Irgendwann gesund?

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Mel
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Irgendwann gesund?

Beitrag von Mel » 29:06:2020 16:37

Hallo ihr Lieben,
erstmal muss ich etwas positives vermelden: Es geht mir öfters ganz gut, ich habe diesen Monat sogar ein bisschen Geburtstag gefeiert- im Garten natürlich. Meine Therapeutin sieht klare Fortschritte im Gesundwerden. Mein Sohn hatte vor zwei Wochen seinen ersten Kita- Tag und bleibt seit letzter Woche schon alleine vier Stunden dort. Zum Kindergarten muss ich quer durch die Stadt fahren und ich schaffe es täglich, über die Autobahn dorthin zu fahren. Ich bin oft voller Energie, schaffe den Haushalt, verbringe viel Zeit draußen, diskutiere und scherze mit meinem Sohn. Aber dazwischen gibt es auch immer mal wieder schlechte Tage und ich habe das Gefühl mich immer wieder an den gleichen Dingen (auch in der Therapie) abzuarbeiten:
- Abgrenzung (ich bin nicht für das Glück oder Unglück anderer (naher Angehöriger ) verantwortlich und darf nein sagen (auch ohne Begründung).
Das lerne ich irgendwie auch nicht, habe ich das Gefühl...
- Der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt hat mich ja extrem zurückgeworfen und daher habe ich Angst vorm Arbeiten. Ein Teil von mir will auch nicht, da ich das Gefühl habe, genug zu tun zu haben. Auch die Art der Arbeitsstelle ist noch nicht klar... Berentung??? Wie kann ich da eine Entscheidung treffen?
- Meine Therapie dreht sich immer und immer wieder um die o.g. Themen. Auch die VT davor. Mir geht es nach der Therapie auch oft schlecht, weil gerde diese Baustellen mir extreme Energie rauben.
Jetzt frage ich mich: Kann es sein, dass ich nicht gesund werde, weil ein Teil von mir nicht bereit ist, diese Baustellen abzuschließen? Die Zukunft ist immer noch ein großes Fragezeichen. Das belastet mich. Ich würde mich über ein paar Aufmunternde Worte freuen. Kann man so gesund werden?
Mel
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(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Setralin
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
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Celeste
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Re: Irgendwann gesund?

Beitrag von Celeste » 29:06:2020 19:31

Hallo du liebe,
es ist wirklich schön zu lesen, dass es wirklich bergauf geht und du die Tage genießen kannst! Das ist ein sehr großer Schritt nach vorne.

Ich wollte dann noch etwas zum ,arbeiten gehen‘ sagen.
Setz dich mit der Arbeit nicht unter Druck. Es kann doch tatsächlich sein, dass du einfach im Moment noch nicht bereit dafür bist. Oder du einfach nicht mehr in den alten Beruf möchtest. Und wenn du doch irgendwas tun willst, dann könntest du doch mit 1x die Woche anfangen.

Stress dich nicht so sehr. ❤️
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt

Mel
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Re: Irgendwann gesund?

Beitrag von Mel » 30:06:2020 22:07

Danke, liebe Celeste,
ach ich weiß auch nicht, es ist wohl wieder ein Tief. Ich habe einfach das Gefühl, ich komme nicht so richtig voran. Ich komme der Sache nicht auf den Grund. Ich stecke jetzt im vierten Jahr und ich sehe auch die Fortschritte, aber es macht mich so wütend, dass mir immer wieder die selben Sachen um die Ohren fliegen.
Ich glaube einfach manchmal, dass ich nie gesund werde, weil ich einfach irgendeine Art von Einschränkung habe, die einfach noch niemand erkannt hat- eine Persönlichkeitsstörung, eine Form von Autismus oder sonst irgendwas (ich habe manchmal so ein Chaos im Kopf, mache zig Dinge gleichzeitig und bin so schusselig, dass ich für jedes Teil im Haushalt einen festgelegten Platz brauche). Naja, ich lebe mit zwei Jungs und der Große von beiden ist im Kopf super strukturiert und kann gut Prioritäten setzen aber hinterlässt gerne Unordnung... was dazu führt, dass ich mich total schlecht zurechtfinde. Wenn ich dann etwas nicht finde, gerate ich manchmal total aus der Fassung. Ich mag halt gerne Kontrolle haben ;-).
Es ist heute so, dass die Grübelschleife wieder arbeitet, ich gereizt, aggressiv und weinerlich bin, die suizidgedanken melden sich auch manchmal zu Wort, allerdings nehme ich sie nicht so ernst wie noch vor ein paar Monaten, meine Wahrnehmung heute war wieder ein wenig düster...
Jedenfalls zweifle ich daran, gesund zu werden.
Mel
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Nelli
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Re: Irgendwann gesund?

Beitrag von Nelli » 01:07:2020 0:01

Liebe Mel,

weder glaube ich, dass du eine Persönlichkeitsstörung hast noch, dass du nicht gesund wirst.
Was du schreibst, hört sich zunächst ja sehr gut an: die Ads helfen.
Nun ist es so, dass du erstmal stabil eingestellt sein musst um die Kraft zu bekommen,
an deinen Baustellen zu arbeiten. Und da du nicht nur eins, sondern zwei Kinder hast, braucht das seine Zeit, denn du musst viel leisten, TAG FÜR TAG.
Andererseits geht es nicht darum, nicht mehr so und so zu handeln, dies und jenes nicht mehr zu tun. Denn dein Verhalten basiert ja zunächst
einmal auf sehr schönen Werten: sich verantwortlich fühlen etcetera. Du sorgst dich zu wenig um dich, aber das ist auch schwer, wird einem auch schwer gemacht, gerade als Mutter. Ich reagiere immer mit Schuldgefühlen, wenn ich mal Verantwortung abgebe, Grenzen ziehe... wichtig ist, es dann zu wissen: das Schuldgefühl ansich ist ja charmant, aber Blödsinn. Ich bin eine gute Mutter, obwohl (oder gerade) meine Tochter wie oft bei Oma und Opa ist. Das Schuldgefühl gehört zu mir, es basiert auf schönen Werten, aber gleihzeitig zeugt es von meinem niedrigen Selbstbewusstsein, kurzum: Ich vertraue mir zu wenig. Und das könnte bei dir auch der Punkt sein: dass du deinen Ressourcen und Werten und Gefühlen nicht genug vertrauen kannst. Wie du siehst, habe ich keine richtige Antwort, ich meine nur, dass es nicht um Defizite, schlechte Verhaltensmuster gehen sollte, sondern um das Gegenteil. Um das, was du bist, nicht um das, was du sein sollst.

Nelli

Mel
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Re: Irgendwann gesund?

Beitrag von Mel » 01:07:2020 9:19

Liebe Nelli,
auch dir vielen lieben Dank!!
Ich habe das missverständlich ausgedrückt. Mit dem Großen meine ich meinen Mann 😂
Ich habe nur ein Kind.
Ja, ihr Lieben, rein kognitiv ist mir das klar, aber das Gefühl ist halt anders und in der Therapie wiederholt sich eine Besonderheit, die mir in der VT auch schon aufgefallen ist: Dass ich nicht so gut in Beziehung gehen kann, dass sich die Therapie immer wieder um die gleichen Baustellen dreht. Gerade deswegen hat mir meine Th. vorgeschlagen, zwei Therapie- Einheiten pro Wochen auszuprobieren. Ich merke aber, dass die Therapie mich massiv anstrengt, daher habe ich zunächst abgelehnt.
Nun ist es so, dass eine zweite Stunde verfügbar wäre... meine Therapeutin hat aber den Eindruck, dass ich das eigentlich nicht will. Mein Sohn ist gerade frisch in die Kita eingewöhnt und ich finde es halt doof, ihn zwei Nachmittage nach dem Abholen von der Kita direkt bei Oma und Opa zu lassen, zumal beide gesundheitlich angeschlagen sind und auch nicht immer Zeit haben. Gleichzeitig ist es auch so, dass sie immer mal wieder Dinge tun, die wir so nicht wollen (zum Beispiel, unser Kind um 16.30Uhr schlafen zu lassen :? )
Vormittags-Termine bei meiner Therapeutin gibt es momentan nicht.
Ich weiß, es gibt keine klaren Antworten. Ich bin einfach gefrustet, dass es so schwierig und kleinschrittig ist, gesund zu werden!
Gestern Abend habe ich bitterlich geweint, weil ich einen Steckbrief für den Kindergarten fertig machen musste und einen schwarzen Gelschreiber, den ich mir gerade erst gekauft habe, und den ich dafür verwenden wollte, nicht gefunden habe. Das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der ganze Nachmittag war schon irgendwie schwierig. Ich kann z.B. total schlecht akzeptieren, wenn Dinge einfach verschwinden (was ja mit Kindern häufiger vorkommt).
Dieses schnelle in Tränen ausbrechen oder sich-Aufregen nennt man Affektlabilität. Die habe ich leider seit der PPD viel stärker als vorher.
Tut mir leid für den Roman, und, dass es ein wenig unsortiert ist!
Mel
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Kikke
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Re: Irgendwann gesund?

Beitrag von Kikke » 01:07:2020 12:39

Hallo meine Liebe,

erstmal vorweg: ein Kind schlafen lassen, wenn die Eltern es nicht wollen, geht gar nicht. Das finde ich total furchtbar. Wir haben dieses Thema manchmal mit Süßigkeiten. Wer hat dann den Durchfall? Genau ich. Und ihr habt das Nichtschlafen abends. Nicht die Großeltern. Daher kann ich gut verstehen, dass du den zweiten Termin nicht annehmen willst. Auch wenn dein Kind gerade im Kindergarten ist, möchte man ja alles so machen, dass es gut zurechtkommt.


Wäre es eine Option, sich auf eine Art Liste setzen zu lassen, falls morgens mal ein Termin frei wird? Dann würdest du den zweiten Termin nicht voll ablehnen, aber auf eine bessere Organisationsmöglichkeit warten.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

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Mel
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Re: Irgendwann gesund?

Beitrag von Mel » 02:07:2020 9:29

Danke liebe Kikke für deinen Zuspruch! Mein Mann und ich haben uns auch aufgeregt. Wir sind in der Übergangsphase, was den Mittagsschlaf betrifft. Die Müdigkeit hat sich nach hinten verschoben, und er schläft jetzt oft am Nachmittag im Auto ein (falls wir unterwegs sind), aber dann auch eben nur für zehn Minuten. Das hat dann keinen Effekt aufs Einschlafen am Abend. Aber wenn mein Kind um 16Uhr eine Std in Omas Armen schläft, dann wirkt es sich aus und wir turnen bis zehn Uhr herum.
Naja, das Thema hatten wir schön öfter (ebenso Süßigkeiten und Konsequenz), aber wir müssen das immer wieder diskutieren.
Das ist aber nicht mein eigentliches Problem... Es ist eher die Frage, ob dieser depressive Zustand irgendwann vorüber ist, und ob Therapie mir überhaupt hilft oder ob ich tatsächlich ein hoffnungsloser Fall bin, da sich ja vieles so stark chronifiziert hat.
Wie viele Jahre soll das denn noch so gehen?
Ich weiß nicht, wo ich den Frust sonst loswerden kann, als hier.
Meint ihr ich habe eine Chance, dass es irgendwann mal wird?
Es grüßt euch
Mel
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Re: Irgendwann gesund?

Beitrag von Mel » 02:07:2020 9:30

Ja, das mit dem Vormittagstermin wäre eine Option.
Meine Therapeutin weiß auch, dass ich es vormittags besser hinbekomme.
Mel
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Marika
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Re: Irgendwann gesund?

Beitrag von Marika » 03:07:2020 6:25

Liebe Mel,

ich denke, dass du eigentlich erst ab September 2019 endlich mit dem richtigen AD behandelt wirst! Daher rechne ich bei dir auch immer ab diesem Zeitpunkt, nicht ab 2017. Mit Mirtazapin alleine warst du meiner Meinung nach nicht passend eingestellt. Du siehst - es ist somit noch nicht mal ein ganzes Jahr. Und bis ich damals die Therapie beenden konnte, waren 2,5 Jahre ins Land gezogen.

Ich bin überzeugt, dass du gesund werden wirst, es dauert einfach noch. Und das ist für mich logisch. Aber ich verstehe natürlich auch, dass du ungeduldig wirst ... wer kennt das nicht von uns hier. Durchhalten - du schaffst das!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Mel
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Re: Irgendwann gesund?

Beitrag von Mel » 03:07:2020 11:49

Liebe Marika, da hast du natürlich vollkommen Recht.
Trotzdem ist es gelegentlich so schwer, immer noch Geduld zu haben.
Vielen vielen Dank euch!
Ich habe meine Tage bekommen- war ja irgendwie klar :wink:
Ich wünsche euch herzlichst ein schönes Wochenende.
Mel
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