Hoffnungsloser Fall

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Nezrin
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Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Nezrin » 27:08:2019 10:31

Hallo ihr Lieben,

ich muss dringend etwas los werden, da ich wirklich glaube das es bei mir keine hilfe gibt!!!! Ich lese sehr viel hier habe aber bis jetzt keinen Beitrag gefunden wo ich denke ok der hatte das genauso und er hat es geschafft und das Belastet mich noch mehr. Ich bin einfach ein hoffnungsloser Fall...... :( :( Mein kopf kommentiert jeden Schritt den ich mache. Kommt ein Glücksgefühl hoch horche ich direkt in meinem Kopf und warte auf das entgegenwirken der Gedanken. Mein Fokus liegt gar nicht auf meine Gefühle ich bin die ganze Zeit im Kopf egal wie ich mich fühle das hat gar keinen Einfluss darauf. Übungen bringen bei mir überhaupt nix habe ich früher oft versucht. Meine Gedanken wirken so entgegen das ich aufgebe und ich noch mehr angst kriege. Meine Gedanken haben einfach die Kontrolle über mich und mein Leben und ich kann nix machen ausser hoffen das es durch zufall 1 2 stunden besser ist. Meine Gedanken drehen um die Komischsten dinge reden mir komische dinge ein und kommentieren einfach pausenlos es ist so verdammt anstrengend und belastend. Meine ganze aufmerksamkeit ist in meinem kopf. Ich kann echt nicht mehr und ich wüsste nicht was mir helfen sollte und wie. Zurzeit wird mir auch extrem schwindelig wenn ich schnell aufstehe oder lange stehe sogar manchmal schwarz vor augen und hab einen Druck im Kopf. Ich kann und will nicht mehr.

Nezrin
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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Nezrin » 27:08:2019 10:36

Dazu kommt noch das meine Gedanken nie um Themen kreisen die grad angebracht wären ein Beispiel jetzt ...ich werde von meiner Wohnung gekündigt....meine Gedanken drehen sich trotzdem darum das ich nicht auffhören kann zu denken und das es mich belastet und das es nie aufhören wird und und und. Mich interessiert nix anderes mehr.

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Kikke
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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Kikke » 27:08:2019 10:47

Hast du es so deinen Therapeuten erzählt?
Ich kann es nur von außen beurteilen, aber vlt wäre eine Auszeit in einer Klinik eine Alternative für dich?

Und wenn du es nicht glaubst: deine Beschreibungen kenne ich nur zu gut. Du bist nicht alleine damit auch die kann geholfen werden!
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

Nezrin
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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Nezrin » 27:08:2019 10:59

Seit 2016 ist mein Leben einfach ein anderes. Ich kann auch selten weinen. Aber gerade habe ich so bittelich geweint und gebetet das es endlich aufhört. Ich hoffe das ich irgendwann mir notmale Gedanken machen kann über mich mein Leben meinen Bedürfnisse meine Gefühle ach es tut so weh.

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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Nezrin » 27:08:2019 11:41

Danke dir Kikke..... das ist echt schlimm sowas durchzumachen sogar wenn ich kurz vergesse zu denken errinere ich mich schnell so eine auf da war doch noch was und schwupps bin ich wieder im kopf. Wie denkst du jetzt darüber wenn du dich an diese Zeit errinerst. Warum fühlt es sich so unmöglich an das man irgendwann da raus kommt und mehr im hier und jetzt lebt oder normal Gedanken zu machen ohne zu denken ich Grübel wieder. Ich will echt nicht nerven :( ich kann auch schlecht alleine sein. Ich gehe fast jeden Tag raus egal wie schlecht es mir geht da es für mich besser ist als zu Hause.

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Kikke
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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Kikke » 27:08:2019 13:35

Ja man denkt wirklich, dass es für immer so bleiben wird. Da ist die Krankheit echt gemein.
Ich habe zu meiner Therapeutin Mal gesagt, ich hätte lieber krebs. Da sagte die, sie könne das gut verstehen. Als Krebspatient habe man Hoffnung. Als Depressiver hat man sie leider verloren.

Aber genau die musst du wieder finden. Du kommst da raus. Kein Gefühl bleibt für immer. Du musst dir die richte Hilfe holen und es angehen. so winzig die Schritte sich sein mögen.


Heute kann ich diese Gefühle und Gedanken kaum noch verstehen. Es ist wie eine Erinnerung an etwas, was mir Mal passiert ist.
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Nezrin
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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Nezrin » 27:08:2019 14:44

Vorallem ist bei mir der Antrieb besser geworden und die Stimmung aber die Gedanken sind immer noch sehr sehr fies und hartnäckig.

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Kikke
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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Kikke » 27:08:2019 16:55

Ja das werden sie auch noch bleiben, aber auch die werden besser. Bzw du kannst besser damit umgehen.
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Diddi86 » 28:08:2019 23:45

Liebe Nezrin,

bitte verliere nicht den Mut und nicht die Hoffnung. Es wird WIRKLICH besser werden, wenn du dich in fachliche Behandlung begibst.
Was du über deinen Therapeuten berichtet hast, hört sich allerdings echt komisch an, wenn du dich bei ihm auch nicht si wohl fühlst, solltest du dich da vielleicht nochmal umschauen. Findest du keinen Fachmann über die Liste hier in deiner Nähe?

Diese ununterbrochene Beschäftigung mit den eigenen Gedanken kenne ich auch noch von früher, alles wird dadurch bestimmt, an nichts anderes kann man mehr denken, die Gedanken überdecken alles. Das ist aber ganz typisch für Depressionen und wird mit der Zeit weniger werden.
Wichtig ist eben, dass das schnellstmöglich professionell angegangen wird. Wann bist du denn das nächste Mal bei deinem Arzt?

Fühl dich gedrückt,
viele Grüße Friederike
April 2018: Geburt unseres Sohnes - absolutes Wunschkind
Nach Entlassung erste Panikattacken, Angstzustände, erste depressive Gedanken
Ab Juni 2018 in psychologischer Behandlung nach totalem Zusammenbruch - Start 50mg Sertralin, gesteigert auf 100mg und Einnahme von Promethazin
September 2018: 150mg Sertralin
Juni 2019: Beginn Ausschleichen von Sertralin, aktuell 100mg

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Marika
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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Marika » 29:08:2019 6:36

Hallo,

der Schwindel kann eine vorübergehende NW vom AD sein - du hast ja gerade die Dosis erhöht. Das kommt sehr oft vor, hatte ich auch. Das gibt sich aber. Du hast schon manchmal gute Stunden, das zeigt dass das AD wirkt. Es geht einfach nicht schneller, ich weiß das ist schwer aus zu halten - aber wenn ich lese wie es bei dir verläuft dann muss ich sagen: es ist (leider) normal, dass es nicht schneller geht.

Und selbstverständlich kann man dir helfen, man tut es bereits! :wink: Erste Schritte hast du schon gemacht, es gibt kleine Lichtblicke. Man will mehr davon, klar das wollten wir alle. Aber es lässt sich nun mal nicht erzwingen. Und das ist sehr schwer. Mein Gedankenkreisen hat mich sehr, sehr lange begleitet, trotz AD. Es war eine sehr lange Durststrecke auf der ich oft vor Verzweiflung fast die Kraft verloren hätte. Das erste Jahre war mega schwer für mich, weil ich immer wieder Tiefs hatte. Auch das Gefühl, dass man die Einzige ist und das es nie mehr gut wird, kenne ich - auch glaube auch das erleben alle gleich. Aber du bist weder die Einzige, noch wird es so bleiben. ES WIRD WIEDER GUT, nur dauert es. Du schaffst das!!!

Dass es hier nicht so viele Beiträge von Gesunden gibt, hat einen einfachen Grund: die Meisten denen es wieder gut geht, sind nicht mehr hier im Forum. Die allermeisten Frauen hier sind akut Betroffene.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Nezrin
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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Nezrin » 29:08:2019 10:04

Hallo ihr Lieben ich danke euch!

meinen nächsten Termin habe ich am 30.09.

Ich merke auch wirklich das es ganz langsam Besser wird. Aber wirklich freuen kann man sich darüber nicht da die Gedanken und das Grübeln noch zu stark sind. Ich habe jetzt auch die letzten 2 Tage versucht meine Gedanken einfach ziehen zu lassen ohne bewertung und dabei ruhig und tief zu Atmen und die Gefühle die dabei entstehen einfach da sein zu lassen. Ich muss auch sagen das diese 2 Tage deutlich erträglicher waren als die Tage davor deswegen werde ivh auch weiter üben. Was mich extrem stört ist das wenn ich versuche etwas im Haushalt zu machen wird das grübeln stärker es ist so als wollen meinen Gedanken mir das ausreden es anzugehen und das es halt keinen sinn hat. Es fällt mir viel leichter rauszugehen und etwas zu unternehmen als verpflichtungen nach zu gehen. Hat jemand noch Tips für mich wie ich mit dem Grübeln umgehen kann. Was hat euch am meisten Geholfen? Ich hab auch schon gelesen das ein Neuroleptikum dabei Hilft. Hat jemand erfahrungen?

LG Nezrin

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Re: Hoffnungsloser Fall

Beitrag von Kikke » 29:08:2019 12:18

Das machst du sehr gut. Weiter so. Und wenn es dir hilft, rauszugehen und etwas zu unternehmen, dann mach es.
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