Angst, Einsamkeit und Überforderung

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Butterfly91
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Angst, Einsamkeit und Überforderung

Beitrag von Butterfly91 » 28:08:2019 12:59

Hallo zusammen!

Ich hoffe, dass ich hier im richtigen Bereich gelandet bin und Hilfe finden kann!
Zuerst zu meiner Geschichte (Achtung, lang, aber ich muss mir das alles Mal von der Seele schreiben!) :

Bereits seit dem 4. Schwangerschaftsmonat war ich im Beschäftigungsverbot. Das ging 4 Wochen gut, dann begann ganz langsam eine Angststörung. Depressionen (gut eingestellt mit Citalopram) hatte ich schon vor der Schwangerschaft, das Medikament aber abgesetzt. Ich wollte es im 6. Monat wieder anfangen, da die Angststörung immer schlimmer wurde. Leider habe ich es in der Schwangerschaft überhaupt nicht mehr vertragen. So musste ich mich weiter mit ambulanter Psychotherapie durchschlagen, bis ich 6 Wochen vor Entbindung in eine Tagesklinik gegangen bin, da ich überhaupt nicht mehr alleine Zuhause bleiben konnte.
Am 21.08. habe ich dann per Kaiserschnitt meinen Sohn bekommen und ich liebe ihn über alles. So waren die ersten 3 Tage (im Krankenhaus) völlig problemlos und sehr schön. Der erste Tag Zuhause war auch gut, am zweiten Tag habe ich schon wieder einige Ängste aufkommen gespürt und in der Nacht hatte ich wieder eine massive Panikattacke.
Seit dem 26.08. bekomme ich nun Sertralin, aber das braucht ja leider seine Zeit. Eine Psychotherapeutin habe ich zum Glück auch, aber die einigermaßen unregelmäßigen Gespräche mit ihr lösen das Problem ja leider auch nicht von heute auf morgen.

Mein Sohn ist an sich ein extrem liebes Kind, was mich Gott sei Dank etwas entlastet: Er schläft viel, trinkt problemlos und regelmäßig und schläft nachts 6-8 Stunden durch.
Trotzdem bin ich nervlich völlig fertig: Nachts schlafe ich sehr unruhig, weil ich mir ständig vorstelle, was ihm alles passieren könnte! Ich gehe nirgendwo alleine mit ihm hin (auch nicht spazieren), weil ich immer Angst habe, dass ihm jemand etwas antut!
Und tagsüber bekomme ich regelmäßig "Lagerkoller" (Was auch während der Schwangerschaft vermutlich die Angststörung ausgelöst hat): Den ganzen Tag Zuhause, oft gelangweilt, oft alleine, komme mir so "nutzlos" vor, weil ich außer wickeln, stillen und ein bisschen Haushalt den ganzen Tag nichts mache.
Ich denke allerdings, dass das Problem tiefer sitzt: Sobald meine Mutter oder mein Stiefvater hier sind (oder ich bei ihnen) geht es mir gut. Bin ich allein oder allein mit meinem Mann, wird es von Stunde zu Stunde schlimmer!
Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich zwar eine Ahnung habe, warum es mir nicht hilft, wenn nur mein Mann da ist, aber so ganz verstehe ich es nicht: Er ist 20 Jahre älter als ich und mir wurde schon immer ein "Vaterkomplex" zugesprochen - das möchte ich auch gar nicht abstreiten! Aber ich habe mich wirklich ganz und gar in ihn verliebt, wir sind seit fast 5 Jahren zusammen und seit 2 Jahren verheiratet. Ich kann mir auch nach wie vor keinen anderen Mann vorstellen, aber im Moment sind die Gefühle für ihn sehr wenig geworden. Ich habe das Gefühl, selbst aus dem "Kind sein" nicht rauszukommen - deshalb hilft mir nur die Anwesenheit meiner Eltern, oder auch Mal meiner Geschwister. Das kann ich ihm allerdings so nicht sagen, denn er gibt sich jede erdenkliche Mühe, sich um mich zum kümmern, für mich da zu sein, mir zuzuhören, mit mir rauszugehen, damit ich auch Mal rauskomme, etc.
Aber wenn wir Zuhause sind ist er viel am Tablet, am Fernseher, liest Zeitung, etc. Wenn ich ihn um etwas bitte, tut er alles für mich, aber Zuhause rumsitzen und in den Fernseher starren kann ich auch alleine. Ich weiß allerdings auch nicht, was ich eigentlich von ihm erwarte…
Zudem stellt er sich noch sehr ungeschickt mit dem Baby an, wodurch ich sogar ein ungutes Gefühl habe, wenn ich nur schnell duschen gehe!
Er ist zwar sehr stolz auf seinen Sohn, aber ich glaube, dass er wirklich Vater ist, kommt nicht Recht bei ihm an: Er beschäftigt sich wenig mit dem Baby, er wacht nachts nicht auf, egal wie lang der Kleine schreit, wenn er tagsüber weint und mein Mann in Tablet oder Fernseher vertieft ist dauert es Minuten, bis er nach ihm sieht, er drückt sich vorm wickeln und stellt sich nach wie vor ungeschickt beim Tragen an.
Ich habe jeden Tag ein riesengroßes Fluchtbedürfnis, weil ich hier Zuhause das Gefühl habe, eingesperrt zu sein, mich allein um alles, was das Baby betrifft, kümmern zu müssen und weil ich mich hier nicht Zuhause fühle. Ich bin nach 6 Monaten zu ihm gezogen und habe mich immer wohl, aber nie Zuhause gefühlt. Und seit das mit der Angststörung und den Panikattacken hier passiert ist, wird es immer schlimmer: Mir wird schlecht, bei dem Gedanken, in unsere Wohnung zu gehen, ich habe hier ständig Schweißausbrüche, bin zittrig, weine viel, fühle mich hilflos und hinterfrage ständig alles. Ich entwickle absurde Ängste (vor dem Internet, vor Radio und Fernsehen, insgesamt vor der ganzen modernen, riesigen, medialen Welt) und wälze den ganzen Tag Gedanken. Zudem kann ich tagsüber nicht schlafen, weil ich danach richtig massiv ängstlich und depressiv bin und oft auch so verwirrt, dass ich Traum und Realität nicht recht auseinanderhalten kann. Der schlechte Nachtschlaf hilft mir da aber natürlich auch nicht und so macht der Schlafmangel auch ständig alles schlimmer.

Nun hat meine Mutter mir angeboten, die kleine Dachgeschosswohnung in ihrem Haus zu mieten und mich zumindest dann dort aufzuhalten, wenn mein Mann arbeitet, ich also den ganzen Tag alleine bin. Dort wären meine Großeltern und unter der Woche auch meine Mutter ( am Wochenende wohnt sie bei meinem Stiefvater). Ich würde das Angebot lieber heute als morgen annehmen, aber mein Mann sieht nicht ein, wofür ich einen „Zweitwohnsitz“ für 300€ im Monat brauche. Außerdem befürchte ich, dass ich dann immer weniger mit ihm „nach Hause“ kommen möchte und mich irgendwann vielleicht sogar komplett weigere?

Ich bin gerade wirklich mit der gesamten Situation überfordert und hoffe, dass ihr mir ein paar Ratschläge habt, wie es wieder besser werden kann!
Vielen Dank schonmal für eure Hilfe und Anteilnahme :)

Elisabeth
Beiträge: 43
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Re: Angst, Einsamkeit und Überforderung

Beitrag von Elisabeth » 30:08:2019 9:33

Hallo, ich leide seit der SS an starken Ängsten, z.T. mit wahnhaften Inhalten. Ich bin Monate nach der Geburt zu meinen Eltern gezogen. Das hätte ich schon viel früher machen sollen. Ich fand es alleine in der Whg. schrecklich und ich habe keinen normalen Alltag geschafft. Auch jetzt triggert mich die Whg. nich und ich vermeide es sie zu betreten. Wir eerden uns eine neue Whg. suchen.
Die Situation mit meinem Mann war bzw. ist schwierig. Ich wollte mehr Hilfe, wusste aber nicht welche und er war sehr passiv. Wir machen nun eine Paartherapie, obwohl ich nicht einschätuen kann, ob wir die Krise übetwinden können. Das ist aber aktuell zweitrangig.
Ich kann dir nur raten, ALLES zu tun damit es fir aktuell besder geht. Ich würde an deiner Dtelle die Whg. mieten. Mir tut die Einbindung in die Familie sehr gut. Das Alleinsein mit den Ängsten war schrecklich.

Astrid
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Re: Angst, Einsamkeit und Überforderung

Beitrag von Astrid » 01:09:2019 10:27

Hallo Du,

ich finde, du bist hier genau richtig. Ich kann sehr gut nachfühlen, wie es dir geht. Auch ich war in das "Zuhause" meines Mannes gezogen, und habe mich dort nicht heimisch gefühlt. Das Alleinesein nach der Geburt, und das "Nichts" zu tun zu haben, waren kaum erträglich. Der Tag endlos. Auch habe ich meine Familie und mein Nest vermisst, wo ich mich geborgen und sicher fühlte. Leider wohne ich von meiner Familie eine ganze Strecke entfernt. Mein Mann gab mir auch nicht die Sicherheit, die ich gebraucht hätte, da er genauso unerfahren war mit Kindern/Babys wie ich. Daher ist es wohl normal, dass man sich nach Menschen sehnt, die einem die Ängste nehmen. Ich finde, dass du ganz toll mit deiner Erkrankung umgehst. Du hast alle Hebel in Bewegung gesetzt, um wieder gesund zu werden, und du weisst, dass es länger dauern kann bis das AD und die Therapie greifen. Deshalb nimm auch alle Hilfe an, die du kriegen kannst. Ich denke der Vorschlag deiner Mutter ist wunderbar. Du hättest Familie, die dich unterstützt in der Übergangszeit in deiner Nähe. Dein Mann könnte arbeiten gehen, ohne Angst um dich zu haben. Vielleicht ist ihm nicht klar, wie sehr du leidest. Seine Ängste sind nachvollziehbar, aber du sagst, du liebst ihn, also ist seine Angst doch unbegründet. Wenn ihr das Geld aufbringen könnt, wäre es eine gute Alternative. Du kannst auch eine Haushaltshilfe oder Begleitung bekommen, wende dich an deinen behandelnden Arzt. Ich drücke dich ganz herzlich Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
heute gesund ohne Medis
beginnende Wechseljahresbeschwerden

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Kikke
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Re: Angst, Einsamkeit und Überforderung

Beitrag von Kikke » 01:09:2019 10:57

Stelle dir vor, du hättest beide Arme gebrochen. Ihr würdet die Hilfe ohne zu zögern annehmen. Und so ist es bei der Depression. Deine Seele ist gebrochen und muss heilen. Wenn die geheiltcist, kannst du auch wieder sein zu Hause betreten.

Ich hatte einen völligen Nervenzusammenbruch, als ich das erste Mal nach der Klinik nach Hause sollte. Ich habe es keine 5 Minuten ausgehalten und bin zurück gefahren.

Heute kann ich es mir nicht mehr vorstellen und bin gerne zu Hause.
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

Elisabeth
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Re: Angst, Einsamkeit und Überforderung

Beitrag von Elisabeth » 01:09:2019 13:27

Entschuldige die vielen Schreibfehler. Bin aktuell nur per Handy online

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