Aufsteigende Panik

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Sarah
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Sarah » 17:05:2019 18:07

Hast du es mal mit Atmen versucht. So tief in den Bauch, wie du nur kannst und dann zählst du die Sekunden zum einatmen und die zum ausatmen.

sternschnuppe_
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von sternschnuppe_ » 19:05:2019 22:24

Ich hab auch schon oft gehört, dass man viel über bewusstes Atmen steuern kann :-)

November17
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von November17 » 20:05:2019 8:31

In diesem Moment habe ich irgendwie nicht die Ruhe zum Atmen und will dann immer weg oder lenke mich mit Arbeit ab etc. :?

Mat1977
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Mat1977 » 27:05:2019 21:27

Bei mir kommt die Panik immer bei Überforderung, sei es Müdigkeit durch zu wenig schlaf oder einfach zu viel Verwandschaft um mich herum, eigentlich Gefühle die jeder hat nur ich verbinde sie immer mit Panikattacken. Angst vor Angst. Aber es entwickelt sich keine Panikattacke mehr, dass hat aber paar Monate gedauert. Jetzt sage ich mir, je nach Situation, was Positives... ist ja nur Müdigkeit, ich gehe ja gleich schlafen oder die sind ja dann auch irgendwann weg (die Verwandschaft) oder nur so im Alltag, kommt manchmal der Gedanke: ach, wir haben es so schön... und gleich danach: ich hoffe ich kriege keine Panikattacken mehr... und dann klar: kommt jetzt eine?!?! Aber dann habe ich die Kraft, zu sagen: ja, wenn ich sie will, aber das tue ich ja nicht.

Als ich akut war, fand ich solche Selbstsuggestionen unmöglich, aber jetzt sehe ich, dass sich das alles völlig gelohnt hat.

Sarah
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Sarah » 28:05:2019 6:05

Das ist super, also dass du es so gut zuordnen kannst meine ich. Und dass es dir dann auch gelingt dich zu beruhigen. Bei mir sind es auch keine voll ausgereiften Panikattacken. Aber ich habe das noch nicht als Fortschritt erkannt. Sondern es macht mir trotzdem Angst. Und die Angst vor der Angst ist es bei mir auch sehr sehr oft!!
Eigentlich ist es doch ganz schön, dass ich so lange Zeit keine „richtige“ Panikattacke mehr hatte. Hab ich so noch nie gesehen.

November17
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von November17 » 28:05:2019 12:03

Mat1977 hat geschrieben:
27:05:2019 21:27
Bei mir kommt die Panik immer bei Überforderung, sei es Müdigkeit durch zu wenig schlaf oder einfach zu viel Verwandschaft um mich herum, eigentlich Gefühle die jeder hat nur ich verbinde sie immer mit Panikattacken. Angst vor Angst.
Hallo zusammen,

lustigerweise hatte ich gestern Besuch und es war auch sehr laut vormittags bei mir. Und obwohl ich total happy war, dass jemand hier war und ich nicht alleine sein musste, hatte ich das Gefühl gestresst zu sein. Und Müdigkeit kann ich definitiv unterstreichen, da unser Sohn so schlecht schläft. Und Überforderung würde ich auch meinen, denn er fordert so viel von mir. Sehr anhänglich und mamabezogen. Wirklich bei jeder Tätigkeit von mir, kommt er und will auf den Arm. Dann privater Stress. Arbeit. Haushalt. Sehr viel unterwegs. Wohl alles Zeichen der Überforderung, was früher nicht so empfunden wurde ohne Kind und da gab es noch keine Panik oder ZG.

Früher war ich auch genervt bei Familientreffen vor allem bei mir daheim. Es war laut, die Kinder tobten etc. und ich merkte dass meine Laune gereizt war. Als die dann weg waren sind wir raus an die Luft oder auf die Couch und chillten.

Bei einem anderen Familienmitglied verzog ich mich, wenn es mir zu viel wurde. Daheim geht das ja schlecht.

Nur reagierte ich damals nicht mit Panik oder ZG. und jetzt ist es so, dass man diese Ruhe nicht hat. Das Kind geht spät ins Bett und dann versucht man selber direkt zu schlafen. Da ist kein wahres runterkommen mehr.

Hast du diese Suggestionen lange üben müssen?

Mat1977
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Mat1977 » 28:05:2019 22:59

November17, genau auf den Punkt gebracht! Ich genieße wirklich meine Jungs und ich würde sie nicht mal ein bisschen anders haben wollen, aber sie sind eunfach anstrengend, klar hätte ich sie auch vor die Glotze setzten können aber will ich nicht. Auch wenn ich mal wieder ausbrenne, mache ich das nicht, denn ich sehe, wie sich diese Mühe lohnt, je älter die werden, desto verbundeter sind wir dadurch. Der Grosse (6) hat mir heute aus dem Nix gesagt: Mama, ich kann gar nicht sagen, wie toll ich dich finde! Und das trotzdem ich auch geschimpft habe und es die Schokolade erst nach dem Abendessen gab!

Das mit den Suggestionen war bei mir so: als ich akut war, konnte ich kein autogenes Training machen aber dafür hat es mir geholfen schnell zu laufen, walken, joggen und dabei hörte ich Arndt Steins aktiv Suggestionen z.B Angst bewältigen oder Meine Ziele verwirklichen. ... und dachte, das bringt eh nichts. Und dann als ich langsam ruhiger wurde wieder autogenes training mit abschließenden Autosuggestion... und dachte wieder, es bringt eh nichts 😀 vor dem schlaf mache ich normaleweise noch yoga nidra von thomas stan hemken (gibts in youtube), hier mag ich besonders san kalpa, das ist die autosuggestion, damit hörte ich vor 10 jahren mit rauchen und das ohne entzugschwierigkeiten. Dann das buch Panikattacken und Ängste loswerden von Klaus Bernhardt (hier muss ich sagen, dass ich nicht 100 % dem Author zustimme, ich habe das angewendet, was ich richtig fand). Angefangen habe ich damit so anfang Februar und jetzt kann ich mich schon gut selber überzeugen, dass ich toll bin 8) :D

November17
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von November17 » 29:05:2019 8:09

Arndt Steins Hörbücher musstest du kaufen, oder?

Bei YouTube finde ich nur Hörproben.

Dieses autogene Training und ähnliches ist für mich noch sehr fremd. Vor allem ist es bei mir so, dass es mich dann immer an die Krankheit erinnert.

Man will eigentlich, dass der Alltag flupt und nicht ständig erinnert werden muss, indem man ankämpft. Versteht ihr was ich meine?

Es liegt wohl auch daran, dass man vorher auch nie etwas für sich getan hat. hätte man vorher regelmäßig yoga oder Sport gemacht, würde es nicht wie ein Mittel gegen die ZG wirken wenn man es jetzt versucht anzugehen.

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Kikke
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Kikke » 29:05:2019 9:03

Mir hat es geholfen, den Kampf anzunehmen und es nicht wegschieben zu wollen.

Ich hatte zum ersten Mal in der Klinik mit autogenem Training Kontakt und habe nach der Entlastung mit Yoga begonnen. Vorher habe ich sowas nie gemacht. Mir hilft es sehr. Einen Versuch ist es wert.
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von sternschnuppe_ » 29:05:2019 21:42

Ich glaube, da hat Kikke recht.
Es ist wichtig, den Kampf aufzunehmen.
Das Wegschieben verstärkt die Gedanken nur noch.

November17
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von November17 » 04:06:2019 7:13

Hallo ihr Lieben,

Panikattacken als Liebesdienst unseres Unterbewusstseins um uns vor Schlimmeren zu beschützen, weil man zu wenig auf sein Bauchgefühl gehört hat. So ist es in einem Buch beschrieben...in Bezug auf ZG fällt es mir noch schwer dies zu verstehen. Die Panik soll ein Schutzmechanismus sein und die drastische Maßnahme der Psyche um evtl. sein Leben/bestimmte Lebensweisen zu überdenken.

Hm...inwiefern passt dies auf die ZG bzw. vor allem die Lebensweise, dass es beim alleine sein vorkommt. Was ist da die zu verändernde Lebensweise?

Ist die Panik die Angst vor Veränderungen, was ein Kind mit sich brachte? Obwohl man früher funktioniert hat im Umgang mit Kindern.

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Marika
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von Marika » 04:06:2019 7:44

Für mich war das klar - allerdings bin ich da erst mit der Zeit drauf gekommen: Als Mutter hast du für dein Kind die 100 % Verantwortung - Tag und Nacht, 24 Stunden lang. Bist du alleine, liegt die Last komplett auf dir, ist jemand bei dir, teilt man sich das.

Die Angst vor dieser riesen Verantwortung war ein Teil meiner PPD und auch der ZG. Speziell auf die ZG aufgeschlüsselt hieß das für mich: Wenn jemand bei mir ist, dann könnte er/sie mich ja jederzeit vom Ausführen der ZG abhalten. Daher habe ich mich in Gesellschaft immer viel sicherer gefühlt - war sogar manchmal fast beschwerdefrei.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

November17
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Re: Aufsteigende Panik

Beitrag von November17 » 04:06:2019 9:24

Liebe Marika,

danke dir.

Fast beschwerdefrei bin ich auch in Gesellschaft. Besser gesagt je nachdem welche Gesellschaft.

Bei Menschen, die nichts oder kaum etwas wissen von der Krankheit schon. Bei Eltern oder meinem Mann mal so mal so, da sie die Umstände kennen und der Grund warum ich oft bei ihnen bin, die ZG sind, die ich durch Gesellschaft vermeide. Stehe dann irgendwie wie unter Druck manchmal.

Ich glaube, wenn mein Mann damals die Nacht dabei gewesen wäre, wäre der Vorfall mit meiner Nichte auch nicht passiert. Nach dem Ereignis, war ich ja dennoch mit den Kindern tagsüber normal unterwegs und auch alleine. Aber ich hatte nachts keines der Kinder mehr alleine da.
Ich weiß, man soll die Vergangenheit ruhen lassen, aber irgendwie versuche ich daraus dennoch ein Verständnis entwickeln zu können.

Tja und nun ist die Verantwortung bei mir...irritierend nur noch, dass die ZG kommen, auch wenn man ganz alleine ist.

Ich muss auch sagen, dass nach der Geburt sehr viel Verantwortung bei mir lag egal in welcher Hinsicht. Oft mals wollte ich sie nicht abgeben. Anfangs wollte nur ich oder mein Mann sollte wickeln. Das Tragen des Kindes durch andere störte mich, weil er wie eine Puppe hin und her getragen wurde. Die Taufe organisierte ich fast selber obwohl ich da mehr Hilfe von meinem Mann gewünscht hätte.

Und heute ist es auch oft noch so, dass meine Entscheidungen kritisiert werden. Ich will dem Kind keine Süßigkeiten mit 19 Monaten geben bzw. kontrolliere dass es sehr gering gehalten wird und das umfeld gibt ihm trotzdem etwas zu naschen und stopft das Kind. Meckert er, kommt oft er habe sicher Hunger. Lasse ich ihn im Park an den Wasserfontänen spielen mit vielen anderen Kindern, kommt direkt es sei noch zu kalt, er wird krank etc. Dabei waren es knapp 28 Grad an dem Tag. Also sehr viele meiner Entscheidungen und Ansichten werden oftmals seitens der Familie kritisch begutachtet oder dann auch hintergangen.

Im Vergleich zu der Krabbelgruppe merke ich, dass viele Mamas so wie ich handeln und lockerer erziehen.

Meine Schwiegermutter hat den Kindern immer nur essen gegeben damit diese ruhig sind. Kaum haben sie sich gemeldet war es für sie Hunger. Die Kinder haben sich quasi selber erzogen bei ihr.
Und meine Eltern waren das krasse Gegenteil...mein Papa weiß immer alles besser, ich würde überbehütet und Selbstsicherheit war dann auch schwierig zu entwickeln. Man sieht ja auch, dass man sich in die Erziehung des eigenen Kind einmischt.

Die Panik als Zeichen der Veränderung hinterfrage ich in vielen Hinsichten...ich war nicht besonders glücklich im Job, hatte Angst zu wechseln. Mein Mann war/ist lange eine Sorge / Unsicherheit für mich aufgrund des Spielens, hätte ich ihn verlassen müssen?

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