Tiefpunkt und Alltag

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Julie
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Julie » 10:02:2020 12:28

Liebe Celeste

Mit ein bisschen Distanz habe auch ich bemerkt, dass es bei mir wohl schon erste Anzeichen in der Schwangerschaft gab. Auch ich hatte mit Dauerübelkeit bis zum Tag der Geburt zu kämpfen. Und mit Schlafstörungen - habe bis auf zwei Nächte keine einzige Nacht in der Schwangerschaft durchgeschlafen. Zudem Antriebslosigkeit (wobei gleichzeitig gestresst bei der Arbeit) und beginnende Ängste. Richtig ausgebrochen ist es aber erst nach der Geburt. Ich glaube nicht, dass die Heilung unbedingt länger gehen muss, wenn die Depression bereits in der Schwangerschaft begonnen hat. Aber man kann vielleicht im Nachhinein besser erkennen, was für Auslöser ev. die Depression ausgelöst haben und für die Zukunft was für sich mitnehmen, achtsam sein.

Alles Liebe,

Julie

Celeste
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Celeste » 10:02:2020 12:35

Liebe Kikke, liebe Julie,

danke für eure Antworten. Meine Ärztin meinte mal zu mir:“ Wir müssen aufpassen, dass das nicht zu lange geht, sonst kann sich das manifestieren.“
Dadurch habe ich natürlich Angst, mit der Erkenntnis, dass alles in der Schwangerschaft schon angefangen hat, dass die Erkrankung chronisch wird. Das wäre ja die absolute Hölle.

Bzgl. d. Mönchspfeffers: Ich nehme Agnuscaston nun seit knapp 1 Monat. Noch viel zu kurz um eine Besserung zu spüren. Auch was die Mens. betrifft - sm 1. bekommen bis zu 6. Und dann am 8. wieder bekommen. Hält bis heute an. Hoffentlich nicht wieder 3 Wochen.
Greifen sollte, laut Ärztin, Agnuscaston nach ca. 3 Zyklen. Ich bin gespannt.
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
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Celeste
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Celeste » 11:02:2020 16:57

Hallo alle zusammen,

ich wollte euch von meinem Termin beim Therapeuten berichten.
Als ich die Praxis betrat, war ich sehr skeptisch. Es sah eben aus wie eine Arztpraxis - hell, steril, ungemütlich.
Doch als der Therapeut mich aufrief, begrüßte mich ein sehr freundlicher Mann um die 40 mit Barfuß-Schuhen. ,Yeah, i like‘ war mein erster Gedanke. Also .. die Barfuß-Schuhe :lol:
Er fragte mich, was mich zu ihm führt und ich erzählte ihm meine Geschichte. Soweit alles prima. Er erklärte mir auch paar neue Dinge über die Angst, die ich, obwohl ich schon echt viel über dieses Thema gelesen habe, noch nicht wusste und damit in Zusammenhang gebracht habe.
Alles in einem: Das Gespräch verlief super.
Jetzt das große ,ABER‘: Für den Start einer Einzeltherapie müsste ich 6 Monate Wartezeit in Kauf nehmen und da wären die Termine nur am Vormittag. Och nööööö. Irgendwo musste der Haken ja sein. Meine kleine Maus möchte ich nicht in die Therapiestunde mitnehmen. Mit 6 Monaten bleibt sie keine Stunde sitzen und schaut zu was passiert.
Alternativ gibt es aber am Nachmittag eine Gruppentherapie.
Hmmm, eigentlich nicht das, was ich wollte. Es wäre eine Gruppe von 4-7 Leuten die sich eben gegenseitig erzählen, was so los ist in ihrem Leben.
Ich habe gesagt, dass ich mir das anschauen werde. Irgendwas will und muss ich ja machen. Abspringen kann ich immer noch.
Doch vorher finden noch ein paar Einzelgespräche statt. Immerhin. Der nächste leider erst mitte April. Das alles immer so lange dauert!
Hat jemand von euch die Therapie auch in Form einer Gruppentherapie gemacht? Wenn ja, wie ist eure Erfahrung damit? Ich kann mir das bei einer PPD nicht so wirklich hilfreich vorstellen.

Nun ja, soviel zu meinem Termin heute. In einem anderen Beitrag, erzähle ich euch darüber, was er mir über die Angst erklärt hat.
Liebste Grüße
Eure Celeste
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Kikke
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Kikke » 11:02:2020 18:21

Ich habe eine Gruppentherapie in der Klinik gehabt. Mir hat sie viel gebracht. Man hat gemerkt, dass es den anderen genauso geht.
Allerdings finde ich eine Einzeltherapie auch sehr sinnvoll. Gibt es vlt jemanden, der die helfen kann? Derjenige kann ja vlt auch mitfahren und eine Runde um den Block gehen.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

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Celeste
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Celeste » 11:02:2020 18:26

Hallo liebe Kikke,
einige Male könnte ich schon organisieren, dass jemand solange mit der kleine Maus spazieren geht. Aber wöchentlich wird leider schwierig.
Ach menno, so schade.

Was hat man in der Gruppentherapie so gemacht? Ich stelle mir das ziemlich anstrengend vor sich alle Geschichten anzuhören und einem selbst geht es selbst schlecht.
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Kikke » 11:02:2020 18:35

ein paarmal ist vielleicht besser als gar kein mal. Und vielleicht ergibt sich dann eine dauerhaft Organisation. Ich würde es auf jeden Fall versuchen und dran bleiben.

Ja so eine Therapie ist sehr anstrengend mit anderen. Aber es bringt einen auch weiter. Man muss lernen, die Gedanken der anderen nicht auf sich zu beziehen. Manche sind eher still, manche erzählen viel. Ich konnte mir immer positive Dinge daraus ziehen.
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Kikke » 11:02:2020 19:11

ein paarmal ist vielleicht besser als gar kein mal. Und vielleicht ergibt sich dann eine dauerhaft Organisation. Ich würde es auf jeden Fall versuchen und dran bleiben.

Ja so eine Therapie ist sehr anstrengend mit anderen. Aber es bringt einen auch weiter. Man muss lernen, die Gedanken der anderen nicht auf sich zu beziehen. Manche sind eher still, manche erzählen viel. Ich konnte mir immer positive Dinge daraus ziehen.
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von November17 » 11:02:2020 23:09

Liebe Celeste,

bin sehr gespannt auf deinen Beitrag zur Angst!!!

In der Tagesklinik gab es auch eine Gruppentherapie, wenn man es so nennen kann. Dort wurden immer Themen/Fragen besprochen, die einem am Herzen lagen wie bspw. Abschalten im Alltag, berufliche Situationen jeder einzelnen, Umgang mit Familie etc.

Es tat ganz gut zu sehen, dass die meisten von uns sehr ähnliche Charakterzüge hatten, viel im Beruf geleistet haben, Perfektionisten waren.

Die Therapeutin hat sich in diesen Runden eher als Beobachter zurück gehalten, damit wir Frauen Lösungen erarbeiten.

Ein Versuch ist die Gruppe auf jeden Fall wert.

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Marika
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Marika » 12:02:2020 7:40

Wollte kurz zur Gruppentherapie was sagen, auch wenn ich keine gemacht habe: Wir hier machen eigentlich nichts anderes als eine "Gruppentherapie"... :wink: :wink: :wink: Und ich glaube, das hilft uns allen sehr. :wink: :wink: :wink:
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Julie
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Julie » 12:02:2020 14:59

Zur Gruppentherapie: Hatte in der Klinik auch Gruppentherapie mit betroffenen Frauen und - obwohl es mir da soo schlecht ging - tat es trotzdem gut, sich auszutauschen und vor allem verstanden zu werden. Manchmal genügt ein verständnisvoller Blick und ein Nicken. Wir haben oft geweint - und manchmal sogar kurz gelacht. Es war eine Solidarität spürbar, die der Seele guttat.

Und ja, wie Marika sagt: Was wir hier machen ist auch Gruppentherapie! :D (Obwohl mir die heutigen Technologien manchmal zu viel sind, aber zum Glück gibt's das Internet, so können wir uns über all die Distanz trotzdem austauschen...)

Graureiherin
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Graureiherin » 13:02:2020 16:43

Hallo Du,

ich habe vor vielen Jahren Gruppentherapie gemacht. Damals war es eine allgemeine Lebenshilfestellung für schwierige Situationen und auch zur Selbsterkenntnis für mein Leben allgemein. Die Therapie hat zwei Jahre gedauert und es hat mir unheimlich geholfen.

Wenn der Therapeut das zunächst sinnvoll findet für Dich und sei es erstmal nur zur Überbrückung bis ein Einzelplatz frei wird, dann würde ich dazu raten. Im Grunde finde ich für eine PPD eine gezielte Thera aber besser.

Mit lieben Grüßen

die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
langsame Reduzierung auf 5 mg Escitalopram seit Juli 2017
Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Celeste » 16:02:2020 11:02

Ich danke euch von Herzen für eure Antworten.
Noch weiß ich nicht, ob ich die Gruppentherapie ausprobieren werde. Mir fällt es unheimlich schwer Menschen zu vertrauen. Der Gedanke daran, meine Geschichte vor mehreren Leuten zu erzählen und mich ein stückweit verletzlich zu machen, macht mir noch etwas Angst. Ich werde aber die Einzelgespräch im Vorfeld wahrnehmen und es mit dem Therapeuten besprechen.

Leider bin ich immer noch im Modus ,ich will die Krankheit verstehen und deshalb lese ich viel‘.
Ich bin traumatisiert von dieser Krankheit. Als die PPD ausbrach, ging es mir so schlecht, dass ich der Meinung bin, dass dies doch keine ,normale‘ Depression sein kann. Es war ein so derartiger Zusammenbruch - pausenlos geweint, kaum reden können, unerträglicher Seelenschmerz, zittern, nichts essen, kaum trinken, nicht aufstehen können ( nicht vor Müdigkeit, sondern vor Seelenschmerz ), jeder Schritt den ich ging war eine Überforderung, ich hatte Angstzustände, Panikattacken im 5-Minuten-Takt, den Tag nicht meistern können, die Nacht auch nicht. Nichtmal telefonieren konnte ich.

Hat man vielleicht etwas übersehen? Eine andere Krankheit vielleicht? Diesen Zusammenbruch hatte ich nach dem ,Hauptausbruch‘ noch 2x so richtig heftig. Trotz Höchstdosis Citalopram. Was ist, wenn ich nicht richtig behandelt werde? Was ist, wenn es dann dadurch schlimmer wird und doch in einer Psychose endet?
Ich habe einen Artikel gelesen, dass eine Psychose auch durch eine Depression heraus entstehen kann. Es stand auch, dass es vorwiegend sehr ,dünnhäutige‘ Menschen trifft. Super ☹️ 1. Bin ich total dünnhäutig. 2. Haben wir in der Familie jemanden mit Schizophrenie. Bin ja voll dabei in der Auswahl. Das macht mir total Angst.

Was mir auch Sorgen macht, ist dieses Grundgefühl. Auch wenn es mir ,ok‘ geht, ist immer dieses blöde depressive, ängstliche Grundgefühl in mir.
Geht das irgendwann wieder weg? Das wäre ja furchtbar, für immer damit leben zu müssen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine langwierige Sache einfach wieder geht ohne dauerhaften ,Schaden‘ zu hinterlassen.

Wenn ich mich so durch‘s Forum lese, klingt das alles so anders als bei mir. Viele gehen trotzdem in Babykurse oder in die Stadt. Das kann ich in einem Tief z.b überhaupt nicht.

Ach herjee .. in 1 Woche sind es 6 Monate PPD. Gefühlt 100 Jahre.

Ich hoffe auf ein baldiges Sonnenfenster ... das sind immer so schöne Momente.

Genug gejammert für einen Sonntag.
Heute kocht mal meine Mutter für uns. Ich versuche mich darauf zu freuen. ❤️

Euch noch einen wunderschönen Tag
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Kikke » 16:02:2020 12:13

Ich konnte in meinem schlimmen Phasen auch nichts tun. Deshalb habe ich mich sogar in eine Psychiatrie einweisen lassen. Selbst dort war ich kaum in der Lage, mir die Zähne zu putzen.
tu dir selber einen Gefallen und höre auf zu lesen. Du bist jetzt in Behandlung und versuche mit deinem Therapeuten alles zu besprechen und aufzuarbeiten. es wird nicht besser, wenn du dir Artikel durchliest, die gar nicht zu deiner Krankheit passen, sondern sich damit beschäftigen, was passieren könnte.
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Julie » 16:02:2020 17:14

Liebe Celeste

Ich kann viele Punkte soooo gut nachvollziehen und verstehen. Habe die letzten Monate phasenweise auch sehr viel gelesen, inkl. Studien, englische Websites (im englischsprachigen Raum wird viel offener darüber gesprochen), Bücher, Internet, weil ich unbedingt verstehen wollte, was mir passiert. Wahrscheinlich um die Kontrolle über diese total unkontrollierte Krise zu erlangen. Und dabei hatte ich genau dasselbe Problem - ich habe viel Neues gelernt und gemerkt, dass ich damit nicht alleine bin. Gleichzeitig wurden bei mir aber zusätzliche Ängste ausgelöst - z.T. die gleichen wie bei dir, z.B. Angst vor einer Psychose. Oder weil ich Depressionen in der Familie habe etc. Und ich habe mich gefragt (eigentlich auch heute noch), ob ich nicht doch eine körperliche Erkrankung habe und niemand merkt es. Und auch dieses Grundgefühl - schrecklich.

Aber, wie Kikke sagt - es wäre sicher besser aufhören zu lesen. Und darauf zu Vertrauen (auch wenn es so schwer fällt), dass die Therapie und der eingeschlagene Weg richtig sind.

Fühl dich gedrückt!

Celeste
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Celeste » 16:02:2020 18:16

Danke Julie,
man glaubt nicht dran, dass bei einer derart psychischen Belastung, es nicht in etwas schlimmeres ausartet.

Tut mir auch echt leid, dass ich immer wieder mit dieser blöden Psychose komme. Nervt mich selbst. Wie schön es war, als ich mir über sowas gar keine Gedanken gemacht habe.
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