Erschöpfung

Austausch alltäglicher Sorgen oder Freuden

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Mel
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Erschöpfung

Beitrag von Mel » 23:10:2019 16:48

Hallo ihr Lieben,
Seit ein paar Tagen geht es mir besser. Und dann habe ich mich übernommen. Unser Haus ist außen saniert worden und es ist viel Baudreck ums Haus. Also ich habe aufgeräumt, geputzt, gekocht. Heute habe ich mit meiner Mutter einen Großeinkauf gemacht, während mein Sohn in der Betreuung war, und vorher noch jede Menge Wäsche gemacht. Und dann kamen wir nach Hause mit Söhnchen und auf einmal kam die Erschöpfung. Aber keine angenehme, sondern wieder verbunden mit Traurigkeit und völliger Kraftlosigkeit. Die hatte ich schon sehr häufig und natürlich denke ich nicht, dass unter der neuen Medikation alle Symptome plötzlich weg sind. Und trotzdem hat mich das heute total erschreckt und umgehauen. Nachdem ich dann ein paar Tränen verdrückt habe, geht es auch wieder ein kleines bisschen besser. Kennt ihr diese Schwankungen?
Mel
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November17
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Re: Erschöpfung

Beitrag von November17 » 24:10:2019 9:47

Liebe Mel,

ja das kenne ich!

In der Therapie hatten wir einmal das Thema wie ich mit Wut, Frust und anderen "negativen" Gefühlen und der ganzen Anspannung umgehe.

Tja Ziel ist es mehr Sport zu machen oder etwas anderes zum abreagieren.

Ich sagte ihr aber auch, dass ich oftmals dann einfach weine. Dann kommen die Tränen aus dem nichts und man fühlt sich etwas freier. Das angestaute hat sich so sein Ventil gefunden.
Sie hat das Weinen auch nicht als negativ kommentiert.

Allerdings wäre es gut, wenn sich die ganzen Gefühle nicht bis zu den Tränen ansammeln sondern durch bspw. Sport ein kleiner Ausgleich geschaffen wird.

LG

Mel
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Re: Erschöpfung

Beitrag von Mel » 24:10:2019 11:04

Hallo November,
du kämpfst doch auch schon seit zwei Jahren mit der PPD, oder?
Irgendwie war es nach dem Mini-Zusammenbruch gestern klar, dass ich heute auch schlechter drauf bin. Ich grüble mehr und fühle mich bedrückt und traurig. Dabei ist das Wetter so schön.... Habe gerade den Haushalt gemacht und bis 14Uhr mache ich jetzt was für mich, trotz der schlechten Gedanken.
Das mit dem Sport ist ja eigentlich eine gute Sache. Nur wenn ich mich plötzlich so schwach fühle, weil ich mich wohl übernommen hab, dann bräuchte ich eigentlich auch körperlich Erholung. Weil ich mich aber kraftlos fühle, läuft wieder das ganze gewohnte Programm ab (Mensch, mir ging es doch besser. Wo kommt das so plötzlich her?) und schwups- bin ich in meiner Unruhe- Grübel- Angst- Schleife. Mein Hirn hat diesen Ablauf ja schließlich zwei Jahre lang eingeübt :?
Kennst du diese automatischen Abläufe auch?
Gleich mache ich einfach Yoga...
Lieben Gruß
Mel
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November17
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Re: Erschöpfung

Beitrag von November17 » 24:10:2019 11:34

Liebe Mel,

ja Ende Januar 2018 brach die Krankheit aus.

Bei mir musst du es dir so vorstellen: ich hatte immer (fast immer) Antrieb. Ich war es gewohnt, immer unterwegs zu sein, etwas zu unternehmen, viel zu arbeiten. Hab so gut wie immer Energie, zu viel Energie.

Aber zwischendurch meldet sich auch bei mir der Körper, dass er Ruhe/Abwechslung braucht. Doch die ZG hindern mich daran, mir die Ruhe zu nehmen. Oder aber auch mein Sohn und die Umstände mit meinem Partner hindern mich an der Ruhe/Abwechslung. Ich muss lernen, manchmal egoistischer zu sein.

Ende Januar kam mein riesen Tief! Was mir also zu schaffen macht seitdem sind die ZG und Ängste. Damit verbunden die Unruhe.

Ich bin es nicht gewohnt abzuschalten und zu ruhen. Selbst zu Hause alleine ohne Kind werde ich unruhig und suche mir ständig Beschäftigung.

Mich hindern die ZG am normalen Alltag. Mit normal meine ich keine ZG zu haben und ggf auch einfach mal alleine die Zeit GENIESSEN zu können. Oder nicht unter Angst mit dem Kind alleine zusammen zu sein.

Abends traue ich mich gar nicht mit Kind alleine Heim zu bleiben.

Bei mir sind diese automatischen Abläufe durch Ängste ausgelöst. Und die Ängste vermehrt durch Balast.

Mein Leben kann mit einem Hamsterrad verglichen werden. Ich laufe und laufe. Und dabei laufe ich wohl vor unangenehmen Gefühlen und den ZG weg. Und im Hamsterrad sieht man auch immer die selbe Kulisse, denn es geht nicht vorwärts. So interpretiert man in Situationen, Gefühlen etc immer das selbe rein, denn man kennt nur die eine Richtung.

Diesen automatischen Ablauf kenne ich in meiner Form also auch.

Zudem muss ich sagen, dass ich kein AD nehme. Bisher mache ich nur eine VT. Durch die Therapie erhoffe ich mir, aus dem Hamsterrad ausbrechen zu können.

Mel
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Re: Erschöpfung

Beitrag von Mel » 24:10:2019 12:07

Das hört sich echt anstrengend und auch traurig an. Und ich kenne es so zum Teil auch. Früher im gesunden Zustand konnte ich aber manchmal ganz gut faulenzen. Jetzt fällt es mir schwer, weil meine Gedanken mich nicht zur Ruhe kommen lassen.
Ich hoffe, deine Verhaltenstherapie hilft dir und dir geht es irgendwann auch wieder richtig gut.
Das Problem ist ja, dass man seine Symptome einfach weg haben will, und das wiederum verstärkt sie eher.
Wenn man lernt mit ihnen lockerer umzugehen, ist schon viel gewonnen. Auch ich übe mich darin.
Alles Liebe
Mel
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Marika
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Re: Erschöpfung

Beitrag von Marika » 25:10:2019 8:00

Hallo ihr Lieben,

ich bin ja gesund, aber in Stresszeiten bin ich bei weitem nicht oft "angenehm erschöpft"... :lol: :lol: :lol: Da musste ich jetzt grad lachen, weil ich dann genau so mal weine, oder schimpfe oder sage "ich mag immer"... Ich empfinde das als völlig normal, es gehört einfach zum Leben dazu auch mal geschlaucht zu sein. Ich kenne niemanden dem es nicht so geht. :wink: Der Unterschied ist bei mir, dass keine Depression oder ZG durchkommen. Bei euch die noch drinnen stecken, können bei solchen enormen Belastungen und Herausforderungen natürlich dazu wieder die bekannten Symptomen aufflammen. Auch das ist völlig normal und sollte euch klar zeigen, dass ihr einfach zu viel gemacht habt - viel zu viel in eurem aktuellen Zustand - besonders du Mel. Bei dem Marathon hätte ich wohl W.O. gegeben... :lol: :lol: :lol:

Das AD wird auch solche Gefühle niemals beheben - das kann es nicht und das soll es auch nicht. Solche Gefühle sind lebenswichtig für uns um zu erkennen: Jetzt sendet mein Körper/Seele mir klare Zeichen, dass es zu viel war. Darauf solltet ihr dann auch reagieren dürfen und können. Mit Tränen, mit Schimpfen, mit Wut... all das ist doch völlig normal und menschlich. Diese "negativen" Emotionen gehören genau so zu uns und sind genau so wichtig wie die "positiven". Beide zusammen machen uns erst zu menschlichen Wesen.

Ich habe gerade in der Arbeit ganz viel Stress, viele viele Überstunden stehe ich Geschäft. Grund: Geschäftsumbau und Krankenstände... :roll: :roll: :roll: Und ja - das merke ich, gerade vor einer Woche habe ich abends geheult wie ein Schloßhund und meinem Mann gesagt "ich kündige, das mache ich nimmer mit"... Nun, ich habe nicht gekündigt, ich habe das Gespräch gesucht und mich für ein Vitaminpräparat entschieden. Der Herbst ist sowieso nicht meine Jahreszeit - ich leide da jedes Jahr sehr unter Kopfweh und Migräne. Die Umstellung von warm auf kühler war schon immer eine Herausforderung für mich, obwohl es über die Jahre immer besser wurde. Das Vitaminpräparat aus der Apotheke tut mir auch sehr, sehr gut und ich merke deutlich, dass ich mehr Kraft hab, gelassener bin, besser schlafe und sogar weniger Kopfweh habe!!!! Das wäre also auch noch ein Tip: ein gutes Vitaminpräparat in so Phasen wo es heiß hergeht. Und: verbietet euch das weinen nicht - es ist ein Ventil und sehr wichtig!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Mel
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Re: Erschöpfung

Beitrag von Mel » 25:10:2019 10:45

Liebe Marika,
da hast du vollkommen recht! Und ich kenne das aus dem gesunden Zustand auch, dass ich bei starken Belastungen weine. Gut, dass du ein Vitaminpräparat gefunden hast, dass dich hoffentlich gut durch den Herbst bringt. Das klingt da aber echt stressig bei dir!?
Um so mehr finde ich es ganz lieb von dir, dass du dir trotzdem dieZeit fürs Forum nimmst und immer wieder ausführlich antwortest und uns hier zur Seite stehst.
Ich habe nochmal unter „Depression und Psychose“ gepostet, habe anscheinend wieder ein hormonell bedingtes Tief.... naja, erstmal wünsche ich dir einen guten und erholsamen Start ins Wochenende!
Mel
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Kikke
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Re: Erschöpfung

Beitrag von Kikke » 25:10:2019 15:44

Hey,
Ich kenne diese Verschlimmerung auch. Man prüft sei es Emotionen einfach viel stärker als vorher. Und jede negative Emotion wird als Warnsignal gedeutet. Obwohl früher Erschöpfung vlt einfach hingenommen wurde.
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