemand da und ich kann gehen wann ich will, wie lange ich will und interpretiere nichts damit.

Aber obwohl man weiß, man muss auf klo fängt einen der Zweifel ein.

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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von sternschnuppe_ » 16:05:2019 8:53

Es ist schon heftig, was der Zwang alles machen kann.
Aber klar, die Panik kenne ich auch als dieses Dranggefühl, was auch nur die übergroße Angst ist, diese absurden Gedanken umzusetzen.

Ein Psychiater beschrieb das ganze Mal als eine "Fehlzündung" im Gehirn. Auf diese eigentlich harmlosen Gedanken reagiert das Hirn von Zwänglern ganz stark mit Angst. Als würde ein falsches Signal ausgelöst werden. Bei Menschen ohne ZG ist das nicht so.

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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von November17 » 16:05:2019 12:37

Steigt bei euch die Panik nur bei Gedanken hoch oder wird die Panik auch durch bestimmte Situationen ausgelöst?

Wahrscheinlich sind Situationen und Gedanken in dem Moment so nah beieinander, dass man nicht erkennt was jetzt eigentlich der Auslöser war. Nur die Situation oder die schnelle unbewusste Bewertung dieser.

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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von sternschnuppe_ » 16:05:2019 13:37

Ich glaube das hängt beides zusammen.
Gedanken können schnell körperliche Panik auslösen.
Also ich würde sagen beides.

Wobei ich versuche sie nicht nach außen zu zeigen. Aber körperlich ist es eher schlimm, wenn man in einer akuten Phase ist und sich da durch die Gedanken reinsteigert.

Am schlimmsten find ich diesen Kreislauf. "Was wenn ich es wirklich mal tue?" Oder "Vielleicht will ich es ja insgeheim" :roll:

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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von November17 » 17:05:2019 7:50

sternschnuppe_ hat geschrieben:
16:05:2019 13:37

Wobei ich versuche sie nicht nach außen zu zeigen. Aber körperlich ist es eher schlimm, wenn man in einer akuten Phase ist und sich da durch die Gedanken reinsteigert.
Wie meinst du das mit dem nach außen zeigen?

Sarah
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Sarah » 17:05:2019 9:25

Ich denke sie meint die Panik oder? Mache ich auch nicht. Ich werde dann super ruhig und mache es mit mir selbst aus.

Wie geht es euch heute?

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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von sternschnuppe_ » 17:05:2019 11:15

Sarah hat geschrieben:
17:05:2019 9:25
Ich denke sie meint die Panik oder? Mache ich auch nicht. Ich werde dann super ruhig und mache es mit mir selbst aus.

Wie geht es euch heute?
Ja genau so meinte ich. Man spürt innerlich die Panik und macht es mit sich aus.

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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von November17 » 17:05:2019 15:05

Die Panik kommt ja immer wenn ich alleine bin.

Ich kann es somit gar nicht nach außen zeigen. Es ist so unangenehm.

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