Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Christina.sp
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Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Christina.sp » 26:11:2019 14:35

Ich wollte gern ein neues Thema aufmachen, weil ich nicht in Mels Thema rumfuschen wollte... danke erstmal für die beiden Antworten, die dort kamen!!!

Ich brauche irgendwie Rat und Erfahrungen, wie die von euch, die diese Krankheit schon so lange mit sich rumtragen, den Alltag bewältigen... Ich habe so furchtbare Angst, dass die Krankheit alles kaputt macht in meinem Leben.
Ich bin so kraftlos und habe auch so viele körperliche Symptome, dass ich mein Kind nur gerade so versorgen kann. Ich kann auch gar nicht meine Traurigkeit verbergen... ich weine so oft...
Meine Therapeutin sagt, je mehr ich mich zu Dingen zwinge, desto schlimmer wird alles.... wie soll man Geduld haben, wenn die Krankheit alles überschattet...

Bitte sagt mir, wie ihr damit umgeht....

Celeste
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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Celeste » 26:11:2019 20:27

Hallo liebe Christina,

erstmal: Wie lange hast du diese ,Krankheit‘ denn schon? Ich versuche den Begriff ,Krankheit‘ ja eher zu vermeiden. Mich persönlich zieht das immer runter, wenn von Krankheit die Rede ist.

Ich stecke teilweise noch in der akuten Phase und habe selbst manchmal Ratschläge nötig. Den Alltag konnte ich nicht alleine bewältigen. Mein Mann hatte Elternzeit genommen damit wir das zu zweit wuppen können. Das hat gut geklappt. Auch wenn er mal für mehrere Stunden nicht da war, war soweit alles ok. Ich habe versucht Dinge zu machen ( während die Kleine schlief ), die mir Spaß machen und mich ein wenig ablenken - lesen, häkeln, nähen usw. Nächste Woche fängt mein Mann wieder an zu arbeiten. Also steht für mich wieder ein schwerer Schritt bevor, wovor ich sehr viel Angst habe. Angst davor, dass so dermaßen die Angstzustände und Depressionen einschlagen, dass ich wie gelähmt vor Schmerzen dasitze. Aber ich will es endlich schaffen. Wie fühlst du dich?

Mel
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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Mel » 26:11:2019 23:25

Liebe Christina,
ich verstehe dich! Ich kann dir aber sagen: Vieles verändert sich. Du wirst irgendwann dein Kind selber versorgen können und die Ängste und die schlechten Gefühle, auch die Erschöpfung werden weniger. Es dauert zwar manchmal etwas, aber du wirst auch wieder gute Tage haben. Habe ich auch! Such dir so viel Unterstützung wie möglich. Vielleicht bekommst du von deiner Krankenkasse eine Haushaltshilfe bezahlt. Und Struktur ist ganz wichtig... geh unter Leute, mache dir feste Termine mit deinem Kind (Pekip, Krabbelgruppe, Babycafe, Schwimmen, Spazieren usw.) Ich weiss es ist unglaublich anstrengend, aber du wirst das schaffen. Viele hier schreiben sich einen Tagesplan zum abhaken, an dem sie sich entlanghangeln.
Viele liebe Grüße
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Setralin
mittlerweile 150mg und 15mg Mirtazapin.
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Christina.sp
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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Christina.sp » 27:11:2019 8:43

Vielen lieben Dank für eure Antworten! Ich versuche Geduld zu haben und mit einer Tagesstruktur weiter zu machen.

Mel, dein Kind ist ja jetzt schon 2 und Celeste, du schreibst, du hast auch noch ältere Kinder. Wie bekommt ihr den Alltag mit ihnen hin? Könnt ihr alles trotzdem machen, versorgen, spielen etc? Ich würde gern wissen, wie ihr den Tag meistert mit den ganzen Aufgaben, die jeder so hat und den Anforderungen, die unsere Kinder ja auch an uns stellen....da die PPD so viel Platz einnimmt an Gedanken und Gefühlen...

Mel
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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Mel » 27:11:2019 14:40

Ich habe zum Glück die Großeltern im Haus und eine Großtagespflege, in die mein Sohn stundenweise geht, so dass ich vormittags oft Zeit habe meine Therapie und Psychiater- Termine wahrzunehmen und ein bisschen Haushalt zu machen. Aber ich bin auch noch ganz schnell erschöpft. Sobald ich ein paar Stunden in Aktion bin, macht sich ab mittags ein riesiges Erschöpfungsgefühl breit. Wenn ich also mit meinem Sohn eine Verabredung oder einen Termin habe, plane ich für den Rest des Tages nichts großes mehr. Ich sage meinem Sohn z.B. auch gelegentlich, dass ich mich ein bisschen ausruhen muss, weil ich mich einfach müde fühle. Manchmal bekommt er auch mit, dass ich weine, wobei das in letzter Zeit eher seltener ist. Die ersten knapp zwei Jahre habe ich sehr oft geweint, aber seit er anderthalb ist, versuche ich, dass er es nicht immer mitbekommt, wenn es mir schlecht geht. Oft sage ich aber „ich bin gerade traurig“ und das ist ok, denn Kinder lernen ja auch die ganze Bandbreite an Gefühlen kennen und ich finde es falsch, alles vor ihnen zu verbergen. Den Alltag schaffe ich also (bin eigentlich auch für alles zuständig, was meinen Sohn angeht, da mein Mann viel arbeitet und auch beruflich reisen muss), ich muss aber immer aufpassen, dass ich mich nicht übernehme. Ich hatte sogar angefangen wieder ein paar Stunden zu arbeiten, habe aber wieder aufgehört, weil es mich runtergezogen hat und einfach viel zu anstrengend war. Wie es weiter geht weiß ich auch noch nicht.

Lieben Gruß
Mel
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Elisabeth
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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Elisabeth » 27:11:2019 19:28

Hallo, zu Beginn in meiner schlimmsten Phase, könnte ich mich sehr schlecht um mein Kind kümmern. Windeln wechseln, anziehen etc. fand ich alles schrecklich, ich wollte ja auch keine Mama sein. Ich war die ersten Monate auch ganz sicher keine Vorzeigemutter, was mir sehr leid tut und mich sehr belastet. Als die Erkrankung etwas leichter würde, gelang auch der Alltag mit Kind etwas besser. Wobei ich immer noch nicht sehr lange 100% beim Kind sein kann. Was mir hilft ist das Tragen. Ich bind sie mir einfach um und erzähl was ich gerade mache, ausserdem leg ich mich wenn möglich immer zu ihr, wenn sie schläft. Es bleibt halt sehr viel liegen im Haushalt, aber das ist ok.

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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Christina.sp » 27:11:2019 21:22

Ich bin euch so dankbar, für eure ehrlichen Antworten!!! Es hilft so sehr zu lesen, dass die Krankheit auch bei euch so viel kaputt macht...ich denke so oft, dass ich mich nur genügend anstrengen müsste und das ich nur nicht will....

Elisabeth, wer hat sich bei dir denn um dein Kind gekümmert? Bei mir macht das mein Mann und er macht das wirklich toll. Ich habe ihm und me8ner a Tochter gegenüber dann aber immer schlechtes Gewisse;...

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Kikke
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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Kikke » 27:11:2019 21:31

Du bist nicht allein! Mein Mann musste sich Elternzeit nehmen, um sich um unseren Sohn zu kümmern.

Heute, fast zwei Jahre später, hat mich das ganze dran stärker gemacht. Ich mache es nicht mehr allen Recht und bin nicht mehr bereit, alles einfach so hinzunehmen. Das die Krankheit vieles kaputt macht,finde ich sehr hart ausgerückt. Es zeigt einem, was wirklich wichtig ist, zb die Menschen, die für einen da sind
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Elisabeth
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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Elisabeth » 27:11:2019 21:43

Mein Mann hat versucht mich zu unterstützen, hat die Krankheit aber verkannt bzw. war überfordert und er musste auch arbeiten. Ich war viel alleine mit dem Kind, bzw. bin ich das immer noch. Es hat irgendwie funktioniert, aber es war eine ganz schreckliche Zeit. Jetzt ist das auch ganz o.k.

Christina.sp
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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Christina.sp » 01:12:2019 11:36

Hallo Elisabeth,

du hast geschrieben, dass du immer noch nicht 100% beim Kind sein kannst. Wie meinst du das denn?
Danke für deine Antwort, gern auch über PN

Elisabeth
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Re: Vereinbarkeit Kind und Krankheit

Beitrag von Elisabeth » 01:12:2019 17:07

Habs jetzt erst im Forum gesehen. Spielen, vorlesen etc. gelingt mir nur bedingt, oft trifften meine Gedanken ab ( Sorgen, Schuldgefühle, Ängste) und ich kann nicht in der Situation bleiben. Das heisst nuchr dass ich sie irgendwo alleine lasse. Ich lass sie dann alleine weiterspielen, setz mich auf die Couch und schau ihr zu oder setzt sie ins Tuch.
Ich kann einfach nicht lange Zeit 100pro bei ihr bleiben und mich an der gemeinsamen Zeit freuen.

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