Kobold im Kopf

Austausch von Erfahrungen mit Therapieformen, Infos, Tipps

Moderator: Moderatoren

Antworten
November17
power user
Beiträge: 327
Registriert: 11:10:2018 11:54

Kobold im Kopf

Beitrag von November17 » 14:08:2019 13:27

"Die Gedanken, die der Dämon der Infamie aussucht, um seine Opfer zu peinigen, beziehen sich meist auf das, was diese als das Unpassendste und Schlimmste ansehen, was sie tun könnten"

Ihr Lieben,

woher weiß man, ob der Inhalt der ZG wirklich das Unpassendste und Schlimmste ist, wenn man dazu keine Gefühle bzw. Stellung mehr hat?

Bspw. wenn in den Medien von Taten berichtet wird. Man fühlt sich so Anteilnahmslos.
Im Urlaub erzählte meine Cousine von einem Übergriff im Dorf. Sie erzählte es und ich war irgendwie wie genervt davon nach dem Motto "toll, muss sie so was erzählen". Ich beobachtete sie, WIE sie es erzählte, ob man bei ihr tiefste Erschütterung erkenne.

Und natürlich ging / geht mir der Fall nicht aus dem Kopf und taucht gedanklich hin und wieder auf.

Wie und woher weiß man, dass es dann wirklich nur Gedanken sind und dass es tatsächlich das Schlimmste ist, was man sich vorstellen kann bzw. die größte Angst?

In jungen Jahren hatte ich zum Beispiel Angst in der "bekannten" Öffentlichkeit umzukippen, weil es peinlich gewesen wäre. Die Angst kam auch immer nur in der Kirche und irgendwann saß ich immer in der letzten Reihe, falls mir schlecht oder ähnliches werden sollte. Ist dies auch eine Form von ZG gewesen, die in bestimmten Situationen auftraten?

Leer Baer schreibt ja, dass sich das Schlimmste und Peinlichste, was man tun könnte, im Laufe der Zeit ändern kann. Wobei die Angst und Gedanken umkippen zu können keine Tat sondern eine Befürchtung waren, dass es passieren könnte. 8)

Habt ihr Schuldgefühle erkennen können? Baer erklärt, wann negative Gedanken gefährlich seien. " Wenn Sie nicht unter Ihren Gedanken leiden, sondern im Gegenteil angenehm finden"
Wenn man die ZG auslacht oder als egal abstempeln will, entsteht manchmal wie ein angenehmes Gefühl und die Angst dahinter, der Ekel sind weg. Müssten wir dann nicht immer Ekel empfinden um sicher zu sein, dass man es nicht ausführt?

Andererseits macht es mir ja immer noch Probleme alleine zu sein und ich meide es.

Es ist ganz schwierig positive Gefühle und negative Gedanken auseinander zu halten. Manchmal ist ein Glücksmoment da, der von einem negativen Gedanken nahtlos abgelöst wird.

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 329
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von Kikke » 14:08:2019 13:47

Hallo meine Liebe,

Ich merke, dass du immer noch einen Knoten in Kopf hast, was genau Zwangsgedanken sind. Bitte besprich es nochmal in der Therapie.
Du kannst deine zg sehr gut benennen, oder? Dich treibt aber immer für Angst an, dass du es wirklich ausführst. Dann wären es keine Zwangsgedanken, sondern wir der Autor sagt, gefährlich, weil du Gefallen daran hättest.

Man muss sich nicht dauernd vor Gedanken/Taten ekeln, die man verurteilt. Dann wäre ein normales Leben ja kaum möglich
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

sternschnuppe_
power user
Beiträge: 318
Registriert: 11:05:2018 12:45

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von sternschnuppe_ » 15:08:2019 10:03

Da kann ich Kikke nur zustimmen.
Man muss sich nicht permanent davor ekeln oder Angst vor den Gedanken haben, denn gerade das hält ja den Kreislauf der ZG am Leben.

Sie können uns auch einfach egal werden, dann verliert der Zwang seine Macht. Deswegen werden sie dir trotzdem noch lange nicht gefallen und du wirst sie auch nicht angenehm empfinden, sondern eher neutral.

Man sollte glaub nicht alles auf die Goldwaage legen, denn gerade das bietet immer wieder neue Angriffsflächen.
Außerdem ist es bekannt, dass wenn die Angst vor den Gedanken schwindet automatisch kommt "Heißt das, dass ich es doch tun könnte?" "Gefällt es mir jetzt etwa?"
Der Zwang kommt damit durch die Hintertür wieder rein.

November17
power user
Beiträge: 327
Registriert: 11:10:2018 11:54

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von November17 » 15:08:2019 21:51

Liebe Kikke,

Meinst du die einzelnen Gedanken benennen?
Inhaltlich geht es immer ums selbe Thema nur kommen immer neue Gedanken und Situationen dazu.

@Sternschnuppe: wirkt als kenne der Zwang jede Hintertür :x

sternschnuppe_
power user
Beiträge: 318
Registriert: 11:05:2018 12:45

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von sternschnuppe_ » 16:08:2019 13:40

Also kannst du sie benennen.
Musstest du das in der Therapie schon mal angeben?

Ja, ein cleveres kleines Biest :lol: Deswegen ja auch Krankheit des Zweifelns :P Er schafft, dass man an allem zweifelt.

November17
power user
Beiträge: 327
Registriert: 11:10:2018 11:54

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von November17 » 16:08:2019 14:57

Ganz selten Sternschnuppe.

Und es gab einmal eine Sitzung, in der ich von den Gedanken erzählen sollte und dort pochte sie stark auf den Inhalt und ob ich in den Gedanken der Täter sei oder allgemein Gedanken zum Thema habe.

Es verunsicherte mich stark, dass sie so sehr darauf gepocht hat und auch meinte, dass dies sehr wichtig zu wissen sei, ob ich in Gedanken Täter bin.

Wirklich auf die Zwänge und Gedanken geht sie kaum ein. Meist ist es immer ein Wochenrückblick und das Aufdecken von Verhaltensmustern bzw. was mich belastet und stresst (bspw. Situation mit Mann und seine Hobbies) und dass ich einen Ausgleich brauche/Entspannung etc. Dieses auch einfordern muss.

Auch sind familiäre Umstände und die eigene Erziehung oft Thema. Der eigene Leistungsdruck u.a. auch.

sternschnuppe_
power user
Beiträge: 318
Registriert: 11:05:2018 12:45

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von sternschnuppe_ » 17:08:2019 6:07

Na das ist in der Tat sehr, sehr verunsichernd. Besonders weil wir ja selbst die Gedanken so schlimm finden.

Hast du dann gesagt, dass du in Gedanken die Täterin bist? Oder war es dir dann zu unangenehm?

Ich hab dir ja schon mal gesagt, dass ich den Eindruck habe, die Therapeutin versteht nicht viel von ZG. Es wirkt als therapiere sie an der Problematik "vorbei". Das bringt dir auf Dauer keine Besserung und um nur über den Alltag zu reden, hat man meistens auch andere Vertraute.

November17
power user
Beiträge: 327
Registriert: 11:10:2018 11:54

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von November17 » 21:08:2019 13:21

Hallo Sternschnuppe,

ich habe ihr gesagt, dass ich der Täter sei. Ich habe ihr aber auch gesagt, dass es für mich nicht immer eindeutig ist. Es fühlt sich manchmal so an, als käme ein Gedanke und dann entwickelt er sich so weit, dass ich Täter werde. Also manchmal kann ich gar nicht erkennen, ob der Gedanke sofort mich als Täter beinhaltet oder ob es erst einmal allgemeingültig auftrat.

Bspw. habe ich in den letzten Tagen gemerkt, dass mir anfangs in einer Situation keine Gedanken kamen und dann plötzlich in ein und der selben Situation paar Minuten später die Grübelei, Gedanken.

Ich bin ja auch immer ungern in den Keller oder auf den Dachboden gegangen. Und heute war ich die Wäsche abhängen und alles war normal...und zum Ende hin als mir auffiel "oh bist ja auf dem Dachboden alleine und hast dir nichts dabei gedacht" dann kam plötzlich wieder dieses unwohle Gefühl. Als hole man sich die Gedanken zurück und dann denkt man sich wofür? Hätte ich nicht einfach zum Dachboden und zurück gekonnt, ohne darüber in irgendeiner Art und Weise nachdenken zu müssen?

Ich habe gleich meine erste Sitzung seit langem. Bin ehrlich gesagt etwas nervös.

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 329
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von Kikke » 21:08:2019 15:05

Die Sitzung wird dir gut tun. Berichte wie es war, wenn du magst.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

November17
power user
Beiträge: 327
Registriert: 11:10:2018 11:54

Re: Kobold im Kopf

Beitrag von November17 » 22:08:2019 13:18

Hallo zusammen,

also nach 2 Monaten war es wieder viel erzählen, was so alles passiert ist.

Meine Thera war an dem Punkt angekommen sehr deutlich zu machen wo denn mein Selbstvertrauen sei und ich mir einfach mehr zutrauen kann und muss.

Sie sich wünsche, dass ich es einfach durchziehe alleine zu sein. Noch einmal darauf hingewiesen, dass doch bisher nie etwas passiert sei und warum ich immer direkt davon ausgehe es könne etwas geschehen. (Natürlich sagte ich darauf direkt "klar, ich meide ja auch jegliche Situation alleine")

Als ich meinte, dass ich in Gesellschaft und Anwesenheit funktioniere und es alleine einfach nicht klappt, weil mich die Gedanken, die Unruhe, der Drang und die Zweifel vereinnahmen und ich den Mechanismus bzw. die Überzeugung, dass es nur HARMLOSE Gedanken seien, noch nicht verstehe bzw. nicht verinnerlichen kann meinte sie "es ist auch nicht nötig oder wichtig dies zu verstehen" :roll: dann war die Sitzung quasi zu Ende.

Also ist bisher noch keine wirkliche therapeutische Erklärung was ZG sind, wie ich sicher sein kann, dass es nur ZG sind und woraus sie bei mir resultieren und wie ich damit umgehen kann bei rum gekommen.

Ich habe auch am Ende noch kurz geschafft anzumerken, dass es in letzter Zeit so war, dass ich in Situationen erst einmal normal reagiere und 3 Minuten später auf einmal ZG bekomme und dann grübel.

Auch jetzt z.B. während der Arbeit. Ich arbeite von zu Hause und bin gerade alleine. Ich mache Pause und nahm mein Handy in die Hand und zack überkam mich das ungute Gefühl und der Gedanke ich könne auf böse Seiten gehen. Und natürlich gerade in dem Moment wo ich es euch schreibe erlebe ich das selbe Gefühl. Davor saß ich am PC, hab gearbeitet und nichts gehabt oder gemerkt. :roll:

Antworten