Kobold im Kopf

Austausch von Erfahrungen mit Therapieformen, Infos, Tipps

Moderator: Moderatoren

Antworten
November17
power user
Beiträge: 286
Registriert: 11:10:2018 11:54

Kobold im Kopf

Beitrag von November17 » 14:08:2019 13:27

"Die Gedanken, die der Dämon der Infamie aussucht, um seine Opfer zu peinigen, beziehen sich meist auf das, was diese als das Unpassendste und Schlimmste ansehen, was sie tun könnten"

Ihr Lieben,

woher weiß man, ob der Inhalt der ZG wirklich das Unpassendste und Schlimmste ist, wenn man dazu keine Gefühle bzw. Stellung mehr hat?

Bspw. wenn in den Medien von Taten berichtet wird. Man fühlt sich so Anteilnahmslos.
Im Urlaub erzählte meine Cousine von einem Übergriff im Dorf. Sie erzählte es und ich war irgendwie wie genervt davon nach dem Motto "toll, muss sie so was erzählen". Ich beobachtete sie, WIE sie es erzählte, ob man bei ihr tiefste Erschütterung erkenne.

Und natürlich ging / geht mir der Fall nicht aus dem Kopf und taucht gedanklich hin und wieder auf.

Wie und woher weiß man, dass es dann wirklich nur Gedanken sind und dass es tatsächlich das Schlimmste ist, was man sich vorstellen kann bzw. die größte Angst?

In jungen Jahren hatte ich zum Beispiel Angst in der "bekannten" Öffentlichkeit umzukippen, weil es peinlich gewesen wäre. Die Angst kam auch immer nur in der Kirche und irgendwann saß ich immer in der letzten Reihe, falls mir schlecht oder ähnliches werden sollte. Ist dies auch eine Form von ZG gewesen, die in bestimmten Situationen auftraten?

Leer Baer schreibt ja, dass sich das Schlimmste und Peinlichste, was man tun könnte, im Laufe der Zeit ändern kann. Wobei die Angst und Gedanken umkippen zu können keine Tat sondern eine Befürchtung waren, dass es passieren könnte. 8)

Habt ihr Schuldgefühle erkennen können? Baer erklärt, wann negative Gedanken gefährlich seien. " Wenn Sie nicht unter Ihren Gedanken leiden, sondern im Gegenteil angenehm finden"
Wenn man die ZG auslacht oder als egal abstempeln will, entsteht manchmal wie ein angenehmes Gefühl und die Angst dahinter, der Ekel sind weg. Müssten wir dann nicht immer Ekel empfinden um sicher zu sein, dass man es nicht ausführt?

Andererseits macht es mir ja immer noch Probleme alleine zu sein und ich meide es.

Es ist ganz schwierig positive Gefühle und negative Gedanken auseinander zu halten. Manchmal ist ein Glücksmoment da, der von einem negativen Gedanken nahtlos abgelöst wird.

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 210
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von Kikke » 14:08:2019 13:47

Hallo meine Liebe,

Ich merke, dass du immer noch einen Knoten in Kopf hast, was genau Zwangsgedanken sind. Bitte besprich es nochmal in der Therapie.
Du kannst deine zg sehr gut benennen, oder? Dich treibt aber immer für Angst an, dass du es wirklich ausführst. Dann wären es keine Zwangsgedanken, sondern wir der Autor sagt, gefährlich, weil du Gefallen daran hättest.

Man muss sich nicht dauernd vor Gedanken/Taten ekeln, die man verurteilt. Dann wäre ein normales Leben ja kaum möglich
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

sternschnuppe_
power user
Beiträge: 295
Registriert: 11:05:2018 12:45

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von sternschnuppe_ » 15:08:2019 10:03

Da kann ich Kikke nur zustimmen.
Man muss sich nicht permanent davor ekeln oder Angst vor den Gedanken haben, denn gerade das hält ja den Kreislauf der ZG am Leben.

Sie können uns auch einfach egal werden, dann verliert der Zwang seine Macht. Deswegen werden sie dir trotzdem noch lange nicht gefallen und du wirst sie auch nicht angenehm empfinden, sondern eher neutral.

Man sollte glaub nicht alles auf die Goldwaage legen, denn gerade das bietet immer wieder neue Angriffsflächen.
Außerdem ist es bekannt, dass wenn die Angst vor den Gedanken schwindet automatisch kommt "Heißt das, dass ich es doch tun könnte?" "Gefällt es mir jetzt etwa?"
Der Zwang kommt damit durch die Hintertür wieder rein.

November17
power user
Beiträge: 286
Registriert: 11:10:2018 11:54

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von November17 » 15:08:2019 21:51

Liebe Kikke,

Meinst du die einzelnen Gedanken benennen?
Inhaltlich geht es immer ums selbe Thema nur kommen immer neue Gedanken und Situationen dazu.

@Sternschnuppe: wirkt als kenne der Zwang jede Hintertür :x

sternschnuppe_
power user
Beiträge: 295
Registriert: 11:05:2018 12:45

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von sternschnuppe_ » 16:08:2019 13:40

Also kannst du sie benennen.
Musstest du das in der Therapie schon mal angeben?

Ja, ein cleveres kleines Biest :lol: Deswegen ja auch Krankheit des Zweifelns :P Er schafft, dass man an allem zweifelt.

November17
power user
Beiträge: 286
Registriert: 11:10:2018 11:54

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von November17 » 16:08:2019 14:57

Ganz selten Sternschnuppe.

Und es gab einmal eine Sitzung, in der ich von den Gedanken erzählen sollte und dort pochte sie stark auf den Inhalt und ob ich in den Gedanken der Täter sei oder allgemein Gedanken zum Thema habe.

Es verunsicherte mich stark, dass sie so sehr darauf gepocht hat und auch meinte, dass dies sehr wichtig zu wissen sei, ob ich in Gedanken Täter bin.

Wirklich auf die Zwänge und Gedanken geht sie kaum ein. Meist ist es immer ein Wochenrückblick und das Aufdecken von Verhaltensmustern bzw. was mich belastet und stresst (bspw. Situation mit Mann und seine Hobbies) und dass ich einen Ausgleich brauche/Entspannung etc. Dieses auch einfordern muss.

Auch sind familiäre Umstände und die eigene Erziehung oft Thema. Der eigene Leistungsdruck u.a. auch.

sternschnuppe_
power user
Beiträge: 295
Registriert: 11:05:2018 12:45

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von sternschnuppe_ » 17:08:2019 6:07

Na das ist in der Tat sehr, sehr verunsichernd. Besonders weil wir ja selbst die Gedanken so schlimm finden.

Hast du dann gesagt, dass du in Gedanken die Täterin bist? Oder war es dir dann zu unangenehm?

Ich hab dir ja schon mal gesagt, dass ich den Eindruck habe, die Therapeutin versteht nicht viel von ZG. Es wirkt als therapiere sie an der Problematik "vorbei". Das bringt dir auf Dauer keine Besserung und um nur über den Alltag zu reden, hat man meistens auch andere Vertraute.

Antworten