Zum Thema Angst

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Celeste
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Zum Thema Angst

Beitrag von Celeste » 12:02:2020 10:05

Hallo und guten Morgen ihr lieben Menschen,

ich hatte ja angekündigt, euch zu erzählen, was mein Therapeut zum Thema Angst gesagt hat. Ich wollte es nicht unter den anderen Beitrag klatschen, sondern bewusst gesondert teilen, weil es vielleicht für den Einen oder Anderen hilfreich sein könnte. Oder jemand von euch kennt den möglichen Ursprung der Angst und kann nochmal genauer darauf eingehen.

Und zwar stellte sich der Therapeut vor mich. Erstmal mit Abstand und fragte mich, wie ich mich fühle. Ich sagte, dass ich nichts fühle und einfach wahrnehme, dass jemand vor mir steht. Dann ging er einen Schritt auf mich zu und fragte, wie ich mich denn jetzt fühle. ,,Immer noch nichts“, antwortete ich. Nun stellte er sich sehr nah mir gegenüber. Ein paar Zentimeter von meinem Gesicht entfernt. ,,Jetzt wirkt es bedrohlich“, sagte ich ihm. Der Therapeut ging wieder zurück und setzte sich. ,,Das ist der Punkt Fr. G., wie oft hat jemand schon diese Grenze überschritten? Von Ihnen UNGEWOLLT überschritten?“ fragte er mich. Erstmal konnte ich keine Antwort geben. Er erklärte mir, dass dieses ,Grenzen überschreiten‘ natürlich nicht immer auf körperlicher Ebene passiert, sondern in allen Ebenen bezogen auf das Leben.
Menschen, die eine Angststörung entwickeln, haben oft die eigenen Grenzen nicht erkannt, oder ignoriert. Haben sie selbst überschritten oder andere Menschen überschreiten lassen und somit ihr Schutzschild abgelegt. Wenn dies immer und immer wieder passiert, entwickelt das Unterbewusstsein Angst und sucht sich sogenannte ,Schlupflöcher‘ um in bestimmten Situationen oder Lebensphasen auszubrechen. Die Lebensphase oder Situation ist natürlich bei jedem unterschiedlich.

Meistens sind eben genau die Leute betroffen, die Schwierigkeiten haben ,nein‘ zu sagen und versuchen es allen recht zu machen. Für mich klang das sehr logisch und hatte den Zusammenhang vorher nicht erkannt.
In der Tat trifft das bei mir nämlich zu 100% zu - oft wurden meine Grenzen überschritten, von mir selbst und von anderen.

Er verglich es dann mit einem Marsch durch ein Schlachtfeld: Überquert man dieses Schlachtfeld nackt und mit verbundenen Augen, überlebt man wahrscheinlich nicht. Überquert man es mit Panzer, Schutzschild und Helm, passiert einem wahrscheinlich nichts. Es gilt für uns so einen Panzer, Schutzschild und Helm zu ,erarbeiten‘.

Auch erklärte er mir, wie sich die Persönlichkeit in der Kindheit manifestiert. Wusstet ihr, dass man als Kind nur 5% dadurch lernt, was Eltern einem sagen? Mehr als 80% lernt man durch das nachahmen der Eltern. Und wenn die eigene Persönlichkeit eigentlich eine andere ist, aber eben den Eltern unbewusst nachahmt, gerät man in Konflikte mit sich selbst.

Es war wirklich sehr interessant und konnte vieles an mir selbst erkennen.

Vielleicht will jemand von euch etwas ergänzen 🙂

Liebste Grüße an euch
Celeste
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg und 2,5mg Olanzapin, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

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Kikke
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Re: Zum Thema Angst

Beitrag von Kikke » 12:02:2020 10:12

Da erkenne ich mich auch wieder. Ich baue gerade mein Schutzschild auf: in Bezug auf mein Kind, meine Familie, meine Freund. Ganz akut gerade aber in Bezug auf meine Arbeit. Hier musste ich einige unangenehme Gespräche führen, weil ich mich versetzen lasse. es ist anstrengend, sich diese schutzschild aufzubauen. Aber ich sage euch etwas: es tut unglaublich gut, wenn man es geschafft hat.

das was du von deinem Therapeuten erzählst, klingt richtig gut. Ich würde auf jeden Fall versuchen, bei ihm zu bleiben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er dir helfen kann.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Julie
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Re: Zum Thema Angst

Beitrag von Julie » 12:02:2020 14:53

Wow, das ist eine wirklich gute, nachvollziehbare Erklärung für den Ursprung der Angst bzw. der Entstehung einer Krise. Vielen Dank fürs Teilen!

Kann auch bestätigen, dass bei mir Grenzüberschreitungen - durch mich und durch andere - in den letzten Jahren wohl zu dieser Krise/PPD geführt haben. Meine Psychiaterin hat mir das auch so erklärt. Allerdings nicht so gut und bildhaft wie dein Therapeut :-).

Mel
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Re: Zum Thema Angst

Beitrag von Mel » 13:02:2020 14:55

Liebe Celeste,
Danke, dass du uns so ausführlich darüber berichtest- ich passe da wohl genau ins Schema ;-)
Der Therapeut klingt wirklich gut!
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Setralin
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen

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